Hillary

Ein Leben im Zentrum der Macht
 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Oktober 2016
  • |
  • 240 Seiten
 
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978-3-406-69755-5 (ISBN)
 
Hillary Rodham Clinton will die erste Frau an der Spitze der Vereinigten Staaten werden - und immer mehr deutet darauf hin, dass ihr das im zweiten Anlauf gelingen wird. Die einstige First Lady, Senatorin und Außenministerin kennt nicht nur das Weiße Haus, sie kennt auch die Mächtigen in Washington und der Welt. Wer ist diese Frau, und was treibt sie an? Dorothea Hahn entwirft in dieser politischen Biographie ein ebenso differenziertes wie fesselndes Porträt der Frau, die nach der Macht in den Vereinigten Staaten greift.
Seit über einem Vierteljahrhundert ist Hillary Clinton an den Entscheidungen ihres Landes beteiligt. Keiner ihrer Mitbewerber ist so erfahren im politischen Geschäft, und ihre überragende Intelligenz ziehen selbst die Gegner nicht in Zweifel. Doch das Leben im Zentrum der Macht hat Spuren hinterlassen: Die Nähe zum großen Geld und die unzähligen Skandale, die die Karriere der Clintons begleitet haben, kratzen an der Glaubwürdigkeit der Kandidatin. Selbst für manche Demokraten zählt das power couple längst zu Washingtons korruptem Establishment. Ist das Streben nach Macht die große Konstante in Hillary Clintons Leben? Oder ist es doch der Kampf um die Rechte für Frauen, Kinder und benachteiligte Minderheiten? Und was ist von ihr als Präsidentin zu erwarten?
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
mit 12 Abbildungen
  • 3,30 MB
978-3-406-69755-5 (9783406697555)
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Dorothea Hahn ist seit über 30 Jahren als Journalistin tätig. Nach Stationen in Mexiko-Stadt und Berlin berichtete sie von 1995 bis 2010 als Auslandskorrespondentin der tageszeitung aus Paris. Seit dem Jahr 2010 ist sie die USA-Korrespondentin der taz und schreibt über Innen- und Außenpolitik, Kultur und Wirtschaft und das zunehmend aufrührerische Klima in den Vereinigten Staaten.

Vorwort Park Ridge, Illinois: Ein Babyboomer in der Vorstadt Aufbruch in die Elite: Das College girl in Wellesley Ivy League: Die Jurastudentin in Yale Großer Fisch im kleinen Teich: Powerfrau in Arkansas Weißes Haus: Eine etwas andere First Lady Auf eigenen Füßen: Senatorin für New York Erster Versuch: Wahlkampf gegen Barack Obama Foggy Bottom: Die Außenministerin Im Klub der Millionäre: Die Clintons und das liebe Geld Zweiter Versuch: Erst Bernie Sanders, dann Donald Trump Dank Quellen und Literatur Bildnachweis

PARK RIDGE, ILLINOIS: EIN BABYBOOMER IN DER VORSTADT


Hillary lernte das Kämpfen früh. Schluchzend war die Vierjährige nach Hause gerannt, als ein größeres Mädchen sie geschubst hatte. Sie suchte Trost. Doch die Mutter nahm sie nicht in die Arme, sondern forderte sie auf, sich zu wehren. «In diesem Haus ist kein Platz für Feiglinge», ließ Dorothy Rodham ihre Tochter wissen. Wenig später vermeldete Hillary stolz, dass sie diesen bully - die englische Bezeichnung für Schulhofschläger und notorische Raufbolde - vor den anderen Kindern aus der Nachbarschaft verhauen hatte. Ihr Fazit: «Ich kann jetzt mit den Jungen spielen.»

