Die 101 wichtigsten Fragen - Judentum

 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 4. September 2015
  • |
  • 155 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-406-62320-2 (ISBN)
 
Dieses Buch vermittelt grundlegende Einblicke in den jüdischen Glauben. Im Mittelpunkt stehen die religiösen Ideen, die Glaubenspraxis und die Frage nach jüdischer Identität. Dabei kommen unterschiedliche Auslegungen und Strömungen zur Sprache, die die große Vielfalt der jüdischen Religion bis heute ausmachen. Zur Sprache kommen aber auch säkulare Formen jüdischen Lebens. Insgesamt bieten die Fragen und Antworten, die nach Themen wie «Gesetz und Ethik», «Symbole und Zeichen», «Gebet und Gottesdienst» oder «Israel und Diaspora» angeordnet sind, eine umfassende und kurzweilige Einführung in die jüdische Religion.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
mit 11 Abbildungen
  • 3,32 MB
978-3-406-62320-2 (9783406623202)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Andreas Brämer, geb. 1964, ist stellvertretender Direktor des Hamburger Instituts für die Geschichte der deutschen Juden.
1 - Cover [Seite 1]
2 - Titel [Seite 3]
3 - Widmung [Seite 4]
4 - Impressum [Seite 4]
5 - Inhalt [Seite 5]
6 - Zur Einleitung [Seite 11]
6.1 - 1. Was ist das Judentum? [Seite 11]
6.2 - 2. Wer ist Jüdin oder Jude? [Seite 12]
6.3 - 3. Kann man Jude werden? [Seite 13]
6.4 - 4. Gibt es Konfessionen im Judentum? [Seite 14]
7 - Bibel und jüdische Literatur [Seite 17]
7.1 - 5. Welche Texte enthält die jüdische Bibel? [Seite 17]
7.2 - 6. Darf die Hebräische Bibel übersetzt werden? [Seite 19]
7.3 - 7. Wer erklärt den Juden die Bibel? [Seite 20]
7.4 - 8. Was steht in der Mischna? [Seite 22]
7.5 - 9. Warum gibt es den Talmud gleich zweimal? [Seite 24]
7.6 - 10. Welche Kost bietet der «Gedeckte Tisch»? [Seite 26]
7.7 - 11. Welche Rolle spielt die Kabbala im jüdischen Denken? [Seite 27]
7.8 - 12. Was ist jüdische Philosophie? [Seite 29]
8 - Glaube und Gott [Seite 31]
8.1 - 13. Woran glauben Juden? [Seite 31]
8.2 - 14. Sind die Juden das auserwählte Volk? [Seite 32]
8.3 - 15. Welches Bild machen sich Juden von Gott? [Seite 34]
8.4 - 16. Hat Gott einen Namen? [Seite 35]
8.5 - 17. Wann wird der Messias kommen? [Seite 37]
8.6 - 18. Ist die menschliche Seele unsterblich? [Seite 38]
8.7 - 19. Ist der Himmel bevölkert? [Seite 39]
8.8 - 20. Israel, ein Volk von Heiligen? [Seite 41]
8.9 - 21. Glauben Juden an Jesus? [Seite 42]
9 - Gesetz und Ethik [Seite 44]
9.1 - 22. An welchen Leitlinien orientiert sich jüdische Ethik? [Seite 44]
9.2 - 23. Wie viele Ge- und Verbote kennt das Judentum und muss man sie alle einhalten? [Seite 45]
9.3 - 24. Welche Bedeutung hat das Studium der Tora? [Seite 47]
9.4 - 25. Warum essen die meisten Juden kein Schweinefleisch? [Seite 48]
9.5 - 26. Ist das Schächten Tierquälerei? [Seite 49]
9.6 - 27. Warum sind Cheeseburger nicht koscher? [Seite 51]
9.7 - 28. Hat der Arme ein Recht auf Unterstützung? [Seite 52]
9.8 - 29. Was ist koscherer Sex? [Seite 53]
9.9 - 30. Wann beginnt menschliches Leben und wann hört es auf? [Seite 54]
9.10 - 31. Wie wichtig sind Tier- und Umweltschutz? [Seite 55]
9.11 - 32. Gibt es ein Bilderverbot? [Seite 56]
10 - Symbole und Zeichen [Seite 58]
10.1 - 33. Ist die Sieben eine besondere Zahl? [Seite 58]
10.2 - 34. Hat König David den Davidstern erfunden? [Seite 59]
10.3 - 35. Wie viele Arme hat der jüdische Leuchter? [Seite 60]
10.4 - 36. Warum hängen kleine Behälter in den Türrahmen jüdischer Haushalte? [Seite 61]
10.5 - 37. Was bedeuten die Lederriemen beim Morgengebet? [Seite 62]
10.6 - 38. Sind Bart und Schläfenlocken Ausdruck besonderer Frömmigkeit? [Seite 63]
10.7 - 39. Müssen Juden ihren Kopf bedecken? [Seite 64]
10.8 - 40. Warum tragen Orthodoxe keine Mischgewebe? [Seite 65]
10.9 - 41. Was bedeuten die rituellen Fransen an der Kleidung? [Seite 66]
10.10 - 42. Gibt es eine spezifisch jüdische Kleidung? [Seite 67]
11 - Gebet und Gottesdienst [Seite 69]
11.1 - 43. Wie häufig kommen Juden zum Gebet zusammen? [Seite 69]
11.2 - 44. Wann wird in der Synagoge aus der Bibel gelesen? [Seite 70]
