Mit Brief und Siegel

Kleine Kulturgeschichte des Privatrechts
 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. August 2014
  • |
  • 276 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-406-64444-3 (ISBN)
 
Das Recht gehört als Ordnung des menschlichen Zusammenlebens zu den Kulturphänomenen. Seine Geschichte ist daher zugleich Bestandteil der Kulturgeschichte. Wie alle Kulturerscheinungen wird es nicht nur durch die jeweiligen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Verhältnisse bestimmt, sondern durch die Kultur in ihrer Gesamtheit. So erweist sich der Zustand des Rechtes stets auch als ein Spiegel des Zustandes der Kultur im Allgemeinen. In dem vorliegenden Band beschreibt Arno Buschmann anregend und allgemeinverständlich das enge wechselseitige Verhältnis von kulturellem Wandel und Wandel der Privatrechtskultur seit den Tagen der Renaissance der römischen Rechtskultur im Mittelalter bis zu den Entwicklungen während Gewaltherrschaft und Demokratie im 20. Jahrhundert.
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
  • 3,07 MB
978-3-406-64444-3 (9783406644443)
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Arno Buschmann lehrte bis zu seiner Emeritierung als ordentlicher Professor für Rechtsgeschichte und Privatrecht an der Universität Salzburg. Seine vielfältigen rechtshistorischen Publikationen weisen ihn als exzellenten Spezialisten für die Kulturgeschichte des Privatrechts aus.
  • Intro
  • Titel
  • Zum Buch
  • Über den Autor
  • Inhalt
  • Vorwort
  • EINLEITUNG: PRIVATRECHTSGESCHICHTE ALS KULTURGESCHICHTE
  • I. Privatrechtsgeschichte, Privatrecht und Rechtstraditionen im Privatrecht
  • 1. Privatrechtsgeschichte als wissenschaftliche Disziplin
  • 2. Privatrecht als Rechtsgebiet
  • 3. Rechtstraditionen im Privatrecht
  • II. Rechtsgeschichte und Kulturgeschichte
  • 1. Kulturgeschichte als wissenschaftliche Disziplin
  • 2. Rechtsgeschichte als Kulturgeschichte
  • III. Schwerpunkte, geographischer und zeitlicher Rahmen der Darstellung
  • 1. KAPITEL: DIE ANFÄNGE DES MODERNEN PRIVATRECHTS IM HOCHMITTELALTER
  • I. Renaissance der römischen Kultur in Oberitalien
  • 1. Die Renaissance der römischen Rechtskultur
  • 2. Die Rechtsschule von Bologna
  • a) Die Lehrtradition der Glossatoren
  • b) Die Lehrtradition der Kommentatoren
  • 3. Römisches Recht als Gelehrtes Recht
  • II. Die Entstehung einer gelehrten Rechtskultur des Kanonischen Rechts
  • 1. Kirchlicher Rechtsunterricht in Bologna
  • a) Die Lehrtradition der Dekretisten
  • b) Päpstliche Dekretalengesetzgebung
  • c) Die Lehrtradition der Dekretalisten
  • 2. Kanonisches Recht als Gelehrtes Recht
  • III. Die Ausbreitung der gelehrten Rechtskultur in Italien und Südfrankreich
  • 1. Rechtsschulen und Gelehrtes Recht
  • 2. Die Organisation der gelehrten Rechtsstudien
