Von Menschen und Mächten

Stefan George - Karl und Hanna Wolfskehl
 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. September 2015
  • |
  • 879 Seiten
 
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978-3-406-68232-2 (ISBN)
 
Der Briefwechsel zwischen Stefan George und Karl und Hanna Wolfskehl ist der einzige der Georges gesamte Lebenszeit begleitet. Die tiefe Freundschaft zwischen den beiden Dichtern, die aus ihren Briefen spricht, die Offenheit des Austauschs und die Bezüge der Korrespondenz zur allgemeinen Kultur- und Literaturgeschichte zwischen Jahrhundertwende und Ende der Weimarer Republik machen aus dieser Edition eine Quelle von einzigartigem Wert.
Die sorgfältige, gründlich kommentierte Edition umfasst insgesamt 860 Korrespondenzstücke, die im Stefan George Archiv Stuttgart lagern. Den Briefwechsel zeichnen nicht nur Dauer (1892-1933) und Intensität aus, sondern auch die sehr persönliche Einbeziehung von Hanna Wolfskehl. Diese ganz eigene Verbindung zwischen George und der Frau des Freundes ist in der Forschung bislang weitgehend unbekannt. Wer sich für das literarische München um die Jahrhundertwende, für Schwabinger Umtriebe, für Liebe, Dichtung, Freundschaft und Verrat im Umfeld der Korrespondenzpartner interessiert, wird dieses Werk mit großem Gewinn lesen.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
mit 33 Abbildungen
  • 8,66 MB
978-3-406-68232-2 (9783406682322)
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Birgit Wägenbaur ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stefan George Archiv in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart.

Ute Oelmann leitete von 1987 bis 2014 das Stefan George Archiv in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart.

Einleitung Zur Edition Verwendete Zeichen Danksagung BRIEFWECHSEL Textanhang Nachwort Anhang Siglen- und Kurztitelverzeichnis Abbildungsverzeichnis Personenregister

1. KW an StG


Gießen, 16.11.1892
Brief ohne Umschlag

Gießen, Frankfurter Hof.
16. XI.

Sehr geehrter Herr!

Eine durch dritte vermittelte, rein äußerliche «Vorstellung» hat für Leute, denen die Formen ererbter Convention keine Heiligtümer sind, nicht die magische Kraft, die Betreffenden wirklich bekannt zu machen. Thatsächliche Verkehrsanbahnung ermöglicht doch nur ein durch richtige Erkenntnis der fremden Wesenheit entstandenes inneres Entgegenkommen zweier Individuen. In diesem Sinne nun darf ich von mir rühmen, daß Sie für mich kein Fremder sind.

Von zwei Seiten habe ich mehr denn einmal Mitteilungen meist äußerlicher Natur über Sie erhalten, Mitteilungen die dennoch weniger ihres faktischen Inhalts wegen, als wegen dessen, was sie zu erraten und ahnen gaben, mein Interesse mächtig erregten. Vor allem wuchs in mir stetig das Sehnen Ihre Werke kennen zu lernen.

Solange ich indessen nur auf die gelegentlichen Erzählungen meines Freundes Laudenheimer[1] angewiesen war, blieb dieser Wunsch unerfüllt. Erst als ich mehr und mehr mit G. Geilfus,[2] den ich vorher nur oberflächlich kannte, mich freundschaftlich gefunden hatte, erfuhr ich daß er im Besitze der lang erharrten Schätze sei und auf meine Bitten, die ich oft wiederholen mußte, überließ er mir endlich leihweise Ihre Gedichte.[3]

