
Heimrevolte
Beschreibung
Ein Theaterstück und Beiträge für eine demokratische Jugendhilfe Dieser Band dokumentiert und kontextualisiert das Theaterstück Heimrevolte - Nicht nur 'Peter, I love you' oder 'allet scheiße', das im Rahmen eines Projektseminars an der Universität Hamburg entwickelt und 2023 uraufgeführt wurde. Ziel ist es, das Stück über den Aufführungszusammenhang hinaus zugänglich zu machen und zugleich in fachliche, historische und aktuelle Diskurse der Kinder- und Jugendhilfe einzuordnen.
Das Theaterstück bildet den zentralen Bestandteil des Bandes. Inhaltlich thematisiert das Stück die Geschichte autoritärer Heimerziehung und ihre normativen Grundlagen. Anhand historischer Erziehungsziele wie "Arbeitsamkeit", "sittlicher Anstand" und Disziplinierung wird aufgezeigt, wie diese insbesondere gegenüber jungen Menschen aus sozial marginalisierten Familien durch Isolierung, körperliche Gewalt und systematische Entwürdigung durchgesetzt wurden.
Die Darstellung macht die institutionellen Gewaltverhältnisse sichtbar und verweist auf ihre langfristigen Auswirkungen auf die betroffenen jungen Menschen. Entstanden ist das Theaterstück aus der Auseinandersetzung mit dem Drama Revolte im Erziehungshaus (1929) von Peter Martin Lampel. Dieses historische Werk wird im Stück diskutiert, aktualisiert und in einen gegenwartsbezogenen Zusammenhang gestellt. Zugleich erfolgt eine kritische Bezugnahme auf aktuelle Debatten um geschlossene Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe. Der Titel des Stücks verweist sowohl auf Lampel als auch auf das Fernsehspiel Bambule (1971/2002) nach dem Drehbuch von Ulrike Meinhof, deren journalistische Arbeiten wesentlich zur Kritik autoritärer Fürsorgeerziehung beigetragen haben.
Die begleitenden Beiträge des Bandes vertiefen diese Perspektive und verorten das Theaterstück in den fachpolitischen Auseinandersetzungen um die Legitimation freiheitsentziehender Unterbringung. Kritisch analysiert wird das wiederkehrende Argument, eine wachsende Gruppe junger Menschen sei mit den bestehenden Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe nicht mehr erreichbar. Dem werden fachliche Positionen gegenübergestellt, die seit Jahrzehnten - unter anderem von der IGfH - auf die entwicklungsgefährdenden Folgen freiheitsentziehender Maßnahmen hinweisen und deren fehlende erzieherische Legitimation betonen. Der Band leistet damit einen Beitrag zur kritischen Reflexion autoritärer Kontinuitäten und zur Weiterentwicklung demokratischer Alternativen in der Kinder- und Jugendhilfe.
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