  • IV. Gelehrte Rechtskultur des Römischen und Kanonischen Rechts
  • 2. KAPITEL: GELEHRTES RECHT UND GELEHRTE RECHTSKULTUR IM HEILIGEN RÖMISCHEN REICH
  • I. Die Rezeption des Gelehrten Rechts und der gelehrten Rechtskultur im Heiligen Römischen Reich
  • II. Wirkung und Bedeutung der Rezeption im Spiegel der Rechtsgeschichte
  • III. Der Verlauf der Rezeption im Heiligen Römischen Reich
  • 1. Anfänge des Römischen Rechts in Deutschland
  • 2. Gelehrtes Rechtsstudium deutscher Scholaren
  • 3. Die Entstehung des gelehrten Juristenstandes
  • IV. Gelehrte Juristen in der Rechtspraxis des Heiligen Römischen Reiches
  • 1. Gelehrte Juristen in Gericht und Verwaltung
  • 2. Gelehrte Juristen in der Gesetzgebung in Reich, Territorien und Städten
  • 3. Gelehrtes Urkundenwesen
  • 4. Einheimische gelehrte Rechtsliteratur
  • V. Die Rezeption des Gelehrten Rechts als Beginn einer gelehrten Privatrechtskultur im Heiligen Römischen Reich
  • 3. KAPITEL: WANDLUNGEN DER GELEHRTEN PRIVATRECHTSKULTUR IM 16. UND 17. JAHRHUNDERT
  • I. Humanismus und gelehrte Jurisprudenz im 16.Jahrhundert
  • 1. Zentren und Verbreitung des Humanismus in Europa
  • 2. Juristischer Humanismus in Italien und Frankreich
  • 3. Deutscher juristischer Humanismus
  • 4. Humanistische Reformen in Lehre, Gesetzgebung und Gerichtswesen
  • II. Rationalismus und Renaissance des Naturrechts im 17. Jahrhundert
  • 1. Rationalismus und Jurisprudenz
  • 2. Renaissance des Naturrechts
  • 3.Entstehung der neuzeitlichen Naturrechtslehre
  • III. Neue Formen der gelehrten Privatrechtsjurisprudenz
  • 1. Usus modernus Pandectarum
  • 2. Jurisprudenz des ius patrium
  • IV. Humanismus, Rationalismus und Naturrecht als Elemente einer neuen gelehrten Privatrechtskultur
  • 4. KAPITEL: NEUE GRUNDLAGEN DER GELEHRTEN PRIVATRECHTSKULTUR IM 18. JAHRHUNDERT
  • I. Aufklärung und gelehrte Jurisprudenz
  • 1. Wesen der Aufklärung
  • 2. Zentren und Richtungen der Aufklärung
  • 3. Vernunftgemäße Grundlegung des Rechts (Vernunftrechtslehre)
  • 4. Vernunftrechtslehre und Privatrechtsjurisprudenz
  • II. Formen der gelehrten Privatrechtsjurisprudenz im Heiligen Römischen Reich
  • 1. Vernunftrechtslehre und Usus modernus Pandectarum
  • 2. Vernunftrechtslehre und Ius Germanicum oder «Teutsches Recht»
  • 3. Historisch-pragmatische Rechtswissenschaft
  • III. Vernunftrechtslehre, gelehrte Privatrechtsjurisprudenz und Kodifikationsgesetzgebung
  • 1. Kodifikationen im Kurfürstentum Bayern
  • 2. Die preußische Kodifikation
  • 3. Französische Privatrechtskodifikationen und deren Rezeption
  • 4. Das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch in Österreich
  • IV. Vernunftrechtslehre und systematische Privatrechtswissenschaft als Ausdruck gelehrter Privatrechtskultur
  • 5. KAPITEL: GRUNDLEGUNG DER MODERNEN PRIVATRECHTSKULTUR IM 19. JAHRHUNDERT
