
Die kleine Périne und Marie Antoinette
Beschreibung
Marie Antoinette, die als Kind noch Maria Antonia heißt, ist ein schwerer Fall. Sie ist sich meistens selbst überlassen und macht deshalb was sie will. Dabei ergeben sich manchmal schlimme Sachen. Da wo es besonders schlimm werden könnte, werden im Buch zwei Möglichkeiten beschrieben. Es gibt dann ein Kapitel in dem beschrieben wird, wenn sie sich für den guten und ein weiteres, wenn sie sich für den schlechten Weg entscheidet.
Weitere Details
Weitere Ausgaben
Person
Inhalt
2-1 Périne
Am selben Tag wie Maria Antonia, dem 2· November 1755 kam auch Périne 1.236 km entfernt in Paris auf die Welt. Ihre Mama hieß Marielouise und ihr Papa Pierre Petit. Pierre war ein kluger Mann und hatte viele Freunde. Weil er klug, besonnen und ruhig war, wurde ein Minister von Ludwig XV., der Kardinal Dubois9 auf ihn aufmerksam. Danach durfte Pierre dem Minister helfen, seine Arbeit zu tun. Er war sein Sekretär und hatte eine sichere Arbeit und einen regelmäßigen Lohn.
Die kleine Périne wuchs in einem kleinen Häuschen in Paris auf. Ihre Mama war eine liebe Frau und nahm sich viel Zeit für ihr einziges Kind.
Ja und dann war da noch was: Als für Marielouise die Geburt von Périne bevorstand, lag sie in ihrem Bett. Die alte Hebamme10 Francine11 hatte den zukünftigen Papa Pierre weggeschickt, damit er Kaffee kochen und heißes Wasser bereithalten sollte. Aber Francine war eingenickt. Marielouise hatte es nicht gemerkt, weil sie wieder starke Wehen bekam. Wehen bekommt ein Frau, wenn bald ihr Kind zur Welt kommt. Dann zieht sich der Bauch zusammen und das Baby wird immer mehr aus dem Bauch der Mutter herausgedrückt.
Plötzlich ging es ganz schnell und das Mädchen Périne war aus Mutters Schoß herausgeflutscht. Mama Marielouise lehnte sich erschöpft zurück und holte tief Luft nach der großen Anstrengung. Genau in diesem Moment schlüpfte eine vorbeifliegende Seele in die kleine Périne und niemand hatte es bemerkt, denn Francine hatte die Augen geschlossen, die Mama war zu schlapp und das Neugeborene Kindchen hatte noch zu viel damit zu tun, sich auf der Welt außerhalb vom Mutterleib einzustellen. Das war eine der guten, alten Seelen, die Kindern helfen, selbst eine gute Seele zu bekommen.
Als Marielouise sich wieder aufrichtete, erschrak sie. Sie konnte ihr Baby nicht sehen und bemerkte, dass die Hebamme schlief.
"Francine! Schläfst du?" rief Marielouise ganz entsetzt. Sie hatte Angst, dass etwas mit ihrem Kind passiert ist.
Francine schreckte auf und schüttelte den Kopf, "Nein, wie kommst du darauf. Ich hatte nur kurz die Augen geschlossen, weil ich zur heiligen Maria gebetet habe, dass du eine schnelle und leichte Geburt haben wirst und siehst du, es hat funktioniert." Dann hatte sie die kleine Périne vom Bett hochgehoben und der Mama auf den Bauch gelegt. Doch vorher hatte sie sie an den Füßen hoch genommen, so dass sie mit dem Kopf nach unten hing und ihr einen Klaps auf den Po gegeben. Da hat Périne einen leisen Schrei ausgestoßen und ein wenig Fruchtwasser ist ihr aus dem Mündchen gelaufen. Das mit dem Klaps haben früher die Hebammen gemacht, um festzustellen, ob das Baby atmet und um das Fruchtwasser, das das Baby vielleicht noch in der Luftröhre hat, zum Abfließen zu bringen.
So und nun nochmal kurz zurück zum Erdbeben in Portugal, das dem Baby Maria Antonia eine schlechte Zukunft bringen sollte. Wenn das stimmen würde, müsste Périne auch ein schlimmes Leben vor sich haben, denn sie ist am selben Tag und sogar zur selben Stunde wie Maria Antonia zur Welt gekommen. Außerdem sollte der Lebensmittelhändler aus der Nachbarschaft ihr Taufpate werden, der seit dreißig Jahren in Paris lebte und aus Portugal hergezogen war.
Wir werden sehen, wie sich das Leben von Périne entwickelt.
-:-
Nun wisst ihr genug darüber, wie zwei Mädchen in Europa weit voneinander entfernt auf die Welt kamen und zur selben Zeit lebten. Jetzt versetzen wir uns in das Jahr 1764, in dem beide neun Jahre alt sind.
-:-
Für Erwachsene vergehen die Jahre viel schneller, als sie es für Kinder tun. Wenn man erwachsen ist, meint man, dass die Kinder nur so aus dem Boden in die Höhe schießen. Deshalb sagen die Erwachsenen auch dauernd zu den Kindern 'Du bist aber groß geworden!' wenn sie sie nach einer längeren Zeit wiedersehen.
So ist es auch mit Périne. Ruckzuck ist sie acht Jahre alt und schon ein kluges Mädchen. Sie hilft der Mutter in der Küche und wenn ihr Papa aus dem Büro kommt, bringt sie ihm die Tageszeitung, nimmt ihm die Perücke ab, die man um 1764 tragen musste, wenn man im Büro und für hohe Herren arbeitete und gab ihm seine Pantoffeln.
