Die Entführung des Generals

 
 
Dörlemann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. März 2015
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-908778-67-7 (ISBN)
 
In einem Husarenstreich entführt eine Einheit unter Patrick Leigh Fermor 1944 den deutschen Generalmajor Kreipe im besetzten Kreta. Mit dieser Entführung soll die Moral der feindlichen Truppen unterminiert werden. Es gelingt Fermor, Kreipe über das Idagebirge auf die andere Seite der Insel zu verschleppen, wo sie von einem britischen Boot aufgenommen und nach Kairo gebracht werden. Packend erzählt Patrick Leigh Fermor von der abenteuerlichen Entführung des Generalmajors. Immer wieder können Fermor und seine Männer mithilfe der griechischen Partisanen und vor allem dank der unerschöpflichen Gastfreundschaft den deutschen Verfolgern entkommen.



Fermor äußerte sich zu Lebzeiten nie ausführlich zu den Ereignissen auf Kreta, und so erstaunt es umso mehr, dass sich in seinem Nachlass dieses Manuskript fand, in dem er spannungsreich die Entführung auf seine eigene unnachahmliche Weise beschreibt.
  • Deutsch
  • Zürich
  • |
  • Schweiz
  • 4,40 MB
978-3-908778-67-7 (9783908778677)
3908778670 (3908778670)
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PATRICK LEIGH FERMOR wurde 1932 der Schule in Canterbury verwiesen, weil er sich »in ein Mädchen beim Gemüsehändler verguckte «. Während der Aufnahmeprüfung in die Armee hatte er die fabelhafte Idee, nach Konstantinopel zu wandern ... Drei Jahre lang organisierte er als britischer Agent auf Kreta den Widerstand, konnte 1944 den deutschen General Kreipe gefangen nehmen und wurde ein Held. Fermor reiste in die Karibik, wo der Reisebericht »Der Baum des Reisenden« und »Die Violinen von Saint-Jacques«, sein einziger Roman, entstanden. Patrick Leigh Fermor zählt zu den bedeutendsten englischsprachigen Reiseschriftstellern. Er verstarb am 10. Juni 2011 in Worcestershire, England.



MANFRED ALLIÉ, geboren 1955 in Marburg, übertrug u.a. Richard Powers, Yann Martel, Anthony McCarten, Scott Bradfield, Sting und Patrick Leigh Fermor ins Deutsche. Für Fermors »Die Zeit der Gaben« erhielt er 2006 den Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis. Zusammen mit seiner Frau



GABRIELE KEMPF ALLIÉ, 1954 in Mainz geboren, übersetzte er Fermors »Zwischen Wäldern und Wassern« sowie »Der Baum des Reisenden«, »Mani« und »Rumeli«.

Vorwort


Knossos, die größte antike Stätte auf der Mittelmeerinsel Kreta, gilt als Palast des mythischen Königs Minos. Hier befand sich der Sage nach auch das Labyrinth, der Irrgarten, in dem der Minotauros gefangen war. Dieses Geschöpf - halb Mann, halb Stier -, das regelmäßig eine große Anzahl junger Athener als Tribute verschlungen hatte, wurde vom griechischen Helden Theseus mit Hilfe der Ariadne, der Tochter des Minos, getötet; um den Weg für die Rückkehr zu finden, bekam Theseus von Ariadne den lebensrettenden Faden, den er beim Abstieg abrollte und der ihn nach getaner Tat wieder ins Freie führte. Heute steht einen Steinwurf vom Palast entfernt ein in den Anfangstagen des zwanzigsten Jahrhunderts von Sir Arthur Evans, dem britischen Archäologen, der als erster hier Ausgrabungen vornahm, erbautes Haus aus hellem Backstein. Dieses friedliche, heitere, von Bäumen und Buschwerk beschattete Haus war seinerzeit Evans' Wohnhaus. Bis heute heißt es Villa Ariadne.

Im Frühjahr 1944, auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs, war Evans längst wieder fort, Kreta war von den Deutschen besetzt und die Villa Ariadne als Residenz für den Divisionskommandeur requiriert. Der damals achtundvierzigjährige Generalmajor Heinrich Kreipe, Sohn eines Pastors, diente als Berufssoldat schon seit 1914 in der deutschen Armee. Im Ersten Weltkrieg hatte er an der Westfront und gegen die Russen gekämpft, war verwundet und zweimal mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Zwischen den Kriegen war er zum Oberstleutnant aufgestiegen. 1940 hatte er in Frankreich das Infanterieregiment 209 kommandiert. Im folgenden Jahr hatte er seine Männer bis kurz vor Leningrad geführt und war dafür mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet worden, in Nazideutschland der höchste Verdienstorden für Tapferkeit im Felde und als Kommandant. Die Beförderung zum General und sein erstes Kommando über eine Infanteriedivision - die 79. - waren 1943 gefolgt.