11.3 - 45. Zu welchen Gelegenheiten werden Segenssprüche gesprochen? [Seite 72]
11.4 - 46. Welches sind die wichtigsten Gebete? [Seite 73]
11.5 - 47. Ist das Kaddisch ein Totengebet? [Seite 74]
11.6 - 48. Sehen alle jüdischen Gebetbücher gleich aus? [Seite 75]
11.7 - 49. Priester oder Kantor - wer leitet den Gottesdienst? [Seite 76]
11.8 - 50. Ist der Rabbiner ein Geistlicher? [Seite 77]
11.9 - 51. Wie sieht eine Synagoge aus? [Seite 78]
11.10 - 52. Warum werden auf den Friedhöfen Torarollen begraben? [Seite 80]
12 - Schabbat und Festkultur [Seite 81]
12.1 - 53. Was unterscheidet den Schabbat von den übrigen Tagen der Woche? [Seite 81]
12.2 - 54. Wieso dürfen Juden am Schabbat nicht mit dem Auto fahren? [Seite 83]
12.3 - 55. Wann beginnt das jüdische Jahr? [Seite 85]
12.4 - 56. Weshalb gibt es an Jom Kippur nichts zu essen? [Seite 86]
12.5 - 57. Wieso bauen Juden zu Sukkot Laubhütten? [Seite 88]
12.6 - 58. Welches Wunder geschah an Chanukka? [Seite 90]
12.7 - 59. Warum berauschen sich Juden zu Purim? [Seite 91]
12.8 - 60. Warum sollen vor dem Pessachfest keine Getreideprodukte im Haus sein? [Seite 92]
12.9 - 61. Wie lange dauert das Wochenfest? [Seite 95]
12.10 - 62. Was geschah einst am Neunten des Monats Av? [Seite 97]
12.11 - 63. Wann feiert Israel seine Unabhängigkeit? [Seite 98]
12.12 - 64. In welchem Jahr der jüdischen Zeitrechnung befinden wir uns? [Seite 99]
13 - Lebenszyklus und Geschlecht [Seite 100]
13.1 - 65. Ist die Beschneidung eine gesundheitliche Maßnahme? [Seite 100]
13.2 - 66. Wie wird die Geburt einer Tochter gefeiert? [Seite 101]
13.3 - 67. Warum lösen Eltern ihren erstgeborenen Sohn aus? [Seite 102]
13.4 - 68. Werden Bar-Mizwa-Feiern auch für Mädchen veranstaltet? [Seite 103]
13.5 - 69. Haben Frauen und Männer gleiche Rechte? [Seite 104]
13.6 - 70. Kann eine Frau Rabbinerin werden? [Seite 105]
13.7 - 71. Welche religiösen Satzungen gelten (nur) für Frauen? [Seite 106]
13.8 - 72. Ist die Mikwe eine Frauenbadeanstalt? [Seite 107]
13.9 - 73. Ist die Ehe eine Pflicht? [Seite 109]
13.10 - 74. Warum händigt der Mann seiner Braut einen Ehevertrag aus? [Seite 110]
13.11 - 75. Werden bei der Trauung Ringe ausgetauscht? [Seite 111]
13.12 - 76. Können Juden sich scheiden lassen? [Seite 113]
13.13 - 77. Sind konfessionell gemischte Ehen erlaubt? [Seite 115]
13.14 - 78. Darf ein jüdischer Mann mehrere Frauen heiraten? [Seite 117]
13.15 - 79. Was ist ein Mamser? [Seite 117]
13.16 - 80. Warum bekommen Kranke zuweilen einen neuen Namen? [Seite 118]
13.17 - 81. Nach welchen Regeln werden die Toten beigesetzt? [Seite 120]
13.18 - 82. Darf man Gräber irgendwann auflösen? [Seite 122]
13.19 - 83. Warum sind Trauernde häufig unrasiert? [Seite 124]
13.20 - 84. Wann zieht eine Witwe dem Bruder ihres verstorbenen Mannes den Schuh aus? [Seite 126]
14 - Einheit und Vielfalt [Seite 128]
14.1 - 85. Gelten die Samaritaner als Juden? [Seite 128]
14.2 - 86. Wer waren die Pharisäer? [Seite 128]
14.3 - 87. Wann entstand die Gemeinschaft der Karäer? [Seite 129]
14.4 - 88. Wo liegt Aschkenas, wo liegt Sefarad? [Seite 130]
14.5 - 89. Wie progressiv ist der Chassidismus? [Seite 131]
15 - Israel und Diaspora [Seite 133]
15.1 - 90. Was ist Antisemitismus? [Seite 133]
15.2 - 91. Sprechen alle Juden Hebräisch? [Seite 134]
15.3 - 92. Sehnen sich alle Juden nach Jerusalem? [Seite 136]
15.4 - 93. Wie deuten Juden das Leben in der Diaspora? [Seite 137]
15.5 - 94. Ist der Zionismus eine religiöse Bewegung? [Seite 138]
15.6 - 95. Ist Israel ein jüdischer Staat? [Seite 140]
15.7 - 96. Wie viele Juden leben in Israel und der Diaspora? [Seite 141]
15.8 - 97. Leben Juden in Deutschland auf gepackten Koffern? [Seite 142]
15.9 - 98. Ist Klesmer die traditionelle Volksmusik der deutschen Juden? [Seite 144]
15.10 - 99. Welche Organisationen vertreten die Interessen der Juden in Deutschland? [Seite 145]
16 - Zum Schluss [Seite 148]
16.1 - 100. Kann man an deutschen Universitäten jüdische Religion und Geschichte studieren? [Seite 148]
16.2 - 101. Und wenn ich mehr über Juden und Judentum erfahren will? [Seite 149]
17 - Glossar [Seite 153]
18 - Zu den Abbildungen [Seite 155]

