Bodybuilding für die Seele
Training unserer spirituellen und emotionalen Fähigkeiten
Peter Michael Dieckmann(Autor*in)
Goldmann (Verlag)
Erschienen am 15. November 2010
Buch
Softcover
320 Seiten
978-3-442-21924-7 (ISBN)
Artikel ist vergriffen; siehe andere Ausgabe
Beschreibung
Der Weg zu emotionalem und spirituellem Wachstum - ein humorvoller Erfahrungsbericht
Muskeln verkümmern, wenn wir sie nicht beanspruchen. Das gilt aus Sicht des Reiki-Meisters Peter-Michael Dieckmann in einem ganzheitlichen Sinn auch für die Kräfte unserer Seele. Mitreißend und humorvoll schildert Dieckmann, wie wir unsere seelischen Kräfte achten, pflegen und trainieren können und wie Dankbarkeit, Zuversicht und Liebe daraus erwachsen. Anhand von Alltagsbeispielen zeigt der Autor, wie man seelische Energie aufbaut. Und dank seiner Glaubwürdigkeit überträgt sich diese positive Haltung unmittelbar auf den Leser. Meditationstexte und Übungsvorschläge verstärken den Praxisnutzen.
Muskeln verkümmern, wenn wir sie nicht beanspruchen. Das gilt aus Sicht des Reiki-Meisters Peter-Michael Dieckmann in einem ganzheitlichen Sinn auch für die Kräfte unserer Seele. Mitreißend und humorvoll schildert Dieckmann, wie wir unsere seelischen Kräfte achten, pflegen und trainieren können und wie Dankbarkeit, Zuversicht und Liebe daraus erwachsen. Anhand von Alltagsbeispielen zeigt der Autor, wie man seelische Energie aufbaut. Und dank seiner Glaubwürdigkeit überträgt sich diese positive Haltung unmittelbar auf den Leser. Meditationstexte und Übungsvorschläge verstärken den Praxisnutzen.
Weitere Details
Sprache
Deutsch
Maße
Höhe: 18.3 cm
Breite: 12.5 cm
ISBN-13
978-3-442-21924-7 (9783442219247)
Schweitzer Klassifikation
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Peter Michael Dieckmann
Bodybuilding für die Seele
Training unserer spirituellen und emotionalen Fähigkeiten
E-Book
11/2010
Goldmann
2,99 €
Als Download verfügbar
Person
Peter Michael Dieckmann, 1961 in Duisburg geboren, ist Hauptkommissar bei der Kriminalpolizei und war viele Jahre Zielfahnder. Als "harter Junge" eines Mobilen Einsatzkommandos zählten für ihn nur Fakten, mitunter sogar die Fäuste. Zu seiner eigenen Überraschung entdeckte er in Reiki-Seminaren die eigene Sensibilität. Heute veranstaltet Peter Michael Dieckmann als Reikilehrer Seminare und Workshops. Er wohnt mit seiner Frau Karina im Ruhrgebiet.
Inhalt
Früher kannte ich nur den Körper aus Fleisch und Blut. Heute weiß ich, dass der Mensch mehr als nur einen Körper hat. Der materielle ist umgeben von diversen Lichtkörpern, die man in der Regel nicht sehen, aber spüren kann. Diese Lichtkörper bilden die Aura. In manchen, zumeist östlichen Traditionen hat jeder von ihnen einen Namen. Da gibt es den Astral-, den Mentalkörper und so fort. Eine dieser feinstofflichen Hüllen wird 'Emotionalkörper' genannt. Und so wie der materielle verfügt auch er im übertragenen Sinne über Muskeln. Die Muskeln der Gefühle. Es gibt Muskeln des Ärgers und solche der Gelassenheit, Muskeln der Traurigkeit und der Freude. Es gibt Muskeln des Vertrauens und der Angst. Und es gibt die Muskeln des Glücks; denn auch Glück ist ein Gefühl.
