"Kapitel 14"
Ungekürztes Hörbuch: Mit alten, großen, schweren, DDR - Traum - IFA W50 - Laster an den heiligen Baikal
Ulf Hoffmann(Author)
Hoffmann, Ulf (Publisher)
1st Edition
Published on 1. May 2009
Software
DVD-ROM
978-3-00-027527-2 (ISBN)
Description
Wer an der Umsetzung seines Lebenstraumes arbeitet, kann jede Hilfe gebrauchen. Hilfe ist aber nicht selbstverständlich, zumindest nicht, wenn die Verwirklichung des Lebenstraumes mit Brüchen der von der Gesellschaft akzeptierten Verhaltensmuster einhergeht. Dann wird es schwierig. In Deutschland seinen Traum trotz allem sogar mit seinen Kindern zu verfolgen, was das bedeutet, werden Sie ahnen. Eigentlich wird jeder Planungspunkt zu einem Hindernis. Nach einem Buch, das nicht nur ein Ziel sondern auch den Weg dahin, am besten auch mit Kindern, nachvollziehbar macht, habe ich lange gesucht. Gefunden habe ich immer nur Bruchteile eines Projektes. Mein Reiseabenteuer beginnt am Anfang und endet nicht am Ende. Das Ende ergibt sich bei jeder Sache, anfangen muss man selbst. Am Anfang scheitert man aber am besten.
Dem, der die Welt in Langsamkeit und Individualität entdecken und bereisen will, soll mein Buch bei seinen Planungen helfen.
Es ist aber auch das spannende Straßenabenteuer auf der längsten Straße der Welt, das beim Lesen fesselt. Unseren Fehlern ist nach der Lektüre vielleicht aus dem Wege zu gehen. Ihre eigenen Fehler werden Sie genau so wie wir dennoch machen.
All die, die sich nicht gern an Regeln und Gesetze halten deren Sinn sich nicht logisch erschließt, wo fest steht, dass sie falsch und schädlich für den Einzelnen, für die Gesellschaft und global gesehen sind, sind hier beim richtigen Buch angekommen.
Dem, der die Welt in Langsamkeit und Individualität entdecken und bereisen will, soll mein Buch bei seinen Planungen helfen.
Es ist aber auch das spannende Straßenabenteuer auf der längsten Straße der Welt, das beim Lesen fesselt. Unseren Fehlern ist nach der Lektüre vielleicht aus dem Wege zu gehen. Ihre eigenen Fehler werden Sie genau so wie wir dennoch machen.
All die, die sich nicht gern an Regeln und Gesetze halten deren Sinn sich nicht logisch erschließt, wo fest steht, dass sie falsch und schädlich für den Einzelnen, für die Gesellschaft und global gesehen sind, sind hier beim richtigen Buch angekommen.
More details
Edition
1., Aufl.
Language
German
Target group
Children/juvenile
Adult education
Young adult
Russland, Sibirien, Baikalsee. Damit ist schon einiges gesagt. Bei diesem Buch ist der genau so richtig, der von Freiheit und großer Weite träumt, wie der, der gern um die Ecke denkt und weiter. Hilfreiche Tipps gibt es für Pauschaltouristen aber auch für den Tüftler und die Individualisten. <BR>Als Bonus ist eine Geschichte für Kinder und Eltern dabei, spannend für die Kinder und gruselig für Erwachsene.<BR>15 Stunden Hörbuch - Reise, Ideal für Trucker, Kraftfahrer und Leute mit eingeschränkter Sehfähigkeit.
Illustrations
6 Seitiges Booklet Bilder und Inhaltsverzeichnis
Dimensions
Height: 19 cm
Width: 12 cm
Weight
150 gr
ISBN-13
978-3-00-027527-2 (9783000275272)
Schweitzer Classification
Persons
Der Autor,
.ulf hoffmann,
verheiratet, zwei Kinder, lebt in Frankenberg/Sachsen, OT Sachsenburg.
Geboren 1970 in Burgstädt bei Karl-Marx- Stadt.
