
Winternacht
Beschreibung
Balthasar erzählt seine Geschichte, von seiner Geburt und seiner Kindheit, über den Bruch mit seinem Vater, die Jahre seiner Wanderschaft, bis er schließlich auf Mya trifft. An mancher Stelle erfährt er selbst Dinge, die er nicht wusste, greifen doch Mächte in seine Erzählung ein, die ihn auch immer wieder im Verlauf seines Lebens gelenkt haben.
Wie war die Kindheit des Grafen? Was hat Siegfried von Rabenburg getan, dsss sein Sohn in so abgrundtief hasste? Was ist geschehen, das seinen Freund Johannes nach Grondenheim treib? Wie kam es dazu, dass Balthasar das gräfliche Leben hinter sich ließ und sein Glück als Barde machte? Welche Abenteuer erlebte er auf seinen Reisen? Welche Menschen lernte er kennen und wie?
All diese Fragen beantwortet Balthasar seinen Zuhörern mit großer Freude.
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Person
Inhalt
Prolog
Die Zeit der Tochter des Finsteren war vorüber. Mya und Balthasar von Rabenwald waren aus der Dunkelheit eines untergangenen Fürstentums emporgestiegen und hatte das Land gewandelt. Doch umgab der Ruf der Geächteten die neu entstandene Grafschaft weiterhin wie der Nebel, der des Nachts die alten Bäume des finsteren Waldes umwebt. Kein Räuber, Wegelagerer oder anderer Geselle, den düstere Gedanken antrieben, wagte es, die Grenzen des geheimnisvollen Landes zu überschreiten. Es wurde erzählt, dass der Gräfin eine besondere Macht innewohne, die sie mit dem Herzen des Waldes und den sonderbaren Wesenheiten der alten Zeit verbanden, die noch immer unter den Bäumen wandeln sollten. Auch der merkwürdige Umstand, dass der Graf und die Gräfin die Heiden in ihrem Reich duldeten, ließ die Vermutung zu, dass in diesem Teil Erelioths seltsame Dinge vor sich gingen, denen jedoch niemand es wagte auf den Grund zu gehen.
Mya wurde in Erelioth alsbald als die Kriegergräfin bekannt, da sie nur selten edle Kleider trug und zumeist mit gegürtetem Schwert gesehen wurde. Zuerst wurde in weiter entfernten Landen darüber gespottet, doch nachdem einige Adelige, die ihre Neugier nicht zu zügeln vermochten, die Gräfin von Rabenwald zu Gesicht bekommen hatten, verstummten die Spötter und es gab geflüsterte Gerüchte, ob durch Myas Adern nicht vielleicht das Blut der Kriegerkönigin aus dem Norden jenseits der Silbernen Wogen floss. Schließlich wusste man nichts über Myas Mutter, die dereinst einfach in dem ehemaligen Fürstentum erschienen war und Myas Vater geehelicht hatte. Es war lediglich bekannt, dass sie eine Adelige aus einem anderen Teil Erelioths war, doch wusste niemand, woher sie stammte.
Viele Jahre hatte es in Erelioth niemanden mehr gegeben, über den Legenden erdacht wurden und der von den Barden des ganzen Landes besungen wurde. Doch nun kamen immer wieder Barden, die Balthasar von seiner Wanderschaft kannte, in die Grafschaft Rabenwald, um ihrem alten Zunftgenossen ihre Lieder vorzutragen. Zunächst weigerte sich der Graf, diese Männer zu empfangen und ließ sie im Dorf einige Tage verweilen, ehe sie vor die beiden treten durften. Manches Mal befürchtete Mya, dass er seine Drohung, keine anderen Barden in seinem Reich zu dulden, wahrmachen würde. Doch grinste er immer verschmitzt, wenn er erfuhr, wie erschrocken diese waren, wenn ihnen mitgeteilt wurde, dass er sie vorerst nicht empfangen würde.
