
Diakonie in der Diaspora
Das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen von der Habsburgermonarchie bis in die Zweite Republik
Aschendorff (Verlag)
1. Auflage
Erschienen am 21. April 2015
Buch
Hardcover
528 Seiten
978-3-89534-986-7 (ISBN)
Beschreibung
Die Geschichte der Evangelischen Kirche in Österreich kennzeichnet die Besonderheit der Diasporasituation, konfessionelle Minderheit in einem katholisch dominierten Umfeld zu sein. Ein Weg, sich in der 'Zerstreuung' zu behaupten, war die Gründung von Vereinen für Innere Mission und Diakonie. So wie auch das Diakoniewerk als Verein für Innere Mission seinen Anfang nahm. Die Mutterhausdiakonie war ein bedeutender Identifikationsfaktor der Evangelischen und trug zu einer besseren Vernetzung der evangelischen Gemeinden bei. Die Diakonissenanstalt, wie das Diakoniewerk lange geheißen hat, stellte im katholischen Österreich einen Solitär dar.
Mit diesem Werk liegt erstmals eine umfassende Darstellung der Geschichte des Diakoniewerkes, von dessen Anfängen als Verein für Innere Mission im Jahr 1874 bis in die frühen 1970er Jahre vor. Das ist zugleich ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Diakonie in Österreich, des Protestantismus in Österreich und der österreichischen Geschichte insgesamt.
www.diakoniewerk.at/de/news/IDnews=20837
Rezensionen / Stimmen
In der Gesellschaft bedarf der Mensch der Aufmerksamkeit der Mitmenschen. Aus dieser Überlegung hat sich im Laufe der Geschichte der Gedanke der Diakonie entwickelt, in welcher einzelne Menschen anderen dienen und zugleich eigene Zuwendung für ihre Überlegungen und Gedanken gewinnen wollen. Gerne möchte der eine, dass andere, so fern sie auch örtlich sein mögen, sein Weltbild aufnehmen und weitergeben. Auf dieser Grundlage hat nicht nur Jesus Christus für andere gelebt, sondern hat sich auch die nach ihm benannte Religion entwickelt, die auf Grund ihrer Größe und Verbreitung zu einer vielfältigen weltweiten Organisation gewachsen ist. Martin Luther hat eine Reihe ihrer Erscheinungen als fehlerhaft beurteilt und deswegen eine Reformation angestrebt, welche das Christentum im Kern in Katholiken und Evangelische aufgespaltet hat. Von daher ist es möglich geworden, dass ein evangelisches Diakoniewerk in der katholisch gebliebenen Habsburgermonarchie in der Nähe von Linz im Südosten des deutschen Sprachraums seit 1874 Fuß gefasst hat. Die vorliegende Monographie beruht auf einem Forschungsauftrag des Vorstands des Diakoniewerks Gallneukirchen, den die beiden Verfasser umfassend und gründlich erfüllt und verwirklicht haben. Gegliedert ist das ansprechende Werk nach einer Einleitung in meist kurze und überschaubare zeitliche Abschnitte (1806-1874, 1874-1884, 1884-1914, 1914-1918, 1918-1938, 1938-1945, 1946-1955, 1956-1965, 1966-1981 und 1982-2015). Anschaulich zeigt es, wie aus einfachen Mühen einiger weniger »erweckter« evangelischer Christen insgesamt eine transnational verflochtene, nicht mehr strikt auf Evangelisches beschränkte, transnational verflochtene diakonische Unternehmensgruppe der Wohlfahrtspflege in Österreich mit rund 3.200 Mitarbeitern (davon 76 Prozent katholisch) in einhundert Einrichtungen entstanden ist, die vielen Hilfebedürftigen Unterstützung bietet und dabei christliche Vorstellungen unmittelbar anderen in kleinen Schritten auf dem langen Weg zwischenmenschlicher Zusammenarbeit erfolgreich vermittelt. Gerhard Köbler, in: Zeitschrift integrativer europäischer Rechtsgeschichte (ZIER) 5, 2015 www.koeblergerhard.de/ZIER-HP/ZIER-HP-05-2015/SchmuhlHans-Walter-DiakonieinderDiaspora.htmWeitere Details
Reihe
Sprache
Deutsch
Verlagsort
Bielefeld
Deutschland
Zielgruppe
Für Beruf und Forschung
1. Einwohner von Gallneukirchen und Linz
2. Mitarbeiter diakonischer Einrichtungen
3. ehemalige Heimbewohner
4. Kirchenhistoriker
5. Landeshistoriker Niederösterreich
Produkt-Hinweis
Pappband
Fadenheftung
Illustrationen
38
9 Farbfotos bzw. farbige Rasterbilder, 29 Duotone/Duplex-Fotos bzw. Rasterbilder
Maße
Höhe: 25 cm
Breite: 17 cm
Gewicht
1190 gr
ISBN-13
978-3-89534-986-7 (9783895349867)
Schweitzer Klassifikation
Personen
Hans-Walter Schmuhl, Prof. Dr. Geboren 1957 in Oberhausen. Studium: Geschichtswissenschaft, Germanistik und Latein in Bochum und Bielefeld. Freiberuflicher Historiker, apl. Professor an der Universität Bielefeld und stellvertretender Leiter des Instituts für Diakonie- und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel.
