Schnelles Denken, langsames Denken

 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im Juni 2012
  • |
  • 624 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09374-7 (ISBN)
 

Intuition oder Vernunft? - Menschliches Verhalten und das Verständnis von Wirtschaft

Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Warum ist Zögern ein überlebensnotwendiger Reflex, und was passiert in unserem Gehirn, wenn wir andere Menschen oder Dinge beurteilen? Daniel Kahneman, Nobelpreisträger und einer der einflussreichsten Wissenschaftler unserer Zeit, zeigt anhand ebenso nachvollziehbarer wie verblüffender Beispiele, welchen mentalen Mustern wir folgen und wie wir uns gegen verhängnisvolle Fehlentscheidungen wappnen können.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Random House
  • 1,18 MB
978-3-641-09374-7 (9783641093747)
3641093740 (3641093740)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1 - Widmung [Seite 2]
2 - Inhaltsverzeichnis [Seite 3]
3 - Einleitung [Seite 8]
3.1 - Wo wir heute stehen [Seite 8]
3.2 - Was als Nächstes kommt [Seite 8]
4 - TEIL I - Zwei Systeme [Seite 17]
4.1 - 1. Die Figuren der Geschichte [Seite 18]
4.1.1 - Zwei Systeme [Seite 18]
4.1.2 - Der Gang der Handlung: ein kurzer Überblick [Seite 18]
4.1.3 - Konflikt [Seite 18]
4.1.4 - Illusionen [Seite 18]
4.1.5 - Nützliche Fiktionen [Seite 18]
4.2 - 2. Aufmerksamkeit und Anstrengung [Seite 27]
4.2.1 - Mentale Anstrengung [Seite 27]
4.3 - 3. Der faule Kontrolleur [Seite 33]
4.3.1 - Das ausgelastete und erschöpfte System 2 [Seite 33]
4.3.2 - Das faule System 2 [Seite 33]
4.3.3 - Intelligenz, Kontrolle und Rationalität [Seite 33]
4.4 - 4. Die Assoziationsmaschine [Seite 41]
4.4.1 - Die Wunder des Priming [Seite 41]
4.4.2 - Primes, die uns anleiten [Seite 41]
4.5 - 5. Kognitive Leichtigkeit [Seite 48]
4.5.1 - Illusionen des Gedächtnisses [Seite 48]
4.5.2 - Illusionen der Wahrheit [Seite 48]
4.5.3 - Wie man eine überzeugende Mitteilung schreibt [Seite 48]
4.5.4 - Beanspruchung und Anstrengung [Seite 48]
4.5.5 - Die Freuden mühelosen Denkens [Seite 48]
4.5.6 - Leichtigkeit, Stimmung und Intuition [Seite 48]
4.6 - 6. Normen, Überraschungen und Ursachen [Seite 57]
4.6.1 - Normalität beurteilen [Seite 57]
4.6.2 - Ursachen und Intentionen [Seite 57]
4.7 - 7. Eine Maschine für voreilige Schlussfolgerungen [Seite 63]
4.7.1 - Vernachlässigung von Ambiguität und Unterdrückung von Zweifeln [Seite 63]
4.7.2 - Die Vorliebe, Aussagen zu glauben und eigene Erwartungen zu bestätigen [Seite 63]
4.7.3 - Überzogene emotionale Kohärenz?O der Halo-Effekt [Seite 63]
4.7.4 - What you see is all there is [Seite 63]
4.8 - 8. Wie wir Urteile bilden [Seite 70]
4.8.1 - Elementare Bewertungen [Seite 70]
4.8.2 - Mengen und Prototypen [Seite 70]
4.8.3 - Intensitäten und wie man sie vergleichen kann [Seite 70]
4.8.4 - Die mentale Schrotflinte [Seite 70]
4.9 - 9. Eine leichtere Frage beantworten [Seite 76]
