Johanna. Die Vergewaltigung meines Lebens
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Inhalt
Einleitung
Seit 30 Tagen lebe ich nun alkoholfrei. Nun kommen mir alle Sachen, die ich über all diese Jahre verdrängt habe, wieder in den Kopf. Leider weiß ich nicht wie ich damit umgehen soll. Meine ganzen Erinnerungen drehen sich um Missbrauch und Gewalt. Leider bin ich damit völlig überfordert, weil ich nicht damit umzugehen weiß. Da mich diese Erinnerungen nicht in Ruhe lassen, bin ich in alle Bücherläden der Stadt gegangen um mir Lehrstoff darüber zu besorgen.
Die Enttäuschung war riesengroß. Es gab so gut wie keine Bücher darüber. Es wundert mich wirklich, dass gerade in unserer heutigen Zeit das Thema immer noch totgeschwiegen wird. Die meisten Bücher handelten davon wie die Vergewaltigung entstanden ist. Da ging es um Vergewaltigung 2000 vor Christi, nach Christi und während Christi. Wirklich sehr aufschlussreich. Auch über Massenvergewaltigung im Krieg konnte ich nach lesen. Dass es schon immer Gewalt gegen Frauen gegeben hat ist sogar mir klar. Viel wichtiger ist es mir, wie ich damit umgehen kann. Bei den Büchern hatte ich oft das Gefühl, dass sie eher auf die Psyche der Männer eingingen. Aber so was will ich gar nicht lesen.
Ich will diese Männer nicht verstehen. Sie wollen doch auch nicht verstehen, was sie ihren Opfern antun. Es ist nicht nur eine Vergewaltigung des Körpers, nein, auch die Seele wird missbraucht. Meist ist es so schlimm, dass es einen das ganze Leben lang verfolgt. Aber es gibt immer noch viel zu wenig Hilfe für die Opfer. Nur eine Frau, die so etwas schon erlebt hat, kann nachempfinden, wie schlimm das ist. In der letzten Zeit denke ich den ganzen Tag darüber nach.
Mal ehrlich, auch wir Frauen haben Phantasien. Das ist doch auch normal. Manche hat es beim Sex lieber etwas rauer, eine andere eher nur zärtlich. Manche wünscht sich, dass ihr Partner beim Sex ruhig mal fester zupacken könnte. Auch Rollenspiele beim Sex ist was ganz Natürliches. Aber es ist doch wohl ein großer Unterschied, ob mich so ein Gedanke erregt oder ich es am eigenen Leib, ohne meinen eigenen Willen, erfahre.
Beim Sex gehen beide Partner aufeinander ein. Doch eine Vergewaltigung ist bitterer Ernst. Es gibt bestimmt keine einzige Frau, die das erregen könnte. Mal ehrlich, der Täter stellt sich als lieber Gott hin indem er sagt: "Sei ruhig oder ich töte ich." Er hat das Leben einer Frau in seiner Gewalt. Er entscheidet, ob sie weiterleben darf oder nicht. Also bitte, was bilden sich diese Schweine nur ein. Pardon für diesen Ausdruck, aber da könnte ich jedes Mal ausrasten. Was kann für einen Mann so schön am Sex sein, wenn eine Frau sich wehrt. Aber gerade das ist es ja, was diese Typen so reizt.
Die Frau ist ihnen meist völlig hilflos ausgeliefert, starr vor Angst und Schreck. Wie soll sie sich nun verhalten? Was ist das für ein Mann? Lässt er sie gehen, wenn sie ihm gut zuredet? Macht ihn das noch wütender? Überhaupt, überlegen Sie sich doch mal, was in diesen Augenblick im Kopf einer Frau vor sich geht: Da ist jemand der ihr weh tut und sie soll auch noch nett zu ihm sein? Sie will einfach nur überleben. Alle Qualen lässt sie über sich ergehen in der Hoffnung, dass er von ihr ablässt. Welche Frau weiß schon, ob sie da lebend wieder raus kommt? Also muss sie auch noch Psychologin sein. Sie muss:
Punkt 1: Den Kerl über sich ergehen lassen. Punkt 2: Gegen ihren Ekel ankämpfen. Punkt 3: Darüber nachdenken, wie sie ihr Leben am besten schützt. Punkt 4: Die Demütigung über sich ergehen lassen. Punkt 5: Die Todesangst unterdrücken; denn nur so ist ein logisches Denken möglich, wenn man hier überhaupt von Logik sprechen kann. Punkt 6: Den Zorn zurückhaltenAll diese Dinge, und es sind bestimmt noch einige mehr, kommen bei einer Vergewaltigung zusammen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Frauen vor lauter Qual Angst haben, verrückt zu werden. Mir ging es öfters so, meist habe ich mich wie der letzte Dreck gefühlt. In diesem Buch möchte ich auch auf körperliche Gewalt eingehen. Auch davon kann ich ein Lied singen. Darüber werden sie noch Einiges zu lesen bekommen, wenn ich mit meiner Geschichte anfange. Meist ist es ja so, dass die Männer den Frauen die Schuld geben, wenn sie zuschlagen. Seltsam ist auch, dass die Frau es meist akzeptiert.