Die Muskeln wollen eingesetzt werden. 'Use it or lose it', lautet ein Wahlspruch, der besagt, dass die Muskeln verkümmern, wenn sie nicht mehr beansprucht werden. Wer jemals seinen Arm im Gipsverband tragen musste, weiß, wie schnell ein Muskel schrumpfen kann. Ebenso verhält es sich mit Gefühlen. Werden Gefühle zu lange unterdrückt, verliert man die Fähigkeit, sie in sich hervorzurufen. Als Kriminalbeamter habe ich viele Straftäter erlebt, die kein Mitgefühl für andere empfinden konnten, weil sie nie gelernt hatten, sanfte Gefühle in sich zu entwickeln. Umso ausgeprägter war bei ihnen die Fähigkeit, die 'harten' Emotionen in sich zu pflegen. Sie konnten [jäh]zornig und wütend sein, spürten einen starken Willen, andere zu bekämpfen und zu besiegen, und vermochten oft körperliche Tantalusqualen zu ertragen. Ich habe Schläger kennengelernt, die vermeintlich schmerzunempfindlich waren. Sie alle wurden bereits in der Kindheit von ihren Eltern geschlagen. Je mehr das Kind weinte, desto heftiger wurde es verprügelt. Um sich zu schützen, musste es lernen, den Schmerz und das Weinen in sich zu unterdrücken. Damit verbunden verschwand ebenso die Fähigkeit, das Leid anderer zu fühlen. Weil sie sich selbst gegenüber nicht einfühlsam sein durften, konnten sie später ebenso anderen gegenüber kein Mitgefühl empfinden.
Auch die Muskeln des Emotionalkörpers verkümmern, wenn sie nicht mehr eingesetzt werden. Habe ich die Muskeln der Freude zu lange vernachlässigt, kann ich mich an meinem Leben nicht erfreuen. Sind meine Muskeln des Glücks zu schwach, kann ich mein Glück nicht fassen. Das Gewicht Fortunas ist zu schwer für mich. Es gibt viele Beispiele von Menschen, die zwar reich und gesund, aber dennoch nicht glücklich sind. Sie haben es verlernt. Sie haben die Muskeln des Glücks in sich verkümmern lassen. 'Use it or lose it.'
Die gute Nachricht ist: Jeder Muskel, der verkümmert ist, kann auch wieder aufgebaut werden. Keiner verschwindet. Ebenso kann ein Mensch jederzeit damit beginnen, seine verkümmerten Emotionalmuskeln zu regenerieren. Dafür ist es nie zu spät. Jeder besitzt die Fähigkeit, Freude, Traurigkeit, Wut, Dankbarkeit, Verzweiflung, Angst und Liebe in sich zu spüren. Und ebenso hat jeder Mensch das Potenzial, glücklich zu sein. Doch sind viele nicht in der Lage, dieses Reservoir in sich ganz auszuschöpfen. Vielleicht stehen Glaubenssätze im Wege, Prägungen aus der Kindheit, religiöse Vorstellungen, die sie daran hindern. 'Wer hoch hinauswill, fällt tief', 'Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach' und dergleichen einschränkende Sprüche mehr lehren die Kinder, nicht zu viel zu wollen. Zufriedenheit reicht aus, Glück gilt als Anspruch, der beinah schon anmaßend sei. Und so, wie Muskeln sich verkleinern, wenn man sie nicht bewegt, nimmt die Fähigkeit ab, glücklich zu sein, wenn man sie nicht 'anwendet'.
Um meinen körperlichen Zustand zu verbessern, könnte ich auf die Idee kommen, in einem Fitnessstudio anzurufen, Muskeln zu bestellen und anschließend auf der Couch in meinem Wohnzimmer auf die Lieferung zu warten. Meine Bestellung würde aber allenfalls ein Schütteln des Kopfes auslösen. Denn das Fitnessstudio vermag mir nur die Gewichte und Geräte zur Verfügung zu stellen, mit denen ich trainieren kann.