  • I. Neuhumanismus und geschichtliche Privatrechtswissenschaft
  • 1. Philosophie, Romantik und Historismus
  • 2. Geschichtliche Rechtswissenschaft
  • 3. Nationaler Kodifikationsstreit in Deutschland
  • 4. Historische Rechtsschule
  • II. Historisch-positivrechtliche Privatrechtswissenschaft
  • 1. Wissenschaft des Gemeinen Römischen Rechts (Pandektenwissenschaft)
  • 2. Wissenschaft des Deutschen Privatrechts
  • 3. Wissenschaft des französischen Privatrechts
  • 4. Territoriale historisch-positiv rechtliche Privatrechtswissenschaft
  • III. Historisch-positivrechtliche Kodifikationen des Privatrechts im deutschen Sprach- und Kulturraum
  • 1. Territoriale Kodifikationsentwürfe
  • 2. Sächsisches Bürgerliches Gesetzbuch (Sächs. BGB)
  • 3. Nationale Kodifikationen und Kodifikationsentwürfe im Deutschen Bund
  • 4. Schweizerisches Obligationenrecht (OR)
  • 5. Deutsches Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
  • 6. Schweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB)
  • IV. Krise der historisch-positivrechtlichen Privatrechtswissenschaft am Ende des Jahrhunderts
  • 1. Kritik an der juristischen Methodik
  • 2. Neue methodologische Richtung
  • V. Privatrechtskultur des 19. Jahrhunderts als Grundlage des modernen Privatrechts
  • 6. KAPITEL: PRIVATRECHT UND PRIVATRECHTSWISSENSCHAFT IM 20. JAHRHUNDERT
  • I. Kulturelle Strömungen, Richtungen und Bewegungen
  • II. Die Entwicklung des Privatrechts bis 1945
  • 1. Anfänge der Wissenschaft des modernen Bürgerlichen Rechts
  • 2. Neue Methoden der Rechtsanwendung
  • 3. Privatrecht, Privatrechtsgesetzgebung und Privatrechtspraxis nach dem Ersten Weltkrieg
  • 4. Privatrechtsentwicklung in der Zeit des Nationalsozialismus
  • a) Methode der Rechtsanwendung im Nationalsozialismus
  • b) Nationalsozialistische Änderungen des BGB
  • c) Nationalsozialistische Rassengesetzgebung im Bürgerlichen Recht
  • d) Nationalsozialistisches Volksgesetzbuch
  • e) Änderungen im Arbeits- und Handelsrecht
  • f) «Unbegrenzte Auslegung» im bestehenden Privatrecht
  • III. Die Entwicklung des Privatrechts nach 1945
  • 1. Privatrechtsentwicklung in der DDR
  • a) Sozialistische Gesetzgebung des Privatrechts
  • b) Ende der sozialistischen Gesetzgebung des Privatrechts
  • 2. Privatrechtsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland
  • a) Grundgesetz, Wertordnung und BGB
  • b) Änderungsgesetzgebung des BGB
  • c) Bürgerlich-rechtliche Nebengesetzgebung
  • d) Fortbildung des Bürgerlichen Rechts durch die Praxis
  • IV. Privatrechtsentwicklung in Österreich und der Schweiz
  • V. Wandel in Privatrecht und Privatrechtswissenschaft im 20. Jahrhundert
  • ANMERKUNGEN
  • QUELLEN UND LITERATUR
  • Quellen
  • Historischer Kommentar
  • Literatur
  • Nachschlagewerke
  • REGISTER
  • Personenregister
  • Sachregister
  • Impressum

