Der Westfälische Frieden

Das Ende des Dreißigjährigen Krieges
 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. September 2015
  • |
  • 128 Seiten
 
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978-3-406-68303-9 (ISBN)
 
Von 1643 bis 1648 tagte in Münster und Osnabrück ein völlig neuartiger Friedenskongress. Es gelang, drei der vier eng miteinander verzahnten langjährigen Kriege zu beenden, was bereits von den Zeitzeugen als «Weltwunder» bezeichnet wurde. Der Westfälische Frieden besteht aus zwei komplementär aufeinander bezogenen Friedensschlüssen. Zum einen verhandelten der Kaiser, die Reichsstände und Schweden in Osnabrück das Friedensinstrument vom 6. August 1648, zum anderen der Kaiser, die Reichsstände und Frankreich in Münster das Friedensinstrument vom 24. Oktober 1648. In diesem Band wird auch der komplexe Prozess bis zum Friedensschluss geschildert, der jahrzehntelang parallel zum Dreißigjährigen Krieg verlief. Als größter Erfolg kann sicher der Religionsfrieden angesehen werden, der einen weiteren Religionskrieg im Reich verhinderte. Der Westfälische Frieden steht damit für eine deutsche Friedenstradition, die weitgehend in Vergessenheit geraten ist.
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Siegrid Westphal ist seit 2004 Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Osnabrück und Direktorin des dortigen Interdisziplinären Instituts für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN). Ihre Forschungsschwerpunkte sind zum einen die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, insbesondere die Verfassungsgeschichte und die Geschichte der höchsten Gerichtsbarkeit in vergleichender europäischer Perspektive, und zum anderen die kulturhistorische Friedensforschung. Ihre zahlreichen Publikationen befassen sich darüber hinaus mit der Reformation und der Konfessionalisierung, der Frauen- und Geschlechtergeschichte sowie der Adelsforschung und der Landesgeschichte.
1 - Cover [Seite 1]
2 - Titel [Seite 3]
3 - Impressum [Seite 4]
4 - Inhalt [Seite 5]
5 - I. Prolog [Seite 7]
6 - II. Krieg und Frieden von 1618 bis 1645 [Seite 11]
6.1 - 1. Rahmenbedingungen und verfassungsrechtliche Voraussetzungen [Seite 11]
6.2 - 2. Verlauf der Friedensprozesse [Seite 15]
6.3 - 1619 bis 1629 [Seite 16]
6.4 - 1629 bis 1635 [Seite 19]
6.5 - Der Prager Frieden von 1635 [Seite 21]
6.6 - 1635 bis 1641 [Seite 24]
6.7 - 1640/41 [Seite 31]
6.8 - 1641 [Seite 33]
6.9 - 1641 bis 1645 [Seite 35]
7 - III. Der Kongress beginnt [Seite 41]
7.1 - 1. Verhandlungsstädte [Seite 41]
7.2 - 2. Verhandlungsparteien: Die Gesandtschaften [Seite 44]
7.3 - 3. Verhandlungsmodus [Seite 49]
7.4 - 4. Kriegsziele und Friedensvorstellungen [Seite 54]
8 - IV. Die zentrale Verhandlungsphase 1645 bis 1648 [Seite 57]
8.1 - 1. Der Krieg im Hintergrund [Seite 57]
8.2 - 2. Verhandlungsziele [Seite 59]
8.3 - 3. Die Verhandlungen [Seite 63]
8.3.1 - November 1645 bis Juli 1647 [Seite 65]
8.3.2 - Juli 1647 [Seite 82]
8.3.3 - August 1647 bis Oktober 1648 [Seite 85]
8.3.4 - Die letzten Hürden [Seite 92]
9 - V. Die Friedensinstrumente [Seite 98]
10 - VI. Reaktionen, Wirkungen und Wahrnehmungen [Seite 110]
11 - Anhang [Seite 115]
11.1 - Zeitleiste [Seite 115]
11.2 - Auswahlbibliographie [Seite 120]
11.3 - Personenregister [Seite 125]
12 - Karten [Seite 128]

III. Der Kongress beginnt


1. Verhandlungsstädte


Die beiden westfälischen Bischofsstädte Münster und Osnabrück wurden bereits im Mai bzw. Juni 1643 durch den kaiserlichen Bevollmächtigten, den Reichshofrat Johann Krane, für die Dauer des Kongresses von ihrem Eid auf den Kaiser und ihre jeweiligen Landesherren in einer feierlichen Zeremonie entbunden. Das bedeutete, dass die Schweden, die den Fürstbischof Franz Wilhelm von Wartenberg 1633 aus Osnabrück vertrieben hatten und seitdem dort regierten, die überwiegend lutherische Stadt verlassen mussten. Der Landesherr der katholischen Stadt Münster war der Kurfürst von Köln, Ferdinand von Bayern, der jüngere Bruder des bayerischen Kurfürsten Maximilian. Er residierte in Bonn, so dass die Gesandten in Münster sofort Quartier beziehen konnten.

