
Aurora / 2008/2009
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Inhalt
2 - Inhalt [Seite 8]
3 - Mythos - Kult - Ritual [Seite 10]
4 - Musik als Mythos und Medium in der frühromantischen Poetologie [Seite 28]
5 - "Durch das Fenster" [Seite 48]
6 - Von unmythischen Mythen und einem unerhabenen Erhabenen [Seite 62]
7 - ".und damit gut!" [Seite 76]
8 - Das zerbrochene Ringlein [Seite 88]
9 - Eichendorff und "Flower Power" [Seite 98]
10 - Pygmalion gespiegelt [Seite 112]
11 - Die "indirecte Darstellung des Ewigen" [Seite 130]
12 - Von Bräuten, Holunderbäumen und Hieroglyphen [Seite 146]
13 - Schleier, Schwelle, Zeremonie: Übergangsriten in Eichendorffs Das Marmorbild [Seite 166]
14 - Verleihung der Eichendorff-Medaille 2008 an Dr. Günther Schiwy [Seite 184]
15 - Bericht über den 19. Internationalen Kongress der Eichendorff-Gesellschaft vom 2. bis 4. Oktober 2008 in Regensburg [Seite 188]
16 - Annotationen zu Herkunft und Verbreitung mittelalterlicher Eichendorff-Geschlechter [Seite 198]
Birte Lipinski
Pygmalion gespiegelt (S. 103-104)
Mythos und Künstlerimagination in Eichendorffs Das Marmorbild
„Dichter sind doch immer Narzisse“, behauptet August Wilhelm Schlegel 1798 im ersten Band des Athenaeum. Dem widerspricht Dorothea Schlegel: „Die Dichter Narzisse? – Nicht alle. Der wahre göttliche Dichter ist Pygmalion. Dieser vergöttert das Werk seiner Kunst und belebt es durch seine Liebe; jener sieht nur sein Bild darin und ist in sich selbst verliebt.“
In dieser Einschätzung stehen zwei mythologische Figuren und mit ihnen zwei Künstlerbilder sehr nahe beieinander. In polarer Anordnung werden die guten, pygmalionischen Dichter als wahre Künstler von den problematischen – weil selbstverliebten – Narzissen klar unterschieden. Bei einem genaueren Blick auf die literarischen sowie kunsttheoretischen Schriften seit Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt sich jedoch, dass diese Teilung so keinen Bestand hat. Im Gegenteil entwickelt sich zu dieser Zeit ein Künstlerbild, das Elemente des Mythos von Pygmalion und des Mythos von Narziss überblendet und damit untrennbar macht. Die Utopie einer Kunst, die ‚schöpferisch‘ ein lebendiges Wesen erschafft, ist nur noch als Imagination des Künstlers denkbar. Pygmalion tritt immer weniger als Bildhauer und immer stärker als bewundernder Rezipient (s)eines Kunstwerks auf. Gleichzeitig wird die liebende Kunstbetrachtung eines Narziss als Sinnbild der absoluten Versenkung der Künstlerseele in sich selbst positiv besetzt. Der Rezipient als eigentlicheroder zumindest kongenialer Künstler belebt auch in der Rolle des Narziss sein Werk. Beide Mythen und ihre Implikationen beginnen, sich zu überschneiden. Nun ist der Narzissmythos, wie er erstmals bei Ovid in schriftlicher Form bekannt wird, ein Stoff, der einen prekären Aspekt birgt. Narziss als ‚Idealbild‘ des Dichters impliziert über die Vorläufer und das Potenzial des Mythos immer auch eine unheimliche Gefahr. Eine solche Gefahr geben die Varianten des Pygmalionmythos bis dahin nicht vor. Doch durch die Kombination mit den Mythemen des Narzissstoffs wird auch dieser ‚etablierte‘ Künstlermythos immer öfter ins Unheimliche gewendet.
Beide Entwicklungen werden durch dieselben Kunstphilosophien und Wahrnehmungstheorien – vor allem die Ausführungen Winckelmanns, Moritz’, Herders und Fichtes – und deren Popularisierung möglich. Im Folgenden soll gezeigt werden, inwieweit sie die Überblendung der Künstlerbilder von Narziss und Pygmalion auf kunsttheoretischer und poetologischer Ebene vorantreiben. Zunächst aber erfolgt ein Blick auf den fiktionalen, literarischen Text. Dort treffen sich Varianten beider Mythen im Motiv der Statuenliebe und, weiter gefasst, im Motiv des belebten Kunstwerks. Joseph von Eichendorffs Marmorbild ist nur eines der Beispiele, an dem sich die Fusion der Stoffe und ihrer Implikationen beobachten lässt.
Zwischen Pygmalion und Narziss: Florios Belebung des Marmorbilds
Es wird niemanden wundern, in einem Text über Das Marmorbild etwas über Pygmalion zu lesen, wenngleich Elisabeth Frenzels Stoff-Lexikon der Literatur die Erzählung unter dem Begriff der „Statuenverlobung“, nicht aber unter „Pygmalion“ aufnimmt und Annegret Dinter in ihrer Rezeptionsgeschichte des Pygmalionstoffs eindringlich vor einer „Ausweitung“ oder gar „Aufweichung“ der Motivik warnt. In der neueren Forschung hingegen ist die Lesart, die Geschichte um den jungen Dichter Florio als Pygmalionmythos zu verstehen, verbreiteter.
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