
Pornografie und psychosexuelle Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext
Psychoanalytische, kultur- und sexualwissenschaftliche Überlegungen zum anhaltenden Erregungsdiskurs
Alexander Korte(Author)
Psychosozial-Verlag
1st Edition
Published in July 2018
Book
Paperback/Softback
234 pages
978-3-8379-2817-4 (ISBN)
Description
Alexander Korte hinterfragt kritisch den negativen Einfluss pornografischer Angebote auf minderjährige KonsumentInnen und unterscheidet dabei zwischen Kindern und Jugendlichen und den verschiedenen Inhalten von Online-Pornografie. So regt er dazu an, die Verwahrlosungs- und Viktimisierungsdebatte über (Online-)Pornografie kritisch zu reflektieren und die augenfällige »moralische Panik« auf unbewusste Motive zu untersuchen, ohne jedoch die möglichen, aus entwicklungspsychologischer Sicht keineswegs zu unterschätzenden Risiken zu übersehen.
Korte untersucht das alltagskulturelle Phänomen der Pornografie sowohl aus psychoanalytisch-kulturwissenschaftlicher Perspektive als auch aus Sicht der empirischen Sexualwissenschaft und der Entwicklungspsychologie. Er beschreibt die unterschiedlichen psychischen Integrationsaufgaben von Jungen und Mädchen im Zuge der pubertätsbedingten körperlichen und psychosexuellen Reifung, die für das Verständnis des ausgeprägten Gendereffekts bei der Nutzung von pornografischen Angeboten wichtig sind.
More details
Series
Edition
1. Aufl. 2018
Language
German
Place of publication
Gießen
Germany
Dimensions
Height: 211 mm
Width: 149 mm
Thickness: 18 mm
Weight
345 gr
ISBN-13
978-3-8379-2817-4 (9783837928174)
DOI
10.30820/9783837974195
Schweitzer Classification
Persons
Author
Alexander Korte ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie mit Zusatzbezeichnung Sexualmedizin und hat einen Master im Fach Psychoanalytische Kulturwissenschaften. Seit 2010 arbeitet er als Leitender Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zudem ist er im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft (DGSMTW e.V.) und Mitherausgeber der Fachzeitschrift Sexuologie.
Stand: Februar 2018
Series Editor
Sophinette Becker beschäftigte sich als Sexualwissenschaftlerin und psychoanalytische Psychotherapeutin schwerpunktmäßig mit Geschlechtsidentitäten, Perversionen bei Männern und Frauen sowie dem kulturellen Wandel der Sexualität. Bis zu deren Abwicklung 2011 leitete sie die Sexualmedizinische Ambulanz der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Frankfurt am Main. Dann arbeitete sie in freier Praxis.
Stand: November 2019
ISNI: 0000 0001 1039 171X
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Martin Dannecker war bis 2005 als Professor für Sexualwissenschaft und stellvertretender Direktor am Institut für Sexualwissenschaft des Klinikums der J.W. Goethe-Universität in Frankfurt am Main tätig. Er arbeitet in Berlin als Dozent und Lehrtherapeut der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS), deren langjähriger Vorsitzender und Vorstandsmitglied er auch war. Als Pionier der Schwulenbewegung hat er einen enormen Beitrag zur Emanzipation und Entstigmatisierung schwuler und queerer Menschen geleistet. Er ist Mitherausgeber der Buchreihe »Beiträge zur Sexualforschung«.
Stand: November 2023
ISNI: 0000 0001 0904 3259
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Andreas Hill ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Forensischer Psychiater und Sexualwissenschaftler. Von 2000 bis 2008 war er Oberarzt am Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Seit 2009 arbeitet er in eigener Praxis in Hamburg, zudem seit 2017 in Teilzeit als leitender Arzt an der Klinik für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.
Stand: März 2019
ISNI: 0000 0000 3589 3655
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Hertha Richter-Appelt ist Psychologische Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin (DPV). Sie hat ein Studium der Psychologie und Statistik sowie ein Studium des Konzertfaches Violoncello an der Musikhochschule Wien absolviert. Es folgten eine Weiterbildung in Verhaltenstherapie am Middlessex Hospital London sowie die Arbeit als Postdoc-Stipendiatin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Universitäten Bern und Konstanz. Seit 1979 ist sie tätig am Institut für Sexualforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Zuletzt bis zur Pensionierung 2014 war sie stellvertretende Direktorin des Instituts für Sexualforschung. Sie war beteiligt an drittmittelgeförderten Forschungsprojekten und hat umfangreichen Publikationen zu den Themen Psychoendokrinologie der weiblichen Sexualität, sexuelle Traumatisierungen, Geschlechtsdysphorie (Trans- und Intersexualität) aufzuweisen. Von 1998 bis 2014 war sie zunächst stellvertretende und dann Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftragte der medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Zuletzt verfasste sie Programmtexte für die Konzerte des Internationalen Mendelssohn-Festivals für Kammermusik in Hamburg.