Auch das Leben schickt mir kein Glück nach Hause. Es liefert mir Situationen und Begegnungen, mit denen ich glücklich oder unglücklich werden kann. Reichtum ist ebenfalls ein Gewicht, das erst gehoben werden muss, und auch der Traumpartner wird mich vor Herausforderungen stellen, die ich zu bewältigen habe. Die Ereignisse in meinem Leben sind die Gewichte, die mir das Fitnessstudio der Seele zur Verfügung stellt. Ich kann alles beim Universum ordern: Reichtum, Gesundheit, meinen Traumpartner, mein Traumhaus und so fort. Doch bleibt die Frage, ob diese Bestellungen, sofern sie denn geliefert werden, mich auch glücklich machen. Wenn ich nicht fähig bin, in meinem Inneren das Glück zu fühlen, werden mich auch die Lieferungen nicht glücklich machen können. Und wenn ich fähig bin, das Glück in mir zu fühlen, stellt sich die Frage, ob ich manche Bestellungen dann noch brauche.
Aufträge an universelle Lieferdienste werden auf Basis des Gesetzes der Anziehung abgewickelt. Gedanken wirken wie Magnete. Ich ziehe die Ereignisse an, die ich gedanklich ausstrahle. Das Rezept für ein glückliches Leben scheint somit simpel zu sein: Ändere ich meine Gedanken, ändern sich auch meine Erfahrungen. Techniken der Anziehung zielen jedoch auf das Glück, das von außen kommen soll. Die Hingabe hat diese Erwartung nicht. Die Zielrichtung der Hingabe ist die innere Freude. Sie verlangt kein Glück, sondern sie erschafft es.
Im Jahr 2008 stellten viele Menschen beim Blick auf ihre Finanzen verblüfft (und manche ruiniert) fest, dass ihr Vermögen über kein stabiles Fundament verfügte. Sie hatten ihr wirtschaftliches Haus offenbar auf Sand gebaut, denn ihr Geld war quasi über Nacht wie vom Erdboden verschluckt und auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Ihre Kapitalanlagen wurden wertlos, weil sie durch keinen festen Wert begründet waren. Insbesondere in den neunziger Jahren lautete ein vorherrschender Glaubenssatz in der Finanzwelt, dass [nur] Geld weiteres Geld produzieren könnte. Menschen, die es noch mit Arbeit versuchten, wurden von den meisten Spekulanten mit einem milden Lächeln bedacht.
Wenn nicht viele Arbeitnehmer später in den Sog der Finanzkrise hineingezogen worden wären, um ihren Arbeitsplatz hätten fürchten und auch noch die Zeche bezahlen müssen, hätten sie, wie es in dem Sprichwort heißt, zuletzt am besten lachen können. Es ist nicht das Geld, das den Wert hervorbringt, vielmehr ist es umgekehrt: Das Geld ist Ausdruck des Wertes. Ebenso verhält es sich mit den Bestellungen beim Universum: Sie werden erst durch die Gefühle wertvoll. Der Wert entsteht im Menschen selbst. Auch Glück braucht ein Fundament. Wer die - bestellten oder unbestellten - Lieferungen des Universums in das Gefühl 'Glück' verwandeln möchte, benötigt die Fähigkeit, in sich Wert zu fühlen. Ein Mensch ohne inneres Selbstwertgefühl wird immer Wertlosigkeit empfinden, gleich, was er von der Außenwelt bekommt.
