Die 101 wichtigsten Fragen - Oper

 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 23. Februar 2017
  • |
  • 160 Seiten
 
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978-3-406-70668-4 (ISBN)
 
"Oper ist Zirkus, in dem die Tenöre für die Drahtseilakte zuständig sind." Wem diese Definition nicht ausreicht, dem seien die 101 wichtigsten Fragen zum Thema Oper empfohlen!
Darin wird kompetent, knapp, klar und unterhaltsam die Geschichte der aufwendigsten Form, in der man Musik überhaupt darbieten kann, erschlossen - Wann, wo und warum wurde die Oper erfunden? Opernstoffe und -handlungen werden erläutert - Wird in der Oper fast immer geliebt und gehasst? Opernkomponisten präsentiert und ihre Stellung in der Musikwelt beschrieben - Waren Verdi und Wagner tatsächlich Antipoden? Aber natürlich finden sich auch Fragen nach legendären Opernstars - Warum gelten Enrico Caruso und Maria Callas als Inbegriff von Gesangskunst? Ebenso wie nach dem Verhältnis von Bühne und Spektakel - Was haben Tiere in der Oper zu suchen? Nach Organisation und Finanzen - Warum ist Oper so teuer? Nach der Beziehung von Oper und Publikum - Seit wann wird in der Oper geklatscht und gebuht? Und noch nach vielem mehr, was Opernfreunde und solche, die es noch werden wollen, immer schon einmal wissen wollten.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
mit 14 Abbildungen
  • 4,84 MB
978-3-406-70668-4 (9783406706684)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Sabine Henze-Döhring, Professorin für Musikwissenschaft an der Universität Marburg, und Sieghart Döhring, bis zu seiner Emeritierung Professor für Theaterwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung des Musiktheaters und Leiter des Forschungsinstituts für Musiktheater im Schloss Thurnau an der Universität Bayreuth, sind vielfach als Opernforscher ausgewiesen.

Basisfragen

Erscheinungsbild - Erscheinungsformen

Stoffe und Handlungen

Meisterwerke - Opernmeister

Gesang, Sängerinnen und Sänger

Bühne und Spektakel

Oper und Medien

Oper und Publikum

Organisation und Finanzen

Anhang

Literaturempfehlungen

Personen- und Werkregister

Bildnachweis

Basisfragen


1. Wann, wo und warum wurde die Oper erfunden?  Die Oper als Kunstform entstand um 1600 in Florenz, Sitz der Kunst und Wissenschaft fördernden, extrem reichen Dynastie der Medici, Großherzöge der Toskana. Auf ihren prächtigen Hoffesten spielte seit jeher Theater eine Rolle, in dem zwischen den Akten Schaustücke mit Musik - Intermedien - vorkamen. Wie in den Bildkünsten thematisierte man auch im Theater antike Mythen, zum Beispiel den Mythos von Orpheus und Eurydike, in dem der unglückliche Sänger vergeblich versucht, seine verstorbene Geliebte aus dem Totenreich wieder ins Leben zu führen. Zugleich waren die an antiker Dichtung orientierten Pastoralen beliebt, Liebeshandlungen zwischen Hirtenpaaren, in die man ebenfalls Musik einfügte. Die Oper knüpfte literarisch und bildkünstlerisch an diese Vorlieben an, brachte musikalisch jedoch spektakulär Neues hervor. Die wichtigste Erfindung war, dass ein dramatischer Text an keiner Stelle gesprochen, sondern durchgehend singend rezitiert wurde. Diese Art Gesangsvortrag, an sich nicht neu, kam in Verbindung mit Texten, die zwischenmenschliches Handeln und Gefühlsäußerungen zum Ausdruck brachten, zu gänzlich neuer Wirkung. Essentiell war auch die Präsentation in Kostümen und aufwendiger Szenerie. Bei der Ausführung der im bezifferten Bass (Generalbass) notierten Instrumentalbegleitung mit Cembalo, Laute, Theorbe (Basslaute) und Leier wurde auf Klangdichte und -änderungen Wert gelegt, um - Gleiches galt für die Musik generell - dramatische Affektwechsel nachzuvollziehen und Eintönigkeit zu vermeiden. Chöre und Tänze oder szenische Effekte kamen belebend hinzu. Die von allen Beteiligten als modern empfundene Vertonung, das Übertragen der Poesie in einen zwischen Sprechen und Singen vermittelnden Vortrag («recitar cantando»), sollte - so heißt es - zum Mitweinen, Mitleiden oder auch Mitfreuen anregen, die Zuhörer seelisch berühren. Damit ist die Frage nach dem Warum der Erfindung der Oper auch schon beantwortet. Es ging um die Steigerung der Wirkmacht der Musik zu einer Sprache, die unmittelbar ins Herz dringt.