4.9.1 - Fragen ersetzen [Seite 76]
4.9.2 - Die 3-D-Heuristik [Seite 76]
4.9.3 - Die Stimmungsheuristik für Glück [Seite 76]
4.9.4 - Die Affektheuristik [Seite 76]
5 - TEIL II - Heuristiken und kognitive Verzerrungen [Seite 83]
5.1 - 10. Das Gesetz der kleinen Zahlen [Seite 84]
5.1.1 - Das Gesetz der kleinen Zahlen [Seite 84]
5.1.2 - Die Tendenz, eher zu glauben als zu zweifeln [Seite 84]
5.1.3 - Ursache und Zufall [Seite 84]
5.2 - 11. Anker [Seite 92]
5.2.1 - Ankerung als Anpassung [Seite 92]
5.2.2 - Ankerung als ein Priming-Effekt [Seite 92]
5.2.3 - Der Ankerungsindex [Seite 92]
5.2.4 - Gebrauch und Missbrauch von Ankern [Seite 92]
5.2.5 - Ankerung und die beiden Systeme [Seite 92]
5.3 - 12. Die Wissenschaft der Verfügbarkeit [Seite 100]
5.3.1 - Die Psychologie der Verfügbarkeit [Seite 100]
5.4 - 13. Verfügbarkeit, Emotion und Risiko [Seite 106]
5.4.1 - Verfügbarkeit und Affekt [Seite 106]
5.4.2 - Die Öffentlichkeit und die Experten [Seite 106]
5.5 - 14. Was studiert Tom W.? [Seite 112]
5.5.1 - Vorhersage durch Repräsentativität [Seite 112]
5.5.2 - Die Sünden der Repräsentativität [Seite 112]
5.5.3 - Wie man die Intuition diszipliniert [Seite 112]
5.6 - 15. Linda: Weniger ist mehr [Seite 119]
5.6.1 - Weniger ist mehr, manchmal sogar bei gemeinsamer Bewertung [Seite 119]
5.7 - 16. Ursachen vs. Statistik [Seite 127]
5.7.1 - Kausale Stereotype [Seite 127]
5.7.2 - Kausale Situationen [Seite 127]
5.7.3 - Kann man Psychologie unterrichten? [Seite 127]
5.8 - 17. Regression zum Mittelwert [Seite 134]
5.8.1 - Talent und Glück [Seite 134]
5.8.2 - Regression verstehen [Seite 134]
5.9 - 18. Intuitive Vorhersagen bändigen [Seite 142]
5.9.1 - Nicht regressive Intuitionen [Seite 142]
5.9.2 - Eine Korrektur für intuitive Vorhersagen [Seite 142]
5.9.3 - Eine Verteidigung extremer Vorhersagen? [Seite 142]
5.9.4 - Die Regression im Zwei-Systeme-Modell [Seite 142]
6 - TEIL III - Selbstüberschätzung [Seite 150]
6.1 - 19. Die Illusion des Verstehens [Seite 151]
6.1.1 - Die sozialen Kosten der Rückschau [Seite 151]
6.1.2 - Erfolgsrezepte [Seite 151]
6.2 - 20. Die Illusion der Gültigkeit [Seite 158]
6.2.1 - Die Illusion der Gültigkeit [Seite 158]
6.2.2 - Der Irrglaube, einen guten Riecher für Aktien zu haben [Seite 158]
6.2.3 - Kompetenz und Gültigkeit?O warum wir diesen Illusionen unterliegen [Seite 158]
6.2.4 - Die Illusionen von Experten [Seite 158]
6.2.5 - Die Experten können nichts dafür?O die Welt ist eben kompliziert [Seite 158]
6.3 - 21. Intuitionen und Formeln [Seite 167]
6.3.1 - Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs minus Streithäufigkeit [Seite 167]
6.3.2 - Die Feindseligkeit gegen Algorithmen [Seite 167]
6.3.3 - Von Paul Meehl lernen [Seite 167]
6.3.4 - Probieren Sie es selbst aus [Seite 167]
6.4 - 22. Die Intuition von Experten: Wann können wir ihr vertrauen? [Seite 175]
6.4.1 - Glanzleistungen und Mängel [Seite 175]
6.4.2 - Intuition als Wiedererkennen [Seite 175]
