Sommer. Jetzt!

Sonnige Geschichten
 
 
dtv (Verlag)
  • erschienen am 20. April 2018
 
  • Buch
  • |
  • Softcover
  • |
  • 192 Seiten
978-3-423-21728-6 (ISBN)
 

Der Sommer ist einfach die schönste Jahreszeit!

Das findet auch Bestsellerautorin Dora Heldt. Wären da nur nicht diese zahlreichen lästigen Kleinigkeiten: die blöde Flugangst, die fehlende Bikinifigur, die vollen Strände, die unpraktischen Reiseallergien und all die anderen Ärgernisse, die dem perfekten Sommer im Weg stehen. Doch wer lässt sich schon bei strahlendem Sonnenschein oder an einem lauen Sommerabend die Laune verderben. Das wäre ja noch schöner!

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • Höhe: 175 mm
  • |
  • Breite: 118 mm
  • |
  • Dicke: 20 mm
  • 186 gr
978-3-423-21728-6 (9783423217286)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Dora Heldt, 1961 auf Sylt geboren, ist gelernte Buchhändlerin und lebt heute in Hamburg. Mit ihren Romanen führt sie seit Jahren die Bestsellerlisten an, die Bücher werden regelmäßig verfilmt.

Seepferdchen

 

 

Sie ist zu eng«, mit gequältem Blick schob Heinz zwei Finger in den Hosenbund und sah seine Frau anklagend an. »Ich kann gar nicht atmen.«

»Es ist deine beste Sommerhose, du hast sie erst im letzten Jahr gekauft. Wie viel hast du denn zugenommen?«

Ohne zu antworten hielt Heinz die Luft an und stellte sich seitlich vor den Spiegel. Langsam atmete er wieder aus. »Ich möchte meine braune Cordhose anziehen. Die sitzt einfach besser.«

Charlotte musterte ihren Mann und biss sich auf die Lippe. Heinz bekam seine üblichen drei Winterkilos nie auf Anhieb in die Sommergarderobe. Und war jedes Jahr frustriert, trotz der Freude über den baldigen Sommer. Sie stand von der Bettkante auf, von der aus sie die Modenschau ihres Mannes verfolgt hatte. »Es nützt nichts, mein Lieber«, sagte sie und verkniff sich ein Lächeln. »Die braune Cordhose ist schon bei den übrigen Wintersachen auf dem Dachboden. In vier Wochen ist Sommeranfang, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und ich steige jetzt nicht hoch und suche deine alte Winterhose. Ab morgen machen wir Diät. Und vielleicht solltest du auch mal wieder über sportliche Betätigungen nachdenken. Wir wollen doch nicht mit Speckgürteln an den Strand. Ich gehe jetzt in den Garten, beeil dich mit dem Umziehen, den Strandkorb bekomme ich nicht allein aus dem Schuppen.«

Sie verschwand und Heinz sah ihr nach, bevor er kräftig ausatmete und sich mit Schwung aufs Bett fallen ließ. Der Hosenknopf sprang ab und rollte unter die Heizung.

Im Garten sah Charlotte sich zufrieden um. Die ersten Rosenknospen hatten sich schon geöffnet, es würde nicht mehr lange dauern, bis hier alles wieder so blühte und wuchs, dass sogar vorbeikommende Touristen bewundernd stehen blieben. Charlotte liebte den Sommer. Diesen Inselsommer. Natürlich war es hier auch während der anderen Monate schön, aber der Sommer war etwas ganz Besonderes. Die Sonne, das Licht, die Farben der Heckenrosen, des Strandginsters, der Hortensien, das blaue Wasser, der weiße Strand, die roten Sonnenuntergänge, die weißen Möwen im blauen Himmel. Aber bevor sie den Sommer genießen konnte, war noch einiges zu tun. Die Strandkörbe, Gartenstühle, Gartentische, Töpfe und Kübel mussten aus den Schuppen und ihrem Winterlager geholt, geschrubbt und an die richtigen Plätze gestellt werden, bevor ihre Schwägerin Inge und sie am nächsten Tag zur Gärtnerei fahren würden. Um dort jede Menge Margeriten, Geranien, fleißige Lieschen, Lobelien und was sie sonst noch so sahen, einzuladen.

