Schweitzer Literaturtipps: Sozialwissenschaften

Max Webers Rede über »Wissenschaft als Beruf«, die er 1917 vor Studenten in München hielt, gehört zu den herausragenden Vorträgen des 20. Jahrhunderts. Mit seinem Plädoyer für die notwendige Selbstbeschränkung im Dienst der Wissenschaft sowie für »intellektuelle Rechtschaffenheit« lieferte er nicht nur ein rhetorisch glänzendes Beispiel der Selbstbesinnung, sondern zerstörte damit auch alle in ihn gesetzten Hoffnungen auf Führung und Weltanschauung.
Nach seiner Veröffentlichung 1919 löste dieser Vortrag heftige Reaktionen aus und wurde zum Mittelpunkt einer regen, viel beachteten Debatte über Krise und Beruf der Wissenschaft, die sich im Kreis um Stefan George entzündete und dann auf weite Teile der Kultur- und Geisteswissenschaften übergriff. Die Debatte bündelte die Krisenerfahrungen der 20er und 30er Jahre und das diffuse Unbehagen an der Wissenschaft wie der Moderne.
Warum geriet Webers Vortrag in den Fokus dieser Auseinandersetzung? Welche Kritiken und Antikritiken löste dieser aus? Richard Pohle beantwortet diese Fragen, zeichnet die zeitgenössische Debatte nach und macht dabei deutlich, warum sie ein hervorragendes Zeugnis des Ringens um die kulturelle Moderne ist.

Die Studie erkundet erstmals ausführlich, wie Gerechtigkeitseinstellungen und die Wahrnehmung sozialer Ungerechtigkeit das Wahlverhalten beeinflussen. Die Parteien werben mit Gerechtigkeitsargumenten um Wählerstimmen und für ihre inhaltlichen Positionen. Das Thema soziale Gerechtigkeit prägt die politischen Debatten unserer Zeit. Gleichzeitig gilt der Mangel an sozialer Gerechtigkeit als Ursache für das Fernbleiben von der Wahl, für einen Vertrauensverlust gegenüber der Demokratie und ihren Akteuren.

Der Autor zeigt eindrucksvoll, wie die Unterschicht im Zeitalter fragmentierter und instabiler Arbeitsbedingungen nicht allein vom wohlwollenden und schützenden Arm des Wohlfahrtsstaates behütet wird, sondern wie der aggressive und harte, der strafende Staat sie begleitet. Loïc Wacquant zeigt darüber hinaus, wieso dieser Kampf gegen Kriminalität die neue soziale Frage einerseits bedingt, andererseits zu verdecken sucht.Dieses Buch liefert einen wichtigen Beitrag zur Analyse von Staat und Gesellschaft im Zeitalter des neoliberalen Siegeszuges.

In seiner komplett überarbeiteten und erweiterten Neuausgabe der erfolgreichen Obama-Biografie schildert Christoph von Marschall, wie aus dem Geheimtipp Barack Obama der Favorit wurde und mit welchen Mitteln er erst Hillary Clinton und dann John McCain schlug.

Hinter den Pfeilen in den Graphiken der Meinungsforscher verbergen sich jedoch langfristige Trends: Traditionelle Milieus, auf die die Parteien über 50 Jahre lang zählen konnten, erodieren. Franz Walter zeichnet diese sozialen, demographischen und kulturellen Verschiebungen nach und analysiert die Situation der fünf im Bundestag vertretenen Parteien. Sein Buch bietet einen Wegweiser durch die Baustellen der bundesdeutschen Politik.

Als am 25. März 1957 die "Europäische Wirtschaftsgemeinschaft" (EWG) gegründet wurde, verpflichteten sich die Mitgliedstaaten auf das Prinzip der Lohngleichheit für Frauen und Männer. In diesem Buch wird gezeigt, wie diese Vorgabe trotz der geschlechterpolitischen Stille der Nachkriegszeit verankert werden konnte und auf dem Weg von Rom nach Amsterdam verschiedene Metamorphosen erfahren hat. ...