Geschwister: 2 Brüder, eine Schwester.
Mutter: Schwimmerin im Leistungssport, danach Reichsbahn Chemnitz, LPG-Arbeiterin, Schwimmausbilderin, nach der Wende selbstständig.
Vater: Tischler im VEB Sportgerätewerk Karl- Marx- Stadt, Bautruppleiter auf Schloss Sachsenburg, nach der Wende Bürgermeister von Sachsenburg, nach der Eingemeindung zu Frankenberg städtisch Angestellter.
Wertegang:
Sporadischer Besuch des Kindergartens Sachsenburg und Dittersbach,
1977 Einschulung in die POS -Sachsenburg. Kein Jungpionier, nicht in der FDJ. Neunte und 10. Klasse POS "Otto Grotewohl" Frankenberg. Ablehnung der vormilitärischen Waffen-Ausbildung, Ablehnung des Waffendienstes in der Nationalen Volksarmee der DDR. 1987 Lehre zum Facharbeiter für Pflanzenproduktion. 1988 Ablehnung der Anwerbung als MfS-Informant. 1991 Lehre zum Kfz-Mechaniker. 1994 Ablehnung des Waffendienstes in der Bundeswehr der BRD, Zivildienst. 1999 Umschulung zum Versicherungskaufmann. 2002 Scheinselbstständigkeit im Finanz-Struktur-Vertrieb. 2003 unabhängiger Finanzdienstleister, selbständig. Seit 2004 Arbeit an Kapitel 14, diesem Buch.
.ulf hoffmann,
verheiratet, zwei Kinder, lebt in Frankenberg/Sachsen, OT Sachsenburg.
Geboren 1970 in Burgstädt bei Karl-Marx- Stadt.
Geschwister: 2 Brüder, eine Schwester.
Mutter: Schwimmerin im Leistungssport, danach Reichsbahn Chemnitz, LPG-Arbeiterin, Schwimmausbilderin, nach der Wende selbstständig.
Vater: Tischler im VEB Sportgerätewerk Karl- Marx- Stadt, Bautruppleiter auf Schloss Sachsenburg, nach der Wende Bürgermeister von Sachsenburg, nach der Eingemeindung zu Frankenberg städtisch Angestellter.
Wertegang:
Sporadischer Besuch des Kindergartens Sachsenburg und Dittersbach,
1977 Einschulung in die POS -Sachsenburg. Kein Jungpionier, nicht in der FDJ. Neunte und 10. Klasse POS "Otto Grotewohl" Frankenberg. Ablehnung der vormilitärischen Waffen-Ausbildung, Ablehnung des Waffendienstes in der Nationalen Volksarmee der DDR. 1987 Lehre zum Facharbeiter für Pflanzenproduktion. 1988 Ablehnung der Anwerbung als MfS-Informant. 1991 Lehre zum Kfz-Mechaniker. 1994 Ablehnung des Waffendienstes in der Bundeswehr der BRD, Zivildienst. 1999 Umschulung zum Versicherungskaufmann. 2002 Scheinselbstständigkeit im Finanz-Struktur-Vertrieb. 2003 unabhängiger Finanzdienstleister, selbständig. Seit 2004 Arbeit an Kapitel 14, diesem Buch.
Content
Ein Inhaltsverzeichnis kann als PDF abgerufen werden.
Vor der Grenze zu Litauen ist Geduld gefragt, die LKW-Schlange zieht sich durch die Stadt Suwalki, ich schere aus der Reihe der Lastkraftwagen aus. Schon seit einigen Minuten hat sich kein Rad mehr gedreht. Wir fahren den großen Limousinen hinterher. 15 Kilometer vor der eigentlichen Grenze stehen die LKW, die Fahrer schauen uns fragend hinterher.
(Bild Stau, aber nur für LKW.)