Zur Einleitung


1. Was ist das Judentum?    An einer Definition des Begriffs «Judentum» haben sich bereits zahlreiche Autoren der philosophischen, theologischen, religionswissenschaftlichen und historischen Zunft versucht. Das simple Kriterium, dass es sich bei Jüdinnen und Juden um Bekenner und Praktizierende einer Religion handele, die man Judentum nennt, ist in mehrfacher Hinsicht ungenau: Vor allem in der Neuzeit kehren viele jüdische Menschen dem jüdischen Glauben den Rücken, ohne deshalb jedoch ihre jüdische Identität zu verleugnen. Und jene, die an einem religiösen Bekenntnis zum Judentum festhalten, werden in der Regel ihr Judesein nicht von ihrer Frömmigkeit abhängig machen wollen, sondern sie eher als dessen Ausdruck begreifen. Im Übrigen präsentiert sich selbst das religiöse Judentum höchst uneinheitlich. Schließlich bleibt bei einer Zuordnung aufgrund von Glaubenskriterien unklar, ob etwa Gruppierungen, die der Häresie bezichtigt werden, oder messianische Juden (s. Frage 21) noch innerhalb des Judentums stehen.

Das alternative Selbstverständnis vieler Juden als Angehörige einer Abstammungsgemeinschaft wirft zugleich zahlreiche neue Fragen auf. Aus der Vorstellung der Kontinuität von unzähligen Generationen, der Zugehörigkeit zu einem «Stamm», wurden und werden Verpflichtungen gegenseitiger Solidarität abgeleitet. Allerdings sind Außenheiraten und Glaubensübertritte zum Judentum eine Wirklichkeit, die bereits in der Hebräischen Bibel zur Sprache kommt und sich in der gesamten jüdischen Geschichte bis heute fortsetzt. Die These von der vermeintlichen gemeinsamen Herkunft der Juden hat zudem in den letzten 150 Jahren allzu häufig dazu gedient, hierarchisierende Rassediskurse zu begründen und Juden als «die Anderen» auszugrenzen. - Auf der Suche nach einer weltlichen Definition jüdischer Identität hat sich auch der Begriff der «Nation» als geschichtsmächtig erwiesen. Vor allem im Zionismus hat die Vorstellung von der realen Einheit aller Juden großen Zuspruch gefunden. Doch «Nation» ist eben keine überzeitliche, ontologische Kategorie, sondern konstituiert im Grunde eine vorgestellte Gemeinschaft. Selbst ein Ethnizitätskonzept, das den sozialen Konstruktionscharakter von Ethnien als Wir-Gruppen bestätigt, vermittelt den Eindruck einer Geschlossenheit aufgrund von bestimmbaren Kriterien, die aber weder der kulturellen und geographischen Vielfalt jüdischer Lebenswelten gerecht wird noch die Heterogenität jüdischer Selbstzuschreibungen berücksichtigt.