Im ersten Band steht die mehrfache Konstitution der Soziologie in der Gründungsphase des Fachs im Mittelpunkt: Wolfgang Schluchter betrachtet drei konkurrierende Forschungsprogramme, die er als soziologischen Hegelianismus (Karl Marx), soziologischen Kantianismus (Émile Durkheim) und kantianisierende Soziologie (Max Weber) bezeichnet. Diese werden auf ihren jeweiligen philosophischen Hintergrund bezogen und unter den Gesichtspunkten von Methodik, Grundbegriffen sowie Gegenwartsdiagnose verglichen. Der Vergleich zeigt die andauernde Aktualität eines an Max Weber orientierten Forschungsprogramms.

Wolfgang Schluchter geht in Band II seiner Geschichte der soziologischen Theorien sowohl der systemtheoretischen Wende (Talcott Parsons und Niklas Luhmann) als auch der sprachtheoretischen Wende (George Herbert Mead und Jürgen Habermas) nach und prüft, welche Folgerungen daraus für ein an Max Weber orientiertes Forschungsprogramm gezogen werden sollten. Dabei zeigt er, daß die systemtheoretische Wende ein Irrweg ist. Auch die Ergebnisse der sprachtheoretischen Wende erweisen sich als nur bedingt anschlußfähig. Die Untersuchung schließt mit der Skizze einer Handlungs- und Strukturtheorie.

Talcott Parsons, der wohl am stärksten die Entwicklung der soziologischen Theorie nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmte, wendet hier sein allgemeines Begriffsschema zur Analyse sozialer Systeme auf die modernen Gesellschaften an. Damit unternimmt er den Versuch, mit den Mitteln seiner Systemtheorie die Gesamtheit der modernen Gesellschaften als ein zusammenhängendes System zu begreifen und Konflikt, Wandel und Revolution von diesem Ansatz her zu interpretieren. Im Geiste Max Webers glaubt Parsons nachweisen zu können, dass der Ursprung dieses weltumspannenden Systems im europäischen Christentum und dessen spezifischer Entwicklung bürokratischer Rationalität zu finden ist.

Dieses Lehrbuch führt in die Soziologische Theorie nach Talcott Parsons ein. Es stellt sechs ausgewählte soziologischen Theorierichtungen nach Parsons vor: Konflikttheorie, Gesellschaftskritik, das Interpretative Paradigma, die Systemtheorie, die Theorie der rationalen Wahl und schließlich den Strukturalismus. Dabei werden jeweils die wichtigen Argumente, Begriffe und Überlegungen dargestellt, die diese Paradigmen charakterisieren. ...

Georg Simmels "Soziologie" (1908) hat auf die Begrifflichkeit und auf die Methoden des Faches in Deutschland sowie im Ausland tief gewirkt. In diesem Buch, das Simmel fünfzehn Jahre Arbeit abverlangt hat, verbindet sich in der Analyse des Gegenstandes die Konstruktion des soziologischen Blicks mit dessen praktischer Anwendung.
Was aber bleibt 100 Jahre später von der "Soziologie"? Wie wird sie von den unterschiedlichen Spezialisten der Sozial- und Geisteswissenschaften wahrgenommen?

Die sich seit der Wende in den neuen Bundesländern vollziehenden demografischen Veränderungen werden mit sehr großem Interesse verfolgt, gelten sie doch als einmalige Gelegenheit, die Wechselwirkungen zwischen veränderten gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen und demografischen Prozessen zu untersuchen. ...

Wie läuft eine gute Evaluation ab? Didaktisch stringent und verständlich aufbereitet gibt das Buch einen systematischen Überblick zu den Verfahren und Konzepten sowie zur Einordnung verschiedener Arbeitsschritte in einen typischen Ablauf der Evaluierung. Diese Systematisierung wird vor allem durch Synopsen am Ende der einzelnen Kapitel anschaulich aufbereitet. Für eine vertiefende Beschäftigung mit der Anwendung einzelner Methoden und Verfahren sowie den theoretischen Grundlagen werden dort zusätzliche Verweise auf Fachliteratur und Internetquellen bereit gestellt.

Der Band stellt die Grundlagen der gängigen qualitativen und quantitativen Methoden der Sozialforschung vor. Das Buch zeigt, warum sich die beiden Forschungsrichtungen in der Praxis häufig näher stehen als es den Anschein hat und dass sie zum Teil gut kombinierbar sind. Der Überblick ist besonders für Studierende der Bachelor-Studiengänge geeignet.

