
Der Talmud für Dummies
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Inhalt
Einleitung
Vielleicht haben Sie jemanden sagen hören »Der Talmud sagt .«, und fragen sich, was der Talmud eigentlich ist. Der Talmud ist nicht so einfach zu definieren. Das Wort selbst bedeutet wörtlich »Lehre/Lernen«, aber der gleichnamige Text hat eine komplexere Bedeutung. Der beste Weg, ihn zu verstehen, wie ich in diesem Buch erkläre, besteht darin, sich mutig in ihn hineinzustürzen und sich darin umzusehen.
Stellen Sie sich das Studium des Talmuds wie Küssen vor. Sie können über Küssen lesen, Menschen beim Küssen beobachten und die Physiologie des Küssens verstehen. Aber wenn Sie mehr über das Küssen erfahren möchten, ist es am besten, selbst zu küssen!
Der Ausdruck »das Meer des Talmuds« wird seit vielen Jahrhunderten verwendet, um den Talmud zu beschreiben, und die Metapher eines Meeres ist wirklich treffend. Der Talmud ist wie ein Meer:
- Er hat keinen echten Anfang. Springen Sie einfach irgendwo hinein.
- Er ist tiefgründig und riesig. (Der Talmud basiert auf der Mischna, die aus 63 Büchern und 525 Kapiteln besteht. Er hat 2.711 doppelseitige Seiten und 1.860.131 Wörter.)
- Es braucht einen erfahrenen Kapitän, um durch die Gewässer zu navigieren.
- Er kann gefährlich sein: Sie könnten darin ertrinken.
Der Talmud stellt den Leser vor eine Reihe von Herausforderungen:
- Er ist in einer Mischung aus Hebräisch und Aramäisch geschrieben.
- Er enthält keine Vokale, nur Konsonanten.
- Er enthält unglaublich komplexen Text.
- Er springt oft ohne Vorwarnung von Thema zu Thema.
- Er enthält viel Text, der für das moderne Leben irrelevant erscheinen mag.
- Er führt viel mehr zu Fragen als zu Antworten.
Bereits jetzt entmutigt? Keine Sorge. Talmudübersetzungen in moderne Sprachen verwenden die übliche Zeichensetzung, und es gibt Kommentare, die Wort für Wort, Satz für Satz vorgehen und selbst absoluten Anfängern helfen, sich im Meer des Talmuds zurechtzufinden. Und ich bin hier, um Sie zu begleiten, während wir gemeinsam den Talmud erkunden.
Talmudgelehrte sagen, der Talmud sei in der Sprache des Denkens geschrieben. So wie unsere Gedanken fast gleichzeitig überall sein können, bewegt sich der Talmud durch Assoziation von Thema zu Thema.
Wer spirituelle Erleuchtung sucht, tut sich oft schwer mit dem Talmud. Warum? Weil der Talmud eine einzigartige Eigenschaft besitzt, die wohl kein anderer religiöser Text aufweist: Er verlangt vom Lernenden, ihm zu widersprechen! Ganz genau. Wer sich nicht mit dem Text auseinandersetzt, studiert ihn wahrscheinlich nicht richtig. Obwohl der Talmud ein heiliges Buch des jüdischen Volkes ist, ermutigt er dazu, ihn zu hinterfragen - nein, er verlangt es sogar.
Die Inuit, ein indigenes Volk aus der Arktis und Subarktis Nordamerikas, kennen viele Wörter für Schnee in allen Variationen. Obwohl die genaue Anzahl ihrer Wörter oft überschätzt wird, ist es verständlich, warum sie mehr Wörter für Schnee haben als beispielsweise Menschen in den Tropen. Erst durch den ständigen Kontakt mit einer Sache erkennt man, was für detaillierte Unterscheidungen benannt werden müssen.
Der Talmud kennt zwar nicht viele Wörter für Schnee, aber viele Fragen. Tatsächlich bauten die Weisen, die den Talmud erstmals niederschrieben, ihn auf Fragen auf. Wer beim Talmudstudium keine Fragen stellt, nimmt nicht aufmerksam am Talmudstudium teil. Der Talmudschüler muss akzeptierte Ansichten unermüdlich hinterfragen und überprüfen.
Der Talmud wurde ursprünglich vor über 2.000 Jahren zusammengestellt, dient jedoch als Aufbewahrungsort für jahrtausendealte jüdische Weisheit.
Ein weiterer einzigartiger Aspekt des Talmuds ist, dass er sowohl bekannte als auch fiktive Themen mit der gleichen Ernsthaftigkeit behandelt. Mit anderen Worten: Um eine Idee zu testen, erfindet der Talmud oft eine unmögliche Situation, um die Auswirkungen der Idee zu verdeutlichen. Obwohl es beispielsweise zum Zeitpunkt der Entstehung des Talmuds noch keine Flugmaschinen gab, zögert der Talmud nicht zu fragen: »Was wäre, wenn wir eine Flugmaschine hätten? Was würde das bedeuten?«
Der Talmud ist voller Weisheiten zu fast jedem erdenklichen Thema. Doch der Talmudtext interessiert sich mehr für die Diskussionen, die zu den Weisheiten führen, als nur für deren Schlussfolgerung. Wenn ein jüdisches Kind von der Schule nach Hause kommt, lautet die passende Frage seiner Eltern nicht: »Was hast du heute gelernt?«, sondern: »Hast du heute eine gute Frage gestellt?«
Die Autoren und Verfasser des Talmuds hatten nie ein endgültiges, schriftliches Werk im Sinn, sondern vielmehr einen offenen Text, in dem ständig neue Fragen und Sichtweisen aufgeworfen werden. Talmudgelehrte betrachten es als große Leistung, wenn ein Talmudschüler einen Blickwinkel eröffnet, den zuvor niemand in Betracht gezogen hatte.
