Die Maya

Geschichte, Kultur, Religion
 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 8. Auflage
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  • erschienen am 18. September 2018
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  • 128 Seiten
 
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978-3-406-72725-2 (ISBN)
 
Erst in den vergangenen Jahrzehnten haben Wissenschaftler die politische Geschichte der Maya und ihre Religion mit den oft blutigen Ritualen entschlüsselt. Nichts mehr von der angeblich friedlichen und beschaulichen Geschichte dieser Indianer hat Bestand. Im Mittelpunkt des Buches steht die politische und kulturelle Entwicklung der Maya und die Darstellung der Dynastien der bedeutenden Stadtstaaten von Tikal, Yaxchilán, Copán und Palenque anhand der bildlichen und hieroglyphenschriftlichen Quellen.
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
mit 13 Abbildungen, 2 Tabellen und 5 Karten
  • 6,13 MB
978-3-406-72725-2 (9783406727252)
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Berthold Riese war von 1983 bis 2009 Professor für Altamerikanistik und Ethnologie an der Freien Universität Berlin und der Rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität in Bonn.

Inhalt Einleitung I. Die Maya-Welt und ihre Entdeckung 1. Die Lebenswelt der Maya 2. Entdeckung und Erforschung II. Die Gesellschaft formiert sich III. Die klassische Blüte

1. Eine Naturkatastrophe bringt die zivilisatorische Entwicklung voran 2. Fremdbestimmung durch Teotihuacan 3. Leben in den Städten IV. Zur Geschichte bedeutender Städte und Dynastien 1. Tikal (Motul) 2. Yaxchilán 3. Copán 4. Palenque 5. Politische Geographie V. Krise und Neuausrichtung VI. Die selbstbestimmte Geschichte nimmt ein Ende Zeittafel Quellen Gedruckte Quellen Internet-Quellen Abbildungen, Karten und Tabellen Register

II. Die Gesellschaft formiert sich


An den Küsten des Pazifik und der Karibik wurden zwischen 2500 und 2000 v. Chr. die ersten dörflichen Ansiedlungen im späteren Maya-Gebiet gegründet. Jedes Dorf vereinigte vielleicht bis zu 20 Familien. Woher die Bewohner ursprünglich kamen, wissen wir nicht. Erste Siedlungsspuren stellen frühe Keramiken an den Fundorten La Victoria und Ocós an der Pazifikküste dar, die auf 1500 v. Chr. datiert werden und mit etwas späteren in Cuello an der karibischen Küste nichts gemein haben, so dass man vorerst an beiden Küsten unabhängige Übergänge zur Keramikherstellung annehmen und vielleicht auch von einer gemischten physischen Herkunft der späteren Maya ausgehen muss. Die Kenntnis der Töpferei und wenig später des Maisanbaus hat die Siedler an diesen und weiteren Orten vermutlich aus dem Norden erreicht, wo es in den Trockentälern und Höhlen der mexikanischen Bundesstaaten Tamaulipas, Puebla und Oaxaca frühere Funde von Pflanzendomestikation gibt (Karte 1). Außerdem weisen Forscher auf die Möglichkeit hin, dass die Töpferei über die karibische See aus Venezuela und Kolumbien und durch Küstenschiffahrt auf dem Pazifik aus Ecuador ins Maya-Gebiet Eingang gefunden haben könnte, denn in Südamerika beginnt sie früher als in Mexiko und Guatemala.

