Die verborgene Natur der Liebe

Sex und Leidenschaft und wie wir die Richtigen finden
 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Juli 2016
  • |
  • 272 Seiten
 
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978-3-406-69790-6 (ISBN)
 
Es ist riskant zu lieben. Doch Liebe gibt dem Leben Sinn und verspricht einzigartige Momente der Lust. Die Biologie bewahrt uns bei der Suche nach Liebesglück und sexueller Lust vor falschen Ideen über unser Liebesleben. Sie deckt die Weltfremdheit der traditionellen Sexualmoral ebenso auf wie die Lebensfeindlichkeit gerade angesagter gesellschaftspolitischer Vorstellungen.
Die verborgene Natur der Liebe erklärt, warum wir Sex haben. Und zwar sehr viel häufiger und sehr viel spielerischer, als es zur Fortpflanzung nötig ist. Sie beschreibt die Vielfalt der Beziehungsformen. Und sie gibt Regeln an für die Suche nach dem richtigen Partner oder der richtigen Partnerin. Die in den Genen gespeicherten evolutionären Erfahrungen verraten uns, welches Verhalten erfolgversprechend ist und welches nicht, warum wir so fühlen, wie wir fühlen. Warum beispielsweise das Leben in einer Zweierbeziehung so erstrebenswert ist, und warum gleichzeitig das Fremdgehen, angefangen mit einem harmlosen Flirt, so unwiderstehlich sein kann. Thomas Junker zeigt, dass das, was wir Liebe nennen, nichts Selbstverständliches ist, sondern dass alles auch ganz anders sein könnte. Sein so unaufgeregtes wie aufregendes Buch gibt einen Eindruck davon, wie sehr wir im Grunde unseres Herzens Naturwesen geblieben sind, denen der kulturelle Zuckerguss von Moral und Erziehung nur wenig anhaben konnte.
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
  • 3,21 MB
978-3-406-69790-6 (9783406697906)
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Thomas Junker ist Professor für Biologiegeschichte an der Universität Tübingen.
1 - Cover [Seite 1]
2 - Titel [Seite 3]
3 - Impressum [Seite 4]
4 - Inhalt [Seite 5]
5 - Warnhinweis [Seite 7]
6 - Warum wir Sex haben [Seite 13]
6.1 - 1 Lust ohne Last [Seite 14]
6.2 - 2 Auf der Suche nach dem besonderen Erlebnis [Seite 20]
6.3 - 3 Der ultimative Partnertest [Seite 34]
6.4 - 4 Sex als Beziehungskitt [Seite 45]
6.5 - 5 Der Kinderwunsch [Seite 56]
6.6 - 6 Die Zukunft des Sex [Seite 63]
7 - Was wir lieben [Seite 77]
7.1 - 7 Zurück zur Natur [Seite 78]
7.2 - 8 Das ursprüngliche Erfolgsrezept: ein Leben als Single [Seite 82]
7.3 - 9 Eine männliche Idee: die Zweierbeziehung [Seite 98]
7.4 - 10 Eine Frage der Gelegenheiten: der Harem [Seite 108]
7.5 - 11 Das Ideal der freien Liebe: die Kommune [Seite 122]
7.6 - 12 Eine schwierige Gratwanderung: Patchwork-Gemeinschaften [Seite 138]
7.7 - 13 Strategien der Liebe [Seite 151]
8 - Wie man die Richtigen findet [Seite 159]
8.1 - 14 Der Eigensinn des Körpers [Seite 160]
8.2 - 15 Mit Zähnen und Klauen [Seite 166]
8.3 - 16 Jugend und Erfahrung [Seite 171]
8.4 - 17 Schönheit [Seite 177]
8.5 - 18 Charakter und Talente [Seite 186]
8.6 - 19 Geld und Gewalt [Seite 192]
8.7 - 20 Wer in Frage kommt [Seite 200]
8.8 - 21 Die Macht der Liebe [Seite 212]
9 - Anhang [Seite 225]
9.1 - Tabellen [Seite 226]
9.2 - Anmerkungen [Seite 230]
9.3 - Literatur [Seite 250]
10 - Zum Buch [Seite 273]
11 - Über den Autor [Seite 273]

WARNHINWEIS


Es ist riskant zu lieben. Wie riskant, davon berichten die Dichter, wenn sie die Liebespaare in ihren Geschichten sterben lassen. Schließen sich Glück und Liebe aus? Nicht unbedingt. Gerade weil die Gefahren so groß sind, muss auch der Lustgewinn besonders verlockend sein. Nicht umsonst spricht man von den Wonnen der Liebe und vom Orgasmus als dem höchsten der Gefühle.

