
Das Ulmer Geschlecht Krafft von Dellmensingen im frühen Spätmittelalter
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Person
2017 Heirat mit Verena Kraft.
Als Beispiel besonderer Quellenforschung sind folgende Titel hervorzuheben:
Lutz Krafft, der Münstergründer. In: 600 Jahre Ulmer Münster, Hg. Hans Eugen Specker und Reinhard Wortmann - Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 19, 1977, S.9-58. (2.Aufl. 1984) und Rotfelden - Eine tausendjährige Geschichte 1005-2005. Verlag Konrad, Weißenhorn 2005.
Mitte Mai 2021 erscheint: Von der Hirsauer Reform zum Zisterzienserorden. Genealogische Beobachtungen der Schwarzwaldklöster im 11. und 12. Jahrhundert. Retschdruck Nagold, hg. V.Kraft (ISBN: 978-3-00-068597-2) und November 2021 Das Ulmer Geschlecht Krafft im frühen Spätmittelalter. Verwandtschaft und Wirkungskreis. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde, Einzelheft zu Band 39.
Inhalt
Kraft der Schreiber und seine Brüder
Das Epitaph, das Fabri beschreibt - im Originaltext unter wörtlicher Zitierung der Umschrift9 - ist erhalten, wenn auch seit der Zerstörung Ulms am 17. Dezember 1944 schwer beschädigt und verwahrlost10.
Sein ursprünglicher Platz war über dem Grab Krafts in der Johanneskapelle, der alten krafftischen Grablege, die südöstlich an den Chor der Predigerkirche angebaut war und 1819 abgebrochen wurde11. Nach dem Umbau der Kirche zur Dreifaltigkeitskirche wurde der Stein 1621 an der Innenseite der Chorwand aufgerichtet und neu gefaßt12, Farbreste waren noch 1876, aber schon 1911 nicht mehr zu sehen, die Schrift jedoch damals noch vergoldet13. Auch die von Endriß angenommene Nacharbeitung der Umschrift kann, wenn überhaupt14, nur 1621 erfolgt sein, dann sicher zuverlässig nach der Lesung Fabris. In teils capitalen, teils unzialen Maiuskeln geschrieben lautet sie: ANNO DOM CC LX/ XXXVIII IN DIE E-PIP-HANIE OB/IIT DOMINVS KRAFTO/ANTIQUS - SCRIBA FUNDATOR/ NR. Die Abkürzung für "noster" steht dabei, wegen schlechter Einteilung des auf dem Rand vorhandenen Platzes, in der rechten oberen Ecke des Innenfeldes, das ganz vom Hochrelief des krafftischen Wappens eingenommen wird. Die Unterbrechungen der Inschrift sind verursacht durch das Übergreifen von Helmdecke und Schild auf den Rand, der genau 10 cm breit und um etwas mehr als 45° nach außen abgeschrägt ist, so daß die oben rechts beginnende Inschrift im Herumgehen gegen den Uhrzeigersinn zu lesen ist. Damit erweist sich das Epitaph als Deckplatte eines Tumba-Grabes.
Kraft der Schreiber oder zumeist lateinisch Crafto dictus Scriba, kann urkundlich seit 1270 in Ulm nachgewiesen werden15 und ist bis zu seinem Tod achtundzwanzig Mal in zeitgleichen Quellen erwähnt. Aus diesen Erwähnungen läßt sich eine Vielzahl an Beziehungen erkennen, obwohl nur eine Urkunde von ihm selber ausgestellt ist und in siebzehn Fällen er lediglich als Zeuge genannt wird. Denn Amt und Ansehen sind nur selten der alleinige Grund der Hinzuziehung zu einem Rechtsgeschäft, entscheidend sind in der Regel doch die persönlichen Beziehungen zu den dabei agierenden Personen. Freilich finden sich dann dafür keine Bezeichnungen, nie sind sie ohne weiteres erkennbar, und nicht immer gelingt es, sie zu erschließen. Sie können darum zunächst nur angedeutet werden, ihre Präzisierung wird Aufgabe der weiteren Untersuchung sein.
Die Familie Krafts
Die einzige in den Quellen ausgesprochene Beziehung Krafts betrifft seine allernächste Verwandtschaft. Bei seinem zweiten Auftreten leistet er Zeugenschaft neben seinem Vater Ulricus Scriba, der zuvor nur einmal 1264 in dem Ulricus notarius, der eine lange Zeugenreihe mit Ulmer Bürgern abschließt, erkannt werden könnte16. Denn daß dieser nicht der 1277 und 1284 genannte Stadtschreiber Ulrich17 sein könnte, ergibt sich nicht allein daraus, daß zwischen 1255 und 1272 sonst nur der Stadtschreiber Berchtold von Unlingen bezeugt ist18, sondern auch aus dem Fehlen der beim Stadtschreiber sonst üblichen Beisätze "civitatis" und "humilis" bzw. "humillimus". Dennoch steht seine Anführung an letzter Stelle in auffallendem Gegensatz zu der bevorzugten Stellung, die er 1271 und 1277 als dritter nach dem Amann Otto am Steg und dem greisen Wernher Mönch, 1272 gar als erster der nicht ritterlichen Zeugen, einnimmt. Zwischen 1277 Juni 28 und 1279 Juni 29 muß dieser gestorben sein, weil von da an Kraft und seine Brüder nur noch ohne ihn auftreten.