Die gerade für die Erhellung der frühen Siedlungsgeschichte so wichtige Chronologie macht die Archäologie am Wandel in Form und Verzierung von Tonwaren fest. Eine Kultur- und damit zugleich eine Zeitphase wird nach der mit ihr assoziierten Keramik benannt. So heißt die früheste Keramik einer bestimmten Ausprägung «Mamom». Diesen Namen hat sie am ersten Fundort, wo sie in größeren Mengen und deutlich erkennbarer Ausprägung ausgegraben wurde, nämlich in Uaxactún, erhalten. Und dadurch, dass sie später auch an vielen anderen Orten gefunden wurde, konnte man jene Siedlungsplätze über diese Mamom-Keramik datieren. Die Abfolge unterscheidbarer Keramiktypen wird dann meist in einem Säulendiagramm dargestellt, wobei die früheste Phase, wie auch in der Wirklichkeit des Fundorts, zuunterst steht. Tabelle 1 zeigt die wichtigsten Keramikphasen des Maya-Gebiets. Es ist in der Forschung leider Brauch geworden, dass jeder Ausgräber an seinem Fundort die erkannten Keramiktypen mit eigenen Namen benennt, und das nach sehr idiosynkratischen Grundsätzen; man vergleiche in dieser Hinsicht die frühen Fundorte La Victoria, Cuello und Uaxactún: Da dient einmal die Köchin, weil sie die Archäologen so gut versorgt hat, ein andermal der fleißige Vorarbeiter als Namensgeber, oder, was noch irreführender ist, der Archäologe wählt willkürlich und oft unverstanden Worte aus Maya-Sprachen zur Benennung seiner Keramik, ohne darauf zu achten, dass sie in der Sprache und in anderen Bereichen der Maya-Forschung ganz andere Bedeutungen haben. So war es schon bei der Leitgrabung um 1930 in Uaxactún, wo die Keramikphasen «Tzakol» und «Tepeu» nach Göttern der Quiché-Indianer im Hochland von Guatemala benannt wurden, wiewohl in Uaxactún niemals Quiché-Indianer gelebt haben. Erst in einem reifen Stadium der Keramiktypologie besann man sich zunehmend auf form- und dekorbeschreibende Namen wie «Fein Orange» oder «Bleiglanz», die leicht erkennbare Eigenschaften der Keramiktypen beschreiben.

Tab. 1: Vergleichende Chronologie von Keramikphasen im Maya-Gebiet

Was ist nun jenseits der rein chronologischen Abfolge unterschiedlicher Kulturphasen von diesen frühen Siedlern bekannt? Das Vorkommen von Jadeperlen in Cuello schon um 1000 v. Chr. weist darauf hin, dass sich Fernhandel schon früh entwickelte, denn die nächsten Jadevorkommen liegen im 200 Kilometer entfernten Motaguatal. Der Prozess des Übergangs vom unsteten Sammeln und Jagen zur Sesshaftigkeit, die Einführung von Töpferei, der Beginn des Fernhandels und des Maisanbaus, diese grundlegenden Errungenschaften scheinen sich im Maya-Gebiet über insgesamt ein Jahrtausend ganz langsam entwickelt zu haben. Wegen dieses langsamen Anwachsens und Sich-Ausbreitens zivilisatorischer Errungenschaften spricht man heute nicht mehr von einer neolithischen Revolution, wie es V. Gordon Childe in den 1950er Jahren für Europa und den Vorderen Orient vorgeschlagen hatte, sondern eher von einer Evolution, also einer langsamen Entwicklung.