Die Autoren des Bandes begreifen Politische Soziologie als empirische Sozialwissenschaft und führen den Leser zunächst in die Grundlagen, Datenmaterialien und Methoden der empirischen Politikforschung ein. Danach erläutern die Verfasser die begrifflichen und theoretischen Grundfragen der Politischen Soziologie und ihre Fragestellungen und Ergebnisse in verschiedenen Teilfeldern der Disziplin, unter anderem der Politischen Sozialisation, der Politischen Kommunikation, der Erforschung politischer Einstellungen und von politischer Partizipation.

Politische Soziologie als Teilgebiet der Politischen Wissenschaft befaßt sich mit dem Verhältnis zwischen Bürgern und Politik, vor allem mit den politischen Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürger im Rahmen der jeweiligen politischen Institutionen.
Das Buch bietet eine umfassende Einführung in die wichtigsten Theorien und Ergebnisse der Politischen Soziologie und ist daher vor allem für Studienanfänger von großem Wert.

Lange galt die Erlebnispädagogik als umstritten, sie hat sich allerdings in der Praxis der Jugendarbeit, der Heimerziehung, der beruflichen Bildung, in nahezu allen (sozial-) pädagogischen Praxisfeldern durchgesetzt. Dieses Buch bietet eine Einführung in die wichtigsten Grundlagen der Erlebnispädagogik entlang der folgenden Fragen: Wie hat sie sich etabliert? Was wird ganz konkret an welchen Standorten angeboten? Für wen sind die Angebote geeignet?

Sind Jungen das 'schwache' Geschlecht? Für Pädagogen, die in der Jungensozialarbeit tätig sind, besteht daran schon seit einiger Zeit kein Zweifel mehr. Aufgrund ihres Abschneidens bei Schulleistungsvergleichsstudien und der hohen Schulabbrecherquoten werden Jungen zunehmend als 'Risikogruppe' problematisiert. Jungen sind nicht nur Thema der Bildungs- und Schulpolitik, sondern darüber hinaus auch in der (medialen) Öffentlichkeit. ...

Das Buch präsentiert maßgeschneiderte Trainingsangebote für unterschiedliche Institutionen und Zielgruppen: Strafvollzug, Jugendgerichts- und Bewährungshilfe, Heimerziehung, soziale Brennpunkte in Großstädten, Kontakt- und Beratungsstellen, Schulen, Mobile Jugendarbeit, Jugend- und Kulturzentren.

Im Zentrum dieses Buches steht eine kulturwissenschaftliche Reformulierung der Systemtheorie Luhmanns im Zusammenhang der Sozialen Arbeit. Vor dem Hintergrund der Kritik an den bisherigen Versuchen, eine systemtheoretische Fundierung der Disziplin herzustellen, werden die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien von Liebe und Macht und deren Transformation im Kontext der Genese des Hilfesystems analysiert.

Der Band bietet ihnen praktisches Handwerkszeug und reflexives Wissen zur Gestaltung und Befragung von Konzeptionen und liefert konkrete Anleitungen zur Konzeptentwicklung, die in ihren Grundzügen für alle Felder und Ebenen der Kinder- und Jugendarbeit gelten: für die Ebene des alltäglichen pädagogischen Handelns, für die Ebene der Grundkonzepte einer Einrichtung, eines Verbandes oder Projektes und für Ebene des Wirksamkeitsdialoges mit Finanziers (Land, Kommune, Träger).

Das Lehrbuch vermittelt in leicht verständlicher Weise die rechtlichen Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit. Ausgehend von der Bedeutung der Grundrechte werden unter anderem das komplexe System der sozialen Sicherung, Möglichkeiten der Rechtsdurchsetzung, Besonderheiten Freier Träger, rechtliche Betreuung und Jugendhilfe behandelt. Auch auf speziellere Rechtsfragen wie Aufsichtspflichten, Verwaltungsverfahren, Ermessensentscheidungen, Datenschutz und Leistungsvereinbarungen wird eingegangen.