Die Familie Petit ist glücklich und sie leben gerne in ihrem Haus und in Paris.
Eines Tages kommt Pierre von der Arbeit nach Hause und setzt sich nicht in seinen Sessel im Arbeitszimmer sondern an den Küchentisch. Er ruft Périne und seine Frau Marielouise an den Tisch:
"Kommt bitte her, ich muss etwas mit euch besprechen!" ruft er froh.
"Was gibt es denn mein Schatz?" fragt Marielouise und Périne fragt, "Hast du eine neue Arbeit, Papa?"
"So ähnlich! Woher weißt du das, Schätzchen?", sagt er. "Heute kam Kardinal Dubois zu mir und fragte mich, ob ich Deutsch könne. Ich fragte 'Deutsch'? Warum sollte ich Deutsch können, Eure Eminenz12? Da sagte er, dass der Botschafter des Königs in Wien zu alt geworden sei und nicht mehr lange seine Arbeit machen könne und dass bald ein junger Nachfolger an den Hof in Wien geschickt werden müsse. Und nun stellt euch vor, er will mich schicken! Ist das nicht schön?"
Marielouise, seine Frau wird still und scheint nachzudenken. Sie freut sich für ihren Mann, der es wirklich verdient hat, eine noch bessere Stelle zu bekommen als die, die er hat. Doch sie ahnt auch, was das bedeutet. Entweder zieht er allein nach Wien, um weit weg zu arbeiten oder sie müssen ihr schönes Heim und die Umgebung aufgeben, um mit ihm zu ziehen.
"Was arbeitet denn ein Botschafter, Papa?"
"Oh ein Botschafter ist der Vertreter seines Landes und seines Königs im Ausland. Das heißt, immer wenn der Herrscher im fremden Land etwas unserem König sagen will, spricht er mit dem Botschafter und bittet ihn, das dem König auszurichten. Deshalb werde ich in Wien auch ganz nah bei der Kaiserin Maria Theresia sein müssen, damit sie mir immer etwas sagen oder mich fragen kann, was sie gerne mit unserem König Louis Quinze13 klären möchte."
Doch plötzlich hat sie einen schlimmen Gedanken im Kopf und fragt "Fährst du alleine nach Deutschland oder nimmst du uns mit, Papa?"
"Wien ist die Hauptstadt von Österreich und ist nicht in Deutschland, aber man spricht dort Deutsch. Und natürlich nehme ich euch mit. Ohne euch würde ich es keine zwei Wochen dort aushalten."
Sie wird auf einmal traurig und lässt den Kopf hängen. Leise sagt sie: "Dann gehe ich jetzt und packe schon einmal mein Spielzeug ein und ..." Périne beginnt fürchterlich zu weinen.
"Was ist Schätzchen? Was hast du, warum weinst du?" fragte ihr Papa.
"Da ... da ... dann muss ich Carlos 'Au Revoir'14 sagen, mich von ihm verabschieden oder können wir ihn auch mitnehmen?" Und sie weint noch lauter als vorher. Carlos ist der beste Freund von Périne. Er ist der Sohn von ihrem Taufpaten und wohnt ganz nah im Nachbarhaus. Seit Périne sich erinnern kann, ist Carlos da und sie hat mit ihm gespielt. Er ist fast wie ihr Bruder.
"Nein, mein Schatz, Carlos können wir nicht mitnehmen. Sein Papa muss ja hier weiter den Leuten Lebensmittel verkaufen und alleine wird er nicht mit uns ziehen, glaube ich."
"A ... a ... aber wir wollen doch heiraten, wenn wir groß sind."
Pierre schaut seine Marielouise an und lächelt so, als müsste er ein Lachen unterdrücken. So ein Papa glaubt immer, dass seine Tochter nie heiraten wird und schon gar nicht, wenn sie erst acht Jahre alt ist.
"Weißt du, Périne, wenn du alt genug zum Heiraten bist, dann sind wir sicher schon wieder zurück in Paris. Wir bleiben ja nicht ewig in Wien." sagt die Mama und schaut ihren Mann an.
"Genau! Wir wohnen nur ein paar Jahre in Wien und danach kommen wir wieder zurück in unser Häuschen hier." sagt der Papa. Da heult Périne noch stärker los.
"Ein paar Ja ... ha ... hre? Mehrere Mal Weih ... hei ... nachten? Wei ... hei ... ßt du, wie lange das dau ... hert? Bis es Weihnachten ist, dauert es immer sooo lange."
"Ja Schatz, wenn man klein ist, meint man das, aber je älter man wird, umso schneller vergehen die Jahre." seufzt nun Marielouise.
"Und wir fahren ja auch nicht sofort, sondern erst in sechs Wochen. Bis dahin muss ich die deutsche Sprache lernen und das wird richtig schwer! Vielleicht kannst du mir helfen, Périne?"
Périne hat sich beruhigt. Ihre Mama trocknet ihr die Tränen mit einem Geschirrtuch, das sie an der Schürze hängen hat.
"Mama, ist gut. Ich habe keine Zeit. Ich muss sofort zu Carlos, ihm erzählen, dass wir bald bei der Kaiserin in Wien wohnen." und damit huscht Périne aus der Küche und aus dem Haus.
9 Dubois wird dübwa ausgesprochen
10 Eine Hebamme hilft den Frauen bei der Geburt ihrer...
Systemvoraussetzungen
Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)
Systemvoraussetzungen:
- Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat ePUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader – beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).
- Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie die App Adobe Digital Editions oder eine andere Leseapp für E-Books, z.B. PocketBook (siehe E-Book Hilfe).
- E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m.
Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für „fließenden” Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an.
Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein „weicher” Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich – sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.
Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.