Freudenberg

Ein Familienunternehmen in Kaiserreich, Demokratie und Diktatur
 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 6. Mai 2016
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  • 640 Seiten
 
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978-3-406-68854-6 (ISBN)
 
Das traditionsreiche Familienunternehmen Freudenberg, zu dem so bekannte Marken wie Vileda gehören, zählt zu den größten deutschen Industrieunternehmen. Die 497 Gesellschaften der Freudenberg Gruppe sind an 170 Produktionsstandorten in weltweit 57 Ländern tätig. Joachim Scholtyseck legt nun die erste wissenschaftlich unabhängige Geschichte dieses "hidden champion" der deutschen Industrie vor, die von den Anfängen bis ins Jahr 1949 reicht.
Das 1849 gegründete Unternehmen war einst der größte Lederhersteller Europas. In der Weimarer Republik weitete die Firma angesichts der wirtschaftlichen und strukturellen Krisen ihre Geschäfte mit Erfolg auf das Feld der Dichtungstechnik und ab Mitte der 1930er Jahre auch der "Lederersatzstoffe" aus. Die Freudenbergs dachten politisch liberal und lehnten den Nationalsozialismus ab. Dennoch kamen sie in den Jahren des "Dritten Reiches" ihren Geschäftsidealen immer weniger nach und spielten sowohl bei "Arisierungen" als auch bei der Planung und der Nutzung von Testergebnissen auf der "Schuhprüfstrecke" im KZ Sachsenhausen eine Rolle. Daher lässt sich anhand der Geschichte des Unternehmens auch zeigen, warum sich selbst ehrliche Kaufleute wie die Freudenbergs im "Dritten Reich" die verwerflichen und verbrecherischen Rahmenbedingungen der nationalsozialistischen Politik für ihren Geschäftserfolg zu Nutze machten.
  • Deutsch
  • Berlin
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  • Deutschland
mit 61 Abbildungen
  • 27,64 MB
978-3-406-68854-6 (9783406688546)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Joachim Scholtyseck ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
1 - Cover [Seite 1]
2 - Titel [Seite 3]
3 - Impressum [Seite 4]
4 - Inhaltsverzeichnis [Seite 5]
5 - Einleitung [Seite 11]
6 - Kapitel 1 Eine wirtschaftsbürgerliche Lebenswelt im Kaiserreich: Anfänge und Entwicklungen des Unternehmens Freudenberg bis zum Ersten Weltkrieg [Seite 21]
6.1 - Anfänge des Unternehmens [Seite 21]
6.2 - Das Unternehmen in der Kaiserzeit [Seite 22]
6.3 - Carl Freudenberg als Familienunternehmen [Seite 27]
6.4 - Ein badischer Patriarch: Hermann Ernst Freudenberg [Seite 32]
6.5 - Der Erste Weltkrieg [Seite 35]
7 - Kapitel 2 Das Unternehmen Freudenberg nach 1918: Revolution, Hyperinflation und Scheinblüte [Seite 39]
7.1 - Das Ende des Krieges und der Übergang zur Friedenswirtschaft [Seite 39]
7.2 - Wirtschaftliche Aufholjagd im Zeichen der Inflation [Seite 46]
7.3 - Eine Scheinblüte [Seite 53]
7.4 - Struktureller Wandel und Weltwirtschaftskrise: Vorboten des Überlebenskampfs der deutschen Lederindustrie [Seite 59]
8 - Kapitel 3 Unternehmer und Politik: Richard und Walter Freudenberg in der Weimarer Republik [Seite 65]
8.1 - Dem politischen Liberalismus verpflichtet [Seite 65]
8.2 - Verteidiger des Bürgertums und der Demokratie [Seite 71]
9 - Kapitel 4 Die Familie Freudenberg und der Nationalsozialismus [Seite 79]
9.1 - Unternehmer zwischen Pragmatismus und Opportunismus [Seite 79]
9.2 - Nähe und Distanz zum «Dritten Reich» in der Familie Freudenberg [Seite 85]
9.3 - Der Nationalsozialismus in Weinheim [Seite 90]
10 - Kapitel 5 Betriebsorganisation und Belegschaft: Kontinuität oder Wandel? [Seite 97]
10.1 - Das Eindringen der Nationalsozialisten in den Betrieb [Seite 97]
10.2 - Der Betriebsalltag [Seite 101]
11 - Kapitel 6 Von Tack bis Kern: «Arisierungen» bei Carl Freudenberg [Seite 111]
11.1 - «Arisierungen» in Deutschland [Seite 111]
11.2 - Eine frühe «Arisierung»: Die Übernahme der Conrad Tack & Cie. AG im Jahr 1933 [Seite 113]
11.3 - Die Übernahmeverhandlungen und die Einigung mit den Tack-Eigentümern 1933 [Seite 124]
11.4 - Das Schicksal Hermann Krojankers [Seite 131]
11.5 - Guter Wille oder gutes Geschäft? - Die Ambivalenz einer «freundlichen Arisierung» [Seite 136]
11.6 - Die Entwicklung von Tack unter Freudenberg [Seite 139]
11.7 - Bottina und Leiser [Seite 145]
11.8 - Die «Arisierung» der Lederwerke Sigmund Hirsch [Seite 149]
11.9 - Zunehmende Routine: Weitere «Arisierungen» und «Arisierungs»-Überlegungen in Deutschland [Seite 157]
11.10 - Restitutionsverhandlungen und -vergleiche [Seite 175]