Wer wenig riskiert, der wird meist nur wenig gewinnen. Wer viel riskiert, der kann viel erreichen, aber auch scheitern. Zu leben, ohne es zumindest versucht zu haben - das werden wohl nur die wenigsten Menschen wollen. Denn die romantische Liebe liegt in unserer Natur. Sie gibt dem Leben Sinn und verspricht einzigartige Momente der Lust. Sie kann aber auch in tiefe Verzweiflung führen und zur Quelle des Leidens werden - denn «nichts auf dieser Welt» ist «schwieriger als die Liebe», wie der Schriftsteller Gabriel García Márquez gesagt hat.[1]

Welche Rolle kann die Biologie, das Wissen über die Natur des Menschen, bei der Suche nach Liebesglück und sexueller Lust spielen? Es wäre unrealistisch, einfache Rezepte für alle Lebenslagen zu erwarten, die zehn besten biologischen Sex- und Liebestipps sozusagen. Dazu sind die persönlichen Wünsche zu unterschiedlich und die Chancen zu ungleich verteilt. Die Wissenschaft predigt auch keine neue Moral, die dem, was wir aus der Familie, den Medien, den Religionen und der Philosophie kennen, einen weiteren Katalog mit Vorschriften und Ermahnungen hinzufügt.

Sie kann aber etwas anderes leisten: Sie kann falsche Ideen über das menschliche Liebesleben richtigstellen. Sie kann die Weltfremdheit der traditionellen Sexualmoral ebenso wie die Lebensfeindlichkeit gerade angesagter gesellschaftspolitischer Utopien aufdecken. Und sie kann Empfehlungen geben, welche Formen der Liebe in welchen Situationen erfolgversprechend sind und welche eher nicht.

Der Blick in die Welt der Tiere zeigt eine bunte Vielfalt an sexuellen Optionen und Beziehungsformen. Wenn ich einige davon näher schildere und auf Parallelen zum Verhalten der Menschen aufmerksam mache, dann heißt das nicht, dass alle Varianten gut oder vorteilhaft sind. Und es bedeutet noch viel weniger, dass sie mir persönlich gefallen oder dass sie den Leserinnen und Lesern gefallen sollen. Es bedeutet zunächst nur, dass unser Liebesleben Formen annehmen kann, die so ähnlich auch bei anderen Tieren zu beobachten sind. Diese Übereinstimmungen können entstehen, weil ursprüngliche Instinkte in uns geweckt werden oder weil ähnliche Umwelten ähnliche Reaktionen hervorrufen.

Im Folgenden werde ich unterschiedliche Strategien der Liebe in ihren Vor- und Nachteilen betrachten, ohne sie zu bewerten. Ich werde mich sogar bemühen, auch negativ einzuschätzende Verhaltensweisen erst einmal stark zu machen. Warum? Weil ich der Überzeugung bin, dass man nur zu einem begründeten Urteil kommen kann, wenn man eine Sache von möglichst vielen Seiten betrachtet, ohne sie von vorneherein unter politischen, moralischen oder ästhetischen Bedenken zu begraben.

Es ist ja nicht nur aufschlussreich zu erfahren, was uns gefällt. Ebenso viel können wir aus Dingen lernen, die wir seltsam oder angsterregend finden. Die Biologie ist kein kitschiges Idyll, aber sie ist auch kein Horrorfilm. Sie hat etwas von beidem. Vor allem aber bietet sie einen unermesslichen Schatz an kulturell unberührter Lebenswirklichkeit. Davon können wir in unserem von der Natur oft so entfremdeten Leben kaum genug bekommen.

Die Biologie zeigt, dass das, was wir Liebe nennen, nichts Selbstverständliches ist, sondern dass alles auch ganz anders sein könnte. Und sie gibt einen Eindruck davon, wie sehr wir im Grunde unseres Herzens Naturwesen geblieben sind, denen der kulturelle Zuckerguss von Moral und Erziehung nur wenig anhaben konnte.

Die in den Genen gespeicherten evolutionären Erfahrungen verraten uns, welches Verhalten erfolgversprechend ist und welches nicht. Dieses Wissen entstand indirekt, weil diejenigen unserer Vorfahren, die sich mehr oder weniger zufällig richtig verhielten, mehr Nachwuchs hatten als diejenigen, die die falschen Entscheidungen trafen. Deshalb werden praktische Ratschläge, die auf persönlicher Erfahrung oder auf Intuition beruhen, oft ins Schwarze treffen.