1. Kapitel

Die Anfänge des modernen Privatrechts im Hochmittelalter


Die Anfänge der Geschichte des modernen Privatrechts im deutschen Sprach- und Kulturraum wie überhaupt in Europa sind im 12. Jahrhundert zu suchen. In seinem kulturellen Umfeld sind jene Fundamente gelegt worden, auf denen die gesamte nachfolgende Entwicklung beruht. Sie finden sich nach heutigem Forschungsstand in einem Vorgang, der als Renaissance der römischen Rechtskultur bezeichnet wird und der für die gesamte geschichtliche Entwicklung des Privatrechts – freilich mit regionalen Unterschieden – maßgebliche Bedeutung erlangt hat. Im Einzelnen ist darunter die Entstehung einer intensiven lehrmäßigen Beschäftigung mit der wichtigsten Quelle des spätrömischen Rechts, der Gesetzgebung des oströmischen Kaisers Justinian (527–565), dem später sog. Corpus iuris civilis, zu verstehen. Sie war Teil der allgemeinen kulturellen Bewegung, die man nach einem Vorschlag des amerikanischen Mediävisten Charles Homer Haskins (1870–1937), des Begründers der amerikanischen Mediävistik, Renaissance des 12. Jahrhunderts genannt hat.

I. Renaissance der römischen Kultur in Oberitalien


Als Kern der Renaissance des 12. Jahrhunderts wird die Rückbesinnung auf das kulturelle Erbe der Antike angesehen und als deren Folge die intensive Beschäftigung mit den Zeugnissen der antiken Literatur und Philosophie im Rahmen des antiken Bildungssystems, ohne dass damit allerdings, anders als bei der Renaissance des Spätmittelalters, eine vollständige Veränderung des Weltbildes verbunden gewesen wäre. Man las die antiken Autoren, beschäftigte sich mit den Dichtungen von Horaz, Vergil, Ovid, aber auch mit Tacitus’ historischen und ethnographischen Werken und studierte Ciceros philosophische Schriften. Zentren des Unterrichts waren Kloster- und Domschulen, in denen die Texte gesammelt, abgeschrieben und im Unterricht verwendet wurden. Es entstand ein geistiges Klima, das zu einer immer stärker werdenden Auseinandersetzung mit der kulturellen Tradition, namentlich der römischen Antike führte und lange vor der Renaissancebewegung des Spätmittelalters die römische Kultur zu neuem Leben erweckte. Politisch beflügelt wurde diese kulturelle Bewegung durch die Idee von der Erneuerung des Römischen Imperiums, der sog. «Renovatio Imperii», die für die deutschen Kaiser seit den Ottonen zum beherrschenden Ziel ihrer Politik geworden war. Zentrum dieser Renaissancebewegung des 12. Jahrhunderts war zunächst Italien, vor allem Oberitalien, später auch Südfrankreich, sämtlich Landschaften, in denen das antike Erbe in besonderem Maße auch visuell gegenwärtig geblieben war.

1. Die Renaissance der römischen Rechtskultur

Erfasst wurden von dieser allgemeinen Bewegung nicht nur Literatur und Philosophie, sondern auch das Römische Recht. Auch hier begann man sich mit dessen Quellen, namentlich dem Corpus iuris civilis, zu beschäftigen. Lange Zeit hat die rechtshistorische Forschung geglaubt, unter der damit verbundenen Renaissance der römischen Rechtskultur eine veritable Wiederbelebung des Corpus iuris civilis erkennen zu können. Mit dem Untergang des Weströmischen Reiches sei, so sagte man, auch das Corpus iuris civilis vollständig in Vergessenheit geraten und erst im 12. Jahrhundert wiederentdeckt und wiederbelebt worden.

Tatsächlich war es jedoch im Westen zu keinem Zeitpunkt vollständig vergessen, vielmehr nach der Teilung des Römischen Imperiums in ein Oströmisches und ein Weströmisches Reich auch in Westrom geltendes Recht geblieben, dessen Geltung durch einen kaiserlichen Erlass Justinians (527–565), die sog. «Sanctio pragmatica pro Petitione Vigilii», im Jahre 554 n. Chr. ausdrücklich bestätigt worden war. Was allerdings fehlte, war eine intensive lehrmäßige Beschäftigung mit seinem Inhalt, wie sie in den Rechtsschulen im oströmischen Reich, vor allem in Byzanz, aber auch in anderen oströmischen Städten wie Beryt, dem heutigen Beirut, permanent betrieben wurde. Zwar gab es auch im Westen Rechtsschulen, so in Rom und Ravenna, doch ist unklar, in welchem Ausmaß dort ein allgemeiner Rechtsunterricht erteilt wurde. Immerhin dürfte das Fehlen eines intensiven Rechtsunterrichts dazu geführt haben, dass sich die Kenntnis des Corpus iuris civilis auf jene Teile beschränkte, die für die tägliche Rechtspraxis von Bedeutung waren. Von einem Vergessen des Corpus iuris civilis im Ganzen konnte jedoch keine Rede sein.