Mit seinen Brüdern zusammen erscheint Kraft häufig, bis 1289 fast regelmäßig, so daß von achtzehn Nennungen Krafts nur fünf ihn allein anführen, wozu noch drei oder vier Erwähnungen nur eines seiner Brüder kommen. Schon bei Krafts zweitem Auftreten ist außer dem Vater auch sein Bruder Ulrich, wie auch später in der Regel, ihm vorangestellt, also der älteste der Brüder. Als jüngere Brüder treten 1277, noch einmal mit dem Vater, Otto, Dietrich und Herman hinzu, 1279 als letzter Heinrich19. Doch zeigt dessen fast stets eingehaltener Platz zwischen Otto und Dietrich, daß er nicht der jüngste Bruder ist. Sein Alter wird 1302, wo er als vereidigter Zeuge des Klosters Söflingen in dessen Streit mit dem Grafen Eberhart von Wirtemberg um die Besetzung der Kaplanei Ehrenstein aussagt, mit vierzig Jahren angegeben20. Dies dürfte freilich sehr ungenau sein, wie aus den Altersangaben der übrigen Zeugen ersichtlich ist, die sich zum überwiegenden Teil auf runde Zehner beschränken, wobei gerade vierzig Jahre das am häufigsten genannte Alter ist21. Da ihm 1281 das Kommando über die von den Ulmern bis zu ihrer Übergabe an das Kloster Söflingen besetzt gehaltene Burg Ehrenstein übertragen war22, und er damals schwerlich erst neunzehnjährig gewesen sein wird, darf wohl angenommen werden, daß er einige Jahre älter war. Dazu stimmt dann auch die Zeugenschaft seiner beiden jüngeren Brüder schon 1277, die darauf schließen läßt, daß auch sie wohl noch vor 1260 geboren wurden, da allzu jugendliche Zeugen aus den Ulmer Geschlechtern, selbst zusammen mit Vater und Brüdern, sonst nie festgestellt werden können und später auch sechzehn Jahre das Mindestalter für die Aufnahme in die Geschlechterstube war.
Groß kann allerdings der Altersunterschied zwischen den drei jüngsten Brüdern dabei nicht gewesen sein, was sich auch daran zeigt, daß Herman, der jüngste, zweimal vor Dietrich, einmal sogar vor Heinrich genannt wird. Diesem Vorrücken entspricht wohl auch eine gegenüber den anderen gesteigerte Bedeutung, da es erst seit 1282 vorkommt, nachdem er also dem jugendlichen Alter entwachsen war. Etwas größer scheint dagegen der Altersabstand von dieser Brüdergruppe zu Otto zu sein, aber ebenso auch von diesem zu den beiden ältesten Brüdern, weil er immer dieselbe Stellung einnimmt, während Kraft auch zweimal seinem älteren Bruder Ulrich vorgezogen wird. Die überragende Bedeutung Krafts kommt hierin ebenso zum Ausdruck, wie vor allem in seiner ungleich häufigeren Erwähnung.
Als weiteren "Bruder des ersten stiffters", also Krafts des Schreibers, nennt die "Flügeltafel" einen 1333 gestorbenen und in der Johanneskapelle begrabenen Johannes. Da die genealogischen Angaben der "Flügeltafel" für diese Zeit jedoch äußerst fragwürdig sind und Johans der Schriber nur einmal 1308 als Tochtermann des Biberacher Ammans Graether Kaepphinch urkundlich nachgewiesen werden kann23, muß seine Einordnung, die in die nächste Generation genauso gut möglich wäre, offen bleiben. Sollte aber die Angabe der "Flügeltafel" auf echter Überlieferung beruhen, für die sich nur keine Bestätigung findet, so könnte er bei dem häufigen geschlossenen Auftreten der Brüder Schreiber allenfalls als Halbbruder aus einer nicht faßbaren späten Ehe des Vaters betrachtet werden.
Zwischen den auseinandergezogenen Geburtsjahren der Brüder muß wohl die Geburt auch einiger Schwestern angenommen werden. Von diesen läßt sich zunächst nur eine mit einiger Sicherheit erschließen. Als nämlich Renhart von Griesingen 1345 bei der Entlassung aus ulmischer Gefangenschaft seine Urfehde und Verbannung "in die Mark Brandenburg über das Wasser die Elbe" beschwört, setzt er zu Bürgen ("Tröstern") vierzig "gebohr fründ", also Blutsverwandte24. Die zugrunde liegenden Verwandtschaftsverhältnisse sind ebenso schwierig zu klären, wie die Genealogie der Herren von Griesingen selbst, doch scheint in der Reihenfolge der Bürgen eine gewisse, offenbar im Verwandtschaftsgrad begründete Reihenfolge eingehalten worden zu sein. So erscheint nach achtzehn Angehörigen der verschiedensten, meist landadeligen Familien der Griesinger Mannesstamm erst vom 19. bis zum 28. Bürgen, darauf folgt das Ulmer Geschlecht Rot aus der Linie des Ott Rot mit fünf Personen, wohingegen Fritz der Rot von Zelle und sein Bruder Heinrich schon an 8. und 9. Stelle aufgeführt sind. Fünf Nachkommen Krafts des Schreibers und auch der Enkel eines seiner Brüder nehmen den 34. bis 39. Platz ein: Hier ist also der Vater Krafts der nächste gemeinsame Vorfahr - wahrscheinlich auch mit Renhart von Griesingen. Dessen Vater ist nämlich Her Ulrich von Griesingen, der letztmals 1347 als "der alt" und Bruder eines offenbar schon vor längerer Zeit verstorbenen Renhart genannt wird25. Da der Name Ulrich bei den Herren von Griesingen im 13. Jahrhundert noch nicht gebräuchlich ist, kann wohl angenommen werden, daß er durch eine Tochter Ulrichs des alten Schreibers eingeführt wurde.
Als deren Ehemann kann, da nur in dieser Linie der Name Renhart eine Rolle spielt, nur ein Reinhart von Griesingen in Frage kommen, der sich vorläufig von 1260 bis 1281 nachweisen...
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