Mit der Neutralisierung war der Abzug der Truppen verbunden und die Verantwortung für die Sicherheit ging auf die jeweiligen Magistrate über. Während in Osnabrück die Bürger selbst den Schutz der Gesandten übernahmen, heuerte der Stadtrat von Münster einen Stadtkommandanten an, der 1200 Mann Stadtsoldaten befehligte. In beiden Städten scheint es jedoch trotz der vielen Fremden und der räumlichen Enge zu keinen größeren Sicherheitsproblemen gekommen zu sein. Für Osnabrück wird die Einwohnerzahl zum Zeitpunkt des Kongresses auf 6000 bis 8000 und für Münster auf 10.000 bis 12.000 geschätzt. In beiden Städten mussten viele Menschen in einer Situation zusätzlich versorgt werden, in der der Krieg deutliche Spuren hinterlassen hatte. Weder Münster noch Osnabrück besaßen im Gegensatz zu den großen Reichsstädten, in denen der Reichstag oder andere Reichsversammlungen getagt hatten, Erfahrung bei der Ausrichtung einer solch großen Zusammenkunft. Beide Städte waren zudem hoch verschuldet und verfügten beispielsweise kaum über die Mittel für die Geschenke, die man den Gesandten zur Begrüßung zu überreichen hatte.

Sie boten nur eingeschränkte Möglichkeiten, die Gesandtschaften mit ihrem großen Gefolge angemessen unterzubringen. Zudem fehlten Möglichkeiten der Unterhaltung, auch die städtische Infrastruktur ließ zu wünschen übrig. In Osnabrück war kein Drucker mehr ansässig, der für die Vervielfältigung von Verhandlungsdokumenten und für die Unterrichtung der Öffentlichkeit wichtig gewesen wäre. Der Informationsaustausch lief deshalb über Münster, wo es einen Drucker gab und 1643 im Auftrag des Kaisers ein eigenes Reichspostamt eingerichtet wurde. Funktionierende Postverbindungen waren vor allem deshalb wichtig, da die Gesandten nur eingeschränkte Vollmachten besaßen und sich bei wichtigen Verhandlungsfragen bei ihrem jeweiligen Hof rückversichern mussten.

Der ländliche Charakter der Verhandlungsorte schlug sich im Stadtbild deutlich nieder, da innerhalb der Stadtmauern Vieh gehalten wurde und die Straßen stark verunreinigt waren. Zahlreiche Klagen der Gesandten über den Dreck und den Gestank in den Gassen sind in den Archiven überliefert. In Osnabrück wurde deshalb 1647 eine Art Müllabfuhr eingerichtet, welche jeden Samstag die Misthaufen aus den Gassen entfernte. Neben den hygienischen Verhältnissen machte vielen Gesandten, insbesondere aus dem Süden, das regnerische und kühle Klima zu schaffen. Sie glaubten sich im alten Germanien zu befinden, wie es von Cäsar und Tacitus beschrieben wurde. Der schwedische Gesandte Salvius, der sich fast am längsten in Osnabrück aufhielt, bezeichnete die Stadt als «melancolisch» (Gerd Steinwascher).

Das Stadtbild war geprägt von Bürgerhäusern, die wie westfälische Bauernhöfe aussahen. Daneben existierten in beiden Städten Domkurien, Adelshöfe und Häuser reicher Kaufleute, die für die größeren Gesandtschaften genutzt werden konnten. In Münster, das von einigen Gesandten als komfortabler empfunden wurde, stand zudem eine Reihe von Klöstern zur Verfügung, während in Osnabrück eher Bürgerhäuser und Gaststätten requiriert wurden. Die Stadträte überließen es den Eigentümern, mit den Gesandtschaften Mietverträge zu schließen, und griffen nur bei Schwierigkeiten ein.

Da die Verhandlungen vor allem in Münster in den Gesandtschaftsquartieren stattfanden, bedurften die Häuser eines Audienzzimmers. Die Gesandten der Reichsstände versammelten sich dagegen in Münster im Bischofshof am Domplatz und in Osnabrück im Rathaus, das eigens dafür saniert wurde. Einen zentralen Versammlungsort aller Gesandtschaften gab es nicht, denn der Modus der Verhandlungen sah Vollversammlungen nicht vor.

