Der Baum des Reisenden

Eine Fahrt durch die Karibik
 
 
Dörlemann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Mai 2014
  • |
  • 640 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-908778-47-9 (ISBN)
 
Abenteuer in der Karibik

Einige Jahre nach seiner verwegenen Wanderung quer durch Europa bricht Patrick Leigh Fermor zu einer abenteuerlichen Odyssee in die Karibik auf. Mit von der Partie sind seine zukünftige Frau Joan und Costa, der Grieche. Die Reise führt die drei unter anderem nach Guadeloupe, Martinique, Grenada, St. Lucia, Haiti und Jamaika. Jede Insel ist anders und Vielfalt am ehesten das einende Prinzip. Die exzentrischen Kulte der Pocomanen von Kingston, die Voodooanhänger auf Haiti, die isolierten Gemeinden verarmter Weißer auf den Inseln der Heiligen - all das und der allgegenwärtige Aberglauben und die Vielzahl der Hexenmeister, die Lieder, Religionen, politischen Programme, die Entwurzelung und Entfremdung macht jede Verallgemeinerung unmöglich. Nichts ist älter als viereinhalb Jahrhunderte und alles wird improvisiert ...
  • Deutsch
  • Zürich
  • |
  • Schweiz
  • 3,13 MB
978-3-908778-47-9 (9783908778479)
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PATRICK LEIGH FERMOR wurde 1932 der Schule in Canterbury verwiesen, weil er sich »in ein Mädchen beim Gemüsehändler verguckte«. Während der Aufnahmeprüfung in die Armee hatte er die fabelhafte Idee, nach Konstantinopel zu wandern . Drei Jahre lang organisierte er als britischer Agent auf Kreta den Widerstand, konnte 1944 den deutschen General Kreipe gefangen nehmen und wurde ein Held. (Verfilmt wurde diese Begebenheit aus Fermors Leben mit Dirk Bogarde in der Hauptrolle. Titel des Spielfilms: Ill Met by Moonlight.) Patrick Leigh Fermor zählt zu den bedeutendsten englischsprachigen Reiseschriftstellern. Er verstarb am 10. Juni 2011 in Dumbleton, Worcestershire, England. Die Werke Patrick Leigh Fermors erscheinen seit 2004 im Dörlemann Verlag.

MANFRED UND GABRIELE ALLIÉ / KEMPF-ALLIÉ
Manfred Allié, geboren 1955 in Marburg, übersetzt seit über 20 Jahren Literatur, u.a. Richard Powers, Yann Martel, Anthony McCarten, Scott Bradfield, Sting und Patrick Leigh Fermor, den er »kongenial übersetzt« hat (Hardy Ruoss, Literaturclub). Für Fermors Die Zeit der Gaben erhielt er 2006 den Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis. Ebenfalls in seiner Übersetzung erschienen sind Fermors Drei Briefe aus den Anden und Die Violinen von Saint-Jacques sowie Der Prüfstein von Edith Wharton. Zusammen mit seiner Frau Gabriele Kempf-Allié, 1954 in Mainz geboren, übersetzte er Fermors Zwischen Wäldern und Wassern sowie Rumeli und Mani.

  

Vorwort

Geographisch läßt sich das karibische Archipel leicht in einzelne Gruppen unterteilen. Mit Ausnahme einiger weniger Koralleninseln wie etwa Barbados bestehen alle Inseln aus den Gipfeln versunkener Vulkane, eine unterseeische Bergkette, in der sich die mächtige Verwerfung der Anden fortsetzt, und auf der Landkarte bilden sie einen großen Bogen nordwärts vom südamerikanischen Kontinent wie die versprengten Wirbel eines Rückgrats, dessen os coccyx Trinidad bildet; nord- und dann westwärts führt der Bogen über die Inseln über dem Winde (die britischen Windward und Leeward Islands), und das äußerste Ende der Kleinen Antillen bildet die Handvoll Pleiaden der Jungferninseln. Oft liegen nicht mehr als ein paar Dutzend Meilen dazwischen, und die meisten, ausgenommen ein paar winzige, versprengte Inselchen, sind von einer Größe, die sich mit unseren englischen Grafschaften vergleichen läßt. Jenseits der Jungferninseln beginnt eine andere Welt: die Großen Antillen. Die vier großen Inseln Puerto Rico, Hispaniola, Jamaika und Kuba trennen weit größere Entfernungen. Die See dazwischen reicht in enorme Tiefen, die Berge türmen sich zu gewaltigen Kordilleren, und manche kubanischen Gipfel würden, wenn man sie vom Meeresboden aus mäße, den Himalaja überragen. Hier sind es wenige, doch große Inseln, keine kleinen Provinzen mehr, sondern groß wie Staaten auf dem europäischen Kontinent. Die Bevölkerung mißt sich nach Millionen, und zwei Kolonien stehen drei eigenständige Staaten gegenüber. Mit Kuba, das am Rande des Golfs von Mexiko schwebt, beginnt Lateinamerika.