Wie sind Sorgerecht und Adoption im deutschen Grundgesetz verankert? Was sollte man über elterliche Sorge und Vormundschaft wissen? Reinhard Wabnitz beantwortet diese und weitere Fragen und vermittelt das relevante Basiswissen des Familienrechts - speziell aufbereitet für Studierende des Faches Soziale Arbeit. Durch die systematische Gliederung lassen sich wichtige Regelungen nachschlagen, zum Beispiel zu: Familie, Eheschließung und nicht ehelichen Lebensgemeinschaften, Scheidung und Unterhalt, Adoption, Vormundschaft und Pflegschaft

Annemarie Jost zeichnet nach, wie die Rhythmen der Kommunikation bereits im frühen Säuglingsalter geprägt werden und sich dann im Laufe des gesamten Lebens modifizieren. Weiterhin geht sie der Frage nach, wie sich die zeitlichen Denk- und Handlungsmuster beispielsweise bei einer Demenz im hohen Lebensalter verändern und welche Schwierigkeiten auftreten können, wenn Menschen aufgrund kultureller oder krankheitsbedingter Unterschiede in unterschiedlichen Zeitstrukturen leben. ...

Die Soziologie der Gegenwartsgesellschaft erkennt zunehmend die Bedeutung der kollektiven Identitäten und korrigiert die klassische Modernisierungstheorie. Sie erkennt, dass Moral wenig zu regeln vermag, da sie auf Konflikt angelegt ist. Die soziologische Forschung führt uns immer mehr vor Augen, dass wir den kollektiven Gefühlen nicht entgehen können. Sie belegt zudem die Klugheit der Selbststeuerung sozialer Systeme gegenüber ihrer staatlichen Übersteuerung. ...

Die Urbanisierung zählt heute unbestritten zu den charakteristischen Entwicklungsmerkmalen der modernen Welt. Eine Sonderform dieses Prozesses ist die Entstehung der Megastädte - Metropolen mit mehr als fünf Millionen Einwohnern. Die Beiträge dieses Bandes behandeln exemplarisch die alten und neuen Megastädte Chicago, Moskau, London, Shanghai, Tokio, Mexico City, Delhi, Seoul, Lagos, Sao Paulo und Los Angeles. Sie befassen sich mit den Strukturbedingungen megapolitaner Entwicklungen wie ihren politischen und sozialen Folgen. Der historisch-vergleichende Blick veranschaulicht dabei zahlreiche Probleme, die für die aktuelle Globalisierungsdiskussion von großem Interesse sind: gesellschaftliche und politische Umbrüche im Land, soziale und ökonomische Folgen des Wachstums, Bekämpfung von Kriminalität und Armut.

Das Buch beschäftigt sich mit den Folgen des demografischen Wandels für Kultur, Kulturpolitik und Kulturmanagement und zeigt Chancen für die Zukunft auf. Es werden grundlegende aktuelle Entwicklungen im Spannungsfeld zwischen Demografie und Kultur sowie damit einhergehende Herausforderungen für die Kultur und die Kultureinrichtungen thematisiert.Vertreter aus Wissenschaft und Praxis beleuchten unterschiedliche Fragestellungen und zeigen Lösungsansätze auf, die sich für die kulturellen und kulturpolitischen Handlungsfelder ergeben.

Herausragende Vertreter verschiedener Disziplinen (u.a. Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Erziehungswissenschaften, Biowissenscahften ...) analysieren die Generationenfrage, hier fokussiert auf die Beziehungen zwischen erwachsenen Kindern und Eltern.

Warum verschaffen sich Akteure Vorteile auf Kosten anderer? Warum nehmen oder behalten sie Wertgegenstände, die ihnen nicht gehören oder nicht zustehen, wenn sich im Rahmen alltäglicher Handlungsvollzüge spontan die Gelegenheit dazu bietet?
Die vorliegende Studie geht dieser Frage nach und verfolgt das Ziel, solche als "kriminell" bezeichneten Aktivitäten angesichts günstiger Gelegenheiten zu erklären und aus der sozialen Situation von Akteuren heraus zu verstehen. ...

Die Arbeit liefert nicht nur erstmals eine "vollständige Sozialgeschichte" einer der zentralen Funktionsgruppen moderner Gesellschaften; die entwickelten Einsichten in die (variablen) Verarbeitungspotentiale beruflich-sozialer Krisen lassen sich auch auf aktuelle Entwicklungen übertragen.

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