Wenn die Umwelt sehr komplex ist oder wenn sie sich schnell ändert - beides ist im modernen Leben der Fall -, dann können die bewährten Strategien an Grenzen stoßen. Wenn der Instinkt für die Liebe zudem durch Erziehung und lebensfremde Ideale verformt und verschüttet wurde, dann weiß man eben nicht mehr automatisch, was richtig und was falsch ist. Dann kann es nicht schaden zu verstehen, warum wir so fühlen, wie wir fühlen. Warum beispielsweise das Leben in einer Zweierbeziehung so erstrebenswert ist, und warum gleichzeitig das Fremdgehen, angefangen mit einem harmlosen Flirt, so unwiderstehlich sein kann.

Im ersten Abschnitt des Buches werde ich schildern, warum wir Sex haben. Und zwar sehr viel häufiger und sehr viel spielerischer, als es zur Fortpflanzung nötig ist. Im zweiten Abschnitt geht es um die Vielfalt der Beziehungsformen. Entspricht das Singleleben, die Zweierbeziehung, der Harem oder die Kommune der menschlichen Natur? Im dritten Abschnitt steht die Suche nach dem richtigen Partner oder der Partnerin im Vordergrund. Im Leben jedes Einzelnen kommt diese Suche vor dem Sex und vor der Liebe. Hier aber steht sie am Schluss, da man erst sagen kann, wer zu uns passt, wenn man weiß, welchen Sex wir haben und welche Beziehungen wir führen wollen.

Wie sicher kann man sein, dass die biologischen Antworten auf die Rätsel des menschlichen Liebeslebens richtig sind? Es kommt darauf an. Manche Fragen lassen sich relativ eindeutig beantworten, bei anderen bleibt ein Rest von Zweifel, bei wieder anderen versteht man nur einen Teilaspekt und bei manchen tappt die Wissenschaft noch weitgehend im Dunklen. Ich werde zu den einzelnen Themen nicht nur gesichertes Wissen vorstellen, sondern auch umstrittene Hypothesen und Spekulationen. Bewährte Erkenntnisse sind das Fundament, ohne das es nicht geht. Aber die offenen Fragen und Kontroversen sind oft besonders interessant. In ihnen wird die Wissenschaft lebendig und blüht auf.

Ob eine Erklärung als überzeugend empfunden wird, hängt nicht nur von ihrer Anerkennung durch die Wissenschaft ab. Ebenso wichtig sind persönliche Erfahrungen. Gerade bei Themen wie Sexualität und Liebe, bei denen jeder in gewisser Weise Experte ist, wird es unterschiedliche Sichtweisen geben, die alle ihre Berechtigung haben können.

Besonders aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang künstlerische Darstellungen, wie man sie aus der Literatur, dem Film oder dem Theater kennt. Denn sie erzählen nicht nur von individuellen Wünschen und Erlebnissen, sondern müssen ein größeres Publikum überzeugen. Das aber kann nur gelingen, wenn sie Fragen von allgemeiner Bedeutung auf eine Art und Weise behandeln, die es den Leserinnen und Zuschauern erlaubt, sich einzufühlen.

Wenn ich also im Folgenden aus Romanen und Filmen zitiere, dann soll das die biologischen Theorien illustrieren und ihnen zusätzliche Plausibilität verleihen. Damit ist nicht gesagt, dass jede fantasievolle Übertreibung und jede künstlerische Zuspitzung die Lebenswirklichkeit unmittelbar widerspiegelt. Selbstverständlich nicht. Aber sie müssen einen Kern Wahrheit enthalten, sonst würden sie uns nicht berühren. Wenn also beispielsweise sexuelle Untreue und Eifersucht sowohl im Tierreich als auch in Romanen und Filmen intensive Emotionen auslösen, dann bestätigt das die Vermutung, dass es sich um Reaktionen handelt, die aus der menschlichen Natur entstehen und nicht nur künstlich anerzogen sind.

Wenn unsere Sehnsüchte ihre Kraft und Richtung einem in uns angelegten genetischen Programm verdanken, das sich über viele Millionen Jahre bewährt hat, dann ist zu erwarten, dass sie über alle Zeitströmungen und Moden hinweg vergleichsweise stabil geblieben sind. Und tatsächlich gibt es, von Ausnahmen abgesehen, kein Volk, das nicht in Geschichten und Liedern von der romantischen Liebe, ihren Glücksmomenten, ihrer unbedingten Macht und ihren Gefahren erzählt.

Sexuelles Begehren und Liebe gehören zu den stärksten biologischen Instinkten und sie geben den Liebenden eine beeindruckende Stärke und Unabhängigkeit. Vertraute Gewohnheiten und weltanschauliche Überzeugungen, Familienehre und berufliche Karriere, Moral, Gewissen und Freundschaften können dann zweitrangig werden. Und nicht zuletzt nehmen Sex und Liebe wenig Rücksicht auf die Liebenden selbst. ...

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