
Teeschalen, sonst nichts
buch.one Verlag Offsetdruckerei Grammlich
1. Auflage
Erschienen am 1. Dezember 2021
Buch
Softcover
48 Seiten
978-3-947198-34-4 (ISBN)
Preis leider unbekannt
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Nicht bestellbar
Beschreibung
Zeichnung, Teeschalen, Otto Ubbelohde-Haus
Weitere Details
Sprache
Deutsch
Verlagsort
Lahntal-Goßfelden
Deutschland
Editions-Typ
Neue Ausgabe
Produkt-Hinweis
Fadenheftung
Illustrationen
36
Maße
Höhe: 29.7 cm
Breite: 21.6 cm
ISBN-13
978-3-947198-34-4 (9783947198344)
Schweitzer Klassifikation
Inhalt
Der Schriftsteller Christoph Peters lebte im Frühjahr
2020 für drei Monate im Otto Ubbelohde-Haus, Lahntal,
Goßfelden. Das geschah im Rahmen des Literaturstipendiums,
das seit kurzem von dem Verein Zwei Raben:
Literatur in Oberhessen ausgelobt wird. Christoph
Peters war der zweite Preisträger des Stipendiums. Er
traf am Abend des 16. März aus Berlin ein, wir konnten
ihn eben noch vor dem Lockdown der grassierenden
Pandemie mit einem kleinen Imbiss im Ubbelohde-
Garten begrüßen und in das Haus einführen. Da saß
er nun für drei Monate, von gelegentlichen lokalen Kontakten
abgesehen, für sich. Er schrieb an seinem im
September erschienenen Dorfroman. Das Schreiben ist
in aller Regel ein einsamer Vorgang.
Ein Kontakt und Austausch kam aber hinzu: ein ebayähnliches
Angebot aus Fernost, ein Sammelsurium der
unterschiedlichsten Gegenstände, das Christoph Peters
täglich nach japanischen Teeschalen des Beginns der
Teezeremonie um 1580 bis 1650 durchforstet, wie er mir
erzählte. Die unscheinbaren, wenig aussagekräftigen
Fotos lassen immer nur Vermutungen zu. Doch Peters
schaut jeden Tag danach, seit zwölf, dreizehn Jahren
schon. Er ist geübt. Die hauptsächliche Schwierigkeit
bestehe darin, die gesuchten Gefäße von den vielen
Nachschöpfungen späterer Jahre zu unterscheiden.
Gerade um 1900, 1920 seien viele Teeschalen entstanden,
die sich an den alten Gefäßen orientieren.
Christoph Peters ist ein versierter Sammler dieser
Teeschalen. Wenn also ein Paket aus Japan kam, war
das ein spannender Augenblick der Erwartung und
möglichen Bestätigung. Das geschah während der drei
Monate des Aufenthalts im oberen Lahntal sieben Mal.
So meine ich mich jedenfalls zu erinnern.
Doch damit nicht genug der stolzen Inbesitznahme. Er
setzte sich abends hin, um die Neuerwerbung zu zeichnen.
Die Schalen haben drei oder vier Seiten und eine
Unterseite, den Boden. So entstanden von jedem Gefäß
vier Zeichnungen. Jede dieser Zeichnungen erforderte
etwa acht Stunden der Umsetzung, Zeit des intensiven
Innewerdens, auch einer starken körperlichen Anspannung,
den einmal eingenommenen Blickpunkt auf die
nahe Schale nicht zu verlieren oder doch immer wieder
sich darin einzufinden. Der ganze Vorgang dieser intensiven
Aneignung einer jeden Teeschale über 30 bis 35
Stunden hinweg gleicht einer zeichnerischen Neuschöpfung,
die sich neben ihre vormalige Entstehung stellt.
Der Impuls dazu, die Ausdauer und Konzentration folgen
einem ausgeprägten sammlerischen Impetus.
Christoph Peters sprach mir auch von Franz Joseph
van der Grinten, seinem Lehrer im Kunstunterricht am
Gymnasium in Goch am Niederrhein, der ihn sehr geprägt
habe. Ich erwähne das auch deshalb, weil Franz
Joseph van der Grinten am 7. Oktober mit 87 Jahren
gestorben ist und Christoph Peters sich sicherlich freut,
wenn ich hier Franz Joseph nenne, den er sehr verehrt
hat. Ich selber bin dem älteren Bruder Hans öfter begegnet.
Sie begründeten das Museum Schloss Moyland
in Bedburg-Hau am Niederrhein mit ihrer bedeutenden
Sammlung, vor allem von Werken von Joseph Beuys.
Christoph Peters wurde durch das Beispiel von Franz
Joseph van der Grinten zum Sammeln angeregt.
Dem Maler Marcel Duchamp wird die Äußerung zugeschrieben,
der Sammler sei der eigentliche Künstler,
denn er kaufe das Kunstwerk nicht nur, sondern bringe
es in die Welt. Der Aspekt des Sammelns als einer kreativen
Handlung mag als ein erster Ansatz gelten, sich
auch den Zeichnungen von Peters zu nähern. Sie lassen
den von Duchamp ins Auge gefaßten Kauf-Akt jedoch
weit hinter sich, sie bestätigen nicht nur den Zuwachs
der Sammlung, die Summe der Schalen, sondern erfassen
sie in einer ganz eigenen, den Zeichnungen eigentümlichen
räumlich-plastischen Dimension. Das wird
im Vergleich mit den Fotografien der Gefäße sofort
deutlich. Christoph Peters protokolliert in und mit seinen
Zeichnungen seine spezifische Wahrnehmung. Ist es
eine Einübung im Sinne von Zen? Was würde ein Teemeister
aus Japan dazu sagen?
Diesem Inhalt geht Susanne Ließegang in ihrem
Beitrag näher nach. Sie äußert sich auch dazu, dass
die Zeichnungen im Ubbelohde-Haus entstanden sind.
Ich danke ihr sehr herzlich für ihren Beitrag. Mein
besonderer
Dank gilt Christoph Peters für seinen Text
Teeschalen, sonst nichts und seine Bereitschaft zur
Ausstellung der Zeichnungen. Es ist schön, dass sich
mit dem Literaturstipendium
des Vereins Zwei Raben:
Literatur in Oberhessen nun auch die bildende Kunst
weiter in das Ubbelohde-Haus eingefunden hat, in
einem fruchtbaren Austausch mit Otto Ubbelohde,
und mit der Ausstellung öffentlich wird, hoffentlich. Und
dass die Zwei Raben das Katalogvorhaben unterstützen,
dafür bin ich Erika Schellenberger sehr dankbar.
Ludwig Rinn
Vorwort, Dank