Stand: März 2019
ISNI: 0000 0001 1626 4404
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Foreword
ISNI: 0000 0000 3420 7924
Content
Vorwort
1. Einleitung und Überblick
1.1 Nackte Tatsachen: Sex im Digitalformat und >Porno(graf)isierung< des Alltags
1.2 Web 2.0: Sexualbezogene Internetnutzung - Mehr als nur Porno!
1.3 Aktualität und alltagspraktische Relevanz des Pornodiskurses
1.4 Pornografie interdisziplinär betrachtet: Ein Mehr-Ebenen-Ansatz
2. Pornografie im Wandel
Kulturhistorische und medientheoretische Aspekte
2.1 Was ist Pornografie?
2.2 Ein Blick zurück: Antikes Pornokabinett und die Erfindung der Zensur
2.3 »Der Sex - Grund für alles«: Der Funktionswandel von Pornografie
2.4 Die Bedeutung von Pornografie im Dienste der >Durchsetzungssemantik<
2.5 »The media is the message«: Pornografie, Film und >Sexuelle Revolution<
Exkurs: Die Bedeutung der >Sexuellen Revolution< und deren Folgen für die Pornobranche
3. Pornografie und Jugendsexualität
Wirkannahmen, Mythen und Tatsachen
3.1 Moratorium Pubertät: Konsolidierung der Struktur des sexuellen Begehrens
3.2 (Medien-)Psychologische Aspekte der Pornografienutzung im Jugendalter
3.3 Datenlage zur Verbreitung, zum Alter bei Erstkontakt und zur Nutzungshäufigkeit
3.4 Der Genderaspekt: Differente Nutzungsmotive von Jungen und Mädchen
Exkurs: Erklärungsversuch für den starken Gendereffekt beim Pornokonsum
3.5 Angenommene Negativ-Wirkungen von Pornografie - Faktencheck, Teil 1
4. Das moderne Pornokabinett
>Sexual fiction< im World Wide Porno Web
4.1 Technische Aspekte und ökonomische Bedeutung von Internetpornografie
4.2 >Sex von der Stange< oder Pornofantasie nach individuellem Zuschnitt?
4.3 Diversifizierung: Ausweitung des Spektrums internet-pornografischer Angebote
4.4 >Porno-Posting<, >Sexting<, >Erotic Posing< und Amateurpornografie im Web 2.0
4.5 Gefahrenpotenzial von Gewalt- und Devianz-Pornografie - Faktencheck, Teil 2
Exkurs: >Kinderpornografie< - Filmische Dokumentation sexuellen Missbrauchs
5. Porno, Sexualität, Gesellschaft
Analytische und filmtheoretische Positionen
5.1 Zum Verhältnis von Pornografie und Sexualität: Unterschiedliche Perspektiven
5.2 Als das Wünschen noch geholfen hat, war >Pornotopia< noch nicht entdeckt!
5.3 Macht der Bilder: Realitätseindruck und emotive Wirkkraft des Mediums Film
5.4 Porno und >Urfantasie<: Die Ungeheuerlichkeit, anderen beim Sex zuzusehen
Exkurs: (Wann) Ist die Nutzung von pornografischen Medieninhalten >pervers<?
5.5 Psychoanalytische Verständnisweisen: Das Unbewusste im Pornoskript
6. Pornografie revisited
Zusammenführung der Diskurse und partielle Neubewertung
6.1 Streitsache Pornografie: Ein Gegenstand, unterschiedliche Diskursebenen
6.2 Der >Machtdiskurs<: Pornografie im Fokus kulturwissenschaftlicher Forschung
6.3 >Moralische Panik<: Die Unverhältnismäßigkeit medialer Problemdiskurse
6.4 Zur aktuellen Pornodebatte: Plädoyer für eine differenziertere Risikobewertung
6.5 Von der Schau- zur Zeigelust: Ein erneuter Funktionswandel der Pornografie?
7. Fazit und Ausblick
Kontextualisierung, offene Fragen, sexualpädagogische Empfehlungen
7.1 Internetpornografie und >Net-Sex<: Spiegel der >Neosexuellen Revolution<?
7.2 No limits: Was Internetpornografie und Finanzmarkt-Deregulierung verbindet
7.3 Aufgaben und Herausforderungen zukünftiger Forschung zur Wirkung von Pornografie
7.4 Empfehlungen für eine zeitgemäße Medien- und Sexualpädagogik
Literatur
Danksagung