Flugs in die Post!

Ein abenteuerliches Leben in Briefen
 
 
Dörlemann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. Februar 2020
  • |
  • 704 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-03820-971-3 (ISBN)
 
Patrick Leigh Fermor war sein Leben lang ein begeisterter Briefeschreiber. So umspannen die vorliegenden Briefe fast ein ganzes Jahrhundert und geben einen tiefen und umfassenden Einblick in sein abenteuerliches Leben und in sein Schreiben.
Vom ersten bis zum letzten strahlen Paddys Briefe Wärme, Charme und Heiterkeit aus. Oft sind sie mit witzigen Zeichnungen und lustigen Versen ausgeschmückt. Manche enthalten Rätsel und die abenteuerlichsten Wortspiele und geben Zeugnis von einem einzigartigen Leben. Und sie machen den Leser süchtig!
  • Deutsch
  • Zürich
  • |
  • Schweiz
  • 3,15 MB
978-3-03820-971-3 (9783038209713)
weitere Ausgaben werden ermittelt
PATRICK LEIGH FERMOR wurde 1932 der Schule in Canterbury verwiesen, weil er sich "in ein Mädchen beim Gemüsehändler verguckte". Während der Aufnahmeprüfung in die Armee hatte er mit achtzehn Jahren die fabelhafte Idee, nach Konstantinopel zu wandern... Drei Jahre lang organisierte er als britischer Agent auf Kreta den Widerstand, konnte 1944 den deutschen General Kreipe gefangen nehmen und wurde ein Held. (Verfilmt wurde diese Begeben- heit aus Fermors Leben mit Dirk Bogarde in der Hauptrolle. Titel des Spielfilms: Ill Met by Moonlight.) Patrick Leigh Fermor zählt zu den bedeutendsten englischsprachigen Reiseschriftstellern. Er verstarb am 10. Juni 2011 im Alter von 96 Jahren in Worcestershire, England. Seine Werke erscheinen auf Deutsch im Dörlemann Verlag.

DIE BRIEFE


Paddy war vierundzwanzig Jahre alt und auf einem Picknick beim Pilzesuchen in Rumänien, als ihn die Nachricht vom deutschen Überfall auf Polen erreichte. Hals über Kopf kehrte er nach England zurück, um sich zu den Waffen zu melden. Viele Jahre später erzählte er seiner Biographin, er habe, als er 1939 heimkam, fest damit gerechnet, daß er binnen kurzem in diesem Krieg umkommen würde. »Irgendwo hatte ich gelesen, daß die durchschnittliche Lebenserwartung eines Infanterieoffiziers im Ersten Weltkrieg acht Wochen betragen hatte, und es gab keinen Grund zu hoffen, daß die Chancen im Zweiten wesentlich besser standen. Ich fand, da sollte ich doch wenigstens in einer schmucken Uniform sterben.« Unter Berufung auf seine angeblich irische Herkunft mogelte er sich unter die Irish Guards. »1939 bin ich als Fußsoldat bei den >Micks< eingetreten, am selben Tag wie Iain Moncreiffe und weitere Freunde; er ging allerdings zu den Scots Guards«, erklärte er später (PLF an Rudi Fischer, 2. Februar 1982). »Es war das erstemal, daß zukünftige Guards-Offiziere auch die Grundausbildung absolvierten, eine sehr gute Idee, wenn auch wahrhaftig kein Spaß. Wir kamen alle aus den fünf Guards-Regimentern - Grenadier, Coldstream, Scots, Irish und Welsh -, ein Trupp von dreißig Männern im Guards-Ausbildungslager [Depot] in Caterham, die Ausbilder waren Coldstreams. Alles war vorab arrangiert worden, mit guten Beziehungen usw., muß ich leider sagen.«

Den folgenden Brief an einen Mitrekruten schrieb Paddy aus dem Krankenhaus, wo er sich von einer schweren Lungenentzündung erholte, an der er beinahe gestorben wäre. Adrian Pryce-Jones (1919-1968) war der jüngere Sohn eines Colonels bei den Coldstream Guards. Sein Bruder Alan, später Reiseschriftsteller und Journalist, war für kurze Zeit mit Joan Eyres Monsell verlobt gewesen, Paddys Gefährtin der Nachkriegszeit und schließlich seine Ehefrau.