Das Wort 'Glück' kann sich auf ein Ereignis, einen Umstand oder auf ein Gefühl beziehen. Der Begriff ist in diesem Sinne doppeldeutig. Er kann Äußeres wie Inneres umschreiben. Ein Mensch kann durchaus Glück haben und dennoch in seinem Inneren unglücklich sein. Wer die 'äußere' Fortüne für sich nicht erkennt, kann sie in sich nicht spüren. Daher fällt es mir leichter, von der 'Freude' zu sprechen. Freude kommt immer von innen. Und ein Mensch, der sich freut, ist im gleichen Moment auch glücklich. Was uns oft den 'Spaß' verdirbt, sind Ärger und Sorge. Der Ärger ist nach hinten, auf Vergangenes, gerichtet, die Sorge ist nach vorn, zur Zukunft hin, orientiert. Die Freude ist auf den Augenblick fokussiert und daher vergänglich. Man kann sie nicht festhalten, ebenso wie man den Augenblick nicht fixieren kann. Ärger und Sorge hingegen haften in der Zeit. Deshalb scheint es oft so, als seien sie unsere ständigen Begleiter. Das Hier und Jetzt ist eine ernsthafte Bedrohung von Ärger und Sorge. Zugleich ist das Hier und Jetzt der Lebensraum der Freude.
Es fällt schwer, immer völlig im Augenblick zu leben. Nur wenige Menschen schaffen es. Aber jedem kann es zeitweise gelingen. Mit Hilfe von meditativen Übungen. Viele glauben, Meditation bedeute, lange und still dazusitzen. Das kann durchaus so sein. Doch ist das Spektrum meditativer Techniken sehr viel größer. Ich bin ein regelrechter Fan kurzer Übungen, die nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen und mir wirksam in meinem Alltag helfen können.
Ich habe nie meditiert, um erleuchtet zu werden, die Schwingung der Erde anzuheben oder ähnlich hochtrabende Ziele zu erreichen. Ich nutze die Techniken, um mich an meinem Leben erfreuen zu können. Und falls dieser Planet die Absicht haben sollte, seine Schwingung zu erhöhen, kann ihm meine alltägliche Freude vielleicht dabei helfen. Das Glücksgefühl eines jeden Menschen ist in der Lage, die Welt zum Positiven hin zu verändern. Ebenso wie die Verletzung eines Menschen die Welt zum Negativen hin beeinflussen kann. Freude, die aus Letzterem geboren wird, ist wahrhaft 'Schadenfreude'. Ein Mensch, der traumatisiert wird, verliert ein Stück seiner Freude. Ist die Verletzung zu groß, verschwindet sie. Sie muss in mir lebendig bleiben, damit sie im Außen wirken kann. Dennoch darf sie niemals zu meinem Anspruch werden. Wenn ich die Vergänglichkeit des Augenblicks akzeptiere, bejahe ich damit zugleich die Vergänglichkeit der Freude. Auch die anderen Gefühle gehören zu meinem Leben dazu. Doch ich kann darauf vertrauen, dass auf jeden Augenblick ein nächster folgt, der wieder das Potenzial der Freude in sich trägt.
Ab und zu stelle ich mir die Seele als einen Kontinent mit vielen Ländern vor. Jeder Mensch reist mit seinem Ichbewusstsein durch die Nationen seiner Seele. Das Ich ist immer auf der Reise. Niemals wird es ihm gelingen, sich dauerhaft niederzulassen. Das ist eine traurige wie frohe Botschaft zugleich. Traurig deshalb, weil wir uns gern immer dort aufhielten, wo es angenehm und schön ist. Froh deshalb, weil die Botschaft uns von dem Anspruch befreit, immer dort sein zu müssen, wo es angenehm und schön ist. Wir brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir mal wieder woanders sind, uns in einem Land unserer Seele aufhalten, in dem wir nicht (nur) Freude und Glück, sondern (auch) Angst und Traurigkeit empfinden. Weil es uns von der Meinung befreit, spirituell unterentwickelt zu sein, da wir es immer noch nicht schaffen, ständig ausgelassen, zufrieden, bewusst zu sein. Nicht der Aufenthalt an einer Stelle, sondern die unentwegte Reise ist das Ziel des (ewigen) Lebens. Nach dem Aufbruch erfolgt die Ankunft, und nach der Ankunft folgt der Aufbruch. Je intensiver ich das erleben kann, desto erfüllter ist mein Leben.