12 - Kapitel 7 Der Weg zur Kommanditgesellschaft [Seite 181]
13 - Kapitel 8 Das Leder als Auslaufmodell? [Seite 189]
13.1 - Die Autarkiepolitik und ihre Folgen [Seite 189]
13.2 - Die Entwicklung des Ledergeschäfts [Seite 196]
13.3 - Der Erwerb der Gustav Hoffmann AG [Seite 199]
14 - Kapitel 9 Auf dem Weg in eine diversifizierte industrielle Zukunft: Vom Simmerring zur Nora-Sohle [Seite 203]
14.1 - Verwissenschaftlichung und Diversifizierung [Seite 203]
14.2 - Der Simmerring [Seite 208]
14.3 - Neue Werkstoffe [Seite 209]
14.4 - Die Nora-Sohle [Seite 217]
14.5 - Lederfaserwerkstoffe [Seite 228]
14.6 - Synthetisches Gummi oder Lederfaserwerkstoffe? [Seite 231]
14.7 - Verbandsstreitigkeiten [Seite 232]
14.8 - Die «Gemeinschaft Schuhe» [Seite 237]
15 - Kapitel 10 Österreich und Sudetenland: Beteiligungsversuche der Firma Freudenberg im Zuge der deutschen Expansion [Seite 243]
15.1 - Die gescheiterte Übernahme der Del-Ka in Österreich [Seite 243]
15.2 - Die Schuhfabrik Langfelder [Seite 251]
15.3 - Erfolglose Sondierungen im Sudetenland, in der annektierten Tschechoslowakei und im besetzten Polen [Seite 254]
15.4 - Die Naturin AG in Prag [Seite 257]
16 - Kapitel 11 Aufträge im Zeichen von Aufrüstung und Krieg: Die Werke Schopfheim, Schriesheim und das Simmerwerk [Seite 261]
17 - Kapitel 12 Walter Freudenberg im Dienst der Wehrmacht [Seite 273]
17.1 - Die deutsche Herrschaft über die polnische Industrie [Seite 273]
17.2 - Dienste des Beauftragten für die Rohstofferfassung [Seite 276]
18 - Kapitel 13 Expansion, «Arisierungsversuche» und «Arisierungen» in den besetzten Niederlanden und Frankreich [Seite 283]
18.1 - Die Grundzüge der deutschen Expansionsstrategie im Westen [Seite 283]
18.2 - Ein gescheiterter «Arisierungsversuch» in den Niederlanden [Seite 288]
18.3 - Der Fall Chromex [Seite 295]
18.4 - Ein französischer Tack-Konzern? Der Beteiligungsversuch an den Chaussures André [Seite 301]
18.5 - Verantwortlichkeit und Motive in Frankreich [Seite 310]
19 - Kapitel 14 Der kollektive Parteibeitritt der Führungsriege im Jahr 1943 [Seite 313]
20 - Kapitel 15 Die «Schuhprüfstrecke» im KZ Sachsenhausen [Seite 321]
20.1 - Grundbedingungen und Planungen [Seite 321]
20.2 - Eine Prüfstrecke für die deutsche Schuhindustrie [Seite 329]
20.3 - Die Organisation der «Schuhprüfstrecke» im KZ Sachsenhausen [Seite 337]
20.4 - Arbeits- und Lebensbedingungen der «Schuhläufer» [Seite 339]
20.5 - Freudenberg-Experten bei der «Schuhprüfstrecke» [Seite 349]
20.6 - Verantwortlichkeit und Motive [Seite 354]
21 - Kapitel 16 Zwangsarbeit bei Freudenberg [Seite 363]
21.1 - Der Zwangsarbeitereinsatz im «Dritten Reich»: Ein kurzer Überblick [Seite 363]
21.2 - Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in den Freudenberg-Betrieben [Seite 369]
21.3 - Der Zwangsarbeitereinsatz und die Unternehmensleitung [Seite 384]
22 - Kapitel 17 Vorbereitungen auf die Zeit nach Hitler: Das Unternehmen Freudenberg im Angesicht der Niederlage [Seite 389]
22.1 - Kontakte ins Ausland [Seite 389]
22.2 - Neuordnung des Wirtschaftsraums und Teilevakuierungen: Die Versuche, den Betrieb zu retten [Seite 392]
22.3 - Carl Freudenberg und die letzten Kriegsmonate in Weinheim [Seite 396]
23 - Kapitel 18 Die juristische Aufarbeitung: Ermittlungen, Haft und Spruchkammerverfahren [Seite 401]
23.1 - Harte Bestrafung oder pragmatisches Vorgehen? - Die amerikanische [Seite Harte Bestrafung oder pragmatisches Vorgehen? - Die amerikanische]
Debatte über den Umgang mit der deutschen Wirtschaft - 401 [Seite 401]
23.2 - Im Visier der Justiz [Seite 404]
23.3 - Richard Freudenberg in Haft [Seite 409]
23.4 - Verfahren oder Freiheit? [Seite 414]
23.5 - Die Entnazifi zierung [Seite 415]
24 - Kapitel 19 Neubeginn und Restrukturierungen [Seite 419]
24.1 - Neuanfang mit bewährten Kräften [Seite 419]
24.2 - Eine Zeit des Übergangs - Freudenberg in der Nachkriegszeit [Seite 422]
24.3 - Richard Freudenbergs Rückkehr in die Politik [Seite 434]
25 - Fazit [Seite 439]
26 - Nachwort und Dank [Seite 455]
27 - Anhang [Seite 459]
27.1 - Abkürzungen [Seite 461]
27.2 - Anmerkungen [Seite 463]
27.3 - Quellen- und Literaturverzeichnis [Seite 585]
27.3.1 - Archivquellen [Seite 585]
27.3.2 - Literatur [Seite 589]
27.4 - Bildnachweis [Seite 628]
27.5 - Personenregister [Seite 629]
27.6 - Firmenregister [Seite 637]
28 - Stammbaum Familie Freudenberg [Seite 641]
29 - Zum Buch [Seite 642]
30 - Über den Autor [Seite 642]

