
Schwert und Smaragd
Beschreibung
»Das darf doch nicht wahr sein. Jetzt sitze ich in der Vergangenheit fest, bin hungrig, durstig und stinke, nachdem ich tagelang Eure Gefangene war. Und dann erfahre ich auch noch, dass Ihr kein Geld bei Euch habt.«
»Du hast vergessen zu erwähnen, dass wir gezwungen sind, zu laufen.«
Kann es noch schlimmer kommen? Das fragt sich die Kriegerin Lisaan, die sich auf Geheiss der Götter zusammen mit dem Söldner Tareq auf eine abenteuerliche Mission begibt: Es gilt das verlorene Schwert des Kriegsgottes zu retten!
Wie bedrohlich dieser Auftrag wird, finden die beiden schon bald auf ihrer Reise durch Waldland und Wüste heraus. Reichen ihr Mut und ihre Liebe aus, um gegen Zwietracht und mannigfaltige Gefahren zu bestehen?
Denn am Ende geht es nicht nur darum, Dschanor vor schändlichen Verrätern, sondern auch sich selbst zu retten.
Die Romane Mitternachtsrot und Yenayas Smaragd neu bearbeitet und zusammengefasst in einem Band.
Weitere Details
Weitere Ausgaben
Person
Ihr Debütroman Mitternachtsrot erreichte im Jahr 2016 die Finalrunde für den von der Phantastischen Akademie vergebenen Literaturpreis SERAPH.
Die studierte Geographin interessiert sich für Ur- und Frühgeschichte und ist leidenschaftliche Bogenschützin. Aus diesen Bereichen schöpft sie Inspiration für die von ihr geschaffenen fantastischen Welten.
Inhalt
Der Trijan
Tareq lehnte im Schatten an einem Zeltpfosten und betrachtete mit verschränkten Armen die verzweifelten Anstrengungen seiner Gefangenen. Den Rücken ihm zugewandt bugsierte sie das Schwert mit ihren steifen Fingern in eine geeignete Position und verlor sofort wieder den Halt. Eine Weile sah er zu, wie sie immer wieder die scharfe Schneide der Waffe ergriff, die ihr kurz darauf entglitt. Er betrachtete das Profil der Frau. Sie spannte die Kiefermuskeln an und presste die Lippen aufeinander. Die Beharrlichkeit, mit der sie den Versuch fortsetzte, die Fesseln loszuwerden, hinterließ einen nicht geringen Eindruck bei ihm. Mit einem geschmeidigen Ruck löste er sich von dem dunklen Hintergrund.
Die Frau fuhr herum.
»Es ist die Mühe nicht wert. Selbst wenn es dir gelingt, die Stricke durchzuschneiden, aus dem Lager kommst du nicht lebend hinaus.«
Sie nickte. »Ich weiß.«
Die Arme immer noch vor der Brust verschränkt, begann er um die Frau herumzuschlendern. Ein amüsiertes Lächeln umspielte seine Lippen.
Er sah, wie sie ihn aus den Augenwinkeln genau beobachtete, und folgte ihren Blicken zu seinem Schwert und Dolch, die er wie alle Trijan an einem ledernen Gürtel über seinem schwarzen, bis zu den Knöcheln reichenden Übergewand trug. Mit zwei raschen Schritten trat er ans Bett, nahm ihre Waffe und wog sie anerkennend in der Hand.
»Eine gute Klinge«, murmelte er. »Dein Schwert?«
Sie bejahte seine Frage mit einem kurzen Senken ihres Kopfes.
»Natürlich deines.«
Er begann sie erneut zu umkreisen und betrachtete aufmerksam ihre schlanke Gestalt. Sie hat die kräftigen Schultern und festen Handgelenke eines Schwertkämpfers. Er nickte bestätigend. Vielleicht hat Haktar doch die Wahrheit gesagt. Obwohl er es zuerst kaum glauben wollte, denn die kreedanischen Kriegerinnen, die er bisher gesehen hatte, trugen ihr Haar kurz geschnitten. Seine Gefangene hingegen besaß eine lange, dunkelblonde Mähne.