Niemand hat mir vor meiner Geburt gesagt, dass es einfach werden würde. 'Dieser Weg wird kein leichter sein', lautete vielmehr die Botschaft. Ich muss mutig sein, entschlossen und leidenschaftlich. Ich bin selbst verantwortlich für mein Leben, für mein Glück. Ich allein muss auf die Fragen meines Lebens antworten.
Dieses Buch verspricht keine einfachen Rezepte. Die beschriebenen Übungen sind ein Muskeltraining für die Seele. Die Kapitel sind die Stationen, an denen ich trainieren kann. An diesen Stationen schule ich die Fähigkeiten, die ich brauche, um mit mir und meinem Leben glücklich zu werden.
Der Umgang mit dem Buch - Kleine Trainingslehre
Dieses Buch richtet sich an Sportler wie Nichtsportler gleichermaßen. Ich war in meinem Leben beides. Ich habe in meiner Jugend Fußball gespielt, später habe ich Kraftsport betrieben. Über zehn Jahre lang suchte ich mindestens viermal in der Woche die örtliche 'Muckibude' auf. Diese Zeit ist lange vorbei. Mittlerweile beschränken sich meine sportlichen Aktivitäten auf meine tägliche Reiki-Übung (dabei sind zumindest meine Hände in Bewegung) und ein bis zwei Spaziergänge pro Woche. Es könnte mir zugegebenermaßen nicht schaden, auch heute ein wenig mehr Sport zu treiben. Dafür bin ich nicht mehr einseitig auf meinen Körper fixiert. Ich gehöre nicht mehr zu den Gesundheitsaposteln, die sportliche Aktivität als eine unverzichtbare Voraussetzung für das körperliche und seelische Wohlgefühl betrachten. Heute weiß ich, dass man mehr als nur Körperkraft investieren muss, um mit sich selbst und dem Leben in Einklang zu sein.
Man braucht also kein Vorkämpfer für Leibesübungen zu sein, um im 'Fitnessstudio' der Seele trainieren zu können.
Die Muskeln wollen eingesetzt werden. 'Use it or lose it', lautet ein Wahlspruch, der besagt, dass die Muskeln verkümmern, wenn sie nicht mehr beansprucht werden. Wer jemals seinen Arm im Gipsverband tragen musste, weiß, wie schnell ein Muskel schrumpfen kann. Ebenso verhält es sich mit Gefühlen. Werden Gefühle zu lange unterdrückt, verliert man die Fähigkeit, sie in sich hervorzurufen. Als Kriminalbeamter habe ich viele Straftäter erlebt, die kein Mitgefühl für andere empfinden konnten, weil sie nie gelernt hatten, sanfte Gefühle in sich zu entwickeln. Umso ausgeprägter war bei ihnen die Fähigkeit, die 'harten' Emotionen in sich zu pflegen. Sie konnten [jäh]zornig und wütend sein, spürten einen starken Willen, andere zu bekämpfen und zu besiegen, und vermochten oft körperliche Tantalusqualen zu ertragen. Ich habe Schläger kennengelernt, die vermeintlich schmerzunempfindlich waren. Sie alle wurden bereits in der Kindheit von ihren Eltern geschlagen. Je mehr das Kind weinte, desto heftiger wurde es verprügelt. Um sich zu schützen, musste es lernen, den Schmerz und das Weinen in sich zu unterdrücken. Damit verbunden verschwand ebenso die Fähigkeit, das Leid anderer zu fühlen. Weil sie sich selbst gegenüber nicht einfühlsam sein durften, konnten sie später ebenso anderen gegenüber kein Mitgefühl empfinden.
Auch die Muskeln des Emotionalkörpers verkümmern, wenn sie nicht mehr eingesetzt werden. Habe ich die Muskeln der Freude zu lange vernachlässigt, kann ich mich an meinem Leben nicht erfreuen. Sind meine Muskeln des Glücks zu schwach, kann ich mein Glück nicht fassen. Das Gewicht Fortunas ist zu schwer für mich. Es gibt viele Beispiele von Menschen, die zwar reich und gesund, aber dennoch nicht glücklich sind. Sie haben es verlernt. Sie haben die Muskeln des Glücks in sich verkümmern lassen. 'Use it or lose it.'
