
Sehnsucht fliegt im Abendwind
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Sie veröffentlichte bisher über 65 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehntelangen Tätigkeit als Lebensberaterin.
Inhalt
Kapitel 2
Die Schlossherrin durchquerte den langen Gang zum Westflügel und blieb an der Tür des kleinen Appartements stehen.
Sie klopfte leise und trat ein, nachdem aus dem Inneren der winzigen Wohnung ein freundliches "Herein" erklungen war.
Adelaide sah Aureli aufmerksam an. "Wie dir bekannt ist, sagen wir alle im Schloss Du zueinander. Kann ich noch irgendetwas für dich oder deinen Sohn tun?"
Die junge Frau schüttelte leicht den Kopf. "Es gefällt mir sehr gut bei dir in den historischen Räumen, und alle Leute sind sehr liebenswürdig. Da macht es mir gar nichts aus, dass ich mit den Bildern hier eine ganze Weile zu tun haben werde."
"Das freut mich", fand die ältere Dame. "In der Küche haben sich die beiden Köche und Carla bereits darüber informiert, was sie für euch Gutes zubereiten können. Du hattest ja netterweise alles auf einem Zettel notiert. Dabei sind wir auf die Idee gekommen, dass sich die Journalistin Abigail ein bisschen um deinen Sohn kümmern kann, falls es dir und ihm recht sein sollte."
"Mir ist es recht. Ich freue mich immer, wenn sich jemand um ihn bemüht. Dann wird es ihm hier nicht so langweilig. Aber vielleicht hat sie ein Problem mit ihm, weil er momentan kein Wort redet."
"Ich glaube nicht", beruhigte Adelaide die junge Frau. "Sie hat eine gute Intuition und Verständnis für Menschen mit Problemen. Ich bin nicht sicher, was du alles über sie weißt."
"Ich habe einiges von ihr gelesen, den Stadtführer und die Schlossführung, auch eine der Biografien über deinem Mann Moro Rossini. Der Schreibstil ist locker, es macht Spaß, ihre Texte zu lesen."
"Sie ist auch Detektivin und hilft dem örtlichen Kommissar Niklas Meyer bei undurchsichtigen Fällen", teilte die Schlossherrin ihrem Gast mit."
Aureli staunte. "Tatsächlich? Ich dachte, sie hätte da nur ein bisschen hobbymäßig bei der Aufklärung mitgewirkt."
"Am Anfang ja. Aber später hat sie noch einige Kurse belegt, um professionell mitarbeiten zu können, seitdem hilft sie dem Kommissar ziemlich oft."
Die junge Frau überlegte. "Wenn sie so empathisch ist, kann sie vielleicht einen Zugang zu meinem Sohn finden. Ich kann es leider nicht, obwohl ich mir jede erdenkliche Mühe gegeben habe. Er spricht mit niemandem."
Adelaide sah die junge Frau aufmerksam an. "Gab es denn irgendein Ereignis, das ihn schockiert hat?"
"Nicht unmittelbar zu diesem Zeitpunkt, aber mittlerweile bin ich der Ansicht, dass ein früheres Ereignis damit zu tun haben könnte. Allerdings habe ich ihn darauf angesprochen, und er zeigte daraufhin keinerlei Reaktion."
"Das ist sehr seltsam. Darf ich wissen, was sich ereignet hat?" fragte die ältere Dame vorsichtig.
"Sein Hund Timmy ist weggelaufen. Natürlich haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt und lassen seit einiger Zeit überall suchen, aber wir hatten noch keinen Erfolg."
"War er denn nicht registriert? Hatte er keinen Chip? Damit kann man einen gefundenen Hund ganz gut identifizieren."
Aureli schüttelte den Kopf. "Er war aus dem Tierheim, irgendjemand hatte ihn aus dem Ausland mitgebracht. Aber bevor es dazu gekommen ist, ihm einen Chip zu verpassen, ist er leider weggelaufen."
"Das ist natürlich sehr traurig", fand Adelaide. "Darunter wird Marc sicher sehr leiden. Wie lange hatte er den Hund?"
"Leider gerade erst drei Wochen. Wir mussten eine ganze Weile mit unserer Vermieterin kämpfen, bis sie uns dieses brave Tier, einen Bernhardiner-Mischling, in der Wohnung erlaubte."
Die Schlossherrin soll seufzte. "Ja, in einer Wohnung ist das oft schwierig, besonders wenn sie nicht sehr groß ist und noch andere Mieter im Haus wohnen."
"Im Moment stehen zwei Wohnungen leer, da wird demnächst eine Familie mit mehreren Kindern einziehen. Sie haben für die Kinder lediglich ein Häschen. Und der einzige Mieter, der dort noch im Haus wohnt, ist mein Nachbar Rainer Münzer, den ich schon etliche Jahre kenne. Wir sind befreundet miteinander. Er hatte nichts gegen den Hund."
Adelaide beobachtete die junge Frau aus den Augenwinkeln heraus. "Ist das nur ein Bekannter oder mehr? Manchmal sind die kleinen Jungen ja auch sehr hellhörig und feinfühlig, da könnte Eifersucht im Spiel sein."