Das Corpus iuris civilis selbst bestand aus vier Teilen, nämlich den Institutionen, den Digesten, dem Codex und den Novellen, die zu verschiedenen Zeitpunkten entstanden. Die Institutionen waren vom kaiserlichen Gesetzgeber als eine Art gesetzliches Lehrbuch gedacht, das als verbindliche Grundlage für den Unterricht über den Inhalt des gesamten Gesetzeswerkes dienen sollte. Die Digesten (oder auch Pandekten genannt) enthielten eine Sammlung von Exzerpten aus der gesamten Rechtsliteratur der römischen Juristen und gelten bis heute als das eigentliche Herzstück der justinianischen Gesetzgebung. Die Exzerpte waren von einer von Justinian eingesetzten Gesetzgebungskommission unter Leitung des Rechtsgelehrten Tribonian (475–545) zusammengestellt worden und sollten nach dem Willen des kaiserlichen Gesetzgebers die in den verschiedenen Epochen der römischen Rechtsgeschichte angehäuften Erkenntnisse der römischen Juristen zu einzelnen Rechtsfragen zusammenfassen. Der Codex Justiniani versammelte Exzerpte aus der römischen Kaisergesetzgebung bis zu Justinian, war ebenfalls von der Gesetzgebungskommission angefertigt worden und sollte eine zusammenfassende Darstellung des geltenden kaiserlichen Rechts, wohl hauptsächlich für den Gebrauch in der juristischen Praxis, liefern. Die Novellen, deren amtliche Bezeichnung «Novellae constitutiones» lautete, waren eine Sammlung der nach der Abfassung des Codex verkündeten kaiserlichen Gesetze. Anders als der Codex enthielten sie den vollen Wortlaut und waren ausschließlich für die Verwendung in der täglichen juristischen Praxis bestimmt. Erste Entwürfe des Codex entstanden in den Jahren 528/529, eine endgültige Fassung erhielten Institutionen, Digesten und Codex erst in den Jahren 533/534, die Novellen wurden sogar erst nach Fertigstellung der ersten drei Teile nach 535 publiziert.

Von diesen Teilen blieben im Westen Institutionen und Codex mindestens in ihren Grundzügen bekannt. Soweit überhaupt ein Rechtsunterricht existierte, dürfte er sich auf die Vermittlung von bloßem Elementarwissen aus diesen Teilen beschränkt haben. Einige wenige Zeugnisse, die auf eine solche Vermittlung von Elementarwissen schließen lassen, sind uns für Italien überliefert, so die sog. «Turiner Institutionenglosse» aus dem 9. Jahrhundert und eine Codexhandschrift aus Perugia, die sog. «Summa Perusiana», die beide allerdings nur fragmentarisch erhalten sind. In Südfrankreich beschränkte sich die Kenntnis auf das sog. vorjustinianische Recht, dessen wichtigste Quelle die Aufzeichnung des Römischen Rechts für die gallorömische Bevölkerung des Westgotenreiches, das sog. «Breviarium Alaricianum» des Westgotenkönigs Alarichs II. (484–507), war, das in dieser Region bis in das 12. Jahrhundert Verwendung fand. Ein intensiver Rechtsunterricht über alle Teile des Corpus iuris civilis existierte jedenfalls weder in Italien noch in anderen Teilen des ehemaligen Weströmischen Reiches. Er entstand erst im Zusammenhang mit der allgemeinen Renaissance des 12. Jahrhunderts in Oberitalien und nachfolgend in Südfrankreich.

2. Die Rechtsschule von Bologna

Als Ort des Entstehens eines solchen intensiven Rechtsunterrichts über alle Teile des Corpus iuris civilis wird in der Forschung immer wieder die Stadt Bologna und eine in ihr errichtete Rechtsschule genannt. Es gilt als ausgemacht, dass in dieser zum ersten Mal das gesamte Corpus iuris civilis – freilich nicht auf einmal, sondern nach und nach – zum Gegenstand eines intensiven Rechtsunterrichts gemacht wurde. Als Zeitraum für die Errichtung wird regelmäßig die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts angegeben, ohne dass allerdings ein fixes Datum genannt werden könnte. Jedenfalls beginnt mit dieser Rechtsschule die Renaissance der römischen Rechtskultur in Europa und mit ihr die Geschichte des modernen Privatrechts in Europa und namentlich im deutschen Sprach- und Kulturraum.

Als Initiator des Rechtsunterrichts und als Gründer der Rechtsschule wird in der Forschung ein Gelehrter mit Namen Irnerius (auch Guarnerius, Wernerius) angenommen, von dem außer der Tatsache, dass er den Rechtsunterricht gegründet hat, nur wenig bekannt ist. Es wird vermutet, dass er aus Bologna stammte, den Grad eines Magister artium hatte, zeitweilig als «causidicus», d.h. Rechtsberater, zum Gefolge der Markgräfin Mathilde von Tuscien (gest. 1115) gehörte, und nach deren Tod als Rechtsberater Kaiser Heinrichs V. (1106–1125) tätig war. Von diesem soll er zum «iudex», also zum Richter, ernannt worden sein. Er starb wahrscheinlich um 1130. Als Vorläufer wird vielfach auch ein Gelehrter namens...

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