6.4.3 - Erwerb von Fertigkeiten [Seite 175]
6.4.4 - Die geeignete Umgebung für Expertise [Seite 175]
6.4.5 - Feedback und Übung [Seite 175]
6.4.6 - Die Gültigkeit von Intuitionen beurteilen [Seite 175]
6.5 - 23. Die Außensicht [Seite 183]
6.5.1 - Die Verlockung der Innensicht [Seite 183]
6.5.2 - Der Planungsfehlschluss [Seite 183]
6.5.3 - Wie man Planungsfehlschlüsse in den Griff bekommt [Seite 183]
6.5.4 - Entscheidungen und Irrtümer [Seite 183]
6.5.5 - Einen Test nicht bestehen [Seite 183]
6.6 - 24. Die Maschine des Kapitalismus [Seite 190]
6.6.1 - Optimisten [Seite 190]
6.6.2 - Illusionen von Unternehmern [Seite 190]
6.6.3 - Vernachlässigung der Konkurrenz [Seite 190]
6.6.4 - Selbstüberschätzung [Seite 190]
6.6.5 - Wie die Prä-mortem-Methode helfen kann [Seite 190]
7 - TEIL IV - Entscheidungen [Seite 198]
7.1 - 25. Irrtümer [Seite 199]
7.1.1 - Bernoullis Irrtum [Seite 199]
7.2 - 26. Die Neue Erwartungstheorie [Seite 206]
7.2.1 - Verlustaversion [Seite 206]
7.2.2 - Blinde Flecken der Neuen Erwartungstheorie [Seite 206]
7.3 - 27. Der Endowment-Effekt [Seite 214]
7.3.1 - Der Endowment-Effekt [Seite 214]
7.3.2 - Wie ein Wertpapierhändler denken [Seite 214]
7.4 - 28. Negative Ereignisse [Seite 222]
7.4.1 - Ziele sind Referenzpunkte [Seite 222]
7.4.2 - Den Status quo verteidigen [Seite 222]
7.4.3 - Das Rechtswesen und die Verlustaversion [Seite 222]
7.5 - 29. Das viergeteilte Muster [Seite 229]
7.5.1 - Wahrscheinlichkeiten verändern [Seite 229]
7.5.2 - Das Allais-Paradoxon [Seite 229]
7.5.3 - Entscheidungsgewichte [Seite 229]
7.5.4 - Das viergeteilte Muster [Seite 229]
7.5.5 - Glücksspiele im Schatten des Gesetzes [Seite 229]
7.6 - 30. Seltene Ereignisse [Seite 238]
7.6.1 - Überschätzen und Übergewichten [Seite 238]
7.6.2 - Anschauliche Ergebnisse [Seite 238]
7.6.3 - Anschauliche Wahrscheinlichkeiten [Seite 238]
7.6.4 - Entscheidungen auf der Basis globaler Eindrücke [Seite 238]
7.7 - 31. Risikostrategien [Seite 247]
7.7.1 - Weit oder eng? [Seite 247]
7.7.2 - Samuelsons Problem [Seite 247]
7.7.3 - Risikostrategien [Seite 247]
7.8 - 32. Buch führen [Seite 254]
7.8.1 - Mentale Buchführung [Seite 254]
7.8.2 - Reue [Seite 254]
7.8.3 - Verantwortung [Seite 254]
7.9 - 33. Umkehrungen [Seite 262]
7.9.1 - Eine Herausforderung für die Ökonomik [Seite 262]
7.9.2 - Kategorien [Seite 262]
7.9.3 - Ungerechte Umkehrungen [Seite 262]
7.10 - 34. Frames und Wirklichkeit [Seite 270]
7.10.1 - Emotionales Framing [Seite 270]
7.10.2 - Leere Intuitionen [Seite 270]
7.10.3 - Gute Frames [Seite 270]
8 - TEIL V - Zwei Selbste [Seite 279]
8.1 - 35. Zwei Selbste [Seite 280]
8.1.1 - Erfahrungsnutzen [Seite 280]
8.1.2 - Erfahrung und Gedächtnis [Seite 280]
8.1.3 - Welches Selbst sollte zählen? [Seite 280]
8.1.4 - Biologie kontra Rationalität [Seite 280]
8.2 - 36. Das Leben als eine Geschichte [Seite 287]
8.2.1 - Amnestischer Urlaub [Seite 287]
8.3 - 37. Erlebtes Wohlbefinden [Seite 291]
8.3.1 - Erlebtes Wohlbefinden [Seite 291]