In dem Wunsch, mit Musik Gefühle zum Ausdruck zu bringen und die Herzen zu bewegen, waren sich die drei Komponisten der als früheste Opern angesehenen Werke - Emilio de' Cavalieri, Jacopo Peri und Giulio Caccini - im Prinzip einig. Sie riefen auch in Erinnerung, dass schon Griechen und Römer in ihren Tragödien gesungen hätten. Spätere Generationen leiteten daraus einen Gründungsmythos ab, indem sie in die Welt setzten, in Florenz sei es um die Wiedergeburt des antiken Theaters gegangen. An eine Rekonstruktion der in den griechischen und römischen Schauspielen verwendeten Musik hatte man nach Aussage tatsächlich Beteiligter jedoch weder gedacht noch geglaubt. Peri sprach von einer «neuen Art zu singen» («nuovo modo di cantare»). Wie so oft, wenn sensationell Neues erfunden wird, stritt man über die Frage, wer ein solch modernes Werk als Allererster in die Welt gesetzt habe (der Begriff Oper kam später auf). Cavalieri war am Hofe der Medici Generalintendant der Künste («soprintendente delle arti»). Er reklamierte die Erfindung für sich und berief sich auf drei seit 1590 erfolgreiche Opern mit pastoralem Stoff. Da die Musik dazu verschollen ist, kann man wenig darüber sagen. Fest steht, dass Cavalieri während eines fünfmonatigen Aufenthalts im Heiligen Jahr in Rom am 1. Februar 1600 eine im neuen Stil vertonte, vielbeachtete geistliche Oper uraufführte (Rappresentazione di anima e di corpo/Spiel von Seele und Körper»), die mit einem auf den 3. September 1600 datierten Vorwort im Druck erschien. Das war pikant, denn Peris Euridice kam einen Monat nach Cavalieris Publikation, anlässlich der Hochzeit Maria de' Medicis mit König Heinrich IV. von Frankreich am 6. Oktober 1600 im Palazzo Pitti noch während Cavalieris Amtszeit spektakulär zur Geltung. Peri und der Textdichter Ottavio Rinuccini hatten in dem bei Hofe einflussreichen Adligen Jacopo Corsi einen Berater und Gönner. Peris Oper war in Corsis Palast entstanden. Rinuccini wies im Vorwort des Uraufführungslibrettos auf Peris Dafne hin, mit der er schon 1598 ausprobiert habe, was «der Gesang unseres Zeitalters werden könne» («il canto dell'età nostra»). Von dieser Oper haben sich nur Bruchstücke erhalten, sodass man auch darüber wenig weiß. Peri war generös und räumte Cavalieri den Vorrang ein. Bleibt noch Caccini, der eine eher unrühmliche Rolle spielte. Caccinis Euridice wurde zwar erst 1602 uraufgeführt, doch erschien sie wenige Wochen vor Peris Euridice im Druck. In seinem Vorwort, datiert auf den 20. Dezember 1600, erklärte Caccini, der Erste zu sein, der ein Werk im neuen Gesangstil - er nannte ihn «stile rappresentativo» - veröffentlicht habe, bezeugte langjährige Erfahrung damit, nannte als Referenzwerke jedoch ältere Madrigale. Der Streit über die Frage, wer als der eigentliche Opernerfinder gelten darf, wirkt heute bizarr, doch besagt er immerhin eins: Die daran beteiligten Künstler und Mäzene wussten, dass sie etwas Außerordentliches in die Welt gesetzt, ein neues Kapitel des Komponierens und Singens auf dem Theater aufgeschlagen hatten.