Die gute Nachricht ist: Jeder Muskel, der verkümmert ist, kann auch wieder aufgebaut werden. Keiner verschwindet. Ebenso kann ein Mensch jederzeit damit beginnen, seine verkümmerten Emotionalmuskeln zu regenerieren. Dafür ist es nie zu spät. Jeder besitzt die Fähigkeit, Freude, Traurigkeit, Wut, Dankbarkeit, Verzweiflung, Angst und Liebe in sich zu spüren. Und ebenso hat jeder Mensch das Potenzial, glücklich zu sein. Doch sind viele nicht in der Lage, dieses Reservoir in sich ganz auszuschöpfen. Vielleicht stehen Glaubenssätze im Wege, Prägungen aus der Kindheit, religiöse Vorstellungen, die sie daran hindern. 'Wer hoch hinauswill, fällt tief', 'Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach' und dergleichen einschränkende Sprüche mehr lehren die Kinder, nicht zu viel zu wollen. Zufriedenheit reicht aus, Glück gilt als Anspruch, der beinah schon anmaßend sei. Und so, wie Muskeln sich verkleinern, wenn man sie nicht bewegt, nimmt die Fähigkeit ab, glücklich zu sein, wenn man sie nicht 'anwendet'.
Um meinen körperlichen Zustand zu verbessern, könnte ich auf die Idee kommen, in einem Fitnessstudio anzurufen, Muskeln zu bestellen und anschließend auf der Couch in meinem Wohnzimmer auf die Lieferung zu warten. Meine Bestellung würde aber allenfalls ein Schütteln des Kopfes auslösen. Denn das Fitnessstudio vermag mir nur die Gewichte und Geräte zur Verfügung zu stellen, mit denen ich trainieren kann.
Auch das Leben schickt mir kein Glück nach Hause. Es liefert mir Situationen und Begegnungen, mit denen ich glücklich oder unglücklich werden kann. Reichtum ist ebenfalls ein Gewicht, das erst gehoben werden muss, und auch der Traumpartner wird mich vor Herausforderungen stellen, die ich zu bewältigen habe. Die Ereignisse in meinem Leben sind die Gewichte, die mir das Fitnessstudio der Seele zur Verfügung stellt. Ich kann alles beim Universum ordern: Reichtum, Gesundheit, meinen Traumpartner, mein Traumhaus und so fort. Doch bleibt die Frage, ob diese Bestellungen, sofern sie denn geliefert werden, mich auch glücklich machen. Wenn ich nicht fähig bin, in meinem Inneren das Glück zu fühlen, werden mich auch die Lieferungen nicht glücklich machen können. Und wenn ich fähig bin, das Glück in mir zu fühlen, stellt sich die Frage, ob ich manche Bestellungen dann noch brauche.
Aufträge an universelle Lieferdienste werden auf Basis des Gesetzes der Anziehung abgewickelt. Gedanken wirken wie Magnete. Ich ziehe die Ereignisse an, die ich gedanklich ausstrahle. Das Rezept für ein glückliches Leben scheint somit simpel zu sein: Ändere ich meine Gedanken, ändern sich auch meine Erfahrungen. Techniken der Anziehung zielen jedoch auf das Glück, das von außen kommen soll. Die Hingabe hat diese Erwartung nicht. Die Zielrichtung der Hingabe ist die innere Freude. Sie verlangt kein Glück, sondern sie erschafft es.