An Adrian Pryce-Jones

Redhill County Hospital

1. Februar 1940

Earlswood Common

Redhill

Surrey

Mein lieber Adrian!

Über Deinen Brief habe ich mich gefreut, und es war sehr freundlich von Dir, zu einem Zeitpunkt zu schreiben, zu dem Du es ohnehin schwer hattest. Gott, was mußt Du froh gewesen sein, als Du aus dem Bau wieder rauskamst. Mein eigenes Schicksal kann man nur tragisch nennen. Da ich durch Krankheit mehr als fünf Wochen Ausbildung versäumt habe, müssen meine Vorgesetzten mich zu ihrem Bedauern zurückstellen; das heißt, ich muß warten, bis die sechseinhalb Wochen durch sind und der nächste Schwung dran ist, und mit denen weitermachen, und dann bin ich erst zum Apriltermin in Sandhurst. Ist das nicht eine Schande? Ich bin so enttäuscht und wütend, ich kann es gar nicht in Worte fassen, denn das heißt natürlich, daß ich drei Wochen im Lager hocke, und davor eine lange sinnlose Warterei - und das, wo ich so gern mit Dir und unseren anderen Freunden in Sandhurst gewesen wäre. Ein noch größerer Grund zur Sorge ergibt sich direkt daraus: Da die Irish Guards nur zwölf Plätze zu vergeben haben, um die sich alle in Deinem Kurs bewerben, ist jetzt fraglich, ob ich überhaupt dort unterkomme, denn es gibt fünfzehn Kandidaten, und ich kann ja nicht erwarten, daß sie bei so einem Andrang etwas für mich offenhalten. Vielleicht geht es ja noch gut aus, aber wenn nicht, dann ist das schon sehr traurig und enttäuschend. Mir fällt kein anderes Regiment ein, in das ich eintreten möchte; und es wäre elend, wenn sie mich ausmusterten. Wieso mußte ich denn auch krank werden?

Du mußt wissen, die Metzgersburschen auf der Krankenstation im Lager hätten mich beinahe umgebracht. Eine Nacht gab es, da dachte ich, es ist aus mit mir, am Morgen bin ich Futter für die Krähen. Zum Glück ist jetzt alles überstanden, mir geht es wieder richtig gut, obwohl ich noch vierzehn Tage hierbleiben muß .

Jetzt habe ich aber genug von dem gräßlichen Ausbildungslager erzählt, das Du vermutlich schon fleißig vergißt. Ich will alles über Sandhurst wissen, wenn Du einmal für eine halbe Stunde aus dem Mahlstrom auftauchen und einen richtig schönen Brief schreiben kannst - die Uniformen - wer ist alles da? - Skandale und Klatschgeschichten usw. - andere Kandidaten für unsere Regimenter usw. Macht es Spaß? Es muß doch das reinste Paradies sein, nach Caterham. Erzähl' mir alles.