Probleme bereiteten die zunehmend steigenden Preise für Lebensmittel als Folge neuer Zölle, die Münzqualität und die Wechselkurse, die durch die Stadträte reguliert werden mussten. Die Wirtschaft in den Städten profitierte jedoch vom Friedenskongress. Wider Erwarten gelang es, die zahlreichen Gesandten in den Städten unterzubringen und zu versorgen. Dabei gingen diese vielerorts Kompromisse ein und bemühten sich, für die Zeit der längeren Anwesenheit ein einigermaßen komfortables Zuhause zu schaffen. Einige Gesandte ließen sogar Frau und Familie nachkommen und lebten mehrere Jahre dort. Nicht zuletzt deshalb entwickelte sich in den Verhandlungsorten ein den Repräsentationsbedürfnissen der zum Teil adligen Gesandten entsprechendes Gesellschaftsleben mit Theater- und Ballettaufführungen, prunkvollen Festen und anderen Geselligkeiten, die auch dem Informationsaustausch dienten. Für die Unterhaltung breiter Bevölkerungskreise sorgten Lotterien, Gaukler, Artisten und anderes fahrendes Volk. Umso mehr bemühten sich die Stadträte, Sitte und Moral in den Städten aufrechtzuerhalten und das Alltagsleben streng zu reglementieren. In Osnabrück unterband man 1647 beispielsweise ein Wiederaufleben der Hexenverfolgung, die 1636 eingesetzt hatte und erst kurz vor Beginn des Friedenskongresses durch die schwedische Herrschaft eingedämmt worden war. Zu Konflikten zwischen den Gesandtschaftsangehörigen und der Bürgerschaft kam es nur selten, und wenn, spielte dabei Alkohol eine Rolle oder auch der konfessionelle Gegensatz.

2. Verhandlungsparteien: Die Gesandtschaften


In der überwiegend lutherischen Stadt Osnabrück befanden sich die ständigen Quartiere der Schweden und eines Teils der Reichsstände sowie der Dänen, die anfänglich als Vermittler fungieren sollten, nach Beginn des dänisch-schwedischen Krieges jedoch ausschieden. Hinzu kamen der französische Resident, kurzzeitig ein portugiesischer Gesandter und die kaiserlichen Gesandten. Im katholischen Münster, dessen Verhandlungsgeschehen stärker von den europäischen Fragen geprägt war, residierten die spanischen, französischen, niederländischen und kaiserlichen Gesandten, der schwedische Resident sowie ein Teil der Reichsstände und die Vermittler, der päpstliche Nuntius Fabio Chigi - der spätere Papst Alexander VII. - und der Venezianer Alvise Contarini. Darüber hinaus hielten sich in beiden Städten Kongressbeobachter auf. Je nach Verhandlungsphase waren mehr Gesandte in der einen oder in der anderen Stadt, so dass viele Gesandtschaften in beiden Städten Unterkünfte besaßen.

Der Anspruch, einen «allgemeinen» christlichen Frieden in Europa herzustellen, spiegelt sich auch in der bis dahin beispiellosen Größe des Kongresses - in der Forschung als «Kongress der Superlative» bezeichnet. Eine absolute Zahl der Gesandten und der weiteren Personen lässt sich jedoch nicht bestimmen, zu häufig wechselten die Konstellationen. Die Gesandten kamen zwischen 1643 und 1646 zeitlich versetzt nach Münster und Osnabrück und reisten zwischen 1647 und 1649 entsprechend wieder ab. Erste Quartiermacher erschienen bereits 1643 infolge der Neutralisierung. Der Großteil der Gesandten traf jedoch erst 1644 ein und wurde jedes Mal durch Vertreter der Stadt an den Stadtgrenzen begrüßt und feierlich zum Quartier geleitet. Die größte Zahl an Gesandtschaften wird für die Zeit von Januar 1646 bis Juli 1647 vermutet. Insgesamt 109 zum Teil mehrere Personen umfassende diplomatische Gesandtschaften vertraten 16 europäische Staaten und 140 Reichsstände sowie 38 weitere Mächte - unter ihnen beispielsweise italienische Fürsten und Republiken, die das Kongressgeschehen durch eigene oder fremde Gesandte beobachten ließen. Von den europäischen Mächten war England einschließlich Schottland und Irland, wo zu diesem Zeitpunkt ein heftiger Bürgerkrieg ausgetragen wurde, nicht vertreten. Zudem fehlten das russische Zarenreich und der türkische Sultan, was angesichts des Anspruchs, einen christlichen, allgemeinen und immerwährenden Frieden schließen zu wollen, nicht verwundert. Aufgrund der Zusammensetzung kann der Kongress als erster gesamteuropäischer Friedenskongress angesehen werden, der für Jahrhunderte Maßstäbe setzte.

Die französische Gesandtschaft, 1644 zunächst unter den Grafen d'Avaux und Abel Servien, dann ab 1645 unter dem Hauptbevollmächtigten Henri d'Orléans, dem Herzog von...

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