Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert

 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. April 2017
  • |
  • 379 Seiten
 
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978-3-406-62384-4 (ISBN)
 
Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert in 10 Bänden herausgegeben von Ulrich Herbert. Alle Bände erscheinen jeweils in einer broschierten und einer gebundenen Ausgabe.
Nach zwei Diktaturen, einem blutigen Bürgerkrieg und dem Übergang zur parlamentarischen Demokratie seit dem Tod Francos ist Spanien heute in der europäischen Normalität angekommen. Walther L. Bernecker verfolgt die bewegte Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert und zeigt wie es seinen europäischen Nachbarn immer ähnlicher wurde. Ein besonderes Merkmal der spanischen Geschichte ist die Ungleichzeitigkeit von politischer und wirtschaftlich-sozialer Entwicklung. Das 1931 auf die Diktatur Primo de Riveras folgende republikanische Spanien war zwar politisch ein modernes Land mit aufgefächertem Parteiensystem, aber es blieb wirtschaftlich rückständig. Am Ende der franquistischen Diktatur 40 Jahre später hatten sich die Vorzeichen umgekehrt. Spanien war wirtschaftlich in der europäischen Moderne angekommen, aber politisch noch immer im autoritär-hierarchischen System des Franquismus gefangen. Zu Beginn der 90er Jahre zeigte das Land wiederum ein radikal verändertes Gesicht. Erst die Reformen der letzten Jahrzehnte haben Spanien endgültig zu einem westlich-demokratischen Land werden lassen.
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mit 7 Karten
  • 4,25 MB
978-3-406-62384-4 (9783406623844)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Walther L. Bernecker, geb. 1947, ist Professor für romanischsprachige Kulturen an der Universität Erlangen-Nürnberg. Bei C.H.Beck ist von ihm erschienen: Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg (3. Aufl . 1997); Spanische Geschichte (4. Aufl . 2006), Geschichte Portugals (zus. mit Horst Pietschmann, 2. Aufl . 2008).

Vorwort


ERSTER TEIL
1898 bis 1923
1. Spanien um 1900: Kolonialverlust, Pessimismus, Regeneration
2. Von der Kolonialkrise zum Systemzusammenbruch


ZWEITER TEIL
1923 bis 1939
3. Spanien um 1924: Konservativismus, Infrastrukturausbau, Gesellschaftsveränderungen
4. Diktatur - Republik - Bürgerkrieg


DRITTER TEIL
1939 bis 1975
5. Die Franco-Ära


VIERTER TEIL
1975 bis zur Jahrhundertwende
6. Demokratisierung und Europäisierung
7. Schlussbetrachtung und Ausblick


ANHANG
Siglen- und Abkürzungsverzeichnis
Chronologie
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Personenregister
Karten

ZWEITER TEIL

1923 bis 1939


3. Spanien um 1924:Konservativismus, Infrastrukturausbau, Gesellschaftsveränderungen


Die Diktatur Primo de Riveras in den zwanziger Jahren war von zwei widersprüchlichen Entwicklungen geprägt: auf der einen Seite von autoritär-paternalistischen und konservativen Strukturen im politischen Bereich, auf der anderen von infrastrukturellem Ausbau, technischer Modernisierung und kultureller Innovation. 1924 waren diese gegensätzlichen Tendenzen bereits deutlich zu erkennen.

Das Militärdirektorium von 1923 bis 1925 bildete die erste Phase der Diktatur, während der ein Militärrat den Diktator in seinen Regierungsfunktionen unterstützte. In der Phase des Zivildirektoriums von Dezember 1925 bis Januar 1930 übernahm eine zivile Regierung die Amtsführung. Die Zeit des Militärdirektoriums bezeichnet die Konsolidierungsphase des Regimes, das Zivildirektorium markiert den Versuch einer Institutionalisierung der Diktatur und deren Scheitern.[1]

War die erste Phase der Diktatur (bis Frühjahr 1924) durch die Demontage des politischen Apparats der Restauration charakterisiert, so ging der Diktator 1924 zu einer (in seinem Sinne) «konstruktiven» Politik über. Diese bestand vor allem in Maßnahmen zur dauerhaften Stabilisierung der Diktatur. Im April 1924 führte Primo de Rivera auch das erst kurz zuvor abgeschaffte Amt des Zivilgouverneurs wieder ein.