Geboren wurde Hillary Diane Rodham am 26. Oktober 1947 in Chicago. Als sie aufwuchs, erlebten die USA eine Zeit der Unschuld. Der Zweite Weltkrieg war zu Ende, der Vietnamkrieg hatte noch nicht begonnen, und die Millionen Soldaten, die aus Europa und Asien zurückgekehrt waren, erhielten großzügige staatliche Hilfen für Ausbildung und Hauskauf. Die Große Depression mit ihrem Elend und Hunger war überwunden, in den Fünfzigerjahren wuchs die Wirtschaft, und plötzlich war für Familien wie die Rodhams der Aufstieg in die Mittelschicht möglich. Sie zogen 1950 in das 19 Kilometer nordwestlich von Chicago gelegene Park Ridge, eine der zahllosen Vorstädte im Norden der USA, die seit Kriegsende explosionsartig aus dem Boden schossen. Die Zukunft schien so vielversprechend, dass auch die Geburtenzahlen in die Höhe gingen. Hillary, ihre beiden Brüder Hugh und Tony sowie die anderen Kinder, mit denen sie auf den Straßen mit den breiten Grünstreifen in Park Ridge spielte, waren Kinder einer optimistischen Zwischenphase.

Die Vorstadtidylle verdeckte den Blick auf den Kalten Krieg. Aus der Sowjetunion, dem ehemaligen Verbündeten im Kampf gegen Nazideutschland, war ein ideologischer Feind geworden. Schon Schulkinder wurden aufgefordert, wachsam zu sein, weil allerorten Kommunisten lauerten - im Innern wie außen. Die Rote Angst (red scare) beschäftigte insbesondere das Komitee für unamerikanische Umtriebe (HUAC) des Repräsentantenhauses in Washington, das ursprünglich gegründet worden war, um Nazi-Unterwanderungen in den USA aufzudecken. Mit Slogans wie: «Amerikaner, unterstützt keine Roten» wurden die Bürger aufgefordert, kommunistische Aktivitäten zu denunzieren. Millionen Staatsdiener wurden überprüft. Zigtausende Lehrer, Beamte, Intellektuelle und Künstler mussten sich in Anhörungen vor dem HUAC für ihre Gesinnung rechtfertigen. Tausende verloren bei dieser Hexenjagd ihre Arbeitsplätze. Gleichzeitig wetteiferten die USA mit der Sowjetunion um die Vorherrschaft im Weltraum und in den Bereichen atomare Bewaffnung und Spionage. Als es der UdSSR 1957 als erstem der beiden Länder gelang, einen Satelliten ins Weltall zu schicken, befürchteten Millionen US-Bürger, dass ihr Land den Rückstand nicht mehr werde aufholen können. Als Folge des Sputnik-Schocks führten Schulen das Fach New Mathematics ein, das eine Generation von Naturwissenschaftlern ausbilden sollte, die mit der Sowjetunion würden mithalten können, aber bald wieder vom Lehrplan verschwand.

Als die Rodhams nach Park Ridge umzogen, war die Mutter mit Hillarys Bruder Hugh schwanger, vier Jahre später wurde der zweite Bruder Tony geboren. Die 35.000 Dollar für das zweistöckige Haus an der Wisner Street Ecke Elm Street zahlte Hillarys Vater Hugh Rodham bar. Sein Leben lang hat er nichts auf Pump gekauft und auch keine Kreditkarte benutzt. Das war seine Lehre aus der Großen Depression. Nach dem Krieg hatte er sich als Raumausstatter mit dem kleinen Unternehmen Rodrik Fabrics selbständig gemacht. Er fertigte Vorhänge für Kinos und Hotels. Meistens machte er alles selbst, vom Entwurf bis zur Installation. Nur zu Hauptproduktionszeiten stellte er einen Tagelöhner an. Der in der Garagenauffahrt vor dem Haus geparkte Cadillac, in den Fünfzigerjahren das luxuriöseste Auto made in America, signalisierte, dass sein Geschäft florierte.

Park Ridge war so homogen wie Tausende andere Vorstädte in den USA. Lily-white (lilienweiß) hießen solche Enklaven, die weit von der realen ethnischen Mischung des Landes entfernt waren, in der Umgangssprache jener Jahre. Breite Asphaltschneisen, die expressways - und im Fall von Park Ridge auch ein Pendlerzug - sorgten für die Anbindung an die Innenstadt und die Arbeitsplätze, doch für die Kinder dieser Vorstädte war die nahe gelegene Metropole Chicago eine ferne Welt. Hillary schaute vom Balkon ihres Mädchenzimmers auf Ulmen und die Nachbarhäuser aus Holz oder Backstein mit stuckverzierten Eingängen und Gärten. Hier spielten die Kinder auf der Straße, brachen die Väter morgens zur Arbeit auf und brachten das Geld nach Hause, blieben die Mütter daheim und kümmerten sich um Haushalt und Nachwuchs. Sonntags gingen sie alle gemeinsam in die methodistische oder die katholische Kirche. Der Verkauf von Alkohol war verboten, Scheidungen waren so gut wie unbekannt, und weder Afroamerikaner noch Asiaten oder Juden lebten in Park Ridge. Die wenigen Latinos, die Hillary als Kind zu Gesicht bekam, arbeiteten auf den Apfelplantagen zwischen dieser Siedlung und dem Flughafen O'Hare. Die einzigen Afroamerikaner, denen sie begegnete, waren die kurzfristig bei ihrem Vater beschäftigten Aushilfen.