Ihm gefiel, wie sie ihn frech anstarrte, das Kinn kämpferisch vorgereckt, und ihre selbstsichere Haltung trotz der Fesseln und ihres verschmutzen Äußeren behielt. Aber er bemerkte auch ihre geweiteten Pupillen und ihr blasses Gesicht. Umso mehr beeindruckte ihn, wie sehr seine Gefangene darum bemüht war, ihm ihre Angst nicht zu zeigen.
»Ich möchte zu gern wissen, ob du tatsächlich so gut kämpfst, wie meine Männer behaupten.«
»Gebt mir mein Schwert und findet es heraus!«, erwiderte sie herausfordernd.
Nach einer weiteren Umrundung blieb er hinter ihr stehen. Sie zuckte zusammen, als er sie mit der Hand an der Schulter berührte. Ein Tritt in die Kniekehlen zwang sie zu Boden. Er kitzelte sie mit dem kalten Stahl ihrer eigenen Klinge im Nacken.
»Vielleicht wäre es klüger, dich sofort zu töten.« Er bohrte die Spitze in ihre Haut und etwas Blut tropfte hervor. Der herbe Duft ihres Haares stieg in seine Nase, als er sich zu ihrem Ohr beugte. »Was ist so außergewöhnlich an dir, dass er deinen Tod möchte?«, flüsterte Tareq.
»Wer will meinen Tod?«
Er ignorierte ihre Frage. »Ich muss wissen, ob Haktar mich belogen hat. Ich will dich kämpfen sehen.« Mit einem raschen Schnitt durchtrennte er ihre Fesseln.
Die Kriegerin stand unbeholfen auf, rieb sich die Handgelenke und dehnte mit kreisenden Armbewegungen die Schultermuskeln.
Als sie ihr Knie betastete, presste sie die Lippen noch trotziger aufeinander.
Er runzelte die Stirn. Sie ist verletzt. Trotzdem warf er ihr das Schwert zu, das sie geschickt auffing, bevor er seine eigene Klinge aus der Scheide zog.
»Was geschieht mit mir, wenn ich Euch töte?«
Er lachte. »Dann kannst du gehen.«
»Und Eure Krieger? Werden die mich auch gehen lassen?«
»Falls du mich in einem ehrlichen Kampf besiegst? Ja.«
»Wieso sollte ich Euch trauen, Trijan?«
Tareq amüsierte ihr frecher Ton. »Dir bleibt kaum eine andere Wahl.«
»Ich habe bisher von keinem Söldner gehört, der ein Versprechen gehalten hat.« Sie führte den ersten Schlag in seine Richtung, dem er gewandt auswich. Das vorsichtige Abtasten des Gegners begann.
»Wir sollten aber noch klären, was ich bekomme, wenn ich dich besiege.«
Die Kriegerin zuckte mit den Schultern. »Nichts. Von mir bekommt Ihr freiwillig nur meine Klinge in Euer Herz.«
Tareq lachte herzhaft. »Nicht schlecht, aber ich habe einen besseren Vorschlag: Ich lasse dich leben und du wirst meine neue Sklavin. Mir steht der Sinn nach etwas Abwechslung.« Mit einem raschen Ausfall trieb er die Frau einen Schritt zurück. »Ich kann es gar nicht erwarten, deine Dienste in Anspruch zu nehmen«, provozierte er sie. »Bisher hat sich mir keine Kreedan verweigert.«
»Dann seht Ihr jetzt die Erste vor Euch«, erwiderte sie.
»Wir werden sehen, wer wessen Schwert zu spüren bekommt. Lass uns kämpfen und nicht reden.«
Lisaan bewunderte seine vorzügliche Waffe, die er in Angriffsposition über dem Kopf hielt, und die schlanker und biegsamer als ihr eigenes Schwert aussah. Die weiten Ärmel seines Gewandes rutschten zurück. Muskeln und Sehnen zeichneten sich deutlich an den bloßen Unterarmen unter der gebräunten Haut ab. Wie seine Fähigkeiten als Schwertkämpfer aussahen, würde sich bald zeigen. Allerdings überragte er sie fast um Haupteslänge und sie schätzte seine größere Reichweite ein. Zudem musste sie davon ausgehen, dass er über höhere Körperkraft verfügte.