Forschungsschwerpunkte: Geschichte des Nationalsozialismus, Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, Diakoniegeschichte, Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung. Mitherausgeber der Reihe »Schriften des Instituts für Diakonie- und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel« www.idsg-bielefeld.de
Ulrike Winkler, Dr. Geboren 1966 in Bad Kreuznach. Studium: Politik-, Rechts- und Erziehungswissenschaft in Marburg. Freiberufliche Politikwissenschaftlerin. Veröffentlichungen zur Diakoniegeschichte, Zeitgeschichte und Sozialgeschichte.
www.schmuhl-winkler.de
Bücher im Verlag für Regionalgeschichte:
Aufbruch in die Moderne. Der evangelische Kirchenkreis Bielefeld von 1817 bis 2006, 2006
Das Evangelische Perthes-Werk. Vom Fachverband für Wandererfürsorge zum diakonischen Unternehmen, 2009, 2. Auflage 2009
Endstation Freistatt. Fürsorgeerziehung in den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel bis in die 1970er Jahre, 2009, 2. Auflage 2011
Gewalt in der Körperbehindertenhilfe. Das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein von 1947 bis 1967, 2010, 2. Auflage 2013
»Als wären wir zur Strafe hier«. Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung - der Wittekindshof in den 1950er und 1960er Jahren, 2011, 3. Auflage 2012
Heimwelten. Quellen zur Geschichte der Heimerziehung in Mitgliedseinrichtungen des Diakonischen Werkes der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers e.V. von 1945 bis 1978, 2011
»Der das Schreien der jungen Raben nicht überhört«. Der Wittekindshof - eine Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung, 1887 bis 2012, 2012
»Es war eine enge Welt«. Menschen mit Behinderungen, Heimkinder und Mitarbeitende in der Stiftung kreuznacher diakonie, 1947 bis 1975, 2012
Von Anfang an evangelisch. Geschichte des Krankenhauses Gilead in Bielefeld, 2013, 2. Auflage 2014
Vom Frauenasyl zur Arbeit für Menschen mit geistiger Behinderung. 130 Jahre Diakonie Himmelsthür (1884-2014), 2014
125 Jahre Stiftung kreuznacher diakonie (1889-2014). Wandel und Beständigkeit, 2014
Diakonie in der Diaspora. Das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen von der Habsburgermonarchie bis in die Zweite Republik, 2015
Vom Asyl für entlassene Gefangene zur Teilhabe für Menschen mit Behinderungen. 150 Jahre Diakonische Stiftung Ummeln (1866-2016), 2016
»Was sind wir also, Herr Pastor?«. Evangelische Christen jüdischer Herkunft in Westfalen unter nationalsozialistischer Herrschaft, 2016
https://www.buchhandel.de/suche?q=&title=&ean=&contributors=Schmuhl+Winkler&publisher=Verlag+f%C3%BCr+Regionalgeschichte&wgi=&release_f=&release_t=&price_f=&price_t=&sort_order=releasedate_asc
Autor*in
Inhalt
Geleitwort 11 / Dank 13
Einleitung 15
Vor- und Gründungsgeschichte (1806-1874) 23
Martin Boos und die evangelische Gemeinde 24 / Ludwig Schwarz, der Pfarrer 27 / Schwarz' Berufung 31 / Kritik an der Gemeindegründung 37 / Abschluss der Gemeindebildung 40 / Evangelischer Verein für innere Mission 44
Das erste Jahrzehnt (1874-1884) 51
Arbeitsfelder 51 / Schriftenmission 54 / Waisen- und Rettungshaus Weikersdorf 63 / Krankenhausbau und Diakonissensache 75 / Mutterhausgründung 88
Jahrzehnte der Konsolidierung (1885-1914) 99
