Die Templer

 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Januar 2016
  • |
  • 128 Seiten
 
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978-3-406-69136-2 (ISBN)
 
Kein anderer Orden ist so von Legenden umrankt und von Geheimnissen umwittert wie die "Ritterschaft vom Tempel Salomos". Jürgen Sarnowsky erzählt kenntnisreich die bewegte Geschichte des Ordens von den Anfängen im 12. Jahrhundert über die Zeit der Kreuzzüge bis zur Auflösung im Jahre 1312. Er schildert das religiöse Selbstverständnis der Tempelritter und ihre hierarchische Organisation, ihre militärischen Aktivitäten und das Alltagsleben in Burgen und Ordenshäusern. Zur Sprache kommt auch die enorme Wirkungsgeschichte der Templer, die durch ihren Kampf um das Heilige Land die Weltgeschichte mitprägten, zur Entstehung des Bankwesens beitrugen und in der Neuzeit zum Ideal esoterischer Zirkel avancierten.
  • Deutsch
  • Berlin
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  • Deutschland
mit 6 Abbildungen und 2 Karten
  • 3,41 MB
978-3-406-69136-2 (9783406691362)
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Jürgen Sarnowsky, geb. 1955, lehrt als Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Hamburg. Er ist u.a. Zweiter Vorsitzender der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung und Mitglied der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens.
1 - Cover [Seite 1]
2 - Titel [Seite 2]
3 - Zum Buch [Seite 3]
4 - Über den Autor [Seite 3]
5 - Impressum [Seite 4]
6 - Inhalt [Seite 5]
7 - Einleitung [Seite 6]
8 - I. Anfänge und Aufstieg [Seite 11]
8.1 - 1. Der Erste Kreuzzug und seine Folgen [Seite 11]
8.2 - 2. Ritter am Heiligen Grab [Seite 15]
8.3 - 3. Die Reise Hugues' de Payns und die Synode von Troyes [Seite 20]
8.4 - 4. Das «Lob der neuen Ritterschaft» [Seite 25]
8.5 - 5. Schenkungen, päpstliche Anerkennung und erste Strukturen der Gemeinschaft [Seite 29]
8.6 - 6. Der Besitzausbau im Heiligen Land [Seite 34]
8.7 - 7. Der militärische Einsatz im Heiligen Land [Seite 39]
8.8 - 8. Der Orden auf der Iberischen Halbinsel [Seite 44]
8.9 - 9. Schenkungen und Aufgaben in den Herkunftsregionen [Seite 48]
8.10 - 10. Die Schlacht von Hattin 1187 und ihre Folgen [Seite 52]
9 - II. Die Templer im 12. und 13. Jahrhundert [Seite 57]
9.1 - 1. Die Entwicklung der Ordensregel [Seite 57]
9.2 - 2. Die Ämterhierarchie [Seite 61]
9.3 - 3. Das militärische Engagement [Seite 66]
9.4 - 4. Das «Netzwerk» der Templer [Seite 70]
9.5 - 5. Landwirtschaftliche Grundlagen [Seite 74]
9.6 - 6. Die Finanzgeschäfte [Seite 78]
9.7 - 7. Spiritualität und Kultur [Seite 84]
10 - III. Das Ende des Templerordens [Seite 89]
10.1 - 1. Krise und neue Aufgaben um 1200 [Seite 89]
10.2 - 2. Die Niederlagen des späteren 13. Jahrhunderts [Seite 94]
10.3 - 3. Die Kritik an den Templern [Seite 99]
10.4 - 4. Der Beginn des Templerprozesses [Seite 104]
10.5 - 5. Die Aufhebung des Ordens [Seite 108]
10.6 - 6. Nachleben [Seite 113]
11 - Ausblick [Seite 119]
12 - Quellen und Literatur [Seite 122]
13 - Liste der Meister [Seite 125]
14 - Register [Seite 125]
15 - Karten [Seite 129]

I. Anfänge und Aufstieg


1. Der Erste Kreuzzug und seine Folgen


Der Beginn der Kreuzzugsbewegung, aus der auch der Templerorden hervorgehen sollte, lässt sich chronologisch genau bestimmen. Papst Urban II. rief am 27. November 1095 auf einem Feld vor der Stadt Clermont dazu auf, den Christen des Ostens zu Hilfe zu kommen, nachdem er nachdrücklich ihre Leiden beschrieben hatte. Er reagierte damit zwar auf einen Hilfsappell des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos vom März 1095, doch folgte dieser Aufruf eigenen, abendländischen Bahnen.