Zwei Dinge nun sind es, wegen deren ich, Ihnen noch unbekannt, vor Sie trete: eine Entschuldigung und eine Bitte. Entschuldigen muß ich mich, daß ich in Blätter nur für das Auge geistesverwandter Freunde bestimmt, geblickt habe, daß ich an Blüten und hehren Kostbarkeiten mich berauscht habe, die nicht für mich bestimmt sind.[4] Ich habe zu meiner Entlastung nur anzuführen, daß ich mit glühendstem Eifer dem Sprung der Kunstentwicklung erkennend und genießend folge und daß gerade Lyrik das Gebiet ist, dem sich - freilich nicht productiv - meine Begeisterung zuwendet. Und ich brachte es nicht über mich auf meiner Wanderung den Zaubergarten nicht zu betreten, den kein äußerer Zwang mir verschloß. Freilich waren meine ethischen Bedenken nicht so leicht zum Stillschweigen zu bringen und mindestens diese offene Darlegung forderten sie. Aber ich hoffe daß auch Sie, vor allem in der Erkenntnis, aus welchen Gründen ich den Schritt gethan, ihn wenn nicht billigen so doch verzeihen werden. Und hierauf fußend, wage ich meine Bitte. Ihre Gedichte voll von neuen Reizen, tiefen wie aus Meeresgrund leuchtenden Bildern und Farben mit dem harmonischen klaren Gang der Strofen haben es mir angethan. Ich gestehe offen, daß sie beim ersten Lesen mich fremdartig berührten. Das Organ sie zu verstehen, mehr noch sie zu empfinden, war noch nicht entwickelt. Aber je liebevoller mein Eifer war, mit dem ich mich in die Geheimnisse Ihrer Dichtung versenkte, um so herrlicher war der Erfolg. Ich stehe nicht an zu behaupten, daß ich heute Ihre Gedichte bis zu dem Grunde genießen kann, wie es einem Nachempfindenden überhaupt möglich ist. Und von diesem Standpunkte aus darf ich Ihnen sagen, daß Ihre Lyrik in ihrer hehren Vornehmheit eine Zierde der Kunst ist. Was Sie von Andern scheidet, das eben ist das was Sie vor Andern voraus haben, mit andern Worten: Ihre Vorzüge sind durchaus eigenartig. Wenn es Einen Dichter giebt den ich mit Ihnen vergleichen möchte - verzeihen Sie dem Litterarhistoriker die Sucht nach Parallelen - so ist es Göthe in seiner vornehmsten ernstesten Schaffenszeit: in den Jahren, da die «Trilogie der Leidenschaft»[5] entstand. Ernst einzeln, nach innen gekehrt und dabei doch mit wunderbarem Feingefühl aller Sinne das Äußere erfassend so zeigt sich mir Ihre poetische Individualität mit dem vollen Zauber echtester Begabung einerseits und auf der andern Seite Stolz im frohen Bewußtsein ihrer Kraft. Gedichte wie «Wenn aus der Gondel sie zur Treppe stieg»,[6] um nur eines zu nennen, das ich nicht einmal für das beste halte, stehen überhaupt einzig da. Meine Bitte geht nun dahin: Sie möchten mir gestatten, daß ich mir von den in dem Besitze von Geilfus befindlichen Sammlungen Ihrer Gedichte eine Abschrift nehme, die ich natürlich ohne von Ihnen autorisiert zu sein, keinem Andern zeigen würde.

In der Hoffnung, Sie möchten meiner Bitte willfahren, die ja dem Wunsch entspringt mir dauernd einen Genuß zu verschaffen den ich andernfalls bald wieder missen müßte

bin ich

Ihr ergebenster

K. Wolfskehl.

2. StG an KW


Poststempel Bahnpost Köln-Frankfurt, 24.11.1892
Brief mit Umschlag nach Gießen

mein geehrter herr: für Ihre freimütige zuschrift haben Sie nicht nötig um entschuldigg [!] zu bitten. noch weniger dafür dass Sie sich meine werke geben liessen und sie Ihnen genuss bereiten. jedes verständnisvollen lesers freue ich mich. ich kann nichts dagegen sagen wenn Sie sich eine abschrift fertigen zumal meine bücher nun alle im verlag der Blätter f d Kunst erhältlich sind[7]

Genehmigen Sie den ausdruck

voller hochachtung

Stefan George

den 24ten

Abb. 2: Erster Brief Stefan Georges an Karl Wolfskehl vom 24.11.1892.