Längst nicht so leicht läßt sich die Einwohnerschaft dieser Inseln klassifizieren: die Ciboney, von denen nur noch ein Hauch Erinnerung bleibt, die längst verschwundenen Arawaken, die letzten Kariben; die Spanier, Engländer, Franzosen, Holländer, Dänen und Nordamerikaner; die Korsen, Juden, Hindus, Muslime, die Azorer, die Syrer und die Chinesen, und die allgegenwärtige schwarze Einwohnerschaft, die aus Dutzenden von Königreichen der afrikanischen Westküste und aus deren Hinterland stammt. Jede Insel hat ihre Eigenheiten, jede ist eine Einheit für sich, eine Kultur oder das Gegenteil davon, jede hat ihre ganz persönliche Geschichte, alle sind unterschiedlich in ihrer heutigen Gestalt. Keine Regel gilt für alle außer der einen, daß es zu jeder Regel Ausnahmen gibt, und Vielfalt ist am ehesten das einende Prinzip. Die exzentrischen Kulte der Pocomanen von Kingston, die Voodooanhänger auf Haiti, die isolierten Gemeinden verarmter Weißer auf den Inseln der Heiligen oder das halb unabhängige Hospodarat der Maronen in den jamaikanischen Bergen – all das und der allgegenwärtige Aberglauben und die Vielfalt der Hexenmeister, die Lieder, Religionen, politischen Programme, die Entwurzelung und Entfremdung, die sich in einem Wirrwarr neuer Systeme niederschlagen, die fast etwas von Stammesgesetzen haben – all das sorgt dafür, daß jede Verallgemeinerung unmöglich ist. Nichts ist älter als viereinhalb Jahrhunderte, und alles wird improvisiert. Das sind die Dinge des karibischen Lebens, mit denen dieses Buch sich beschäftigt, mit dem, was einem aufmerksamen Ausländer auffällt, den Bauwerken, dem Essen, den Religionen, mit ihrer Geschichte und der greifbaren Textur des Lebens vor Ort. Wenn man keine gelehrte Abhandlung in mehreren Bänden schreiben will, kann nur ein gewisses Maß an Willkür, ja eine geradezu pikareske Haltung der eigentümlichen Stimmung und dem schieren Tempo der Karibik gerecht werden, der turbulenten Vergangenheit; und dies war das einzige Prinzip, das meine beiden Gefährten und mich bei dieser Odyssee durch die Inselwelt leitete – eine Reise, kaum weniger sprunghaft und verwickelt als jene, die vor dreitausend Jahren von Troja nach Ithaka führte.

Ein Wort der Warnung ist vielleicht angebracht, für den Fall, daß jemand dies Buch für einen Reiseführer in die Karibik hält. Dafür ist es leider bei weitem nicht vollständig genug. Von der exotischen Welt der holländischen Inseln vor dem südamerikanischen Festland zum Beispiel – Curaçao, Aruba und Bonaire – konnten wir nur einen kurzen Blick erhaschen, ein paar Stunden, als unser Schiff auf der Rückfahrt von Panama Kohle bunkerte: ein erstaunliches Bild aus bunten Dächern und steilen niederländischen Giebeln, eine Stadt von Vermeer oder Pieter de Hoogh, an ferne Gestade versetzt noch über den Wendekreis des Krebses hinaus. St. Vincent war nichts als ein Wolkengebirge unter den Tragflächen, und von den kleineren unter den Kleinen Antillen, jenen fernen, hauptsächlich von Vögeln bewohnten Eilanden, die weit abseits der Reisewege liegen, haben wir nur ein paar wenige gesehen. Saint-Croix, der alte befestigte Vorposten der Malteserritter, bleibt in unserer Erinnerung kaum mehr als ein geheimnisvoll faszinierender Schatten am Horizont, südlich unserer Flugroute. Mit Bedauern habe ich, mit Ausnahme einiger weniger Seiten über Kuba, die ehemals spanischen Inseln auslassen müssen, nicht weil wir sie nicht für sehenswert gehalten hätten, aber weil sie allesamt so groß sind. In Geschichte und gesellschaftlichen Gegebenheiten unterscheiden sie sich sehr stark vom Rest des Archipels, und hätte ich sie eingeschlossen, so hätte das Buch einen vollkommen anderen Maßstab haben müssen. Damals sprachen wir noch so gut wie überhaupt kein Spanisch (ein wenig sollten wir dann in Guatemala und Nicaragua lernen), und als ich das fertige Buch betrachtete, fand ich meine Kapitel über Puerto Rico, San Domingo und Kuba doch ein wenig überreich an Beschreibungen der Zuckerbäckerarchitektur von Barockkathedralen, der Silbersporen mit Spornrädern groß wie Margeriten, der Sättel wie Howdahs der Elefanten oder Ritterrüstungen aus der Zeit Heinrichs VIII.; kein einziges gesprochenes Wort, nichts lockerte die rein visuelle Betrachtung auf. Und da gekürzt werden mußte, beugte ich mich dem guten Rat und ließ diese gar zu deskriptiven Passagen aus. Daß (auch wenn es für Bücher wie dieses keine verbindlichen Regeln gibt) dem spanischen Hintergrund zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist eine ernste Schwäche; ich hoffe, ich werde es wettmachen können, wenn die Zeit kommt, die Fortsetzung der Reise durch die zentralamerikanischen Republiken zu beschreiben. Aber es wäre müßig und auch unklug, diesen Katalog der Versäumnisse fortzusetzen.