Das Christentum hatte Krieg und Kriegsdienst lange ablehnend gegenübergestanden. Die Wandlung des Christentums zur Staatsreligion machte einen neuen Ansatz erforderlich, der Christen den Dienst in den Heeren des mittlerweile von vielen Seiten bedrängten Römischen Reiches ermöglichte. Es war insbesondere der Kirchenvater Augustinus (┼ 430), der die Grundlagen für die weiteren Diskussionen legte, ausgehend von antiken Vorbildern. Krieg blieb grundsätzlich - als Folge der Erbsünde - negativ besetzt, doch nahm Augustinus die Existenz «gerechter Kriege» an, die vier Voraussetzungen erfüllen mussten. Sie bedurften einer legitimen Autorität, die den Krieg erklärte, eines gerechten Grundes (etwa die Verteidigung des eigenen Landes, die Bestrafung von Unrecht oder die Rückgewinnung verlorenen Gutes) und konnten nur begonnen werden, wenn Alternativen für eine friedliche Lösung fehlten und das Vorgehen angemessen war. Daneben nahm er auch mit göttlicher Autorität geführte Kriege an, die an sich gerecht seien, und entwickelte in seiner Schrift Über den Gottesstaat eine Friedensontologie. Augustinus ging davon aus, dass alle Kriege - auch die ungerechten - im Grunde der Herstellung des Friedens dienen sollten, wenn auch unter verschiedenen Vorzeichen.

Augustinus' Lehre vom gerechten Krieg fand erst im Hochmittelalter wieder stärkere Beachtung, zum Beispiel in der kirchenrechtlichen Sammlung des Bologneser Juristen Gratian, dem für das Kirchenrecht grundlegenden, um 1140 entstandenen Decretum Gratiani. Dort wird sie zusammen mit den durchaus widersprüchlichen biblischen Stellen vergleichend analysiert und kommentiert. Davor wurden die Überlegungen Augustins kaum rezipiert. So kam es, dass man noch im 10. Jahrhundert von den Teilnehmern eines Krieges Bußleistungen verlangte, wenn sie im Kampf, auch gegen Friedensbrecher, getötet hatten. Dennoch spielten die Grundzüge der augustinischen Lehre nicht zuletzt in den Konfliktregionen zwischen muslimischen und christlichen Territorien eine wichtige Rolle. Man wollte ehemals christliche Territorien zurückgewinnen und sah sich damit nicht nur in einem gerechten, sondern auch geheiligten Krieg. In der Kreuzzugsbewegung gewann daneben noch die augustinische Forderung nach der richtigen Intention des Kriegführenden an Bedeutung, der z.B. nicht aus Besitzgier oder Hass handeln durfte.

Ein wichtiger Aspekt der Entwicklung war die «Christianisierung des Rittertums», das heißt die Einbindung der zuvor an eher heidnischen Idealen orientierten Kriegerschicht in die christliche Vorstellungswelt. Kämpfte der miles Christi, der Krieger Christi, zunächst nur mit geistlichen Waffen, als Geistlicher in der Welt oder häufiger als Mönch hinter Klostermauern, übertrug sich dieser Begriff nun auf das Rittertum. Diese Veränderungen wurden nicht zuletzt durch den Einsatz von Rittern in der sog. Gottesfriedensbewegung und in päpstlich geführten Unternehmen hervorgerufen. In den Gottesfrieden setzten die Bischöfe angesichts schwacher weltlicher Gewalten regionale, zunächst zeitlich oder auf Personengruppen begrenzte Frieden durch, indem sie mit Hilfe von weltlichen Herrschaftsträgern gegen Friedensstörer vorgingen. Das Reformpapsttum setzte Krieger gegen seine Gegner ein. So rief Leo IX. 1053 Krieger zum Kampf gegen die Normannen in Süditalien und versprach ihnen dafür den Erlass der von der Kirche verhängten Bußstrafen, setzte also geistliche Privilegien für weltliche Ziele ein. Ähnlich sagte Alexander II. 1064 den französischen Teilnehmern am Feldzug gegen das noch muslimische Barbastro Ablässe zu, und Gregor VII. wollte 1074 wohl auf ähnliche Weise gegen die Normannen und nach Kleinasien ziehen. Diese Verquickung von weltlichen und geistlichen Mitteln wurde durch den Einsatz von Fahnen unterstrichen, so 1066 durch die Versendung der päpstlichen Petersfahne an den Eroberer Englands, Herzog Wilhelm von der Normandie.

Der Aufruf Papst Urbans II. von 1095 stand somit bereits in einer längeren Tradition. Er erhielt jedoch seine besondere, auch vom Papst nicht intendierte Kraft durch die Verbindung mit dem Wallfahrts- und Bußgedanken. Obwohl aus der Überlieferung nicht klar hervorgeht, ob Urban auch Jerusalem als Ziel nannte oder nur die Hilfe für die Christen des Ostens in den Mittelpunkt seiner Rede stellte, wurde bald die Befreiung Jerusalems und der Heiligen Stätten zum eigentlichen Ziel. Heilige Orte, die sich durch heilswirksame Geschehnisse oder auch bedeutende Bauten und Reliquien auszeichneten, hatten nicht nur im Christentum besondere Bedeutung. Am besonderen Segen dieser Orte suchte man durch Pilgerreisen und von dort mitgebrachte Berührungs- oder Sekundärreliquien teilzuhaben, wenn man sich nicht sogar dorthin begab, um zu sterben. So wurden auch Pilgerreisen ins Heilige Land seit der Mitte des 11. Jahrhunderts häufiger. Auch wenn diese Pilger traditionell unbewaffnet waren, machte Urbans Aufruf den geplanten Zug nach Jerusalem doch zur Pilgerfahrt - bis hin zur begrifflichen Gleichsetzung von Pilgern und Kreuzfahrern.