Hier plätschert das Leben dahin wie bei den Lotosessern. Reichlich Bücher, Obst und Blumen, und mittendrin ich, blaß und bedauernswert, mit einer ganzen Schar bezaubernder, fürsorglicher Krankenschwestern. Ich habe eine eindrucksvolle Miene einstudiert, tapfer, leidend, schicksalsergeben, die Stirn in Falten über einem gequälten Lächeln, und davon mache ich jeweils Gebrauch, wenn ich einen Gefallen von ihnen will (Licht nach Sperrstunde, Drink usw.). Funktioniert jedesmal. Meine Familie war mehrfach hier, ebenso die süße Prue Branch mit ihrem Guy, die zwei, von denen ich Dir erzählt habe. Gestern abend ist etwas Wunderbares geschehen. Ich werde gerade für die Nacht ins Bett gepackt, da höre ich seltsam fremdartige Stimmen vor der Tür, die Tür geht auf, und herein stürmt Anne-Marie Callimachi, gefolgt von Costa. Sie war ganz in schwarze Seide gewandet, Nerz über und über, Perlen und Juwelen an jeder nur denkbaren Stelle und mit dem verrücktesten Schiaparelli-Hut auf dem Kopf, den ich je gesehen habe. Dann Costa, sehr dunkelhäutig, mit breitem Grinsen, das Haar schon schlohweiß mit gerade mal Dreißig. Er trug einen hellgrünen Polopullover, darüber einen sehr langen schwarzen neuen Mantel mit einem riesigen Astrachankragen; beide den Arm voller großzügiger Geschenke. Die Schwestern waren baff. Alle drei stießen wir schrille Schreie aus, und dann ging das Parleywu los, ein Geschnatter wie die Äffchen. Die Belegschaft trat den ungeordneten Rückzug an. Dann war natürlich kein Taxi zu bekommen, und Anne-Marie hatte die Rolls-Royces usw. in London gelassen; aber sie hatten ihr Gepäck mit und blieben einfach über Nacht im Hospital! Wir taten alle so, als wären sie ein Ehepaar, und kichernd wie ein kleines Mädchen richtete die Schwester ein Zimmer für sie her, mit einem züchtig zwischen den Betten aufgestellten Wandschirm. Derweil rief Costa im Ritz an, um Bescheid zu sagen, daß Ihre Hoheit für die Nacht nicht ins Hotel komme, in einer Lautstärke, daß es durch sämtliche Flure hallte. Das ganze Krankenhaus stand Kopf. Koffer mit fürstlichen Kronen - was für Nachtzeug! Die Pantoffeln! Oh!! Das Hospital hat sich noch nicht davon erholt, und die Höhe, die ich auf der Glamour-Rangliste bei den Schwestern erklommen habe, ist sensationell.

Alles ein Riesenspaß. Wir redeten und lachten wie die Irren bis tief in die Nacht, Anne-Marie erzählte von ihren neuesten Abenteuern, die wie immer schier unglaublich waren. Ich spielte ihnen vor, wie es im Ausbildungslager zugeht. Ich habe ihnen von Dir erzählt, und da sie Deinen Bruder Alan gut kennen, wollte Anne-Marie unbedingt wissen, was Du für einer bist. Ich habe gesagt, Du bist einfach nur ein böser kleiner Partybube. Nichts hätte sie spannender finden können.

Die beiden verließen uns heute morgen, nachdem Anne-Marie für die Krankenhausstiftung noch einen fetten Scheck ausgestellt hatte, den ich mit lässiger Geste dem Oberarzt überreichte. An den Besuch wird man sich hier bis in alle Ewigkeit erinnern!

Alors, mon petit Adrien, te voilà déjà presqu'un petit officier dans la Garde Galloise! Ce que vous devez rigoler là-bas, vous autres. Oh la la! Je me rouge de jalousie. Je vous emmerde! Et royalement!

Zum Genesungsurlaub bin ich bei meiner Schwester: p. Adr. Mrs. Fenton, St. Arild's House, Kington, bei Thornbury, Gloucestershire. Vergiß nicht, Deine Privatadresse zu schicken, wenn Du schreibst. Einen Tag oder zwei werde ich in London sein, bevor ich mich ins ländliche Idyll verkrieche. Wir könnten uns treffen und einen draufmachen. Helen Hardinge meinte, ich könne doch auch eine Weile in Windsor bleiben, aber das gilt ja nicht gerade als gesund, also werde ich wohl eher nicht hinfahren. Vielleicht besuche ich die Sitwells.

Meine herzlichsten Grüße an Desmond und Trevor und Iain und Hal & Michael, Nevill, Douglas, Jeremy und die anderen Jungs. Kann Dir gar nicht sagen, wie leid es mir tut, daß ich nicht bei Euch allen dort draußen bin. Ein Jammer, daß Holland & der fiese Baron nicht auch da sind!

Alle guten Wünsche an Dich, mon petit, und viel Glück und Erfolg bei der Ausbildung in Sandhurst.

Dein Paddy

Paddy rechnete damit, nach seiner Genesung einen Offiziersposten bei den Irish Guards zu übernehmen. Doch es kam dann ganz anders. »Als meine Rekrutenzeit im Ausbildungslager zu Ende ging, bekam ich das verlockende Angebot, demnächst für den Nachrichtendienst auf Kreta zu arbeiten; eine aufregende Sache, und wie ein Dummkopf plauderte ich alles aus.« Zwar waren ihm am Ende der Grundausbildung »unterdurchschnittliche«...

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