Einleitung


Die Geschehnisse, die in diesem Buch dargestellt und analysiert werden, muten wie Angelegenheiten aus einer lange versunkenen Welt an: Es geht um Leder und seine Verarbeitung, ein Handwerk, das heute in Deutschland so gut wie ausgestorben ist. Das 1849 gegründete Unternehmen Carl Freudenberg mit Sitz in Weinheim an der Bergstraße, mit dessen Geschichte sich diese Studie auseinandersetzt, gibt es hingegen noch immer. Die Freudenberg Gruppe gehört unter Einbeziehung ihrer Gemeinschaftsunternehmen mit einem Jahresumsatz von über sieben Milliarden Euro zu den größten deutschen Industrieunternehmen und beschäftigt weltweit rund 40.000 Mitarbeiter. Sie zählt, weil sie in der Öffentlichkeit unter ihrem Namen wenig geläufig ist, zu den «hidden champions». Das Ursprungsprodukt Leder und das Handwerk des Gerbens, mit dem die heutige Unternehmensgruppe Freudenberg ihren Aufstieg erlebte, spielen allerdings keine Rolle mehr: Vor mehr als zehn Jahren wurden die letzten Leder aus der Produktion genommen. Heute ist das Familienunternehmen auf Produkte spezialisiert, die im Wesentlichen erst nach 1945 entwickelt und vermarktet wurden. Am bekanntesten sind wahrscheinlich die Artikel aus dem Geschäftsfeld Vliesstoffe und Filtration: Vileda-Wischtücher, die untrennbar mit der Wirtschaftswunderzeit verbunden sind, stellen auch heute noch einen wichtigen Umsatzgaranten dar. Mindestens ebenso bedeutend sind jedoch andere Erzeugnisse, vor allem aus dem Bereich der Dichtungs- und Schwingungstechnik. Freudenberg ist als Mischkonzern ein «global player» und wichtiger Zulieferer für die internationale Auto- und Maschinenindustrie. Selbst wenn man sich dessen nicht bewusst ist, sind viele unserer Alltagsprodukte, erst recht die Maschinenparks der deutschen Industrie, mit Spezialprodukten bestückt, die aus dem Freudenberg-Stammwerk in Weinheim oder von einer der 497 Gesellschaften der Freudenberg Gruppe an 170 Produktionsstandorten in weltweit 57 Ländern stammen bzw. von ihnen vertrieben werden.