Kreipe war Anfang 1944 nach Kreta geschickt worden, wo er das Kommando über die 22. Luftlande-Infanteriedivision der Wehrmacht übernahm. Er war erst wenige Wochen auf der Insel, als er spät eines Aprilabends sein Hauptquartier in dem Bergdorf Archanes verließ und sich, allein mit dem Fahrer, auf die kurze Rückfahrt nach Knossos zur Villa Ariadne machte. Nach ein paar Minuten Fahrt tauchten an einer einsamen Straßenkreuzung vor ihnen plötzlich rote Lichter auf - für Kreipes Fahrer das Zeichen zu halten. Im Licht der Scheinwerfer erschienen zwei Gestalten in deutscher Uniform .

Was als nächstes geschah - das und die dramatischen Ereignisse der folgenden Tage -, wurde später, 1957, in einem Film unsterblich gemacht, Ill Met By Moonlight von Emeric Pressburger und Michael Powell. Der Film beruhte auf einem Buch mit gleich lautendem Titel von William Stanley Moss.1 »Billy« (wie seine Freunde ihn nannten) Moss war einer von zweien aus der 1944 in geheimer Mission auf Kreta operierenden Schar von Offizieren der britischen Armee, denen zusammen mit einem kleinen Trupp kretischer Partisanen die Entführung Kreipes gelang. Die Zeitschrift Time zählte, in ihrer Besprechung von Moss' packender Schilderung, dieses Unternehmen zu den »waghalsigsten« des Krieges.2

Moss, im Jahr 1944 zweiundzwanzig Jahre alt, war der jüngere der beiden britischen Offiziere. Er war Hauptmann der Coldstream Guards und noch nicht einmal vierzehn Tage zuvor auf Kreta an Land gesetzt worden. Zwar war er vom Fronteinsatz in Nordafrika gestählt, doch hatte er bis zu dem Augenblick noch nie einen Fuß in Feindesland gesetzt. Er wußte kaum etwas über Kreta und die Kreter. Er sprach kein Griechisch. Doch das Wissen und die Erfahrung von Moss' Kollegen - im Film von Dirk Bogarde gespielt - waren von ganz anderer Art.

Dieser Offizier, Major des Geheimdienstes, war zum Zeitpunkt der Entführung neunundzwanzig Jahre alt und hatte den Großteil der vorangegangenen achtzehn Monate auf der Insel verbracht, hatte Unterschlupf bei den Einheimischen gefunden, sprach ihre Sprache, hatte sich als kretischer Dorfbewohner und Schäfer verkleidet, seine Zeit mit dem Auskundschaften von Informationen verbracht, mit Sabotageakten und der Organisation des Widerstands. Genau wie Moss war er der britischen »Special Operations Executive« (SOE) unterstellt, dem Sondereinsatzkommando, einer streng geheimen Unternehmung, die verdeckt in Feindesland operierte, und war dafür bereits mit dem Orden des Britischen Empire ausgezeichnet worden. Der Name dieses jungen Offiziers lautete Patrick Leigh Fermor.

Der Text, der im Anschluß an diese Einführung abgedruckt ist, ist Fermors eigener Bericht über die Entführung des Generals Kreipe. Er wird in dieser vollständigen Form hier zum erstenmal veröffentlicht. Als er ihn schrieb, 1966/67, war Fermor längst auf dem Weg zu Schriftstellerruhm. Die Zeit der Gaben und Zwischen Wäldern und Wasser, die klassische Chronik seiner Wanderung durch das Europa der Zeit unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg, sollten zwar erst einige Jahre später erscheinen, doch 1950 hatte er das preisgekrönte Der Baum des Reisenden veröffentlicht, seinen Reisebericht aus der Karibik, und drei Jahre danach Reise in die Stille, Impressionen von Klöstern und klösterlichem Leben in England, Frankreich und der Türkei. Mani: Reisen auf der südlichen Peloponnes kam 1958 heraus, Rumeli: Reisen im Norden Griechenlands 1966. Ein Roman, Die Violinen von Saint-Jacques, erschien 1953.