8.4 - 38. Lebenszufriedenheit [Seite 296]
8.4.1 - Die Fokussierungs-Illusion [Seite 296]
8.4.2 - Immer wieder der Faktor Zeit [Seite 296]
9 - Schlusswort [Seite 304]
9.1 - Zwei Selbste [Seite 304]
9.2 - Econs und Humans [Seite 304]
9.3 - Zwei Systeme [Seite 304]
10 - ANHANG [Seite 312]
10.1 - Urteile unter Unsicherheit: Heuristiken und kognitive Verzerrungen [Seite 312]
10.1.1 - Repräsentativität [Seite 312]
10.1.2 - Verfügbarkeit [Seite 312]
10.1.3 - Anpassung und Verankerung [Seite 312]
10.1.4 - Diskussion [Seite 312]
10.1.5 - Zusammenfassung [Seite 312]
10.2 - Entscheidungen, Werte und Frames [Seite 312]
10.2.1 - Risikobehaftete Entscheidungen [Seite 312]
10.2.2 - Framing der Ergebnisse [Seite 312]
10.2.3 - Die Psychophysik von Wahrscheinlichkeiten [Seite 312]
10.2.4 - Formulierungseffekte [Seite 312]
10.2.5 - Transaktionen und Tauschgeschäfte [Seite 312]
10.2.6 - Verluste und Kosten [Seite 312]
10.2.7 - Abschließende Bemerkungen [Seite 312]
11 - Dank [Seite 341]
12 - Anmerkungen [Seite 342]
12.1 - TEIL I [Seite 342]
12.1.1 - 1. Die Figuren der Geschichte [Seite 342]
12.1.2 - 2. Aufmerksamkeit und Anstrengung [Seite 342]
12.1.3 - 3. Der faule Kontrolleur [Seite 342]
12.1.4 - 4. Die Assoziationsmaschine [Seite 342]
12.1.5 - 5. Kognitive Leichtigkeit [Seite 342]
12.1.6 - 6. Normen, Überraschungen und Ursachen [Seite 342]
12.1.7 - 7. Eine Maschine für voreilige Schlussfolgerungen [Seite 342]
12.1.8 - 8. Wie wir Urteile bilden [Seite 342]
12.1.9 - 9. Eine leichtere Frage beantworten [Seite 342]
12.2 - TEIL II [Seite 342]
12.2.1 - 10. Das Gesetz der kleinen Zahlen [Seite 342]
12.2.2 - 11. Anker [Seite 342]
12.2.3 - 12. Die Wissenschaft der Verfügbarkeit [Seite 342]
12.2.4 - 13. Verfügbarkeit, Emotion und Risiko [Seite 342]
12.2.5 - 14. Was studiert Tom W.? [Seite 342]
12.2.6 - 15. Linda: Weniger ist mehr [Seite 342]
12.2.7 - 16. Ursachen vs. Statistik [Seite 342]
12.2.8 - 17. Regression zum Mittelwert [Seite 342]
12.2.9 - 18. Intuitive Vorhersagen bändigen [Seite 342]
12.3 - TEIL III [Seite 342]
12.3.1 - 19. Die Illusion des Verstehens [Seite 342]
12.3.2 - 20. Die Illusion der Gültigkeit [Seite 342]
12.3.3 - 21. Intuitionen und Formeln [Seite 342]
12.3.4 - 22. Die Intuition von Experten: Wann können wir ihr vertrauen? [Seite 342]
12.3.5 - 23. Die Außensicht [Seite 342]
12.3.6 - 24. Die Maschine des Kapitalismus [Seite 342]
12.4 - TEIL IV [Seite 342]
12.4.1 - 25. Irrtümer [Seite 342]
12.4.2 - 26. Die Neue Erwartungstheorie [Seite 342]
12.4.3 - 27. Der Endowment-Effekt [Seite 342]
12.4.4 - 28. Negative Ereignisse [Seite 342]
12.4.5 - 29. Das viergeteilte Muster [Seite 342]
12.4.6 - 30. Seltene Ereignisse [Seite 342]
12.4.7 - 31. Risikostrategien [Seite 342]
12.4.8 - 32. Buch führen [Seite 342]
12.4.9 - 33. Umkehrungen [Seite 342]
12.4.10 - 34. Frames und Wirklichkeit [Seite 342]
12.5 - TEILV [Seite 342]
12.5.1 - 35. Zwei Selbste [Seite 342]