Vor uns stehen nur noch 30 Pkw. Aufgeregt sucht Susanne alle Dokumente zusammen, wie wohl die Grenzer auf unser etwas größer geratenes Expeditionsgefährt reagieren? Die Abfertigung geht dermaßen rasant und manche werden nur durchgewunken, langsam zweifeln wir daran, dass dies die Grenze ist. Ist sie auch nicht, hier ist der Vorposten. Versicherung für ausländische KFZ in Litauen. Die höchste Versicherungsprämie gilt für Busse, natürlich soll diese von uns entrichtet werden. Abwechselnd schieben Susanne und ich nun den Wegelagerern die Zulassung vor die Augen. Nach 5 Minuten reicht es ihnen und wir haben eine Versicherung. So richtig schlau wird man daraus nicht aber der Preis ist nur noch ein Viertel vom erst geforderten. Die richtige Grenze ist eine gewaltige Anlage. In viele Spuren gabelt sich die Fahrbahn auf, wir fahren vorerst auf die Busspur. Es dauert nicht lange und eine Abordnung steht unten und klopft ans Fahrerhaus. "Passport i Dokumenta!" Lange blättern sie hin und her. Einer von ihnen fragt in deutsch: "Haus?" "Ja, Haus." Er strahlt uns an und ist sichtlich stolz, gelöst zu haben mit was wir hier stehen. Einige Minuten vergehen, wir werden auf eine leere Spur gewiesen und müssen alles öffnen. Fotos aller Seiten des W50 und von unten sind schon auf dem Computerbildschirm, die übrigen Daten werden erfasst. Dann geht alles sehr schnell. Nach der Grenze werden die Straßen immer breiter. Ein Schild weist uns darauf hin, dass diese Straßen mit EU-Mitteln gebaut sind. Tschüss polnische Straßen! Die Durchschnittsgeschwindigkeit erhöht sich enorm und am Abend sind wir trotz Geldwechsel und Einkauf kurz vor der lettischen Grenze. An einer Raststätte, die einem Freizeitpark ähnelt, bleiben wir. Die Auswahl an Gerichten ist groß, der halbe Liter Bier kostet 50 Cent und die rustikale Einrichtung ist ganz nach unserem Geschmack. Alle metallenen Beschläge, Haken und Lampen sehen nicht nur handgeschmiedet aus, sie sind es. Die kleine Schmiede des Wirtes ist gleich neben der Küche. Das Fleisch gart in der Freiluftschmiede auf dem ebenfalls geschmiedeten Grill, ein Räucherofen rundet die seltsame Zusammenstellung um das Schmiedefeuer ab. Nils und Erik sind nicht vom Spielplatz zu kriegen. Kahnschaukeln aus Pferdeschlitten, aus dem ganzen geschnitzte Wippen, ausgehöhlte Baumstämme als Spielhaus, umgeben von großen geschnitzten Fabelwesen. Die Machart aller Dinge ist aufeinander abgestimmt. Glattes, poliertes Holz und wenn sichtbare Verbindungen vorhanden sind, dann gefügt mit geschmiedetem Eisen. So muss etwas aufgebaut sein, um sagen zu können," es ist aus einem Guss".
(Bild Litauen Raststätte)
Vielleicht sollten deutsche Politiker vor den nächsten Reformen mal hier vorbeischauen. Die Steigenberger´s, Hilton´s, Intercontinental´s und Kempinski´s scheinen derzeit die Phantasie dieser Leute nicht gut zu beeinflussen.