Man mag es merkwürdig finden, daß ein Mann mit solchen Erlebnissen und einer so literarischen Ader nicht früher über die Entführung geschrieben hat. Aber er und Moss waren Freunde und hatten offenbar schon früh beschlossen, daß letzterer - der anders als Fermor während der Unternehmung Tagebuch geführt hatte - die Geschichte als erster erzählen sollte. Als er Anfang 1945 nach England zurückkehrte, machte sich Fermor sogar daran, für Moss einen Verlag zu suchen (eine Suche, die das Kriegsministerium aus Sicherheitsgründen unterband, als man davon erfuhr, weil viele britische Offiziere, die Moss in seinem Manuskript mit ihren echten Namen bezeichnete, immer noch im Einsatz hinter den feindlichen Linien waren).3 Man kann davon ausgehen, daß Fermor seinem Freund nicht die Schau stehlen wollte, und es dürfte kein Zufall sein, daß er mit seiner eigenen Niederschrift erst nach Moss' frühem Tod im Jahr 1965 begann.

Anlaß dafür war eine Anfrage von Barrie Pitt, dem Herausgeber von Purnell's History of the Second World War, einer Anthologie für das breite Publikum, die in Zusammenarbeit mit dem Imperial War Museum in London in wöchentlichen Lieferungen erschien. Die von dem Militärhistoriker Basil Liddell Hart betreute Serie sollte in sich abgeschlossene, verläßliche Berichte über verschiedene Aspekte des Krieges bringen, die das vorhandene Wissen über die historischen Abläufe sinnvoll bereicherten. Das Spektrum der Beiträger reichte vom Zeithistoriker bis zum Frontsoldaten. Jede Lieferung umfaßte einen Artikel.

Als Pitt im Frühjahr 1966 Fermor den Auftrag gab, vereinbarte er 5000 Wörter, abzugeben bis zum November. Fermor - kein Mann, der seinen Verlegern das Leben leicht machte - schrieb über 30000 und gab das Manuskript in mehreren Teilen ab. Der letzte erreichte Pitt mit beinahe elf Monaten Verspätung. Pitt wußte weder die Verzögerung noch die Länge zu schätzen. Er mußte mit eigenen Terminen und dem streng festgesetzten Umfang zurechtkommen und holte einen Journalisten an Bord, der den Text auf die erforderliche Länge zurechtstutzte. Folglich war die Fassung, die schließlich in Purnell's History of the Second World War erschien, dramatisch kürzer: 25000 Wörter fehlten. Ein Großteil von Stil und Kolorit war verschwunden und durch nüchterne Prosa ersetzt. In einer kurzen Vorbemerkung stellte Pitt Fermor als »höchst talentierten und charmanten Dichter« vor, merkte an, daß »der Geist von Gilbert und Sullivan im britischen Ethos nach wie vor lebendig ist«, und nannte die Geschichte mit Kreipes eigenem Ausdruck einen »Husarenstreich« auf Kreta.4 Es heißt, Fermor sei mit der Bearbeitung nicht glücklich gewesen. Möglichkeiten, sie zu verhindern, hätte er kaum gehabt.

Aber es ist wichtig, den vollständigen Text zu kennen, so wie wir ihn hier wiedergeben. Fermor hatte den Auftrag bekommen, einen Bericht über die Entführung Kreipes zu schreiben. Das war bestellt worden, und das wurde nach erfolgter Bearbeitung gedruckt. Aber was er geschrieben hatte - der Originaltext -, war weit mehr als das. Wie seine Biographin schreibt: Die Geschichte, die er in »Die Entführung des Generals« erzählt, war »weniger die Beschreibung eines Abenteuers, eher eine Beichte, ein Tribut, eine Bitte um Verständnis . vor allem aber war es ein Loblied auf Kreta und die Kreter«.5 Das kann nur verstehen, wer weiß, wie eng er den Bewohnern Kretas verbunden war; man muß die Entführung vor dem Hintergrund seiner Erlebnisse und Erfahrungen auf der Insel sehen. Wichtig ist auch, daß man die Verbindung - ob unmittelbar oder nicht - zwischen der Entführung von General Kreipe und dem barbarischen Blutbad einige Monate später sieht, bei dem Hunderte kretischer Dorfbewohner von deutschen Besatzungssoldaten umgebracht wurden.

Im Dezember 1933 war Patrick Leigh Fermor...

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