Die frühen Opern wurden in privatem Rahmen oder in Institutionen mit reguliertem Zugang, Hof oder - wie im Falle der geistlichen Oper Cavalieris - Betsaal einer Bruderschaft, aufgeführt. Bis daraus eine Institution wurde, wie man sie heute kennt, eine unternehmerisch geführte Unterhaltungseinrichtung mit Eintrittspreisen, sollte es noch dauern. Das erste öffentliche Opernhaus nahm seinen Betrieb im Teatro San Cassiano in Venedig im Februar 1637 auf.

2. Welche Künste sind an der Oper beteiligt?  In Johann Georg Sulzers einst viel gelesener Allgemeine(r) Theorie der Schönen Künste (1771-1774) heißt es lapidar: «Poesie, Musik, Tanzkunst, Mahlerey und Baukunst vereinigen sich zu(r) Darstellung der Opera.» Dies ist eine überraschend moderne Sichtweise, wird doch Oper nicht als Werk verstanden, das zur Aufführung bestimmt ist, sondern von vornherein als szenisches Ereignis. Dichter, Komponist, Choreograph, Bühnen- und Kostümbildner arbeiten dem Sänger, Schauspieler und Tänzer zu, durch deren Darstellung Oper überhaupt erst Gestalt gewinnt. An dieser Auffassung hat sich bis heute nichts Grundlegendes geändert, nur dass infolge der technischen Entwicklung in den letzten beiden Jahrhunderten eine Differenzierung und Spezialisierung der beteiligten Bühnenkünste stattgefunden hat. Zu ihnen gehören inzwischen auch der Film und neue Multimedia-Formen sowie eine zur eigenständigen Disziplin entwickelte Beleuchtungstechnik (Lichtdesign).

3. Was versteht man unter «Gesamtkunstwerk»?  In seiner Schrift Das Kunstwerk der Zukunft (1850) forderte Richard Wagner das «große Gesammtkunstwerk [!], das alle Gattungen der Kunst zu umfassen hat» mit dem Ziel «der unbedingten, unmittelbaren Darstellung der vollendeten menschlichen Natur». Das Zusammenwirken von Dichtung, Musik und Bewegung als Ausdruck eines idealen Gemeinschaftsgefühls sei einst in der griechischen Tragödie verwirklicht gewesen, um im Verlauf der Geschichte - so Wagner - dem sozialen und künstlerischen Partikularismus zum Opfer zu fallen, der in der modernen Oper seinen abschreckenden Tiefpunkt erreicht habe. Diese Einheit neu zu erschaffen sei somit eine ästhetische und zugleich gesellschaftliche Aufgabe: nicht die Tat des einzelnen Künstlers, sondern das «gemeinsame Werk des Menschen der Zukunft».

Diese und ähnliche Gedanken waren, als Wagner sie zu Papier brachte, keineswegs neu. Sowohl der Begriff Gesamtkunstwerk als auch die damit verbundenen Ideen begegnen schon Jahrzehnte zuvor in den ästhetischen und politischen Debatten der deutschen und französischen Romantiker. In der Verbindung mit Person und Werk Wagners entfalteten sie jedoch erstmals ihre volle Wirkung als Stichworte für esoterische und revolutionäre Kunstkonzepte der Moderne. Die Offenheit und Unbestimmtheit des Begriffs ermöglichen es, ihn auf unterschiedliche Weise zu verstehen. Meint Gesamtkunstwerk ein utopisches Kunstideal oder ein konkretes Werk des Musiktheaters, in dem dieses Ideal - zumindest ansatzweise - bereits verwirklicht ist? Und weiter: Wie müssen Dichtung und Musik beschaffen sein, damit sie sich auf der Bühne zum Drama vereinen?

Wagner hat die Bezeichnung Gesamtkunstwerk zwar nicht für seine eigenen Werke in Anspruch genommen, wohl aber sein Schaffen danach ausgerichtet. Um seine Rolle als Erneuerer des musikalischen Theaters herauszustreichen, ließ er nichts unversucht, ein Zerrbild der traditionellen Oper zu...

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