Im Jahr 2008 stellten viele Menschen beim Blick auf ihre Finanzen verblüfft (und manche ruiniert) fest, dass ihr Vermögen über kein stabiles Fundament verfügte. Sie hatten ihr wirtschaftliches Haus offenbar auf Sand gebaut, denn ihr Geld war quasi über Nacht wie vom Erdboden verschluckt und auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Ihre Kapitalanlagen wurden wertlos, weil sie durch keinen festen Wert begründet waren. Insbesondere in den neunziger Jahren lautete ein vorherrschender Glaubenssatz in der Finanzwelt, dass [nur] Geld weiteres Geld produzieren könnte. Menschen, die es noch mit Arbeit versuchten, wurden von den meisten Spekulanten mit einem milden Lächeln bedacht.
Wenn nicht viele Arbeitnehmer später in den Sog der Finanzkrise hineingezogen worden wären, um ihren Arbeitsplatz hätten fürchten und auch noch die Zeche bezahlen müssen, hätten sie, wie es in dem Sprichwort heißt, zuletzt am besten lachen können. Es ist nicht das Geld, das den Wert hervorbringt, vielmehr ist es umgekehrt: Das Geld ist Ausdruck des Wertes. Ebenso verhält es sich mit den Bestellungen beim Universum: Sie werden erst durch die Gefühle wertvoll. Der Wert entsteht im Menschen selbst. Auch Glück braucht ein Fundament. Wer die - bestellten oder unbestellten - Lieferungen des Universums in das Gefühl 'Glück' verwandeln möchte, benötigt die Fähigkeit, in sich Wert zu fühlen. Ein Mensch ohne inneres Selbstwertgefühl wird immer Wertlosigkeit empfinden, gleich, was er von der Außenwelt bekommt.
Das Wort 'Glück' kann sich auf ein Ereignis, einen Umstand oder auf ein Gefühl beziehen. Der Begriff ist in diesem Sinne doppeldeutig. Er kann Äußeres wie Inneres umschreiben. Ein Mensch kann durchaus Glück haben und dennoch in seinem Inneren unglücklich sein. Wer die 'äußere' Fortüne für sich nicht erkennt, kann sie in sich nicht spüren. Daher fällt es mir leichter, von der 'Freude' zu sprechen. Freude kommt immer von innen. Und ein Mensch, der sich freut, ist im gleichen Moment auch glücklich. Was uns oft den 'Spaß' verdirbt, sind Ärger und Sorge. Der Ärger ist nach hinten, auf Vergangenes, gerichtet, die Sorge ist nach vorn, zur Zukunft hin, orientiert. Die Freude ist auf den Augenblick fokussiert und daher vergänglich. Man kann sie nicht festhalten, ebenso wie man den Augenblick nicht fixieren kann. Ärger und Sorge hingegen haften in der Zeit. Deshalb scheint es oft so, als seien sie unsere ständigen Begleiter. Das Hier und Jetzt ist eine ernsthafte Bedrohung von Ärger und Sorge. Zugleich ist das Hier und Jetzt der Lebensraum der Freude.
Es fällt schwer, immer völlig im Augenblick zu leben. Nur wenige Menschen schaffen es. Aber jedem kann es zeitweise gelingen. Mit Hilfe von meditativen Übungen. Viele glauben, Meditation bedeute, lange und still dazusitzen. Das kann durchaus so sein. Doch ist das Spektrum meditativer Techniken sehr viel größer. Ich bin ein regelrechter Fan kurzer Übungen, die nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen und mir wirksam in meinem Alltag helfen können.
Ich habe nie meditiert, um erleuchtet zu werden, die Schwingung der Erde anzuheben oder ähnlich hochtrabende Ziele zu erreichen. Ich nutze die Techniken, um mich an meinem Leben erfreuen zu können. Und falls dieser Planet die Absicht haben sollte, seine Schwingung zu erhöhen, kann ihm meine alltägliche Freude vielleicht dabei helfen. Das Glücksgefühl eines jeden Menschen ist in der Lage, die Welt zum Positiven hin zu verändern. Ebenso wie die Verletzung eines Menschen die Welt zum Negativen hin beeinflussen kann. Freude, die aus Letzterem geboren wird, ist wahrhaft 'Schadenfreude'. Ein Mensch, der traumatisiert wird, verliert ein Stück seiner Freude. Ist die Verletzung zu groß, verschwindet sie. Sie muss in mir lebendig bleiben, damit sie im Außen wirken kann. Dennoch darf sie niemals zu meinem Anspruch werden. Wenn ich die Vergänglichkeit des Augenblicks akzeptiere, bejahe ich damit zugleich die Vergänglichkeit der Freude. Auch die anderen Gefühle gehören zu meinem Leben dazu. Doch ich kann darauf vertrauen, dass auf jeden Augenblick ein nächster folgt, der wieder das Potenzial der Freude in sich trägt.