Was politische und wirtschaftliche Fragen angeht – die ich ebenfalls ausgespart habe –, plagen mich keine solchen Gewissensbisse, denn zu diesen Themen gibt es eine umfangreiche Literatur. Das Buch will also nicht mehr sein als ein zufälliger persönlicher Bericht über einen Herbst und einen Winter, den wir auf diesen Inseln verbracht haben, mit allen Schwächen, die ein solcher Ansatz mit sich bringt. Sein Zweck, wenn es denn einen Zweck haben muß, besteht darin, mit dem Leser zu teilen, was wir Interessantes gesehen und Schönes erlebt haben. Mit anderen Worten: ihm Freude zu machen.

Meine Begleiter auf der gesamten Reise waren zwei Freunde. Joan, die Engländerin, und Costa, der aus Griechenland kommt. Beide, inzwischen nur noch ferne Punkte am Horizont, sind allgegenwärtig auf den folgenden Seiten. Joan war, könnte man sagen, die Egeria unserer Expedition, und Costa war nicht nur ihr Maler und Fotograf, sondern auch die treibende Kraft dahinter. Ohne ihn hätten wir die Reise nie unternommen.

Nun bleibt mir nur noch die angenehme Aufgabe, denen zu danken, die uns gastfreundlich aufgenommen haben, und den Freunden, die vor oder nach der Reise auf die eine oder andere Art mithalfen, daß dieses Buch entstand.

Dank schulde ich der französischen Compagnie Générale Transatlantique für vielfältige Hilfe und insbesondere M. Queffelian, Zahlmeister auf der Colombie.

Unser größter Gönner auf Trinidad war der seither verstorbene Sir Patrick O’Reilly, K.C., aus Port of Spain, dessen Freundlichkeit und Wissen und gute Laune, ganz zu schweigen von seinen guten Kontakten, wir noch lange vermissen werden. Dankbar denken wir auch an Dr. George Campbell, M.D., M.R.C.P., D.P.H., von der Leprakolonie Chacachacare zurück. Auf Guadeloupe möchten wir Daniel Despointes danken, auf Martinique M. René de Jaham, Dr. Rose-Rosette und dem Vicomte d’Aurigny; auf Dominica Mrs. Lennox Napier, deren vielfältige Vermittlungen weit über die Insel hinausreichten; sowie auf Barbados Mrs. Nicolas Embiricos. Weiterhin schulden wir Dank Sir Arthur Grimble, K.C.M.G., seinerzeit Gouverneur der Windward Islands, und seiner Tochter Rosemary; Mr. Stow, Vizegouverneur auf St. Lucia, und Mrs. Stow; Mr. Edward Challenger aus Basseterre, St. Kitts; auf Haiti M. Lorimer Denis, Mr. DeWitt Peters, Mr. Horace Ashton, ehemals Kulturattaché an der Botschaft der Vereinigten Staaten, sowie Selden Rodman; auf Jamaika Miss Esther Chapman (Mrs. Hepher), Colonel Rowe und Mr. Emmanuel Rowe aus Accompong sowie Hélène und Wilfredo Lam auf Kuba. Danken möchte ich auch James Pope-Hennessy, der mir vor unserem Aufbruch beibrachte, wie lehrreich und vergnüglich die alten westindischen Chroniken sind. (Was ich an Schriftstellern und Verfassern von Tagebüchern konsultierte, ist im Laufe der Erzählung vermerkt, und am meisten unter ihnen bin ich Père Labat verpflichtet, dem Dominikanerpater auf Martinique. Das moderne Werk, das uns auf der Reise am nützlichsten war, war Sir Algernon Aspinalls ausgezeichneter Short Guide to the West Indies.)

Großen Dank schulde ich außerdem Mrs. Postlethwaite Cobb und Norman Webb vom Easton Court Hotel, Chagford, Devon; Professor und Mrs. Julian Huxley und Reverend J. H. Adams, M.A., Pfarrer von Landulph, Cornwall; und schließlich und ganz besonders...

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