Schwesternschaft 99 / Ärztefrage 104 / Evangelisches Krankenhaus? 109 / Gründung des Martinstifts 112 / Waisen- und Rettungshaus Weikersdorf 115 / Frontstellungen 122 / Affäre Langenau 124 / Stationen und Filialen 129 / Armen- und Krankenpflege Graz 132 / Stütze für Ludwig Schwarz 137 / Rektor Karl Bauer / 140 / Diakonissenhaus Gallneukirchen-Wien? 144 / Rektor Friedrich Kinzenbach 148 / Böhmische Krankenhäuser 155 / Leitungswechsel 162
Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) 165
Riesenunglück 165 / Lazarettdienst an Front und Heimatfront 166 / Schwesterliche Seelsorge 169 / Überfüllung und Arbeitskräftemangel 170 / Hunger 171 / Leitungswechsel 174 / Neue Arbeitsfelder 177 / Kriegsende 182
In der Ersten Republik (1919-1937) 183
Zusammenbruch der Habsburgermonarchie 183 / Wachstum 187 / Verschuldung 195 / Waisen- und Rettungsanstalt Weikersdorf 198 / Helenenburg Bad Gastein 206 / Schwesternsache 209 / Brüderschaft 215 / Konrektorat 217 / Leitungskonflikt 221 / Aufwärtsentwicklung 230 / Austrofaschismus 233 / Leitungskrise 240
Im Deutschen Reich (1938-1945) 241
Gleichschaltung 241 / Nachfolger für August Kornacher 255 / Druck der NSV 258 / Konflikt zwischen Rektor und Wirtschaftsdirektor 263 / Schiedsspruch 267 / Deportationen 282 / Ende des Leitungskonflikts 289 / Auflösung der geschlossenen Abteilung 297 / Ende 305
Wiederaufbau (1946-1955) 307
Wiederkehr ordentlicher Zustände 308 / Finanzen 310 / Entnazifizierung 312 / Stellenbesetzungen 315 / Schwesternschaft 318 / Brüdersache 322 / Arbeit an Kindern 322 / Landwirtschaften 324 / Arbeit an Menschen mit geistiger Behinderung 326 / Altenarbeit 328 / Arbeit an Kriegsbeschädigten 328 / Waldheimat 329 / Diakonissenkrankenhaus Linz 330 / Eingriffe in Linz? 332 / Bauaktivitäten in Salzburg 333/ Erweiterung der Helenenburg 335 / Hospiz in Bad Hall 342 / Schwarze Liesl in Bad Gastein 344 / Neues Feierabendhaus 346 / Reorganisation 351
Konsolidierung (1956-1965) 353
Schwesternmangel 354 / Schwesternvorschule 361 / Diakonisches Jahr 363 / Freie Kräfte 364 / Suche nach einer neuen Oberin 366 / Finanzen 367 / Arbeitsfelder 370 / Gemeindestationen 371 / Hospize 371 / Altenarbeit 373 / Arbeit an Kindern 374 / Arbeit an Menschen mit geistiger Behinderung 376 / Rehabilitation von Menschen mit geistiger Behinderung 378 / Beschwerden 379 / Krankenhäuser 381 / Leitungskrisen 384 / Neubau des Martinstifts 393
Von der Anstalt zum Werk (1966-1981) 399
Neuer Rektor 400 / Vorstandsfragen 401 / Neue Strukturen 403 / Neues Gesamtkonzept 410 / Schwesternschaft 411 / Neue Schwesterntracht 414 / Geistliche Zurüstung 416 / Führungskrise? 417 / Mutterhausdiakonie und/oder Kommunität? 420 / Freie Mitarbeiterinnen 423 / Katholische Mitarbeiterinnen 424 / 1968er 426 / Männer in der Pflege 427 / Arbeitsfelder 428 / Hospize 429 / Altenarbeit 430 / Krankenhäuser 431 / § 144 StGB 434 / Weikersdorf 436 / Arbeit für Menschen mit geistiger Behinderung 440 / Schwerstbehinderte nicht ausschließen 441 / Botengänge 445 / Werkstatt für Behinderte 446 / Waldheimat 450 / Sonderschule 452 / Ausbildungsstätten für Mitarbeitende 453 / Krankenpflegeschule Linz 454 / Heilpädagogische Ausbildung 455 / Fort- und Weiterbildungen 458 / Diakonischer Beratungsdienst 459 / Finanzen 464 / Mitarbeitervertretung 467 / Geschäftsführung und Aufsicht 471 / Rektorenwechsel 473
Epilog und Ausblick (1982-2015) 475
Bildteil 481
Tabellen 514 / Abkürzungen 515 / Literatur 516 / Personenregister 522 / Autoren 528