Pilger und Kreuzfahrer standen gleichermaßen unter dem Schutz der Kirche, beide konnten sich von ihren Handlungen die Sicherung des Seelenheils erhoffen. Wurden Pilgerfahrten teilweise als kirchliche Bußen verhängt, nahmen nun die Kreuzfahrer die Beschwernisse ihres Zuges bewusst auf sich, weil sie den Zug als Akt der Buße für die von ihnen begangenen Sünden verstanden. Der Papst hatte in seiner Rede an die Notwendigkeit erinnert, sich von seinen Sünden zu läutern, und hatte gleichzeitig einen Ablass der irdischen Bußstrafen für jene versprochen, die mit der richtigen Intention, aus Liebe zu Gott, dem Aufruf folgten. Dies gewann in der Verbreitung durch die Kreuzzugsprediger eine eigene Dynamik. Sie stellten den Teilnehmern des Kreuzzugs auch den Erlass der jenseitigen Sündenstrafen in Aussicht und machten ihnen Hoffnung, im Todesfall unmittelbar ins Paradies einzuziehen. Urban II. scheint dem in späteren Aufrufen partiell gefolgt zu sein, und der erste schriftliche Kreuzzugsaufruf, den Eugen III. 1145 zum Zweiten Kreuzzug erlassen sollte, schrieb diesen weiten Ablass schließlich dauerhaft fest.

Der Erfolg der Kreuzzugspredigt Urbans war überwältigend. War der Papst zunächst nur von begrenzten Kontingenten von Rittern ausgegangen, machten sich letztlich umfangreiche Heere in drei Wellen auf den Weg nach Osten. Die erste bildeten unorganisierte, aus allen Schichten kommende Scharen, die dem Kreuzzugsaufruf nahezu unmittelbar Folge leisteten. Sie zogen durch den Donauraum und über den Balkan nach Konstantinopel, plünderten und bedrängten die Einwohner der Region, wurden aber in Kämpfen gegen die Seldschuken in Kleinasien völlig aufgerieben.

Das zweite Heer, das aus verschiedenen Kontingenten bestand, wurde von Fürsten und Rittern aus Nordfrankreich, Flandern, Südfrankreich und Süditalien angeführt, unter anderem vom Grafen Raimund IV. von Toulouse und dem Normannen Bohemund von Tarent. Die Kontingente trafen seit Ende 1096 in Konstantinopel ein, konnten mit byzantinischer Unterstützung die Seldschuken zweimal schlagen und erreichten im Oktober 1097 Antiochia. Die Stadt wurde nach sieben Monaten eingenommen, doch machte sich das Heer nach internen Streitigkeiten erst Anfang 1099 wieder auf den Weg nach Süden. Schließlich gelang trotz erneuter Rückschläge am 15. Juli 1099 die Eroberung Jerusalems, auch mit Unterstützung von See. Vier unabhängige Kreuzfahrerstaaten entstanden: das Königreich Jerusalem, die Grafschaften Tripolis und Edessa sowie das Fürstentum Antiochia.

Diese Territorien konnten erst in einem längeren Prozess stabilisiert werden, da die dritte Welle von Kreuzfahrern, die dem Aufruf Urbans II. gefolgt waren, das Heilige Land nicht mehr erreichte. Das Heer brach im Jahr 1100 auf, wurde aber 1101 in mehreren Schlachten von den Seldschuken vernichtend geschlagen und löste sich völlig auf. Die meisten Überlebenden des Ersten Kreuzzugs gingen in ihre Herkunftsregionen zurück, nur wenige etablierten sich im Heiligen Land. Obwohl auch lateinische Siedler ins Land kamen und ein gewisser Herrschaftsund Landesausbau einsetzte, blieben die Kreuzfahrerstaaten in der Folge - vor allem in Krisenzeiten - auf Hilfe aus dem Westen angewiesen. Dabei spielten die italienischen Seestädte eine wesentliche Rolle, Genua, Venedig und Pisa, die für ihren Einsatz insbesondere bei der Eroberung der Küstenstädte Anteile an der Herrschaft erhielten, aber auch die Versorgung mit Menschen und Material aus dem Westen sicherstellten. Zudem gelang dem ersten König von Jerusalem Balduin I. zwischen 1100 und 1118 die Eroberung der...

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