Aber Lisaan war schnell. Sehr schnell. In zahlreichen Kämpfen konnte sie ihre geringere Stärke Männern gegenüber durch Gewandtheit ausgleichen und Yenaya, die Göttin des Krieges, stand ihr immer hilfreich zur Seite. Abgeklärt und zu allem entschlossen trat sie ihrem Feind entgegen. Seine funkelnden Augen erinnerten sie an den ungestümen, leidenschaftlichen Kriegsgott des schonungslosen Wütens. Ihr Gegenüber glich Ikash'Kasan, dem barbarischen, grausamen Gott der alten Zeiten, den selbst die Kriegsgöttin des Waldlandes, seine einstige Gefährtin, fürchtete. Die Selbstsicherheit, die jede seiner knappen und kontrollierten Bewegungen ausstrahlte, verhieß einen ernstzunehmenden Gegner.
Im Gegensatz zu seinen Männern hatte er sich nicht verhüllt und zeigte offen seine harmonischen Gesichtszüge. Die Augen wirkten fast schwarz, ebenso wie der gepflegte Bart und das kurze Haar. Sollte sich die Grausamkeit eines Söldners nicht in seinem Äußeren zeigen? Oder war es einfach nur ungewohnt, einem Trijan direkt ins Gesicht sehen zu können? Für einen Barbaren sah er jedenfalls viel zu kultiviert aus.
Er schenkte Lisaan ein Lächeln, und sie erkannte, dass er um seine Wirkung auf Frauen wusste. Diesen Trijan durfte sie auf keinen Fall unterschätzen.
Der Kampf begann. Sie blockte seine erste, harte Attacke, indem sie ihr Schwert emporriss und seine Klinge kurz vor ihrem Gesicht aufhielt. Ohne Zweifel, er betrachtete sie als gleichwertige Kämpferin und war darum umso mehr zu fürchten. Sie lösten sich voneinander und umkreisten einander auf einer imaginären Linie, die sich in der Enge des Zeltes auf sechs Doppelschritte beschränkte. Dem nächsten Schlag wich Lisaan aus, und der Trijan traf das Holz des Pfostens, das unter seinem Schwert splitterte. Sie nutzte seine kurzzeitig fehlende Deckung aus und stieß zu. Verflucht. Ihre Klinge verfehlte seine linke Seite und schlitzte nur den weiten Ärmel auf. In der kurzen Atempause trat er einen Schritt zurück und betrachtete den Riss in seinem Übergewand.
»Zumindest meine Kleidung hast du schon besiegt.« Er lachte und griff erneut an.
Lisaan wich seinen hart aufeinanderfolgenden Schlägen aus, ihr verletztes Knie gab nach und sie stolperte über das Tablett auf dem Boden. Die wertvollen Gläser zerbrachen unter ihren Stiefeln. »Nachher, als meine Sklavin, wirst du als Erstes hier aufräumen. Schade um die Gläser. Ich fand sie recht praktisch.«
»Zu zerbrechlich, um wirklich brauchbar zu sein.«
»Da hast du allerdings recht.« Er griff an, parierte, zog sich zurück, immer wieder.
Lisaan begriff, dass er sie durch dieses ständige Angreifen und Zurückziehen ermüden wollte. Er spielt mit mir, wie eine Katze mit einer Maus. Aber an mir wirst du ersticken. Der Zorn erneuerte ihre Kraft.
Ihr lief der Schweiß in die Augen. Sie nutzte jede Pause, um mit dem Ärmel über die Stirn zu wischen. So verteilte sie Schmutz und bald auch Blut aus einer Wunde am Arm in ihrem Gesicht.
Die Müdigkeit besiegte Lisaan. Selbst Wut und Angst schenkten ihrem Schwertarm keine Stärke mehr. Sie umklammerte krampfhaft das Heft und betete: Göttin, hilf mir!
Tareq sah ihre Schwäche, triumphierte, nutzte sie aus und bedrängte sie heftiger.
»Gib auf, meine Schöne!«
Die Kriegerin schüttelte den...
Systemvoraussetzungen
Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)
Systemvoraussetzungen:
- Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat ePUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader – beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).
- Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions oder die App PocketBook (siehe E-Book Hilfe).
- E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m.
Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet – also für „glatten” Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an.
Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.
Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.