"Oh nein! Da ist wirklich nichts", wehrte Aureli ab. "Jedenfalls nicht von meiner Seite."
"Und dein Sohn? Sieht er das genauso?"
Aureli atmete tief und hob die Augenbrauen. "Ich glaube schon. Bisher war er immer ganz nett und anständig zu Rainer. Und Herr Münzer versteht sich auch sehr gut mit Kindern."
"Dann könnte es vielleicht doch mit dem Verschwinden des Hundes zu tun haben", vermutete Adelaide. "Hast du ihn schon einmal darauf angesprochen?"
Die junge Frau blickte leicht genervt. "Natürlich! Was meinst du, was ich alles versucht habe? Und wegen des Hundes haben wir auch wirklich schon alles unternommen. Wir waren bei der Polizei und in den verschiedenen Tierheimen der ganzen Gegend. Wir haben uns bereits auf Suchportalen angemeldet und suchen in den öffentlichen Medien. Aber der Hund scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein."
Die ältere Dame seufzte. "Das ist ein Drama! Wisst ihr denn, woher der Hund eigentlich herkommt? Vielleicht ist er dorthin wieder zurückgelaufen."
"Das haben wir auch schon alles überlegt. Aber man hat den Hund vor dem Tierheim gefunden, ein Brief lag bei ihm, und sein Vorbesitzer gab an, dass er ihn Hundefängern im Ausland abgeluchst und nach Deutschland gebracht habe. Allerdings habe er selbst einen Hund, der sich nicht gut mit dem Eindringling vertrage, und deshalb müsse er ihn leider abgeben."
Adelaide überlegte. "Das hört sich schon etwas mysteriös an. Eine Geschichte, die man glauben kann oder nicht. Vielleicht wollte auch nur jemand seinen Hund loswerden. Mit Hundehaltern erlebt man so manches in verschiedener Richtung."
"Wir haben natürlich auch sofort Suchbilder hergestellt und massenhaft kopiert, natürlich auch überall verteilt und angeheftet", berichtete die junge Frau.
Die Schlossherrin schüttelte verständnislos den Kopf. "Ich verstehe nicht, warum dein Sohn nicht darüber spricht. Du könntest ihm doch viel besser bei der Suche helfen, wenn er sich dir mitteilt. Du weißt also auch gar nicht, wann der Hund verschwunden ist?"
"Es war an einem Nachmittag. Marc war mit dem Hund draußen gewesen. Wenn man von unserem Haus aus etwas weiter nordwestlich in Richtung Fluss geht, gibt es ein schönes Gebiet als Auslauf für die Vierbeiner. Aber ich bin ganz sicher, dass mein Sohn und unser Hund gemeinsam wieder zurückkamen, denn kurz bevor ich das Abendessen richtete, hörte ich den Hund noch fröhlich bellen. Offensichtlich spielten die beiden miteinander. Wir hatten im Wohnzimmer die Terrassentür offenstehen, die geht nach hinten zum Garten heraus, und als ich dann Marc zum Abendessen rief, kam er ohne Hund. Natürlich fragte ich ihn, wo denn Timmy sei, und mein Sohn antwortete ganz lapidar, das wisse er nicht, er würde sicherlich auf der Terrasse in der Sonne liegen. Die Abendsonne möge er doch so gern. Natürlich bin ich auf die Terrasse gegangen, um nachzuschauen. Aber da war kein Timmy."
"Konnte er denn über den Gartenzaun springen und auf die Straße laufen?"
"Nein, das ist sehr unwahrscheinlich", antwortete die junge Frau. "Unser Zaun, ringsherum um den Garten, ist sehr hoch. Dahinter ist sogar noch eine Hecke und die Verbindungstür zur Terrasse der Nachbarwohnung ist in der Regel geschlossen."
"Also konnte er nicht in den Nachbargarten und von dort heraus gelangen?" hakte Adelaide nach.
Aurelia schloss die Augen. "Ich habe mir gerade diesen Nachmittag noch einmal ins Gedächtnis gerufen und mich genau an die Situation erinnert. Nein, in den Nachbargarten hinüber, das konnte er auch nicht. Die Tür war zu."
"Es ist sehr mysteriös", fand die ältere Dame. "Aber ein großer Hund, der kann sich auch schon einmal die Türen selbst öffnen. Vielleicht ist er zur Haustür herausspaziert."
"Ganz ausschließen kann man das nicht. Aber ich fand es sehr unwahrscheinlich, weil ich den Eindruck hatte, dass sich Timmy bei uns sehr wohl fühlt."
"Ich hoffe, dass Marc Vertrauen zu Abigail fasst, denn sie kann sich gut in kindliche Seelen hineinversetzen und könnte dem Geheimnis auf die Spur kommen."
Aureli seufzte. "Oh ja! Ich fühle mich so hilflos, wenn mein Sohn nicht mit mir redet. Ab morgen nimmt er auch Therapiestunden bei Maria, der Therapeutin, die ebenfalls im Schloss wohnt. Wie kommt es eigentlich, dass hier bei euch eine Psychotherapeutin wohnt?"
"Das ist nicht so verwunderlich, wie es auf den ersten Augenblick...
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