
Sämtliche Werke - Band 22
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Gesamtwerk / Teilwerk

Person
ISNI: 0000 0001 2276 4229 GND: 118558587
Inhalt
- Cover
- Reihenübersicht
- Haupttitel
- Impressum
- Inhaltsverzeichnis
- Aus: »Das Antlitz des Weltkrieges«
- Stoßtrupps
- Der letzte Akt (Teildruck)
- Zu eigenen Werken
- Nachwort zu »Afrikanische Spiele«
- Geleit zu »Der Friede«
- Widmung von »Atlantische Fahrt«
- Vorwort zu »Jahre der Okkupation«
- Über die Ausgabe der »Werke«
- Auf eigenen Spuren
- Vorwort zu »Ad hoc«
- Adnoten zu »Auf den Marmorklippen«
- Zu »Aladins Problem«
- Post festum
- Ansprachen und Grußworte
- Bei Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Wilflingen
- Zu Christiane Helmholtz' Büste des Autors
- Einleitende Worte zur Lesung während einer Kapitelsitzung der Ritter des Ordens Pour le Mérite
- Zum fünfzigsten Jahrestag des Kriegsausbruchs am 2. August 1914
- Zu einer Lesung in Biberach
- Dank für eine Ehrung in Amriswil
- Grußwort zum Schützenfest in Wilflingen
- Grußwort an den Musikverein Wilflingen
- Geleitwort zu einer Ausstellung
- Einleitung der Dankrede bei der Verleihung des Goethe-Preises
- Geleitwort zu »Wilflingen. 900 Jahre Geschichte«
- Über die Bekanntschaft mit Serge Mangin
- Zur Käferkunde
- Geleitwort zu »Käfer. Form und Farbe - Fülle und Pracht« von Franz Peter Möhres
- Über den Sammler
- Auf Subtiler Jagd. Zu einer Plastik von Gerold Jäggle
- Geleitwort zu »Der Heldbockkäfer« von Volker Neumann
- Splitter
- Zu »Auf tausendjähriger Karawanenstraße durch die Mongolei« von Edgar von Hartmann
- Zur Rechtschreibreform
- Hoff, o du arme Seele
- Aus dem Nachlaß
- Reisenotizen
- Buironfosse. 1909
- Feilspäne. Ravensburg 1948
- Schweiz. Mai/Juni 1950
- Turigliano. 1950
- Florenz. Oktober 1951
- Pully-Lausanne. 1954
- Sardinien. 1955
- Sardinien. März/April 1957
- Sardinien. Herbst 1957
- Sardinien. 1958
- Damaskus. 1961
- Sardinien. Frühjahr 1961
- Pressac. Paris. Karlsruhe. 1961
- Ägypten. Sudan. Sinai. 1962
- Benicasim. September 1962
- Sardinien. 1963
- Juist. 1969
- Gedichte
- Unser Leben
- Im Namen aller fahrenden Scholaren
- Aus der Festzeitung 1912:
- Motto
- Selbstbildnis
- Nachwort des Dichters
- Der Legionär
- Aus den Notizheften des Ersten Weltkriegs:
- Mein Tagebuch. Was auf die weißen Seiten
- Die Fastnacht der Hölle
- Ich wünsche Glück und Kummer
- Zu Kubins Bild »Der Mensch«
- Gleichschaltung
- Drei Silben
- Au Général Speidel
- Prinzessin Tarakanow. Fragment
- Letzte Worte. Fragment
- Über Leibniz' »Beste aller Welten«
- Sp. R. Drei Schulwege
- Übersetzungen
- Vom Äther. Aus Maupassants »Rêves«
- Das Paris eines Parisers. Von Paul Léautaud
- Nachwort
- Verzeichnisse
- Chronologisches Werkverzeichnis zu den Bänden 1-22
- Alphabetisches Inhaltsverzeichnis der Bände 1-22
- Informationen zum Autor
Wilflingen, 5. Februar 1996
Ich begleite jetzt wieder Dostojewski in den 'Dämonen' und lebe dann nächtlich in einer zweiten Gesellschaft. einer anderen Welt. In ihr träume ich weiter - so hörte ich den Stepan Trofimowitsch sagen: 'Marmorsäulen bemalt man nicht.' Das ist gut, steht aber nicht im Roman.