Dass das Judentum in unzähligen Variationen existiert und eine widerspruchsfreie Klassifizierung nach konventionellen Kategorien scheitert, darf uns allerdings nicht dazu verleiten, ganz auf den Versuch einer Definition zu verzichten, weil andernfalls auch «die Juden» als kollektives Subjekt abhanden kommen. Es mag helfen, Judentum als Konstellation von Elementen aus Glaube, Ritual, Tradition, Kultur, Abstammung, Geschichte und kollektivem Zusammenhalt zu verstehen - eine variable Zusammensetzung von möglichen Attributen, die sich in unterschiedlichen Ausprägungen auf einen als jüdisch verstandenen Sinnzusammenhang beziehen, sich aber niemals alle gleichzeitig in ihrer vollen Bandbreite manifestieren. Solche definitorischen Unschärfen ermöglichen es sehr wohl, die Juden als eine fassbare Einheit in den Blick zu nehmen.

2. Wer ist Jüdin oder Jude?    Die Bezeichnungen «Judäer» und «Jude» gehen beide auf das hebräische Wort Jehudi zurück. Bei den Judäern handelte es sich ursprünglich um Angehörige des Stammes Juda bzw. um die Bewohner des Königreichs Judäa im Süden von Palästina. Erst nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil wurde «Jehudi» zur Bezeichnung eines Angehörigen des jüdischen Volkes benutzt. Seit dem Mittelalter findet der Begriff «Jude» vor allem Verwendung, um die Bekenner der jüdischen Religion zu bezeichnen. Vermied man im 19. und frühen 20. Jahrhundert diesen Ausdruck als herabsetzend, hat er mittlerweile seinen negativen Klang verloren und sich allgemein durchgesetzt. Traditionell verwenden Juden selbst häufig den ursprünglichen Volksnamen «Israel», um die eigene religiöse Gemeinschaft zu benennen.

Abhängig vom Standpunkt des Betrachters lassen sich die religiösen Zugehörigkeitskriterien unterschiedlich auslegen. Das rabbinische Religionsgesetz definiert das Judesein zunächst nach dem objektiven Gesichtspunkt der Abstammung. Jude ist demnach, wer eine jüdische Mutter hat (Mischna Kidduschin 3,12). Nicht zuletzt unter dem Eindruck der steigenden Zahl gemischtkonfessioneller Ehen haben die progressiven Strömungen des amerikanischen Judentums diese traditionelle Position inzwischen hinter sich gelassen, indem sie auch die Herkunft des Vaters als ausreichende Bedingung der Zugehörigkeit zum Judentum anerkennen, vorausgesetzt, dass das Kind eine jüdische Erziehung erhält. Sowohl das konservative als auch das gesetzestreue Judentum (s. Frage 4) betrachten aber weiterhin die matrilineare Herkunft als entscheidenden Gesichtspunkt jüdischer Identität. Eine Einigung in dieser Auseinandersetzung ist nicht in Sicht.

Bleibt die Frage, ob eine Person, die als Jude geboren wurde, jedoch einen anderen Glauben angenommen hat, weiterhin Mitglied der Erwählungsgemeinschaft bleibt. Das jüdische Recht enthält Hinweise, denen zufolge auch «Abtrünnige» nicht aus der kollektiven Verpflichtung zur Bundesgefolgschaft entlassen sind; sie gelten demnach weiterhin als Juden und können jederzeit den Weg der Umkehr und Buße beschreiten.