An der lettischen Grenze sind weniger LKW, die Abfertigung ist schnell und nach einer Stunde rollt unser Bär aus Ludwigsfelde der Hauptstadt Riga entgegen. Auch hier sind wieder diese breiten von der Europäischen Union finanzierten Straßen, nur noch breiter. Die LKW, die uns überholen, brauchen den Gegenverkehr nicht beachten, die einzelne Fahrspur ist breit genug um beim Überholvorgang nicht auf die Gegenspur fahren zu müssen. Es sieht gefährlich aus wenn zwei LKW nebeneinander fahrend entgegenkommen und uns auch noch gleichzeitig einer überholt. Nach einigen dieser Situationen haben wir uns daran gewöhnt. Schon nach 3 Stunden sind wir kurz vor Riga. Es regnet in Strömen. Nils und Erik müssen mit Handtüchern die Wassereinbrüche am Fahrerhausdurchgang aufhalten. Es ist zu wenig zu sehen, das gemächliche Fahren mit maximal 40 km/h hinter einem Multicar älterer Bauart erfordert meine ganze Aufmerksamkeit. Riga! Das Unwetter wie weggeblasen, Sonne und lauer Wind empfangen uns zum Stadtbummel. Im Supermarkt ist das Angebot größer als erwartet, deutsche und westeuropäische Waren machen mehr als 50 Prozent des Sortimentes aus. Unseren Bedarf versuchen wir aus lettischer Produktion zu decken, machbar, bis auf die aufgemotzten Lollis für unsere beiden Jungs, die hier genau wie bei uns zu Hause in Kassennähe den Kindern bessere Chancen geben, diesen Süßkram zu erlangen.
Nachmittag. Unser W50 steht noch in der Nebenstraße gleich neben der Autowerkstatt wo ich ihn abgestellt habe. Bei dem, was man sonst so über den Osten hört, sitzt der Glaube an hohe Kriminalität noch fest. Das Auto ist da und alles ist gut. Auf der Karte ist unser Rastplatz für heute schon ausgemacht. "Die Küste, Rigaer Bucht! In ein bis zwei Stunden könnten wir das schaffen." Das letzte Etappenstück geht durch Urlauberdörfer. Die Hälfte der Urlauberhäuser steht leer, es scheint nicht viel los zu sein. In Küstennähe in Tuja ist nichts mehr von der Geschäftigkeit Rigas zu spüren. Nach Gefühl fahre ich durch den Ort. Die Straße ist noch zwei Meter breit und endet. Nur ein Feldweg führt weiter. Auf einer 400 Meter langen und 100 Meter breiten Wiese ist unser Stellplatz. Nach der Wiese kommt nur noch die Ostsee. Hier steht verloren ein kleines Häuschen mit einem Schild im Fenster, "Parken 0,5 Lats". Es ist aber niemand im Häuschen. Langsam fahre ich Richtung Ostsee, ich überblicke die Lage und fahre sofort 10 Meter zurück. Steilküste! 30 Meter senkrecht nach unten. Wann und bei wie viel Last so eine Steilküste abrutscht, will ich nicht austesten. Nils und Erik sind begeistert, sie rennen herum und finden einen steilen Steg, der zum Sandstrand führt. Zwanzig Meter breit und gespickt mit Hunderten bunt marmorierter mannshoher Granitfindlinge, eine grandiose Landschaft, die sich ohne Biegungen bis zum Horizont erstreckt. Das erste Bad und schon kommt vom Meer her die nächste Gewitterwand. "Irgendwie steht unser Auto schief!" "Vielleicht im Sand eingesunken," sagt Nils. Der Reifen hinten rechts ist platt und wird zusehends noch platter. Nun muss alles schnell gehen, der hydraulische Wagenheber ist auch schnell bei der Hand, doch auf dem sandigen Untergrund versinkt er. Keine geeignete Unterlage rings umher, es bleiben nur noch die Stufen des Stegs der runter an die Ostsee führt. Mit dem breiten Eichenbrett schabe ich Gras und Sand weg, anders passt der Wagenheber nicht mehr unters Auto. Aus dem Reifen ist schon viel mehr Luft raus. Der Wagenheber steht und das Gewitter bricht über uns herein. Erst mal Pause, im Fahrerhaus verfolgen wir das Naturschauspiel. Die Blitze über dem offenem Wasser zucken so häufig auf, es wirkt als würden sie sich fangen wollen. Das Gewitter hat eine angenehme Temperaturkorrektur bewirkt. Bei der Reifendemontage ist es nun nicht mehr so heiß, der Schweiß rinnt mir dennoch in Strömen. Ein Rad mit 1,10 Meter Durchmesser und breiter Stahlfelge hat sein Gewicht.
