
Der Mensch geht, die Liebe bleibt
Beschreibung
Christina Buggenthin-Saß wurde 1960 in Wien geboren, sie arbeitet als Heilpraktikerin für Psychotherapie und gibt Seminare zum Herzerwachen. Durch die Zeit der Krankheit und des Sterbens ihres Sohnes hat sich ihr Leben sehr verändert. Die Autorin möchte Menschen Mut machen, trotz Trauer und widriger Umstände zufrieden und auch wieder glücklich zu werden und in eine dankbare Haltung dem Leben gegenüber zurückzufinden.
Weitere Details
Weitere Ausgaben
Person
1960 in Wien geboren, sie arbeitet
als Heilpraktikerin für Psychotherapie
und gibt Seminare zum Herzerwachen.
Durch die Zeit der Krankheit und
des Sterbens ihres Sohnes hat sich
ihr Leben sehr verändert.
Die Autorin möchte Menschen Mut
machen, trotz Trauer und widriger
Umstände zufrieden und auch
wieder glücklich zu werden und in
eine dankbare Haltung dem Leben
gegenüber zurückzufinden.
Inhalt
Wie es begann...
Seit über 30 Jahren meditiere ich nahezu täglich. Immer mal wieder dachte ich:
Irgendwann werde ich sehen, wo ich im Leben wirklich stehe, ob all die Meditationen in die Stille, in mein Herz, all die Techniken und Kontemplationen, Angst und Schmerz bewusst zu fühlen und damit loszulassen, wirklich etwas bewirkt haben. Ob es mir hilft, mit großen Krisen umzugehen, in meiner Mitte zu bleiben ohne fortgerissen zu werden.
Dass es so schwer werden würde, hatte ich niemals geahnt! Es kam die schwerste "Prüfung" in mein Leben, das Schlimmste, was ich mir als Mutter vorstellen konnte.
Diese Krise begann am Montag, den 4. März 2019, nachmittags gegen 17 Uhr. Dieser Tag hat mein Leben für immer verändert.
Marco rief an und sagte: "Mama, sie haben bei mir ein bösartiges Magenkarzinom festgestellt."
Etwas verstört fragte ich nur: "Und was bedeutet das jetzt?"
Er wusste es auch nicht, nur dass er ins Krankenhaus zu weiteren Untersuchungen sollte.
Seine Schwester war bei ihm, als die ersten Diagnosen auf ihn niederprasselten.
Als Marco ganz blass aus dem Untersuchungsraum kam, sagte er zu mir: "Der Magen muss raus."
Schock . "Aber besser der Magen weg als ich!", sagte er.
Wir umarmten uns völlig sprachlos.
"Du schaffst das, ich bin da!", sagte ich mit einem Kloß in Bauch und Hals.
Uns war nicht bewusst, dass Marco von Anfang seiner Diagnose an eine GEN-Mutation, CD H1, hatte, die zu Magenkrebs besonders bei jungen Menschen führt und den man erst entdeckt, wenn er schon fortgeschritten ist. Also war Marco von Anfang an unheilbar, er hatte kaum eine Chance. Es stellte sich dann noch heraus, dass auch das Bauchfell befallen war. Das bedeutete, dass der Magen nicht entfernt wurde, dafür eine sehr belastende und strapaziöse Chemotherapie über viele Monate anstand.
Mit einem Mal war nichts war mehr wie vorher. Schock, Schreck, Hoffen und Bangen.
Marcos letzter Weg begann, ohne dass es uns damals bewusst war, aber wahrscheinlich war es das Beste so. Erst nach seinem Tod stand das Ergebnis der GEN Untersuchung fest, Marco hat also nicht mehr erfahren, dass er nichts "falsch" gemacht hatte. Das macht mich immer noch traurig. Zumal die Ärzte sehr abweisend waren, als es um diesen Test ging. Seine Schwester hat trotzdem darauf bestanden, dass die GENUntersuchung gemacht wird.
Auf einer unserer langen Autofahrten nach Hamburg während der ersten Zeit der Chemotherapie habe ich ihn gefragt, was ihm zu viel war, und er erwiderte: "Das Haus."
"Und was macht dich glücklich und was würdest du JETZT gerne machen?
"Autos reparieren und basteln."
"Dann tu das", sagte ich zu ihm. Ich dachte, dass alles, was ihn glücklich macht, ihm helfen kann gesund zu werden.
Seine Schwestern waren so tapfer und hilfsbereit, waren immer für ihn da. Manchmal waren wir völlig überfordert mit all den schlechten Nachrichten. Der Schock saß bei uns allen sehr tief und viele, viele Tränen flossen.
Sobald es Marco mit der Chemo besser ging, wollte er auch wieder in seinem Haus sein und nicht in unserem Ort, wo wir ihn in der ersten Zeit der harten Chemo versorgten. Zu Hause waren seine Freund:innen, sein gesamtes soziales Umfeld und das Reparieren und "Basteln" seiner geliebten BMWs .
Und tolle Nachbarinnen, Mutter, Tochter und der kleine Sohn, drei Jahre. Sie kümmerten sich ständig um ihn! Sie wurden zu seiner zweiten Familie. Das hat mich sehr entlastet zu wissen, dass er nicht alleine war! Besonders der Kleine war für Marco ein Lebenselixier und Marco für ihn sein Ersatz-Papa.
Marco hat viel mit ihm unternommen, sich liebevoll um ihn gekümmert. Er ist am liebsten mit Marco Auto gefahren. Was ein Wunder ! Am liebsten zum Flugplatz Flugzeuge beobachten und Waffeln essen .