Friedrich, Myas Lehrmeister in der Kampfkunst und einstiger Anführer der Geächteten, die sich dereinst im Wald verborgen gehalten hatten, um dem Zorn des Fürsten zu entgehen, und sein Sohn Hans fanden alsbald ihren Platz in der Burg an der Seite der beiden Herrscher.
Wilhelm, der bereits im Heer des Fürsten als Hauptmann gedient hatte, sich an Myas Rettung vor dem Tod beteiligt und sich so gegen seinen einstigen Herrn gestellt und seither an Myas Seite kämpfte, führte das Heer als neuer Heerführer mit starker und dennoch großzügiger Hand. Sebastian, Wilhelms Sohn, Hannes und Wolfgang, Wächter die bereits unter dem Fürsten in der Burg ihren Dienst verrichtet und dennoch heimlich auf Myas Sieg gehofft hatten, wurden zur gräflichen Leibwache ernannt.
Rolf von Moorbach, der Zauberer, der von einer Legende der alten Zeit zu einem wahren Weggefährten geworden war und sich seit vielen Jahren in der Burg als Ingolf von Wassertau aufhielt, Konrad von Dreiberg, ein Freiherr, der sich im Kampf gegen den Fürsten auf ihre Seite gestellt hatte und Edwin Slafyrn, der Sohn eines Stammesoberhauptes des Landes Gal Me'Linye im Meer Lortena, der durch eine freundschaftliche Verbindung nach Erelioth kam, wurden zu Myas und Balthasars engsten Vertrauten und Ratgebern.
Katharina, die einstige Magd, die der einsteigen Geächteten einige Male beigestanden und sich als Tochter Rolfs entpuppt hatte, wurde Myas Zofe, wobei sie sie niemals wirklich so betrachtete und Balthasar erwählte einen jungen Burschen namens Oliver zu seinem Kammerdiener.
Marie, Balthasars Schwester, von der Mya erst bei deren Ankunft erfahren hatte, und ihr Gemahl Ludwig kehrten bald nach der Vermählung in ihre Heimat zurück. Balthasar versprach seiner Schwester, dass sie, sollte es in den nächsten Jahren zu weiteren Festlichkeiten kommen, die erste sein würde, die davon erfuhr. Mya warf den beiden bei dieser Verabschiedung einen fragenden Blick zu. Balthasar grinste nur und Marie lachte fröhlich. Da verstand die schwarzhaarige Frau und errötete tief.
Johannes, Balthasars Freund aus Kindheitstagen, wurde sein Wunsch, den er schon immer gehegt hatte, erfüllt. Wie sein Vater einst der Hofschneider von Balthasars Vater war, wurde er nun zu dem des blonden Mannes. Seine Gemahlin war mit den beiden Töchtern und dem Sohn am Tag von Myas und Balthasars Vermählung angekommen. Irmgard war froh, einen geeigneten Nachfolger gefunden zu haben. Das letzte Stück, das sie gefertigt hatte, war Wilhelms Uniform gewesen. Die Kleider für die Vermählung von Mya und Balthasar hatte sie dann, wenn auch mit etwas Wehmut bereits Johannes überlassen. Wenn schon das alte dem neuen wich, dann in allen Dingen, hatte sie mit einer verdrückten Träne erklärt.
So begann mit der Gründung des Hauses von Rabenwald ein neues Zeitalter für die neu geborene Grafschaft. Das Erbe jenes Hauses sollte das Schwert sein, dass durch die Jahre hindurch zu einer Legende geworden war und die Bewohner dieses Teils Erelioths hofften, dass das Geschlecht von Rabenwald die Jahrhunderte überdauern und sein Stern am Himmel niemals erlöschen würde.