Als sie gerade die Schuppentür an einem Sturmhaken befestigte, kam Heinz in seiner ältesten Jogginghose, die er etwas zu hoch gezogen hatte, heraus. Er sah sie freundlich an. »Ich wollte die hellen Sommersachen nicht gleich im Garten schmutzig machen. Ja, dann lass uns mal den Strandkorb rausschieben.«

Sie nickte und schob ihre Ärmel hoch. »Du vorn, ich hinten. Und wenn du dein Hemd über der Jogginghose tragen würdest, wäre es nicht ganz so schlimm. Und wenn du in dieser Hose auch noch Sport machen würdest, wäre es noch besser.«

 

»Wie lange brauchst du noch?« Inge ging neben Walter, der mit Inbrunst die Speichen seines Fahrrads abrieb, in die Hocke.

»Warum?« Stöhnend quälte sich ihr Mann hoch, bevor er ein Stück zurückhumpelte, um sein Werk zu bewundern. »Meine Gelenke müssten nach dem Winter auch mal geölt werden. Nur so nebenbei. Aber dieser Fahrradreiniger ist allererste Sahne, sieh dir das Rad an, wie neu, der ganze Winterdreck ist weg.«

»Schön, Walter«, etwas zerstreut sah Inge auf ihre Armbanduhr. »Ich müsste nämlich langsam los, Charlotte und ich wollen uns um elf Uhr vor der Gärtnerei treffen. Und jetzt ist es halb elf.«

»Ja, dann viel Spaß«, ohne den Blick vom Fahrrad zu lösen, nickte er. »Bis später.«

»Walter, du stehst mit den Rädern und dem Werkzeug mitten in der Auffahrt. Ich kann das Garagentor nicht aufmachen.

»Ach so. Ja.« Walter sah auf und blickte von ihr zu den beiden Fahrrädern. »Ich habe mit deinem noch gar nicht angefangen. Das dauert noch einen Moment. Ihr glaubt immer alle, dass man Fahrräder ruckzuck fertig macht. Was für eine Arbeit da drinsteckt, ist euch gar nicht klar. Das ist eine richtige Überholung.«

»Das verstehe ich, Walter. Aber könntest du die Räder nicht hinten im Garten herrichten? Da guckt dir auch nicht jeder Nachbar auf die Finger. Und ich kann mit dem Auto rausfahren.«

»Die können mir ruhig auf die Finger gucken«, sofort blickte er sich um, allerdings war gerade niemand zu sehen. »Die sollen ruhig sehen, welchen Aufwand man betreiben kann, um ein Fahrrad zu pflegen und für den Sommer fit zu machen. Gerade mit diesem neuen Reinigungsspray .«

»Walter.«

»Ja doch, ich mach ja schon. Du könntest dein Rad eben mal rüber schieben, ich habe nur zwei Hände.«

»Natürlich.«

 

Zehn Minuten später saß sie im Auto und war auf dem Weg zur Gärtnerei. Endlich Sommer, Tage, Wochen, Monate, die sie am Strand verbringen konnten: Schade nur, dass sie keine Enkelkinder hatten und ihre erwachsenen Kinder nicht mehr neben ihr Strandburgen bauten und durch die Wellen tobten. Aber man konnte nicht alles im Leben haben. Da hatte es ihre Freundin Helga besser, die hatte ein Enkelkind, auch wenn das nicht auf der Insel wohnte. Und auch nicht alle Ferien hier verbrachte. Vielleicht kam der Junge ja mal im Sommer, dann könnten sie zusammen mit Walter an den Strand gehen. Irgendwie gehörte das zum Sommer dazu. Das Geschreie und Gelächter von Kindern am Wasser.

