
Sie lebten vom Meer
Beschreibung
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Der Autor blickt zurück in jene Zeit, als noch überall an den Küsten unzählige Fischer mit ihren Segelbooten hinausfuhren und aus dem Reichtum des Meeres schöpften. Er schildert ihr damaliges Leben und beleuchtet die Ursachen, die zum allmählichen Niedergang des Berufsstandes führten und lässt dazu mehrere Fischer zu Wort kommen.
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Inhalt
Wie und was sie fischten
Die Fischerei in den beiden Haffen unterschied sich in mehrfacher Hinsicht. So lagen an den Ufern des Frischen Haffs viele größere Orte wie Pillau, Fischhausen, Königsberg, Braunsberg, Frauenburg, Tolkmit und Elbing, in denen fast der gesamte Fang dieser Lagune abgesetzt werden konnte. Die Fischer vom Frischen Haff waren darauf bedacht, Fische möglichst schonend zu fangen, weil die Bewohner der umliegenden Städte und Dörfer, frische Ware verlangten. Sie nutzten daher überwiegend Stellnetze, Reusen und Wurfnetze.
Die Fischer des Kurischen Haffs legten nicht so viel Wert auf den Lebendfang. In den wenigen kleinen Dörfern an ihrem Haff konnten sie nur einen kleinen Teil ihrer Fänge absetzen und mussten die meisten Fische an polnische und russische Händler verkaufen, die sie eingesalzen weiter ins Landesinnere lieferten. Die jüdische Bevölkerung, die eine wichtige Käufergruppe darstellte, kaufte nur mit Schuppen versehene Fische, also keine Aale und Quappen. Entsprechend den Absatzmöglichkeiten wurde der Fischfang in den Haffen verschieden ausgerichtet und machte auch den Einsatz unterschiedlicher Fahrzeuge und Fangvorrichtungen erforderlich.
Im Kurischen Haff dominierten Schleppnetze ? Keitel und Kurren ?, die von treibenden Segelbooten über den Gewässergrund gezogen wurden. Die gefangenen Fische waren überwiegend tot oder nicht mehr besonders lebensfähig. Auch waren die im Kurischen Haff verwendeten Netze und Reusen größer als diejenigen im Frischen Haff. Selbst die Fischvorkommen unterschieden sich in den beiden Gewässern. Lachse kamen im Frischen Haff nur vereinzelt vor, während ihr Fang im Kurischen Haff oft bedeutend war. Auch Neunaugen erschienen im Frischen Haff selten, dagegen wurden im Kurischen Haff in der Nähe der Mündung zur Ostsee stets viele gefangen. Für den Fang von Aalen benutzten die Fischer neben Reusen vor allem Aalkästen * .
Die wichtigsten Fischarten, die in den Haffen und vor den Nehrungen gefangen wurden, waren Heringe, Lachse, Aale, Plattfische, Barsche, Brassen und Quappen. Auch große Stintschwärme und zahlreiche Störe wanderten zu bestimmten Zeiten in die Lagunen. Der Störfang hatte hier bereits im 15. Jahrhundert große Bedeutung. Die Herrschaft von Königsberg schätzte den Fisch und beklagte sich, wenn Lieferungen ausblieben oder geringer wurden. Sie besaß zusammen mit den Spitälern das Vorkaufsrecht für alle Fischarten. Erst danach durften sie Landmänner, Schiffer und Fuhrleute kaufen, und zwar in dieser Rangfolge. Die Obrigkeit machte genaue Vorgaben zur Lieferung von Hechten, Brassen und Quappen sowie über deren Anzahl und Größe. Sie wünschten absolut frische Ware. Den Transport vom Fischerdorf nach Königsberg sollte extra eine Person begleiten, die die Fische kühlte und wässerte, damit sie möglichst lebendig ihren Bestimmungsort erreichten.
Im 17. Jahrhundert wurde der Störfang in den Haffen häufig von fremden Pächtern betrieben. Mehrere kamen sogar aus England. Die Orte Memel, Pillau und Danzig waren damals bedeutende Umschlagplätze für diesen Fisch. Insbesondere in der am Frischen Haff gelegenen Stadt Pillau wurden zeitweise jährlich mehrere Tausend Tonnen verarbeitet und von dort mariniertes Störfleisch und Kaviar nach Frankreich, England, Russland und Litauen verschickt. Ein gekrönter Stör im Wappen von Pillau weist auf die einstige wirtschaftliche Bedeutung dieses Fisches für die Stadt hin.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren die Störbestände auf Grund der intensiven Befischung stark zurückgegangen. Manche Fischer unterliefen die Fangbeschränkungen, verringerten die Maschengröße ihrer Netze und lieferten ganze Wagenladungen untermaßiger kleiner Störe nach Danzig.
Ein gekrönter Stör über Wasserwellen dominiert das Wappen der kleinen Hafenstadt Pillau auf der Frischen Nehrung.