Ab und zu stelle ich mir die Seele als einen Kontinent mit vielen Ländern vor. Jeder Mensch reist mit seinem Ichbewusstsein durch die Nationen seiner Seele. Das Ich ist immer auf der Reise. Niemals wird es ihm gelingen, sich dauerhaft niederzulassen. Das ist eine traurige wie frohe Botschaft zugleich. Traurig deshalb, weil wir uns gern immer dort aufhielten, wo es angenehm und schön ist. Froh deshalb, weil die Botschaft uns von dem Anspruch befreit, immer dort sein zu müssen, wo es angenehm und schön ist. Wir brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir mal wieder woanders sind, uns in einem Land unserer Seele aufhalten, in dem wir nicht (nur) Freude und Glück, sondern (auch) Angst und Traurigkeit empfinden. Weil es uns von der Meinung befreit, spirituell unterentwickelt zu sein, da wir es immer noch nicht schaffen, ständig ausgelassen, zufrieden, bewusst zu sein. Nicht der Aufenthalt an einer Stelle, sondern die unentwegte Reise ist das Ziel des (ewigen) Lebens. Nach dem Aufbruch erfolgt die Ankunft, und nach der Ankunft folgt der Aufbruch. Je intensiver ich das erleben kann, desto erfüllter ist mein Leben.
Niemand hat mir vor meiner Geburt gesagt, dass es einfach werden würde. 'Dieser Weg wird kein leichter sein', lautete vielmehr die Botschaft. Ich muss mutig sein, entschlossen und leidenschaftlich. Ich bin selbst verantwortlich für mein Leben, für mein Glück. Ich allein muss auf die Fragen meines Lebens antworten.
Dieses Buch verspricht keine einfachen Rezepte. Die beschriebenen Übungen sind ein Muskeltraining für die Seele. Die Kapitel sind die Stationen, an denen ich trainieren kann. An diesen Stationen schule ich die Fähigkeiten, die ich brauche, um mit mir und meinem Leben glücklich zu werden.
Der Umgang mit dem Buch - Kleine Trainingslehre
Dieses Buch richtet sich an Sportler wie Nichtsportler gleichermaßen. Ich war in meinem Leben beides. Ich habe in meiner Jugend Fußball gespielt, später habe ich Kraftsport betrieben. Über zehn Jahre lang suchte ich mindestens viermal in der Woche die örtliche 'Muckibude' auf. Diese Zeit ist lange vorbei. Mittlerweile beschränken sich meine sportlichen Aktivitäten auf meine tägliche Reiki-Übung (dabei sind zumindest meine Hände in Bewegung) und ein bis zwei Spaziergänge pro Woche. Es könnte mir zugegebenermaßen nicht schaden, auch heute ein wenig mehr Sport zu treiben. Dafür bin ich nicht mehr einseitig auf meinen Körper fixiert. Ich gehöre nicht mehr zu den Gesundheitsaposteln, die sportliche Aktivität als eine unverzichtbare Voraussetzung für das körperliche und seelische Wohlgefühl betrachten. Heute weiß ich, dass man mehr als nur Körperkraft investieren muss, um mit sich selbst und dem Leben in Einklang zu sein.
Man braucht also kein Vorkämpfer für Leibesübungen zu sein, um im 'Fitnessstudio' der Seele trainieren zu können.