3. Kann man Jude werden?    Nicht durch Geburt allein heißt ein Buch, das sich mit dem Thema Konversion zum jüdischen Glauben befasst. Übertritte zum Judentum sind prinzipiell möglich und in der Tat hat die jüdische Religion immer wieder eine Faszination auf Angehörige anderer Bekenntnisse ausgeübt. Sowohl die geglaubte als auch die erlebte jüdische Geschichte kennt zahlreiche Beispiele für die Konversion von einzelnen Personen oder ganzen Gruppen. Eine besondere Stellung im kulturellen Gedächtnis der Juden nehmen die Chasaren ein, ein Turkvolk, dessen Oberschicht vermutlich im 8. Jahrhundert nahezu geschlossen die jüdische Religion annahm. Dennoch kennt das Judentum, anders als das Christentum und der Islam, keine systematische Mission, da sich die Gültigkeit und Verpflichtung des sinaitischen Bundes auf die Nachkommen der Israeliten beschränkt. Auch die Jahrhunderte währende Diasporasituation der Juden als diskriminierte und sozial ausgegrenzte Minderheit erklärt deren Zurückhaltung, offensiv für den jüdischen Glauben zu werben. Erst das Reformjudentum hat wieder zu einer offeneren Haltung gefunden, indem es grundsätzlich positiv auf den Konversionswunsch von Nichtjüdinnen und Nichtjuden reagiert.

In keinem Fall genügt jedoch die bloße Absichtserklärung einer Person, dass sie den Glaubenswechsel vollziehen möchte. Die jüdische Tradition knüpft den Übertritt (Gijur) an zahlreiche Bedingungen und regelt das Verfahren tendenziell restriktiv: Ein Kandidat ist zunächst auf die Unterstützung eines autorisierten Rabbiners angewiesen, der sich von der Lauterkeit seiner Motive überzeugt und ihm beim vorbereitenden religiösen Studium zur Seite steht. Der eigentliche Übertritt erfolgt vor einem aus drei Personen bestehenden Religionsgericht (Bet Din). Ein Besuch des rituellen Tauchbads, der Mikwe (s. Frage 72), geht der Aufnahmezeremonie voraus. Männer müssen sich außerdem einer Beschneidung der Vorhaut (s. Frage 65) unterzogen haben. Ein Proselyt verpflichtet sich nicht nur zur Erfüllung der religiösen Ge- und Verbote, sondern er erwirbt bis auf wenige Ausnahmen auch alle Rechte geborener Juden. Allerdings ist die jüdische Gemeinschaft von einem Konsens in der Konversionsfrage weit entfernt, da das orthodoxe Judentum Konvertiten, die bei einem konservativen oder progressiven Rabbiner übergetreten sind, die Anerkennung verweigert.

4. Gibt es Konfessionen im Judentum?    Bereits die traditionelle jüdische Gesellschaft vor der Aufklärung hat sich entgegen landläufigen Vorstellungen in Fragen der religiösen Weltdeutung nie völlig einheitlich präsentiert. Unterschiedliche Auslegungen des jüdischen Rechts bei sefardischen und aschkenasischen Gelehrten (s. Frage 88), Auseinandersetzungen über den Stellenwert kabbalistischer und philosophischer Reflexionen, der Streit über den Pseudomessias Sabbatai Zwi (gest. 1676) oder die Konflikte zwischen den Chassidim und ihren intellektualistischen Gegnern, den Mitnagdim (s. Frage 89), bezeichnen wichtige Episoden der jüdischen Religionsgeschichte.

Die unterschiedlichen Strömungen des modernen Judentums entfalteten sich jedoch erst seit dem 19. Jahrhundert, als sich die Juden Mitteleuropas auf ihrem Weg aus dem Ghetto in die bürgerliche Gesellschaft mit den Herausforderungen der Moderne konfrontiert sahen. Bereits um 1850 setzte sich das religiöse Spektrum aus den verschiedensten...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Dateiformat: PDF
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie zum Lesen die kostenlose Software Adobe Reader, Adobe Digital Editions oder einen anderen PDF-Viewer Ihrer Wahl (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie die kostenlose App Adobe Digital Editions oder eine andere Lese-App für E-Books (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nur bedingt: Kindle)

Das Dateiformat PDF zeigt auf jeder Hardware eine Buchseite stets identisch an. Daher ist eine PDF auch für ein komplexes Layout geeignet, wie es bei Lehr- und Fachbüchern verwendet wird (Bilder, Tabellen, Spalten, Fußnoten). Bei kleinen Displays von E-Readern oder Smartphones sind PDF leider eher nervig, weil zu viel Scrollen notwendig ist. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

8,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
PDF mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
Hinweis: Die Auswahl des von Ihnen gewünschten Dateiformats und des Kopierschutzes erfolgt erst im System des E-Book Anbieters
E-Book bestellen