Dass ein Großunternehmen wie Freudenberg mit seiner fast 170-jährigen Geschichte im Zentrum einer ihm gewidmeten Studie steht, ist an und für sich nicht ungewöhnlich. Zahlreiche deutsche Traditionsunternehmen sind in den letzten zwanzig Jahren dazu übergegangen, ihre Geschichte nicht mehr, wie das lange Zeit üblich war, aus der Binnensicht mit einer «Festschrift» darzustellen, sondern auf eine breitere Quellenbasis gestützt wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Mittelständische familiengeführte Unternehmen aus dem ländlichen Raum, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland noch die meisten industriellen Arbeitsplätze stellten, sind freilich bis heute unterrepräsentiert.[1] Das erstaunt umso mehr, als es - zumindest in Deutschland - inzwischen üblich geworden ist, auch die Schattenseiten unternehmerischer Entwicklungen herauszuarbeiten und die Fragen nach individueller Verantwortung zu stellen und zu beantworten. Firmen sind, je länger das «Dritte Reich» der Vergangenheit angehört, im Rahmen einer auch öffentlich geforderten Transparenz eher bereit, sich dem kritischen Blick eines Historikers zu stellen.

Abb. 1  Ansicht von Weinheim nach einem Gemälde von A.E.Kirchner aus dem Jahre 1857. In der linken Bildmitte sind, zum Teil von Bäumen verdeckt, die Gebäude der im Jahre 1852 erbauten Lackierfabrik zu sehen.

Im Fall Freudenberg gab ein besonderer Anlass den Ausschlag für die Veröffentlichung. Im Jahr 2010erschien eine über tausend Seiten starke Studie aus der Feder von Anne Sudrow, die sich auf solider Aktengrundlage mit dem nur scheinbar trockenen Thema «Der Schuh im Nationalsozialismus» beschäftigte.[2] Sudrow hatte in den 1980er-Jahren in Großbritannien eine Schuhmacherlehre absolviert und erstaunt festgestellt, wie hoch das Ansehen des deutschen Schuh- und Lederhandwerks in England immer noch war, obwohl der Strukturwandel inzwischen längst den Niedergang dieser Branche mit sich gebracht hatte. In ihrer Dissertation veröffentlichte sie Befunde, die kein gutes Licht auf die Schuhhersteller im «Dritten Reich» warfen: Im Zuge der Forschungen zu «Ersatzstoffen» für Leder war im Jahr 1940 im KZ Sachsenhausen eine «Schuhprüfstrecke» eingerichtet worden, auf der über 70 Unternehmen unter anderem Schuhsohlen hatten testen lassen. Häftlinge eines Strafkommandos hatten unter brutalen Bedingungen mit dem zu prüfenden Material ihre Runden drehen müssen; viele von ihnen hatten diese Strapazen nicht überlebt.

Die meisten dieser Unternehmen gibt es heute nicht mehr, weil sie, ähnlich wie viele Firmen etwa der deutschen Textilindustrie, entweder nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Tore schlossen oder im Zuge des Strukturwandels und der Globalisierung den Anschluss verloren und in Konkurs gingen. Nur eine überschaubare Zahl der Firmen der Schuhbranche existiert weiterhin und spielt, teilweise aufgekauft oder in andere Unternehmen integriert, heute noch eine Rolle. Zu ihnen zählt, neben Salamander, Continental, Fagus-GreCon, Bata und den Westland Gummiwerken auch die heutige Unternehmensgruppe Freudenberg.