12.5.2 - 36. Das Leben als eine Geschichte [Seite 342]
12.5.3 - 37. Erlebtes Wohlbefinden [Seite 342]
12.5.4 - 38. Lebenszufriedenheit [Seite 342]
12.5.5 - Schlusswort [Seite 342]
12.5.6 - ANHANG Urteile unter Unsicherheit [Seite 342]
12.5.7 - Entscheidungen, Werte und Frames [Seite 342]
13 - Sachregister [Seite 383]
14 - Personenregister [Seite 391]
15 - Copyright [Seite 396]

Einleitung

Jedem Autor, vermute ich mal, schwebt eine Situation vor, in der Leser seines Werks von der Lektüre desselben profitieren könnten. Ich denke dabei an den Kaffeeautomaten im Büro, vor dem Mitarbeiter Ansichten und Tratsch miteinander austauschen. Meine Hoffnung ist, dass ich den Wortschatz bereichere, den Menschen benutzen, wenn sie sich über Urteile und Entscheidungen anderer, die neue Geschäftsstrategie ihres Unternehmens oder die Anlageentscheidungen eines Kollegen unterhalten. Weshalb sich mit Tratsch befassen? Weil es viel leichter und auch viel angenehmer ist, die Fehler anderer zu erkennen und zu benennen als seine eigenen. Selbst unter den günstigsten Umständen fällt es uns schwer, unsere Überzeugungen und Wünsche zu hinterfragen, und es fällt uns besonders schwer, wenn es am nötigsten wäre - aber wir können von den sachlich fundierten Meinungen anderer profitieren. Viele von uns nehmen in Gedanken von sich aus vorweg, wie Freunde und Kollegen unsere Entscheidungen beurteilen werden; deshalb kommt es maßgeblich auf Qualität und Inhalt dieser vorweggenommenen Urteile an. Die Erwartung intelligenten Geredes über uns ist ein starkes Motiv für ernsthafte Selbstkritik, stärker als alle an Silvester gefassten guten Vorsätze, die Entscheidungsfindung am Arbeitsplatz und zu Hause zu verbessern.

Um zuverlässige Diagnosen zu stellen, muss ein Arzt eine Vielzahl von Krankheitsbezeichnungen lernen, und jeder dieser Termini verknüpft ein Konzept der Erkrankung mit ihren Symptomen, möglichen Vorstufen und Ursachen, möglichen Verläufen und Konsequenzen sowie möglichen Eingriffen zur Heilung oder Linderung der Krankheit. Das Erlernen der ärztlichen Heilkunst besteht auch darin, die medizinische Fachsprache zu erlernen. Um Urteile und Entscheidungen besser verstehen zu können, bedarf es eines reichhaltigeren Wortschatzes, als ihn die Alltagssprache zur Verfügung stellt. Die Tatsache, dass unsere Fehler charakteristische Muster aufweisen, begründet die Hoffnung darauf, dass andere in sachlich fundierter Weise über uns reden mögen. Systematische Fehler - auch »Verzerrungen« (biases) genannt - treten in vorhersehbarer Weise unter bestimmten Umständen auf. Wenn ein attraktiver und selbstbewusster Redner dynamisch aufs Podium springt, kann man davon ausgehen, dass das Publikum seine Äußerungen günstiger beurteilt, als er es eigentlich verdient. Die Verfügbarkeit eines diagnostischen Etiketts für diesen systematischen Fehler - der Halo-Effekt - erleichtert es, ihn vorwegzunehmen, zu erkennen und zu verstehen.

