
Das Mikro-Makro-Modell der soziologischen Erklärung
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Dr. Annette Schnabel ist Lecturer am Department of Sociology der University of Umea.
Dr. Rainer Schützeichel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der FernUniversität in Hagen.
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Dr. Annette Schnabel ist Lecturer am Department of Sociology der University of Umea.
Dr. Rainer Schützeichel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der FernUniversität in Hagen.
Inhalt
Stefanie Eifler
Einleitung
Die soziologische Analyse von Kriminalität und kriminellem Handeln ist gegenwärtig noch immer durch ein Nebeneinander einer Vielzahl konkurrierender Ansätze gekennzeichnet1. Da diese Ansätze sich jeweils in isolierter Form auf Einflüsse von Aspekten der sozialen Situation auf Kriminalität und kriminelles Handeln beziehen, wurden sie ein wenig despektierlich als >simple theories< (Tittle 1995) bezeichnet.
Obwohl angesichts dieser Situation bereits seit einiger Zeit Strategien der theoretischen Integration angewandt werden, um die zahlreichen theoretischen Überlegungen zu ordnen, konnte bislang kein einheitlicher theoretischer Bezugsrahmen für die Analyse von Kriminalität und kriminellem Handeln etabliert werden (Barak 1998, Messner et al. 1989). Inzwischen beziehen sich die meisten Vorschläge für eine theoretische Integration auf ein Makro-Mikro-Makro-Modell soziologischer Erklärungen.
Manche integrative Ansätze benutzen dabei lediglich die Unterscheidung zwischen verschiedenen Ebenen der soziologischen Analyse in einem heuristischen Sinne, andere integrative Ansätze beziehen sich explizit auf das von Coleman (1991) vorgeschlagene und von Esser (1993) im deutschen Sprachraum vertretene Grundmodell soziologischer Erklärungen und sehen darin einen >einigenden Bezugsrahmen< (Fararo 1989).
Beide Wege der Integration kriminalsoziologischer Konzepte in ein Makro-Mikro-Makro- Modell soziologischer Erklärungen sind allerdings bislang unterkomplex geblieben. Während es Ansätzen, die die Unterscheidung zwischen verschiedenen Ebenen der soziologischen Analyse in einem heuristischen Sinne verwenden, an einer Vorstellung über die Verbindung zwischen diesen Ebenen fehlt (Pearson/Weiner 1985), erweist es sich im Rahmen von Ansätzen, die sich explizit auf das Grundmodell soziologischer Erklärungen im Anschluss an Coleman (1991) beziehen, inzwischen als unzureichend, auf der Mikro-Ebene lediglich den Typus des rationalen Handelns als >social mechanism< (Hedström/Swedberg 1996, Mayntz 2004) einzusetzen (Eifler 2002, Lüdemann/Ohlemacher 2002).
In beiden Fällen konnte vor allem die Relevanz der moralischen Überzeugungen von Akteuren für kriminelles Handeln nicht angemessen berücksichtigt werden (Fetchenhauer 1998, 1999). Vor diesem Hintergrund greift der vorliegende Beitrag die Frame-Selektions-Theorie (Esser 2001) bzw. das von Kroneberg (2005, 2007) vorgeschlagene Modell der Frame-Selektion auf. Dieses Modell elaboriert insbesondere die Verbindung zwischen verschiedenen Ebenen der soziologischen Analyse, die Logik der Situation, und erlaubt es darüber hinaus, die Logik der Selektion um Komponenten normbezogenen Handelns zu erweitern.
Seit einiger Zeit fordern Birkbeck/LaFree (1993, LaFree/Birkbeck 1991) eine stärkere Hinwendung zu situationsbezogenen Perspektiven in der Analyse von Kriminalität und kriminellem Handeln. Dabei betonen sie, dass eine solche Forderung keineswegs neu ist, sondern sich bereits in sehr frühen kriminalsoziologischen Arbeiten findet: So hat schon Sutherland (1939) die Unterscheidung zwischen historischen Erklärungen einerseits und situationsbezogenen Erklärungen andererseits eingeführt: Während historische Erklärungen die Ursachen für kriminelles Handeln in stabilen motivationalen Unterschieden zwischen Nicht-Kriminellen und Kriminellen sehen, zielen situationsbezogene Erklärungen darauf ab, motivationale Unterschiede zwischen Personen, die kriminell handeln, und Personen, die dies nicht tun, auf die Konstellation situativer Gegebenheiten im Moment des Handelns zurückzuführen (Gibbons 1971).
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