Bei den Stabilisierungsversuchen rekurrierte die Diktatur immer wieder auf regenerationistische Prinzipien, die von oben durchgesetzt werden sollten. Beispielhaft für dieses Bestreben war die Einführung korporativer Elemente in politische Organe. Ein neues Gemeindestatut sollte das Kazikentum an seiner Basis treffen und die politische Beteiligung der Bürger sicherstellen. Die neuen Gemeindekörperschaften sollten zu zwei Dritteln auf der Grundlage des allgemeinen Wahlrechts und zu einem weiteren Drittel als korporative Vertretung gewählt werden. Wahlen dieser Art haben zwar nie stattgefunden, aber das Gemeindestatut ließ den regenerationistischen Ansatz erkennen. Des Weiteren wurden im Frühjahr 1924 spezialisierte Beiräte mit korporativen Interessenvertretungen als Beratungsgremien der Regierung eingesetzt (Wirtschaftsrat, Rat der Arbeit).

1924 wurde auch die Patriotische Union (Unión Patriótica) als Sammelbecken für die regimetragenden Kräfte und als Rekrutierungsfeld für neues politisches Personal gegründet. Die Patriotische Union sollte Ausgangspunkt für den Aufbau einer breiten zivilen Machtbasis werden. Die Konzeption der Unión Patriótica als Sammelbecken für eine möglichst breite Unterstützung für das Regime schlug sich in einer diffusen Ideologie nieder, die sich aus einer Mischung von regenerationistischen Vorstellungen, christlicher Moral und konservativen Werten (Einheit des Vaterlandes, Eigentum, Autorität) zusammensetzte.

Die Grundlage für die Durchsetzung der öffentlichen Ordnung bildete das Kriegsrecht, das bis Mai 1925 in Kraft blieb und den staatlichen Gewalten einen großen Spielraum bei der Verfolgung ihrer Gegner einräumte. Die Zensur der Presse, Hausdurchsuchungen, willkürliche Verhaftungen, die Deportation von Gefangenen, Ortsverbote für verdächtige oder unerwünschte Personen und die Schließung von Vereinslokalen waren die Mittel der Diktatur.[2]

Die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung erfolgte über die Militarisierung des Staatsapparates. Bis Mai 1925 wurde der Kriegszustand aufrechterhalten. Die gesamte Staatsverwaltung wurde in die Hände von Militärdelegierten gelegt. Vorerst wurde ein einziges Ministerium eingerichtet: das Innenministerium, das der berüchtigte General Severiano Martínez Anido leitete. Dieser konzentrierte sich sofort auf die Verfolgung von «Kommunisten» und «Bolschewisten», unter denen unterschiedslos linke Oppositionelle verstanden wurden. Die Presse der Kommunistischen Partei wurde verboten, ihre Parteilokale wurden geschlossen. Im Frühjahr 1924 erlitt die anarchosyndikalistische Gewerkschaft CNT das gleiche Schicksal.

Ab Anfang 1924 nahm sich das Militärdirektorium unter Miguel Primo de Rivera der vier Hauptprobleme des Landes an: des Marokkokriegs, der sozialen Gewalt, der Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung, des Terrorismus (vor allem in Barcelona). Am schnellsten gelang es der Militärregierung, die Sozialkonflikte einer Lösung näher zu bringen. Hatte es 1922 noch 429 Streiks gegeben, so war deren Zahl 1924 schon auf 155 gesunken - und das, obwohl die Herabsetzung der Löhne und die Erhöhung der Steuern vorerst eine Verschlechterung der Einkommenssituation der breiten Masse der Bevölkerung zur Folge hatten. Danach waren aber auch Ansätze einer Sozialpolitik zu erkennen, etwa Förderung des sozialen Wohnungsbaus, Reduktion der Preise von Grundnahrungsmitteln, Mutterschaftsschutzbestimmungen, Unterstützung kinderreicher Familien, Einführung einer Arbeitsunfallversicherung. Schon im Februar 1924 wurde das erste bedeutende Sozialgesetz erlassen. Es sah die Einführung bezahlten Urlaubs und eines Familienzuschlags auf den Grundlohn vor; Tarifverträge sollten ausgehandelt werden. Die Arbeitgeber sprachen sich heftig gegen diese Regelungen aus, blieben jedoch der gemeinsamen Front von Arbeiterund Regierungsvertretern gegenüber machtlos. Kennzeichnend für die sozialreformerische Grundhaltung von Primo de Rivera waren auch umfangreiche Sozialsiedlungsprojekte (Casas Baratas), durch die endemische Übel von Großstädten wie Pocken oder Typhus verringert werden sollten. Die hochfahrenden Pläne wurden aber bald wieder fallengelassen. Mangel an Investitionskapital, bürokratische Hindernisse und viel Misstrauen bewirkten schließlich, dass nur einige wenige Projekte wie die «Gartenstadt Alfons XIII.» realisiert werden konnten.