Wenn Sie gefragt werden, woran Sie gerade denken, können Sie diese Frage normalerweise beantworten. Sie glauben zu wissen, was in Ihrem Kopf vor sich geht - oftmals führt ein bewusster Gedanke in wohlgeordneter Weise zum nächsten. Aber das ist nicht die einzige Art und Weise, wie unser Denkvermögen (mind) funktioniert, es ist nicht einmal seine typische Funktionsweise. Die meisten Eindrücke und Gedanken tauchen in unserem Bewusstsein auf, ohne dass wir wüssten, wie sie dorthin gelangten. Sie können nicht rekonstruieren, wie Sie zu der Überzeugung gelangten, eine Lampe stehe auf dem Schreibtisch vor Ihnen, wie es kam, dass Sie eine Spur von Verärgerung aus der Stimme Ihres Gatten am Telefon heraushörten, oder wie es Ihnen gelang, einer Gefahr auf der Straße auszuweichen, ehe Sie sich ihrer bewusst wurden. Die mentale Arbeit, die Eindrücke, Intuitionen und viele Entscheidungen hervorbringt, vollzieht sich im Stillen in unserem Geist.

Ein Schwerpunkt dieses Buches sind Fehler in unserem intuitiven Denken. Doch die Konzentration auf diese Fehler bedeutet keine Herabsetzung der menschlichen Intelligenz, ebenso wenig, wie das Interesse an Krankheiten in medizinischen Texten Gesundheit verleugnet. Die meisten von uns sind die meiste Zeit ihres Lebens gesund, und die meisten unserer Urteile und Handlungen sind meistens angemessen. Auf unserem Weg durchs Leben lassen wir uns normalerweise von Eindrücken und Gefühlen leiten, und das Vertrauen, das wir in unsere intuitiven Überzeugungen und Präferenzen setzen, ist in der Regel gerechtfertigt. Aber nicht immer. Wir sind oft selbst dann von ihrer Richtigkeit überzeugt, wenn wir irren, und ein objektiver Beobachter erkennt unsere Fehler mit höherer Wahrscheinlichkeit als wir selbst.

Und so wünsche ich mir, dass dieses Buch die Gespräche am Kaffeeautomaten dadurch verändert, dass es unsere Fähigkeit verbessert, Urteils- und Entscheidungsfehler von anderen und schließlich auch von uns selbst zu erkennen und verstehen, indem es dem Leser eine differenzierte und exakte Sprache an die Hand gibt, in der sich diese Fehler diskutieren lassen. Eine zutreffende Diagnose mag wenigstens in einigen Fällen eine Korrektur ermöglichen, um den Schaden, den Fehlurteile und -entscheidungen verursachen, zu begrenzen.

Dieses Buch stellt mein gegenwärtiges Verständnis von Urteils- und Entscheidungsprozessen dar, das maßgeblich von psychologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte geprägt wurde. Die zentralen Ideen gehen allerdings auf jenen glücklichen Tag des Jahres 1969 zurück, an dem ich einen Kollegen bat, als Gastredner in einem Seminar zu sprechen, das ich am Fachbereich Psychologie der Hebräischen Universität von Jerusalem hielt. Amos Tversky galt als ein aufstrebender Star auf dem Gebiet der Entscheidungsforschung - ja, auf allen Forschungsfeldern, auf denen er sich tummelte -, sodass ich wusste, dass es eine interessante Veranstaltung werden würde. Viele Menschen, die Amos kannten, hielten ihn für die intelligenteste Person, der sie je begegnet waren. Er war brillant, redegewandt und charismatisch. Er war auch mit einem vollkommenen Gedächtnis für Witze gesegnet und mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit, mit ihrer Hilfe ein Argument zu verdeutlichen. In Amos' Gegenwart war es nie langweilig. Er war damals 32, ich war 35. Amos berichtete den Seminarteilnehmern von einem aktuellen Forschungsprogramm an der Universität Michigan, bei dem es um die Beantwortung der folgenden Frage ging: Sind Menschen gute intuitive Statistiker? Wir wussten bereits, dass Menschen gute intuitive Grammatiker sind: Ein