Marco hat alles gemacht, was möglich war, um wieder gesund zu werden, hat niemals geklagt oder gejammert, auch wenn die Nebenwirkungen der Chemo in der ersten Zeit oftmals tagelang sehr schlimm waren.
Er hat sogar wieder an Gewicht zugenommen und konnte nach einigen Monaten der Chemo wieder "normal" essen. Im Herbst letzten Jahres meinte er sogar: "Wenn ich es nicht wüsste, dass ich krank bin, würde ich es gar nicht merken."
Nach Weihnachten 2019 reiste Marco nach Österreich, ins Wiener Waldviertel zu meiner Schwester und genoss diese ruhigen Tage dort sehr! Mit Kater Winnie Pooh verband ihn sofort eine innige Freundschaft. Meine Schwester meinte, dass Winnie Pooh nur zu Menschen geht, die offenen Herzens sind! Ja, Marco liebte Kinder, Katzen, Kaninchen und Autos, besser gesagt BMWs . .
Im nächsten Jahr stand jedoch eine neue Chemo an, da der Tumor nicht verschwinden wollte. Jede dieser Diagnosen war für Marco erst einmal sehr schwer.
Aber wie immer sagte er: "Da muss ich jetzt durch."
Und wir waren immer wieder traurig und ängstlich, da es sich kaum besserte. Die Chemotherapie und eine zusätzliche Immuntherapie waren aber diesmal nicht so anstrengend.
Marco besuchte uns regelmäßig in unserem Dorf nahe der Ostsee, damit er mal von zu Hause rauskam. Das war eine schöne, ruhige, meist zweisame Zeit mit uns. Bevor er kam, erkundigte er sich jedes Mal: "Mama, was gibt es zu essen?", oder fragte: "Kannst du mal wieder Kartoffelauflauf oder was Leckeres kochen?" Na klar tat ich das . Was Gutes zu essen, und Marco war zufrieden.
Bei uns wurde er regelmäßig sehr müde und ruhte sich auf dem Sofa aus. Oft sind wir gemeinsam in den Wald gegangen und haben lange Gespräche miteinander geführt. Oder haben Kleidung für ihn gekauft, da er mich gerne als "Beraterin" nutzte .
Ich erinnere mich an einen Nachmittag im Winter 2019, als wir stundenlang nach einer Stehlampe für ihn suchten, ohne etwas Passendes zu finden. Dafür aber ein Geburtstagsgeschenk für Peter, meinen Mann, welches wir bequem in seinem großen Auto transportierten.
Leider kam dann Corona dazwischen und wir durften Marco nicht sehen, um ihn nicht anzustecken. Das war eine harte Zeit für unsere Familie.
Heute bedauere ich das sehr, denn es hat uns kostbare Zeit mit Marco genommen, obwohl wir uns täglich geschrieben haben.
Wir haben uns deshalb erst im späten Frühling 2020 wiedergesehen. Da ging es Marco noch gut.
Ab Juli/August hatte er dauernd Bauchschmerzen und es ging mit Schluckauf los .
Kurz vor Marcos 35. Geburtstag, am 26.August, rief mich Marco an: "Mama, ich kann nichts mehr essen, soll ich ins Krankenhaus?" - "Ja, sofort!", erwiderte ich, "wir holen dich ab."
Er wurde wieder untersucht und bekam ab da künstliche Ernährung. Die Ergebnisse waren nicht gut! Er sollte wieder mit einer neuen Chemo starten. Das hat mich sehr, sehr traurig gemacht!
Seinen Geburtstag verbrachte er mit uns im Krankenhaus. Damals dachten wir keinen Augenblick daran, dass es sein letzter Geburtstag sein könnte.
Wir waren voller Hoffnung und dachten, dass Marco dort geholfen wird und er bald wieder nach Hause kommen wird, sobald die Chemotherapie Wirkung zeigt und er wieder ohne Schmerzen essen kann.
Was uns nicht bewusst war, dass Marco von Anfang seiner Diagnose an als palliativ eingestuft wurde, das heißt unheilbar. Unheilbar heißt aber auch, dass man mit der Krankheit leben und vielleicht alt werden kann, aber nie weiß, wie lange. Heute denke ich, dass es gut war, dass wir es nicht wussten, denn so waren wir entspannter und immer voller Hoffnung. Und das war für Marco die beste Unterstützung. Er selbst hat nie nach seiner Erkrankung gegoogelt, denn er wollte sich nicht schocken und verunsichern lassen.
Du hast alles richtig gemacht Marco!
Es war aber auch eine Zeit des Friedens und der endlosen Liebe für Marco.
Wenn ich bei ihm war, gab es nur das Hier und Jetzt. Keine Angst, keine Gedanken an die Zukunft, was geschehen wird oder könnte. Nur das, was gerade zu tun war für ihn und gleichzeitig großer Frieden . Oft habe ich lange still an seinem Bett gesessen, wenn er schlief, habe die Ruhe genossen und dabei eine zarte Sanftheit in mir gefühlt, als wenn ein Baby...
Systemvoraussetzungen
Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)
Systemvoraussetzungen:
- Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat ePUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader – beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).
- Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie die App Adobe Digital Editions oder eine andere Leseapp für E-Books, z.B. PocketBook (siehe E-Book Hilfe).
- E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m.
Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für „fließenden” Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an.
Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein „weicher” Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich – sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.
Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.