Über dieses Buch
Der Talmud ist nach der Bibel der wichtigste spirituelle Text des Judentums. Wenn Schüler einen heiligen jüdischen Text studieren, ist es fast immer der Talmud. In Der Talmud für Dummies möchte ich Sie mit seinen wichtigsten Elementen vertraut machen.
Eines dieser Elemente sind die großen Weisen (weise Rabbiner), deren Gedanken, Ideen und Standpunkte im Talmud niedergeschrieben sind. Wahrscheinlich tausend verschiedene Persönlichkeiten sind im Talmud vertreten. Manche dieser Weisen erscheinen nur einmal im gesamten Text, andere hundertmal. Ich stelle Ihnen einige der wichtigsten Weisen vor, deren Weisheit in den Dialogen und Debatten des Talmuds dargelegt wird.
Leider hat der Talmud eine harte Geschichte hinter sich, ähnlich wie das jüdische Volk, das seit der Antike mit Antisemiten (Menschen, die Juden gegenüber feindlich gesinnt sind oder Vorurteile haben) zu kämpfen hat. Gruppen, die das jüdische Volk über Jahrhunderte hinweg vernichten wollten, griffen den Talmud an und verbrannten ihn, weil er für Juden ein so wichtiger Text ist.
Der Talmud wird auch wegen weitverbreiteter Missverständnisse über seinen Inhalt und seine Intentionen angegriffen. Wenn die Weisen über ein bestimmtes Thema debattieren, werden im Talmud alle Seiten der Debatte festgehalten, selbst die Standpunkte, die die Diskutierenden letztlich verwarfen. Wenn jemand aus dem Talmud zitiert, kann dieses Zitat eine Idee widerspiegeln, die der Gesamttext vehement ablehnt. Dennoch kann jemand sagen: »Der Talmud sagt .«, selbst wenn die Weisen im Talmud die zitierte Aussage verurteilen. Dieses aus dem Kontext gerissene Zitieren ist im Laufe der Geschichte oft vorgekommen und hatte verheerende Folgen.
Der Talmud hat eine faszinierende Geschichte, aber auch eine tragische Seite, da seine Gegner seinen Zweck manipuliert und verfälscht haben. In diesem Buch führe ich Sie durch einige der Höhepunkte und Tiefpunkte der Geschichte des Talmuds.
Man kommt nicht um die Tatsache herum, dass der Talmud schon immer so etwas wie ein Männerclub war. Die Persönlichkeiten des Talmuds sind zu 99 Prozent männlich, daher sind ihre Standpunkte, wenig überraschend, männlich geprägt. Zudem haben über die Jahrhunderte hinweg (größtenteils) nur Männer den Talmud studiert, sodass auch die Kommentare von Männern verfasst wurden. In Der Talmud für Dummies stelle ich mich dieser Tatsache direkt und beschreibe einige der Bemühungen unserer Generation, dies zu ändern.
Der Talmud behandelt in seinen Traktaten und unzähligen Kommentaren jedes erdenkliche Thema. Ich fordere Menschen oft auf, ein Thema zu nennen, und zeige ihnen dann, wo im Talmud sie eine entsprechende Diskussion dazu finden. Diese Herangehensweise habe ich nie abgelegt. Der Talmud umfasst Themen und Situationen, die nur durch die Vorstellungskraft begrenzt sind. In Der Talmud für Dummies untersuche ich eine Reihe von Themen aus dem Talmud, die hoffentlich Ihr Interesse wecken. Unter anderem gehören dazu Sex, Rechtliches, Ehe und Scheidung, Essen, Feiertage und Humor.
Konventionen in diesem Buch
Um Ihnen die Navigation in dieser Einführung in das Talmudmeer zu erleichtern, verwende ich die folgenden Konventionen:
- Definitionen: Ich definiere jeden hebräischen Begriff bei der ersten Verwendung. Die Aussprache der Wörter im Hebräischen, wie sie heute definiert ist, unterscheidet sich durchaus von der Aussprache in vielen Gemeinden. Aschkenasische (ursprünglich aus Mitteleuropa kommende) Juden sprechen viele Worte anders aus, als es im heutigen Hebräisch üblich ist, das von der sephardischen Tradition geprägt ist und etwa in Israel gesprochen wird.
- Daten: Wenn ich ein Datum angebe, verwende ich die säkularen Abkürzungen »u. Z.« (»unserer Zeitrechnung«) statt »n. Chr.« (»nach Christus«) und »v. u. Z.« (»vor unserer Zeitrechnung«) statt »v. Chr.« (»vor Christus«). Die Jahreszahlen sind gleich, das heißt, »500 u. Z.« ist dasselbe wie »500 n. Chr.«.
Törichte Annahmen über die Leser
Während ich...
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