vierjähriges Kind befolgt, wenn es spricht, mühelos die Regeln der Grammatik, obwohl es die Regeln als solche nicht kennt. Haben Menschen ein ähnlich intuitives Gespür für die grundlegenden Prinzipien der Statistik? Amos berichtete, die Antwort darauf sei ein bedingtes Ja. Wir hatten im Seminar eine lebhafte Diskussion, und wir verständigten uns schließlich darauf, dass ein bedingtes Nein eine bessere Antwort sei. Amos und mir machte dieser Meinungsaustausch großen Spaß, und wir gelangten zu dem Schluss, dass intuitive Statistik ein interessantes Forschungsgebiet sei und dass es uns reizen würde, dieses Feld gemeinsam zu erforschen. An jenem Freitag trafen wir uns zum Mittagessen im Café Rimon, dem Stammlokal von Künstlern und Professoren in Jerusalem, und planten eine Studie über die statistischen Intuitionen von Wissenschaftlern. Wir waren in diesem Seminar zu dem Schluss gelangt, dass unsere eigene Intuition unzureichend war. Obwohl wir beide schon jahrelang Statistik lehrten und anwandten, hatten wir kein intuitives Gespür für die Zuverlässigkeit statistischer Ergebnisse bei kleinen Stichproben entwickelt. Unsere subjektiven Urteile waren verzerrt: Wir schenkten allzu bereitwillig Forschungsergebnissen Glauben, die auf unzureichender Datengrundlage basierten, und neigten dazu, bei unseren eigenen Forschungsarbeiten zu wenig Beobachtungsdaten zu erheben. 1 Mit unserer Studie wollten wir herausfinden, ob andere Forscher an der gleichen Schwäche litten.

Wir bereiteten eine Umfrage vor, die realistische Szenarien statistischer Probleme beinhaltete, die in der Forschung auftreten. Amos trug die Antworten einer Gruppe von Experten zusammen, die an einer Tagung der Society of Mathematical Psychology teilnahmen, darunter waren auch die Verfasser zweier Statistik-Lehrbücher. Wie erwartet fanden wir heraus, dass unsere Fachkollegen, genauso wie wir, die Wahrscheinlichkeit, dass das ursprüngliche Ergebnis eines Experiments auch bei einer kleinen Stichprobe erfolgreich reproduziert werden würde, enorm überschätzten. Auch gaben sie einer fiktiven Studentin sehr ungenaue Auskünfte über die Anzahl der Beobachtungsdaten, die sie erheben müsse, um zu einer gültigen Schlussfolgerung zu gelangen. Selbst Statistiker waren also keine guten intuitiven Statistiker. Als wir den Artikel schrieben, in dem wir diese Ergebnisse darlegten, stellten Amos und ich fest, dass uns die Zusammenarbeit großen Spaß machte. Amos war immer sehr witzig, und in seiner Gegenwart wurde auch ich witzig, sodass wir Stunden gewissenhafter Arbeit in fortwährender Erheiterung verbrachten. Die Freude, die wir aus unserer Zusammenarbeit zogen, machte uns ungewöhnlich geduldig; man strebt viel eher nach Perfektion, wenn man sich nicht langweilt. Am wichtigsten war vielleicht, dass wir unsere kritischen Waffen an der Tür abgaben. Sowohl Amos als auch ich waren kritisch und streitlustig - er noch mehr als ich, aber in den Jahren unserer Zusammenarbeit hat keiner von uns beiden irgendetwas, was der andere sagte, rundweg abgelehnt. Eine der größten Freuden, die mir die Zusammenarbeit mit Amos schenkte, bestand gerade darin, dass er viel deutlicher als ich selbst sah, worauf ich mit meinen vagen Gedanken hinauswollte. Amos war der bessere Logiker von uns beiden, er war theoretisch versierter und hatte einen untrüglichen Orientierungssinn. Ich hatte einen intuitiveren Zugang und war stärker in der Wahrnehmungspsychologie verwurzelt, aus der wir viele Ideen übernahmen. Wir waren einander hinreichend ähnlich, um uns mühelos zu verständigen, und wir waren...

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