
Shriivan
Beschreibung
In diesem ersten Teil einer achtteiligen Reihe, fliehen Tami, Loran und Oraion (die dem Volk der Rorjek angehören) vor einem brutalen Clan-anführer um endlich frei zu sein.
Als sie sich den Menschen annähern, fangen sie langsam an zu begreifen, in was für einer gefährlichen Welt sie tatsächlich leben.
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Inhalt
Norikay
5. Epoche, Ark 229
Der schwarz-orangefarben Seidenschmetterling flatterte aufgeregt zwischen ihren kleinen Händen, im hoffnungslosen Versuch zu entfliehen. Angenehm kitzelten seine feinen Flügel auf ihrer Haut und entlockten ihr ein helles Lachen. Mit ihren kurzen Beinen rannte sie durch den Garten der Kaiserin. Sie wollte ihren Jagderfolg ihrem Alba präsentieren, dem zukünftigen Herrscher über das Wüstenreich Torshan.
Sicherlich würde ihn dieser Fang stolz machen, denn auch er war ein erfolgreicher Jäger. Regelmäßig ritt er mit seiner Gefolgschaft in die Wüste hinaus auf die Jagd. Und meistens kehrte er erfolgreich mit einer erlegten Gazelle oder hin und wieder mit Zebras oder einem Wasserbüffel zurück, woraufhin meist ein Fest gefeiert und das Tier als Mahl serviert wurde.
Der Schmetterling würde nicht als Mahlzeit reichen, trotzdem erfüllte es das kleine Mädchen mit Stolz, dass sie ihn ganz ohne Hilfe einfangen konnte. Sie hastete den Kiesweg entlang, schlüpfte durch den offenen Eingang hinein in den kühlen Schatten des Palastes. Der Wind zog durch den Gang und erfasste ihr langes goldbraunes Haar und das helle Sommerkleid, das um ihre Beine spielte. Die schnellen Schritte hallten an den verputzten Wänden wider und begleiteten sie durch den Sitz der Herrscherfamilie. In diesem Bereich, ihre Maa nannte ihn den inneren Kern, gab es kaum Menschen. Lediglich die Bediensteten und Wachen kreuzten hier und dort ihren Weg. Aber Edelleuten war es nicht erlaubt, in diese Bereiche zu kommen. Sie waren allein für den Kaiser und seine Familie gedacht. Für sie. Kurz hielt das Kind inne, nach wie vor die Hände zu einer hohlen Kugel geformt, in welcher der Schmetterling verzweifelt flatterte. Aus einer hohen Bogenarkade hinaus konnte sie auf die höchsten Türme des Palastes sehen. Dort oben lebte ihr Ur'alba. Ein strenger, strikter Mann, der das Zepter über das Reich in seinem eisernen Griff hielt. Sie kannte ihn kaum; war, wenn sie ihn sah, höflich und still, wie sie es gelehrt bekam. Denn im Angesicht von Herrschern war es Kindern nicht erlaubt zu sprechen.
Eines Tages würde es ihren Kindern und Enkelkindern auch nicht erlaubt sein, in ihrer Anwesenheit Unfug anzustellen. Nicht in offiziellen Räumen. Nur in den privaten Gemächern der Familie wurden die Regeln gelockert. Ein zartes Lächeln umspielte ihre Lippen. Wenn sie erst einmal Kaiserin sein würde .
Ihre Gedanken schweiften ab. Sie stellte sich dies alles so aufregend vor. Alle mussten einem Kaiser Respekt zollen. Jeder sprach ihn mit Mi Raniar an. Man war den Göttern so nahe wie kein anderer Mensch. Außer einem einzigen. Dem Herren der sieben Insignien. Doch was dies genau für ein Mann war, vergaß sie schon wieder. Ihr Professor würde sie dafür ausschimpfen, doch wie sollte sie sich nur all die Namen und Ränge merken? Sie waren viel zu unwichtig. Schmetterlinge waren spannend. Flatterten wie Herbstblätter durch den Garten der Kaiserin, landeten wie Federn auf Blumen und nippten deren Saft.
Sie hob ihre Hände an ihr Auge und blickte zwischen ihren Fingern hindurch. Der Schmetterling in seinem Gefängnis saß auf ihrer Handinnenfläche, die Flügel ruhig. Offensichtlich war er erschöpft. Erneut hüpfte das Kind los, bog durch die Gänge ab und fand sich schließlich vor den privaten Gemächern ihrer Eltern wieder, vor deren Tür mehrere Wachen standen.
»Prinzessin«, grüßte ein besonders großer Mann und machte sich die Mühe, vor ihr niederzuknien. Seine Rüstung schepperte dabei. »Falls ihr zu Eurem Alba gehen möchtet, er ist im Moment beschäftigt. Geht doch hinüber zu den Gemächern eurer Maa. Sie wird sich sicher über Euren Besuch freuen.« Das Mädchen seufzte und sah in die wässrigen Augen des Mannes. Das Lachen von zuvor verschwand aus ihrem Gesicht und sie senkte den Blick.
»Bei meiner Maa war ich schon«, protestierte sie und spürte, wie der Schmetterling erneut zu Flattern begann. »Sie liegt im Bett und kann nicht mit mir nach draußen kommen. Ihr Bauch ist ihr im Weg. Zu schwer, sagt sie. Wegen meines kleinen Ordas, der darin liegt.« Ihre Maa war schwanger mit dem vierten Kind. Bald würde es auf die Welt kommen. Ihr kleiner Orda. Woher ihre Maa wusste, dass es ein Junge sein würde, konnte sich das Mädchen nicht vorstellen. Vielleicht spürte man dies, wenn das Baby in einem wuchs.