 

Inge entdeckte ihre Schwägerin sofort, als sie auf den Parkplatz der Gärtnerei fuhr. Charlotte stand winkend in einer freien Lücke und sprang zur Seite, als Inge einparkte. »Guten Morgen«, rief sie fröhlich, nachdem sie die Fahrertür schwungvoll aufgerissen hatte. »Ich habe schon mal im Eingangsbereich gestöbert, es gibt ganz wunderbare Windlichter und Solarlampen. Ich seh die lauen Sommerabende im Garten schon vor mir.«

»Ich muss Walter noch daran erinnern, dass der Grill dringend überholt werden muss«, sagte Inge, statt einer Antwort. »Guten Morgen. Meinst du, dass man den Grillrost auch mit diesem Fahrradreiniger sauber bekommt? Speichen oder Rost, das dürfte doch keinen großen Unterschied machen?«

Charlotte und Inge waren seit fast fünfzig Jahren Schwägerinnen und verstanden sich blind. »Das müsste gehen. Heinz wollte den Reiniger gerne mal ausprobieren, bevor er ihn kauft, also lass deinem Bruder noch einen Rest übrig.«

»Natürlich«, sie gingen nebeneinander zu den Einkaufswagen und zogen einen aus der Reihe.

»Was mir gerade einfällt .«, Inge hob einen Margeritenbaum hoch, um ihn zu inspizieren. »Walter war wegen seiner Gelenkschmerzen bei Dr. Kruse. Und der hat ihm gesagt, er bräuchte keine neue Hüfte, was er bräuchte, sei Bewegung. Heinz hat doch über den Winter auch ganz schön zugelegt, dem könnte etwas Bewegung auch nicht schaden. Er soll Walter mal ein bisschen motivieren, auf mich hört er ja nicht. Ich schlage ihm dauernd vor, mal mit zum Nordic Walking zu kommen, aber das lehnt er ab. Er mache sich nicht zum Affen, hat er gesagt. Aber er muss endlich was tun«, sie hob die Achseln, »Fahrradfahren oder wandern, irgendetwas.«

»Ich kann Heinz das vorschlagen, aber ich bezweifle, dass Walter sich ohne Grund bewegt. Dein Mann braucht doch immer Aufgaben. Aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit. Ich könnte ihn bitten, mit Heinz ab und an spazieren zu gehen, weil der dringend abnehmen muss. Nur wäre dann vermutlich Heinz beleidigt.«

»Wir müssen mal in Ruhe darüber nachdenken«, befand Inge und stellte den Margeritenbaum in den Einkaufswagen. »Uns fällt schon noch was ein. Aber irgendeine Form von Sport müssen sie machen. Wir haben Sommer und die Männer sind ungelenkig und zu dick. Das geht doch nicht.«

 

»Okay.« Die junge Frau, die im Schwimmbad vor ihr stand, überlegte einen Moment. »Ich glaube, ich habe Ihnen alles gezeigt - oder? Haben Sie noch Fragen?«

Lina schüttelte den Kopf. »Nein, im Moment nicht. Vielen Dank für die Einweisung, dann ziehe ich mich mal um.«

»Ja, rechts durch, wir sehen uns gleich draußen.«

Fünf Minuten später, mehr Zeit brauchte Lina nicht, um ihre Jeans gegen eine kurze Hose zu tauschen und das T-Shirt mit dem Schwimmbad-Logo überzuziehen, stand sie bereits am Tresen des Bistros.

Für Lina war dieser Job ein Glücksfall. Sechs Wochen Vertretung in der Insel-Therme als Aushilfe im Bistro. Und sie konnte bei ihrer ältesten Freundin Suse wohnen, die seit Jahren auf der Insel lebte und bei der Gemeinde arbeitete. Den Tipp hatte Lina von Suse bekommen, die sie nicht lange überreden musste. Sechs Wochen mit Suse, sechs Wochen Sylt. Für sechs Wochen hatte sie jetzt einen Vertrag, sechs Wochen, in denen Marcus aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen konnte, sodass bei ihrer Rückkehr nach Hamburg keine Spuren mehr von ihm zu finden wären. Sechs Wochen, in denen Linas Gedanken sich nicht mehr ausschließlich um diesen Idioten drehten, der sie seit Wochen betrogen und belogen hatte und die ganze Beziehung mit ihr vermutlich auch in den drei Jahren zuvor nicht so richtig ernst genommen hatte. Sechs Wochen, in denen sie überlegen konnte, wie es weiterging - was sie anschließend machen würde. Sie hatte in einem Hotel gearbeitet, das seinen Eltern gehörte. Dort hatte sie Marcus auch kennengelernt. Sofort nach dem Ende der Beziehung hatte sie gekündigt, sie wollte Marcus nicht mehr sehen, der als Koch in...


Sofort lieferbar

12,00 €
inkl. 7% MwSt.
in den Warenkorb