3. KW an C. A. Klein


Poststempel Gießen, 30.11.1892
Brief mit Umschlag nach Berlin

Gießen, 30. XI. 92.
Frankfurter Hof.

Sehr geehrter Herr,

Herr Stefan George teilt mir mit, daß seine Gedichte im Verlage der «Blätter für die Kunst erhältlich seien: da ich nicht weiß ob an eine Verbreitung auf normalem buchhändlerischem Weg gedacht war, so gestatte ich mir bei Ihnen direkt bezüglich der näheren Umstände anzufragen. Mit hoher Freude würde ich mich in den Besitz dieser herrlichen dichterischen Schöpfungen setzen.

Zugleich frage ich bei Ihnen an, fußend auf die Notiz in No I der «Bl f d K», die mir gleich wie Georges Gedichte durch meinen Freund G E Geilfus mitgeteilt sind, welches die näheren Bedingungen bez der Teilnahme an den Unterzeichnungen für «Le Tombeau de Ch. Baudelaire» sind.[8] -

3. und zum Schluße gestatte ich mir noch die Anfrage ob Ihnen für den kritischen Teil Ihrer Zeitschrift ein Aufsatz über die poetische Eigenart von Stefan George willkommen ist.

Bitte verzeihen Sie mir die Fülle von «Anfragen» mit denen ich Unbekannter vor Sie trete: das Interesse, welches ich an den neuen Unendliches verheißenden Strömungen der jungen Kunst nehme zwingt mich dazu und von diesem Standpunkt aus werden Sie, so hoff ich, mein Begehren begreifen.

Ich bin mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr ergebenster

K. Wolfskehl.

4. C. A. Klein an KW


Berlin, 4.12.1892
Briefkarte ohne Umschlag

Sehr geehrter herr!

Empfangen Sie für die lebhafte teilnahme die Sie Unseren bestrebungen entgegenbringen die versicherungen meiner geneigtheit. Die werke Stefan George's gehen Ihnen morgen «gratis «zu,[9] zugleich füge ich ein exemplar der bei.

Dürfte ich Ihren kritischen aufsatz kennen lernen?

Für das wurde eine kollektion veranstaltet · sämtliche unterzeichnungen erfolgen an mich · von da gehen die eingegangenen beträge an den herausgeber der . wir würden für jede beteiligung dankbar sein.

Ich bitte Sie meiner ausschliesslichen hochachtung
versichert zu sein.

4 dez.

Carl August Klein

5. KW an C. A. Klein


Poststempel Gießen, 10.12.1892
Brief mit Umschlag nach Berlin

Gießen, 11. XII. 92. [!]

Frankfurter Hof.

Sehr geehrter Herr!

Herzlichst danke ich Ihnen für Ihre gütige Zusendung: die mich hoch erfreut hat. Die große Verehrung, welche ich für das dichterische Können von Stefan George hege, ist wenn möglich durch die Bekanntschaft mit deßen herrlichem «Algabal» noch gewachsen der wieder unerhörte Glanzstellen birgt. -

Mit dem kritischen Aufsatz beschäftigen sich meine, leider durch Examensarbeiten - sapienti sat! - sehr eingeschränkten Mußestunden eifrigst:[10] sodaß ich der Hoffnung lebe, Ihnen bald ihn zu senden. -

Für das Baudelaire-Denkmal möchte ich mich mit «zehn Mark» unterzeichnen und bitte Sie um gefällige Auskunft bis wann Ihnen die Übersendung erwünscht sei. -

Zum Schluß ersuche ich Sie noch, etwaige gütige Mitteilungen, da mein Aufenthalt hier sich dem ersehnten Ende naht, nach Darmstadt, Kasinostraße 22 adressieren zu wollen.

Ich danke Ihnen nochmals für Übersendung der Poesieen - auch die nicht von George herrührenden Gedichte der «Bl f d K» enthalten Treffliches - und bleibe mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr ergebenster

K. Wolfskehl.

6. KW an StG


Poststempel Gießen, 10.12.1892
Brief mit Umschlag nach Bingen

Gießen, 11. XII. 92. [!]
Frankfurter...

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