Ab 1924 setzte die Repression des Diktators gegen die Intellektuellen ein, die sich nach vorsichtigem Abwarten schon im ersten Jahr der Diktatur überwiegend von dieser abwandten. Bereits 1924 wurde das Ateneo geschlossen, der letzte Ort freier Rede für die Intellektuellen. Ramón del Valle-Inclán wurde inhaftiert, Miguel de Unamuno exiliert; Américo Castro appellierte an die Studenten, «über die Zukunft des Landes» nachzudenken, Manuel Azaña wurde immer mehr zu einem «politischen» Schriftsteller. Fernando de los Ríos wurde 1926 inhaftiert, im selben Jahr Luis Jiménez de Asúa auf die Chafarinas-Inseln verbannt.

Eines der unter Intellektuellen viel diskutierten Themen war die Rolle der aktiven Minderheiten inmitten eines «passiven» Volkes. Ortega y Gasset beteiligte sich an führender Stelle an dieser Debatte. Ihm ging es um die Herausbildung einer Führungselite, die das Funktionieren des Staates rationalisieren sollte. Mit dem Restaurationsstaat konnten und wollten die Intellektuellen keine gemeinsame Sache mehr machen; spätestens Mitte der zwanziger Jahre war der Bruch vollzogen. 1924 schon hatten 160 von ihnen einen öffentlichen «Brief an den Diktator» geschrieben und sich von seiner Politik distanziert, 1925 wurde die Partei Acción Republicana gegründet. Ihre oppositionellen Texte veröffentlichten sie zumeist in ausländischen Tageszeitungen - La Nación und La Prensa aus Buenos Aires spielten eine herausragende Rolle. Viele Intellektuelle scharten sich um Unamuno. Ihr Ziel war eine «nationale Reorganisation». Darunter verstanden sie die Republik, und diese wiederum wurde mit Modernisierung und Demokratisierung gleichgesetzt.

Die Publikationen der Intellektuellen in jenen Jahren ließen erkennen, wie sich die einen allmählich dem Autoritarismus, die meisten jedoch einem immer radikaleren, republikanischen Liberalismus zuwandten. Schon die Titel ihrer Schriften sind aussagekräftig: España en crisis («Spanien in der Krise», 1923) von Adolfo Posada; La tragedia del Estado español («Die Tragödie des spanischen Staates», 1925) von Alvaro de Albornoz; Qué es España? («Was ist Spanien?», 1925) von Marcelino Domingo; El sentido humanista del socialismo («Der humanistische Sinn des Sozialismus», 1927) von Fernando de los Ríos; El ocaso de un régimen («Der Untergang eines Regimes», 1930) von Luis Araquistáin und viele andere mehr. Allmählich kristallisierte sich aus diesen Schriften eine neue Staatstheorie heraus. Im neuen Gemeinwesen sollte auf den Monarchen verzichtet, eine vierte «moderierende» Gewalt eingeführt und die Fiktion der «aufgeteilten» Souveränität preisgegeben werden. Aus seinem Pariser Exil griff 1924 Vicente Blasco Ibáñez «die militaristische Tyrannei» in Spanien an und pries die Vorzüge einer Republik. Ende des Jahrzehnts gipfelte diese antimonarchische Stimmung unter den Intellektuellen in dem Aufruf Ortega y Gassets Delenda est monarchia.

Viele Liberale beriefen sich auf die Freiheitstraditionen des 19. Jahrhunderts und forderten ein parlamentarisches System wie das der Cortes von Cádiz (1810-1812). Die Unterstützung der Diktatur Primo de Riveras durch den König führte bei Miguel de Unamuno und anderen zu der Überzeugung:...

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