Welcher Sprachgruppe diese frühen Siedler angehörten, ist unbekannt. Das zu klären, hilft die Archäologie nicht weiter; denn den Funden und Befunden in den frühen Siedlungen Ocós, La Victoria oder Cuello sehen wir nicht an, wie sich die dortigen Menschen verständigt haben. Beziehen wir aber Gesichtspunkte der Sprachgeographie und -geschichte der modern dokumentierten Maya-Sprachen in unsere Überlegungen ein, lässt sich die Vorgeschichte der Maya-Sprecher in groben Umrissen folgendermaßen skizzieren: Bis etwa 1500 v. Chr. bildeten die Ur-Maya im Hochland der Cuchumatanes im heutigen Guatemala eine kleine Sprachgemeinschaft. Die angrenzenden Gebiete waren damals noch von Indianern mit anderen Sprachen besiedelt. Etwa um die genannte Zeit spaltete sich ein Teil von der Ur-Maya-Gemeinschaft ab und wanderte nach Norden auf die Halbinsel Yukatan. Diese Gruppe bildete den Grundstock der von den noch heute dort siedelnden Maya-Indianern gesprochenen Maya-t'an-Sprache. Eine andere Gruppe spaltete sich wenig später ebenfalls vom Stamm ab und wanderte zunächst in die von Olmeken besiedelte Tieflandregion an der Golfküste und dann, dieser Küste entlang, weiter nach Norden bis in die Grenzzone der heutigen mexikanischen Bundesstaaten Veracruz und Tamaulipas. Ihre Nachkommen dort und deren Sprache werden mit dem alt-aztekischen Namen Kuextekah (Huaxteken) bezeichnet. Am spätesten wurde die Urwaldzone am Nordabhang der Kordillere von Maya-Indianern besiedelt, obwohl sie am nächsten an ihrem Stammland in den Cuchumatanes liegt. Ursache für die späte Besiedlung jener Region mag die schlechte Eignung für ausgedehnte Landwirtschaft sein: Die jährlichen Überschwemmungen hatte ich schon genannt. Um die Mitte des letzten vorchristlichen Jahrtausends war dann mit der Besiedlung auch der genannten Urwaldrandzone durch die Chol-Maya der gesamte Raum, den die Maya danach für die kommenden 2000 Jahre gehalten haben, von Maya-Sprechern besiedelt.

Heute gibt es etwa 30 verschiedene Maya-Sprachen, die sich in ihrer Differenzierung bzw. in ihren Übereinstimmungen untereinander mit der Binnengliederung germanischer Sprachen in Europa vergleichen lassen. Phonetisch ist bei ihnen die systematische Ausformung der stimmlosen Verschlusslaute in zwei Varietäten, einfach und glottalisiert, bemerkenswert. So besitzen viele Maya-Sprachen neben einem k, einem p und einem t als stimmlose Verschlusslaute, die in der Aussprache etwa unseren Lauten entsprechen, jeweils noch einen glottalisierten Laut, der mit härterer Aussprache gesprochen wird und deshalb mit einem Häkchen hinter dem entsprechenden Buchstaben gekennzeichnet wird, also k', p' und t', die gegenüber den unglottalisierten Lauten dem Wort eine andere Bedeutung geben. So bedeutet im Maya-t'an/Chol kak , k'ak' hingegen ; k'an/k'än , kan/chan hingegen ; k'uk' <Quetzal-Vogel>, ku'uk hingegen ; pet , p'et hingegen ; und tok , t'ok' hingegen . Da diese und einige andere phonologischen Besonderheiten im Schrifttum oft missachtet werden, sollte der Leser sich bemühen, meine korrektere Schreibung gegenüber den laxen traditionellen Schreibungen zu erkennen und zu benutzen, um nicht auf unzutreffende Bedeutungen fehlgeleitet zu werden.

Viele hundert Jahre entwickelten die Maya nun an den Küsten, im Innern Yukatans, aber auch in den großen Flusstälern und in benachbarten Regionen ein einfaches, bodenständiges Leben, das sich in Vorformen der verwandten, aber deutlich unterschiedenen Maya-Sprachen des Chol, des Tzeltal im Süden und des Yukatekischen (oder Maya-t'an) im Norden ausdrückte. Einen qualitativen Sprung zu höherer gesellschaftlicher Komplexität und wirtschaftlicher Leistungskraft ereignete sich um 800 v. Chr., als das ganze Kulturareal von Mesoamerika, dessen südlicher Teil das Maya-Gebiet ausmacht, vom zweiten Aufblühen der olmekischen Kultur erfasst wurde. Jetzt kommen bei den Maya erstmals Obsidianklingen in Gebrauch, was abermalige Ausweitung des Fernhandels anzeigt, da sich dieses vulkanische Glas nur an wenigen Stellen in Ostguatemala und in Zentralmexiko findet....

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