Aber sie kann niemals daran Schuld haben. Er schlägt zu und nicht sie. Er läuft nicht mit blauen Augen und gebrochenem Kiefer herum, das ist sie. Er liegt auch nicht mit gebrochenen Rippen im Krankenhaus, das ist sie. Seltsam ist auch, dass ein Großteil der Frauen wieder zu ihren Männern zurückkehrt. Meist wird der Partner auch noch in Schutz genommen. Da findet man Tausende von Entschuldigungen für ihn. Da kommen Selbstvorwürfe wie: Hätte ich ihn nur nicht provoziert. Wäre ich nur nicht mit meiner Freundin weg gegangen. Hätte ich besser meinen Mund gehalten. Und so weiter. Im Endeffekt macht sie sich aber nur den Vorwurf; dass sie nicht so funktioniert hat, wie er es von ihr erwartete. Doch Frauen sind keine Sklaven und auch nicht die Untertanen ihres Mannes.
Meist sind doch schlagende Männer davon überzeugt, dass sie alles dürfen und ihre Frauen nichts. Nach außen sind sie lieb, ein Wolf im Schafpelz. Doch kaum schließt sich die Tür, werden sie zu einer reißenden Bestie. Wie ein Tier möchte ich nicht sagen, kein Tier wird je so grausam sein wie diese Sorte Mann. Es gibt in der Tierwelt, soweit ich weiß, keine Morde und Vergewaltigungen. Tiere töten zum Überleben, der Mensch tötet aus Lust und aus Gier.
Männer, die ihre Frauen wie Sklavinnen halten, verlangen von ihnen absoluten Gehorsam. Ist das nicht der Fall, drohen ihr Schläge und andere Demütigungen. Ich unterscheide mich in dieser Hinsicht auch nicht von anderen Frauen. Ich mache dieses Theater nun schon seit siebzehn Jahren mit. Bei meinem ersten Mann waren es fünf Jahre lang Schläge und Vergewaltigung. Bei meinem zweiten Mann waren es zehn Jahre, geprägt von Schlägen und einer Vergewaltigung. (Seltsam, das sah ihm gar nicht ähnlich.)
Auch mein derzeitiger Partner hat mich schon massiv geschlagen und gedemütigt. Trotzdem bleibe ich bei ihm. Warum? Ich weiß es nicht. Ich habe sogar oft Angst, dass er mich verlassen könnte, obwohl mein Verstand mir sagt, wie lächerlich das ist. Ich komme einfach nicht los von ihm. Mir passiert es sogar oft, dass ich mit ihm schlafen will, nachdem er mich geschlagen hat. Mein Therapeut meint, ich gehe nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche.
Nun zu mir:
Manchmal kann ich mir mein Verhalten selber nicht erklären. Aber ich weiß, dass ich einiges daran ändern muss. Ich habe mir in der letzten Zeit oft die Frage gestellt, was mich bei einer Trennung am meisten schmerzen würde. Sofort hatte ich die Antwort parat: dass er mit einer anderen glücklicher sein könnte, dass er diese Frau nicht schlagen würde. Hört sich blöde an, ich weiß. Aber wenn es so wäre, würde ich mir ernsthaft Gedanken darüber machen, warum er gerade mich geschlagen hat. Und schon hätte ich wieder diese Schuldgefühle.
Diese Gedanken sind verkehrt. Er verletzt mich seit zwei Jahren, nicht ich ihn. Er schlägt mich und macht mich fertig. Denken Sie nicht, dass ich mich hier als ganz Brave hinstellen möchte, das bin ich weiß Gott nicht. Aber er hat kein Recht, mich zu schlagen. Zudem, was mache ich überhaupt? Ich vertrete lediglich meine Meinung. Möchte ich am nächsten Tag mit ihm reden, ist seine Reaktion immer dieselbe: Warum ich ihn ständig damit quälen muss, obwohl ich doch genau weiß, wie weh es ihm tut, wenn er mich schlagen muss. Und außerdem meint er, wäre ich nie schuldlos daran. Dabei braucht er gar keinen Grund, um die Hand gegen mich zu erheben.
Es reicht schon aus, wenn er Frust hat. Einen Grund findet er immer. Das Schlimme daran ist, am nächsten Tag läuft er mit so einer finsteren Miene herum, dass ich mich wirklich schuldig fühle. Dass er sich aber mal Gedanken darüber macht, was er mir damit antut, das übersteigt seinen Horizont. In diesen Teufelskreis befinde ich mich nun schon seit Jahren. Ich habe das Gefühl dafür verloren, dass es Unrecht ist, geschlagen zu werden. Ich fange an, Schläge als etwas Normales zu sehen. Lachen Sie nicht; der Mensch ist ein Gewohnheitstier und so wie es aussieht, kann er sich auch an Gewalt gewöhnen.
Doch seit die Erinnerungen in mir hoch kommen, fange ich an zu rebellieren. Ich spüre, dass es nicht der Normalfall sein kann. Mein Gefühl sagt mir, dass dies nicht alles ist, was ich vom Leben erwarten darf. Da muss es noch was Schöneres geben. Eine Partnerschaft, aufgebaut auf Liebe und Vertrauen. Wie oft habe ich mich in all den Jahren gefragt, was ich wohl verkehrt mache? Bin ich zu gutmütig? Lasse ich mir zu viel gefallen? Immer versuche ich, ihm alles Recht zu machen, nur dass er keine schlechte Laune bekommt. Wenn er die hat, ist es kaum mit ihm auszuhalten. Ich fühle mich wie eine Marionette, ohne eigenen Willen. Wie selbstbewusst und fröhlich war ich doch früher, oder bilde ich mir das nur ein? Doch ehrlich, was bin ich heute? Alkoholabhängig und ein körperliches Frack, das mit seinem Leben nicht zu Recht kommt.
Ich habe Angst auf die Straße zu gehen, leide unter einer Angstund Panikstimmung. Alles macht mir Angst. Es kommt öfters vor, dass ich nichts esse, weil ich fürchte, es könnte vergiftet sein. Zudem...
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