Regelmäßig erschienen in den Haffen auch große Schwärme von Stinten und Kaulbarschen. Allein vom Fang dieser Schwärme lebten die meisten Bewohner des Kurischen Haffs. Auch die Stintschwärme zeigten zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine deutlich abnehmende Tendenz, so dass die Fischereiaufsicht deren Fang beschränkte. 1842 erschienen diese kleinen Fische wieder in so großer Zahl im Kurischen Haff, dass sie das Ufer der Nehrung zwischen den Fischerdörfern Rinderort und Rossitten in einer Breite von 1 ½ Meilen bedeckten. Abermillionen Stinte verendeten und bildeten eine stinkende Masse, die das Gewässer belastete und deren Flora und Fauna gefährdete. Derartige Stintansammlungen sollen früher in beiden Haffen häufiger vorgekommen sein. Es wurde vermutet, dass die toten Fischmassen in den 1920er und -30er Jahren eine mysteriöse Krankheit auslösten, die die Anwohner der Haffe befiel. Nach dem Verzehr von Fischen, insbesondere Aalen, breitete sie sich epidemieartig aus. Nach mehreren Untersuchungen deutete vieles darauf hin, dass Abwassereinleitungen der Stadt Königsberg die Ursache für den Ausbruch waren. Fische hatten offenbar die darin enthaltenen
Schadstoffe aufgenommen. Durch den Fischverzehr gelangten sie in den menschlichen Organismus und konnten eine schwerwiegende Erkrankung auslösen, die als Königsberger Haffkrankheit in die Medizingeschichte einging.
Netze und Boote
Ihre Netze knüpften die Fischer in langwieriger Heimarbeit, oft unterstützt von ihren Frauen, bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert noch ausschließlich selbst. Sie verwendeten dazu Hanf-, Flachs- oder Baumwollgarne.
Das mühevolle Knüpfen und Ausbessern der Netze war eine stets wiederkehrende Arbeit. Ein Fensterplatz war dafür ideal. Szene aus dem Fischerdorf Nidden am Kurischen Haff, undatiert
Für die Netzpflege war der Einsatz der ganzen Familie erforderlich.
Als industriell gefertige Netze aufkamen und sich unter den Fischern deren ausgezeichnete Qualiltät herumsprach, kauften immer mehr von ihnen das neue Erzeugnis. Der bedeutendste Produzent war die 1873 im schleswig-holsteinischen Itzehoe gegründete Mechanische Netzfabrik und Weberei Actiengesellschaft. Das Unternehmen vertrieb seine Fischernetze in ganz Europa.
Die Fischer verwendeten verschiedene Kähne, die sie selbst bauten. Sie wurden nach der charakteristischen Art ihrer Netze benannt. Der Braddenkahn war mit knapp zehn Metern Länge der kleinste Bootstyp und mit einem einwandigen Zugnetz bestückt. Auf dem Kurrenkahn kam ein bis zu 300 Meter langes dreiwandiges Netz zum Einsatz, das von zwei Segelkähnen vor dem Wind geschleppt wurde.
Sowohl das abgebildete Braddennetz als auch das Kurrennetz wurde von zwei Kähnen geschleppt.
Mit unzähligen Segelkähnen wurde gleichzeit auf dem Kurischen Haff gefischt.
Der Keitelkahn war der größte Bootstyp und besonders robust gebaut, da er mit seiner riesigen Segelfläche enorme Zugkraft entwickelte und erheblichem Winddruck widerstehen musste. Das Keitelnetz gilt als ältestes Schleppnetz, denn es war bereits seit 1302 im Frischen Haff in Gebrauch.
1881 fischten 530 Kurren- und Keitelkähne mit über 1.000 Mann Besatzung nachts auf der Kurischen Nehrung. Die Fischer wurden von Aufsehern überwacht, deren Segelboote zusätzlich mit Dampfantrieb ausgestattet waren. Sie hatten es genauso ungemütlich wie die Fischer, denn auf den offenen Booten gab es keine Möglichkeit, sich in den langen und oft kalten Nächten eine warme Speise oder ein Getränk zuzubereiten.
Alle Haffkähne besaßen nur geringen Tiefgang, kaum mehr als 40 Zentimeter. Gefischt wurde hauptsächlich in der Nacht, da dies bessere Fänge als am Tag versprach. Außerdem öffneten die Märkte in den Städten frühmorgens, so dass die leicht verderblichen Fische dort so früh wie möglich angeliefert werden mussten.
Fischanlieferung im Memeler Fischereihafen, 1930er Jahre
Die Fischerfrauen waren für den Verkauf zuständig. In der Stadt Memel lag einer der Hauptabsatzmärkte für die Fischer des Kurischen Haffs und seiner Nehrung. Mit ihren Kähnen brachten sie ihren Fang direkt dorthin. In einer langen Reihe saßen ihre Frauen auf dem großen Marktplatz, umgeben von Kisten voller Fische, und priesen ihre Ware an.
Auf dem Memeler Fischmarkt
Der Memelerin Ursula Schimkus verdanken wir die lebendige Beschreibung des dortigen Marktgeschehens, das sie Ende 1920, Anfang 1930 als Kind erlebte: 4
Was die Versorgung mit Lebensmitteln anbetraf, bildete der Wochenmarkt in den Jahren meiner Kindheit unsere Haupteinkaufsquelle. Supermärkte gab es nicht, "Kolonialwaren", wie man Zucker, Kaffee, Tee, Rosinen u. a. nannte, kauften wir im kleinen Laden an der Ecke; für Mehl und Nährmittel gab es die Verkaufsstelle der Jahn´schen Mühle, der Bäcker verkaufte wirklich nur Backwaren und in den Molkereiläden holten wir die Milch. Darüber hinaus fuhren Milchwagen einiger großer Güter täglich durch die Straßen und verkauften sozusagen...
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