Gemischte Gefühle durchfuhren sie, wenn sie an die Möglichkeit dachte, dass es tatsächlich ein Junge sein würde. Wenn dem so wäre, würde sie niemals Kaiserin sein. Sie würde niemals als Mi Rani angesprochen werden. Dieser Titel gehörte nur den Thronerben. Und im Moment war sie die Erbin. Das Älteste von drei Mädchen. Dass ein Junge ihr diesen Titel nehmen konnte, wusste sie. Als der Professor ihr dies lehrte, passte sie auf.
Der Wachmann vor ihr lächelte sanft und deutete dann auf ihre Hand.
»Was habt Ihr dabei?« Sorgfältig streckte sie ihm die Hände entgegen und öffnete sie leicht, damit er sehen konnte, was sie gefangen hatte. Diesen kurzen Augenblick nutzte der Schmetterling und entfloh seinem Käfig, flatterte hoch an die Decke des Ganges, wo er für sie außer Reichweite war.
»Komm zurück! Ich wollte dich doch meinem Alba zeigen. Er soll wissen, dass ich eine gute Jägerin bin.« Der Wachmann lachte amüsiert auf.
»Meine Prinzessin. Wir wissen doch alle, was für eine erfolgreiche Jägerin Ihr seid. Ihr brachtet schon Katzen, Heuschrecken und Sommerflügler«, beteuerte der Mann. Die Prinzessin sah auf ihre Hände und nickte dann leicht.
»Aber mein Alba meint, ich müsse besser werden«, erwiderte sie. Die freundlich funkelnden Augen des Wachmanns wurden ernst, und kleine Fältchen bildeten sich an seinen Mundwinkeln, als er diese nachdenklich verzog. Es wirkte, als wolle er etwas erwidern, doch sie wurden von der sich öffnenden Tür hinter ihnen unterbrochen. Eine Frau trat aus dem Raum. Zerzauste, feuerrote Haare umgaben ihr karamellfarbenes Gesicht. Bernsteinbraune Augen sahen sich um und hafteten einen Augenblick auf dem knienden Wachmann und dem Mädchen, bevor sie eilig an ihnen vorbei ging und den Gang hinunter verschwand. Sie war nur leicht bekleidet, mit einem hellen Seidenstoff, unter dem man die dunkle Haut hindurch schimmern sah.
Kurz sah die kleine Prinzessin den Wachmann an und ging dann an ihm vorbei, hinein in das Gemach.
»Jetzt ist mein Alba nicht mehr beschäftigt«, erwiderte sie ihm im Vorbeigehen. Mit halb geöffnetem Mund, bereits eine Antwort auf den Lippen, sah er ihr entgeistert hinterher. Das Gemach ihrer Eltern war hoch, mit hellen Wänden und einer offenen Fensterfront, die mit purpurroten Vorhängen geschlossen werden konnte. Der Boden war mit hellbraunen Läufern ausgelegt, um nicht auf dem kalten Stein gehen zu müssen. Bequeme Liegen füllten einen Teil des Raumes, ein großes Bett den Rest. Und als die kleine Prinzessin nun eintrat, saß ihr Alba auf diesem und schnürte sich die dunklen Lederhosen zu. Die Laken waren aufgewühlt, die restlichen Kleider des Mannes auf dem Boden verteilt.
»Igesa, du hast deine Pflicht erfüllt. Geh jetzt endlich«, fauchte der schwarzhaarige Mann auf dem Bett, sah auf und entdeckte seine Tochter im Raum stehen. »Ach du bist es«, stellte er trocken fest, erhob sich vom Bett und ging auf sein Hemd zu, das zwei Schritte entfernt lag. Neugierig verfolgte Norikay ihren Alba mit ihrem Blick. Dass er so unordentlich war, überraschte sie. Es zeigte ihr allerdings auch, dass es offensichtlich ihre Maa sein musste, welche hier normalerweise für Ordnung sorgte. Denn ihre Eltern schrieben ihr stets vor, ihr Zimmer sauber zu halten. Diese Regel kam dann wohl nicht von ihm.
»Was willst du? Ich habe keine Zeit für dich«, entgegnete er barsch, nachdem er auch seine Stiefel zusammengesucht hatte. Die schwarzen Augen durchbohrten sie.
»Ich wollte Euch einen Schmetterling zeigen. Er war wunderschön. Ich hab ihn gefangen, aber er ist mir vor der Tür entwischt«, erklärte sie sich und sah ihren Alba erwartungsvoll an. Dieser zog sein dunkles Wams über den Oberkörper und zuckte mit den Schultern, während er auch dieses zu verschnüren begann.
»Was soll ich mit einem Schmetterling?« Seine trockene Antwort traf das kleine Mädchen. Unschlüssig sah es vor die Füße ihres Albas auf den Boden.
»Schmetterlinge sind schön. Und schwierig zu fangen«, entgegnete sie ihm und schluckte. Und als er darauf nichts antwortete, machte sie einen Schritt auf ihn zu und fuhr fort: »Ich wollte Euch zeigen, was für eine gute Jägerin ich bin. Ich will, dass Ihr stolz auf mich sein könnt.« Ihr Alba hielt in seiner Bewegung inne und sah zu ihr hinüber. Studierte sie einen Moment mit diesen dunklen durchdringenden Augen.
»Du kannst mich nicht stolz machen. Du bist ein Mädchen. Und wenn deine nichtsnutzige Maa mir nicht endlich einen Erben schenkt, bin ich vielleicht sogar versucht,...
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