Für gerade erst aus der Arbeiterklasse in die Mittelschicht Aufgestiegene wie die Rodhams war Park Ridge der Wirklichkeit gewordene Traum von einem besseren Leben. Sie waren von den Erfahrungen der Großen Depression der Dreißigerjahre und dem Krieg geprägt, jetzt strebten sie vor allem eines an: Sicherheit. Sie wollten sichere Arbeitsplätze, eine sichere Familie, sichere Häuser und ein sicheres Land. Wie viele weiße Vorstädter verschanzten sich auch die Bewohner von Park Ridge gegen zahlreiche vermeintliche Feinde: die Afroamerikaner in den Innenstädten, die Demokraten und die Kommunisten. Anders als in den besseren Vierteln der alteingesessenen oberen Mittelschicht an Chicagos North Shore, wo eine gewisse kulturelle und politische Diversität zu finden war, wählten fast alle in Park Ridge Lebenden bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein die Republikanische Partei. Der demokratische Bürgermeister von Chicago, Richard Daley, galt in Park Ridge als gefährlicher Linker, und selbst der republikanische Präsident Dwight D. Eisenhower, der im Zweiten Weltkrieg als Fünfsternegeneral die Invasion der Normandie befehligt hatte, wurde hier verdächtigt, ein sowjetischer Agent zu sein, weil er behutsam versuchte, sein Land aus der antikommunistischen Hexenjagd der McCarthy-Ära herauszuführen, und am Ende seiner Amtszeit vor dem unkontrollierten Wuchern des «militärisch-industriellen Komplexes» warnte.

Am Esstisch der Rodhams wetterte Hillarys Vater gegen Gewerkschaften und Kommunisten, gegen korrupte Politiker, staatliche Sozialleistungen und Steuern. Alle vier Jahre nötigte er seine Kinder, den republikanischen Nominierungsparteitag vor dem Bildschirm zu verfolgen, beim demokratischen Parteitag zog er dagegen den Stecker des Fernsehers heraus. Als 1960 der Demokrat John F. Kennedy die Präsidentschaftswahl gegen den Republikaner Richard Nixon gewann, verkündete Hugh Rodham, Kennedy habe die Wahl gestohlen und Chicagos Bürgermeister Daley habe ihm dabei geholfen. Damit stachelte er, ohne es zu ahnen, seine Tochter zur ersten parteipolitischen Aktivität ihres Lebens an. Hillary meldete sich zusammen mit ihrer Schulfreundin Betsy Ebeling als Freiwillige bei der Republikanischen Partei, um dem Wahlbetrug auf den Grund zu gehen. Parteimitglieder chauffierten die beiden 13-jährigen Mädchen auf die berüchtigte South Side von Chicago, wo sie von Tür zu Tür gingen, um herauszufinden, wen die dort Wohnenden gewählt hatten. Prompt stießen sie auf ein unbewohntes Baugrundstück, auf dem laut Wählerregister Menschen lebten, die demokratisch gewählt hatten. Der Vater war wütend, als er vom Engagement seiner Tochter erfuhr. Dass sie es ihm zuliebe getan hatte, begriff er nicht.

In die von der weißen Mittelschicht verlassenen Innenstädte - ein Phänomen, das die Soziologen später white flight (weiße Flucht) nannten - zogen Schwarze ein. Viele von ihnen kamen aus den Südstaaten. Diese parallele Wanderungsbewegung, die sogenannte Große Migration, war eine Flucht weg von der Segregation und Armut des...

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