Die dunklen Seiten der Unternehmensgeschichte waren bis zu Sudrows Studie verdrängt worden und in Vergessenheit geraten. Im Freudenberg-Unternehmensarchiv finden sich so gut wie keine Hinweise auf die Beteiligung an der «Schuhprüfstrecke». Erst das Buch von Sudrow machte das familiengeführte Unternehmen wieder auf die langen Schatten dieser Vergangenheit aufmerksam. Es entschied sich daher im Jahr 2012 dafür, seine Geschichte unabhängig und auf wissenschaftlicher Grundlage erforschen zu lassen. Wie inzwischen als Standard etabliert, wurde der unbeschränkte Aktenzugang im Familien- und Unternehmensarchiv ebenso zugesagt und vereinbart wie der Verzicht auf jeglichen inhaltlichen Eingriff in Manuskript und Buch. Die Finanzierung erfolgte über ein Drittmittelprojekt an der Universität Bonn.

Nachgezeichnet wird die Zeit von der Unternehmensgründung im Jahr 1849 bis zum beginnenden bundesrepublikanischen «Wirtschaftswunder». Wie in vielen anderen Unternehmensgeschichten spielen die politischen Epochengrenzen auch bei Carl Freudenberg eine geringere Rolle, als man annehmen könnte. Aus pragmatischen Gründen folgt aber auch diese Studie im Wesentlichen den klassischen Zäsuren der Jahre 1914, 1918, 1933 und 1945. Die politische Geschichte wird dabei mit der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte verbunden, ebenso werden die Ansätze der Kulturgeschichte und der Neuen Institutionenökonomik verwandt, wenn etwa nach den Mustern von Bildung, Karriereverläufen, Generationserfahrungen und -prägungen sowie Werten und Einstellungen gefragt wird.

Die Frage, in welchem Ausmaß die Unternehmer die Herrschaft Hitlers begünstigten und sich an den verbrecherischen Ausbeutungsprozessen beteiligten, steht im Kern vieler Untersuchungen zu Firmen in der NS-Zeit. Die überwiegend exkulpatorischen Erzählstrategien der Privatwirtschaft nach 1945, in denen die Unternehmer in der Regel als unschuldige Opfer des NS-Regimes erschienen, sind durch die Forschung mittlerweile stark relativiert worden. Aber auch die simple These einer Komplizenschaft der Unternehmer gilt als falsifiziert. Demgegenüber überwiegt die auf den ersten Blick banale Feststellung, die deutsche Industrie sei weder unschuldig noch hauptverantwortlich für den Nationalsozialismus gewesen. Unter dem unbestrittenen Primat der Politik blieben die Beziehungen zwischen Industrie und Staat durch komplementäre Interessen geprägt. Die Unternehmen interpretierten die Wünsche, Erwartungen und Forderungen des Regimes im Sinn ihrer wirtschaftlichen Eigenlogik und weniger der NS-Ideologie. Sie handelten in der Regel zweckrational und opportunistisch. Mehr oder weniger bereitwillig erfüllten sie ihre «Pflichten» im Rahmen des Autarkieprogramms und transformierten die staatlichen Vorgaben «in eigene Entscheidungsprogramme, waren aber keineswegs die Urheber der Rüstungs- und Kriegswirtschaft».[3] Unternehmerische Defizite, Versäumnisse und Verbrechen der «Profiteure des Unrechts»[4] lassen sich für die NS-Zeit vergleichsweise leicht herausarbeiten. Zu den am schwierigsten zu beantwortenden Fragen gehört in der neueren Unternehmensgeschichte hingegen diejenige nach den Handlungsspielräumen und der individuellen Verantwortung.[5] Weitgehend ungeklärt ist, warum Unternehmer, die einem Milieu angehörten, in dem zumindest in der Selbstbeschreibung «Tugenden wie Initiative, Wagemut und Freiheit vorwalten», sich mit dem Regime offenbar besser zu arrangieren verstanden als manche Repräsentanten von Organisationen wie der Wehrmacht, wo «Gehorsam das leitende Karriereprinzip» darstellte.[6] Der Buchtitel...

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