Den 'Raskolnikow' lernte ich als Fünfzehnjähriger kennen; mit jeder neuen Lektüre ändert sich die Gestalt. Das Kriminelle im Leser wird angeregt. Widrig ist aber, daß eine Alte, eine 'Laus', und dazu noch mit dem Beile, getötet wird. Die Berufung auf Napoleon ist absurd, doch eben die geistige Verwirrung andeutend. Der verbummelte Student brütet so lange in seiner dunklen Kammer, bis unbedingt etwas geschehen muß. Er muß, um sich Luft zu schaffen, jemand umbringen.
Doch warum kein Bankeinbruch? Einmal, weil es ihm nicht um Geld geht, und dann weil er im Grund ein Feigling ist. Nietzsche bewunderte an Dostojewski die psychologische Finesse - aus seiner Sicht gehört Raskolnikow natürlich zur Dekadenz.
Stawrogin ist der Übermensch in nuce: er stürzt nicht wie Nietzsches Seiltänzer in die Tiefe - der Fürst wählte den Strick.
Wilflingen, 3. März 1996
Die Hölle existiert nicht, wohl aber das Fegfeuer.
Die letzten Sekunden können sehr lang werden: am Rande der Ewigkeit. Auch die Ewigkeit ist nur eine Vorstellung.
Wilflingen, 15. März 1996
Beendet: Dominique Venner: 'Terreur et Crimes Politiques au XXe Siède'. Das Buch wurde mir vor Jahren vom Autor übersandt. Er zitiert mich mit einem Satze, der mir entfallen ist: 'Le terroriste ne frappe pas seulement sa victime, il s'inflige une blessure définitive.' Ich habe dabei wohl an Ernst von Salomon gedacht, der von Venner auch erwähnt wird, und zwar wegen seiner Verstrickung in den Rathenaumord.
*
Poincaré, ein kleiner frigider Rechtsverdreher mit geschwollenen Backen, verdankte seine politische Fortüne dem antideutschen Revanchismus, der in Frankreich nach der Niederlage von 1870 das politische Hauptproblem war. Die beiden in Trauerflor gehüllten Statuen von Metz und Straßburg auf der Place de la Concorde hielten mahnende Wacht.
*
Der Typ des Königsmörders. Oswald, der den Präsidenten Kennedy erschoß, fällt in dieselbe Sparte wie Ravaillac und Damiens. Es gibt stets ein Umfeld, dem die Tat eines Einzelnen entwächst - eine Spannung, der ein Funke entspringt.
Der Bericht über die Folterung Damiens' vom ersten bis zum achten und letzten Coin und dann über die Einzelheiten der Hinrichtung ist grauenhaft; er erschien zu Paris 1757, noch im Jahre der Tat. Ich besitze ihn in der Ausgabe, die auch der Alte Fritz gelesen hat.
Bei solcher Lektüre muß man sich die Katastrophe vor Augen halten, die ein Regizid auslösen kann. Unser Jahrhundert bietet das eklatante Beispiel von Sarajewo. Dem Erzherzog und seiner Gattin folgte ein endloser Trauerzug. Jeder meiner Generation ist ein Mitverwundeter. Princip, der Attentäter, wurde zu zwanzig Jahren Gefangenschaft verurteilt; er starb in der Haft.
Wilflingen, 17. März 1996
Morgens im Garten - ein heiterer Vorfrühlingstag. Der Winterling blüht rings um die Laube und unter der Blutbuche; der Winterjasmin ist verblüht. Der Krokus steckt noch kaum die ersten Spitzen heraus. Auf dem Weiher zwei Schwäne, Bläßhühner und viele Enten, im Lebensbaum picken die Grünfinken.
Gestern abend war Schlachtfest im 'Löwen' - in der Nacht unruhige Träume, unter anderen in Gesellschaft mit Florence Gould. Mir gegenüber ein Nobile in eleganter Kleidung; er gehörte nicht zum Traum, sondern stand greifbar im Raum. Vielleicht macht mich meine intensive Dostojewski-Lektüre für solche Erscheinungen anfällig.
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