All dies ereignete sich in den ersten drei Monaten von Myas und Balthasars Regentschaft, während der Winter seine Herrschaft über die neu entstandene Grafschaft einforderte, nachdem er einen goldenen Herbst mit reicher Ernte, kräftigen Farben, sanften Nebeln und frohen Gemütern durch seine eigene Pracht vertrieben hatte. Er kam mit glitzernder Kälte, gefrorenen Seen, feinem und rein weißem Schnee, der die Welt um sie her wie eine weiche Decke überzog. Die Bäume des alten Walden hätten unter seiner Last geächzt, wäre dies ein gewöhnlicher Wald, wie er allerorts in Erelioth zu finden war. Aber jeder wusste, dass es sich mit diesem nicht so verhielt. War er doch alles andere als gewöhnlich. Seltsame Dinge gingen unter den Bäumen vor sich und um. Und manch einem der Bewohner des kleinen Dorfes, das Wald und Burg am nächsten war, kam es so vor, als würde die Macht, die zweifelsfrei in ihm herrschte, seit Myas Krönung weiter erstarken. Niemand konnte sich dieses Gefühl erklären, oder wagte es offen darüber zu sprechen. Mya und Balthasar waren ein in der gesamten Grafschaft geliebtes Herrscherpaar. Die Gerüchte über die beiden würden nie zur Gänze verstummen, aber es wollte auch niemand im Lande derjenige sein, der sie weiterhin schürte. Es war eine unausgesprochene Übereinkunft: Dieser Wald hatte seine Geheimnisse stets wohl gehütet, sollte er es auch weiterhin tun. Die Menschen ließen ihn in Frieden, wenn er sie in Frieden ließ. Schon die Großeltern der Großeltern hatten gewusst, dass es besser war, diesen Wald nicht zu erzürnen.
Mit dem ersten Schnee war ein seltsamer Besucher in der Burg erschienen, den Graf Balthasar von Rabenwald freudig lächelnd mit offenen Armen empfangen hatte. Zuerst war nur bekannt geworden, dass es sich bei diesem Mann um einen alten Weggefährten des Grafen aus seiner Zeit als Barde handeln sollte. Der Fremde erschien in einer stürmischen Nacht, in der der Himmel voll mit schweren Wolken gewesen war, die sich weigerten, den Sternen oder dem Halbmond, der zu dieser Stunde ein Auge auf die Ankunft des Fremden hätte haben sollen, auch hur einen Zoll zu weichen. Die Wenigen, die den Mann auf seinem Weg zur Burg gesehen hatte, konnten lediglich über ihn sagen, dass er ein schlanker Mann in einfacher Kleidung und einem schweren Mantel war. Dadurch wurde die Neugier der Menschen geweckt und es wurde getuschelt, wer der geheimnisvolle Besucher wohl sein könnte. Der Diener, der ihn eingelassen und zu Myas und Balthasar Gemächern geführt hatte, erzählte ein paar Tage und ein paar Bier später, dass es sich bei dem Neuankömmling um einen Mann mit freudigem Gemüt gehandelt habe. Er hatte langes, rotbraunes Haar, das er zu einem Zopf geflochten hatte und große, strahlende, haselnussbraune Augen. Seinen Namen hatte er nicht in Erfahrung bringen können, aber Graf Balthasar hatte, als er von der Ankunft des Fremden erfuhr, sofort Wein auf die gräflichen Gemächer bestellt und den Fremden, umgehend zu sich gebeten. Ehe sich die Tür vor ihm schloss, hatte der Diener noch gesehen, wie der ehemalige Barde den Fremden wie einen alten Freund mit einem strahlenden Lächeln in die Arme geschlossen hatte.
Vorerst hatte niemand erfahren, wer der Neuankömmling gewesen war. Erst als er ein paar Tage in der Burg verweilt hatte, gab Graf Balthasar bekannt, dass es sich bei dem Fremden um seinen alten Freund und Weggefährten Tobias handle, der von nun an in ihrer Grafschaft leben wollte. Kurz darauf war dann die Neuigkeit auf geheimen Pfaden, die Mya und Balthasar persönlich ausgewählt hatten, aus der Burg an die offenen Ohren der...
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