( Bild Tuja Reifenpanne)
Ein Auto hält neben mir. Ein Deutscher bietet an, eine Werkstatt zu informieren. Er kann nicht glauben, dass ich mit Holzkeilen, meinen zwei kleinen Montierhebeln und noch einem aus dem Fahrradwerkzeug diesen großen Reifen wechseln kann. Doch die Sprengringfelgen am W50 lassen ohne weiteres zu, mit einfachen Mitteln das Rad zu zerlegen. Wir sollen ihn besuchen kommen. Sein Wohnwagen steht am Ende des Feldwegs und dann rechter Hand neben einem Bauerngrundstück. Der neue Schlauch ist drin, der Reifen hat nur ein kleines Loch und ist weiter nutzbar. Das erste mal benutze ich die Adapter, die ich mir zu Hause angefertigt habe. Über die Druckluftbremsanlage des W50 kann ich damit die Reifen füllen. Eine Dreiviertelstunde. Keine Rekordzeit, aber den Umständen entsprechend gut. Die ersten Sprengringfelgen habe ich vor 18 Jahren als Lehrling auf der LPG montiert. Gelernt ist gelernt! Eine Schraube, M8, 14 Zentimeter lang und genau in die Reifenmitte eingefahren. Ohne bösartiges Zutun ein unmögliches Ereignis. Unser Parkplatz an der Werkstatt in Riga war scheinbar verseucht mit raffgierigen Geschäftemachern. Die Rechnung ging nur nicht auf, zu gern hätte uns die Werkstatt dort, für gutes Geld versteht sich, bei der "Reifenpanne" geholfen. Die alten Schlosser in der Werkstatt, in der ich gearbeitet habe, hatten den Spruch immer auf den Lippen" Sei vorsichtig, ich stell Dir was am Reifen an!", wenn sie einen Kraftfahrer ärgerten. "Werkstattdolos", schimpfe ich.
(Bild Stau, aber nur für LKW.)
Vor uns stehen nur noch 30 Pkw. Aufgeregt sucht Susanne alle Dokumente zusammen, wie wohl die Grenzer auf unser etwas größer geratenes Expeditionsgefährt reagieren? Die Abfertigung geht dermaßen rasant und manche werden nur durchgewunken, langsam zweifeln wir daran, dass dies die Grenze ist. Ist sie auch nicht, hier ist der Vorposten. Versicherung für ausländische KFZ in Litauen. Die höchste Versicherungsprämie gilt für Busse, natürlich soll diese von uns entrichtet werden. Abwechselnd schieben Susanne und ich nun den Wegelagerern die Zulassung vor die Augen. Nach 5 Minuten reicht es ihnen und wir haben eine Versicherung. So richtig schlau wird man daraus nicht aber der Preis ist nur noch ein Viertel vom erst geforderten. Die richtige Grenze ist eine gewaltige Anlage. In viele Spuren gabelt sich die Fahrbahn auf, wir fahren vorerst auf die Busspur. Es dauert nicht lange und eine Abordnung steht unten und klopft ans Fahrerhaus. "Passport i Dokumenta!" Lange blättern sie hin und her. Einer von ihnen fragt in deutsch: "Haus?" "Ja, Haus." Er strahlt uns an und ist sichtlich stolz, gelöst zu haben mit was wir hier stehen. Einige Minuten vergehen, wir werden auf eine leere Spur gewiesen und müssen alles öffnen. Fotos aller Seiten des W50 und von unten sind schon auf dem Computerbildschirm, die übrigen Daten werden erfasst. Dann geht alles sehr schnell. Nach der Grenze werden die Straßen immer breiter. Ein Schild weist uns darauf hin, dass diese Straßen mit EU-Mitteln gebaut sind. Tschüss polnische Straßen! Die Durchschnittsgeschwindigkeit erhöht sich enorm und am Abend sind wir trotz Geldwechsel und Einkauf kurz vor der lettischen Grenze. An einer Raststätte, die einem Freizeitpark ähnelt, bleiben wir. Die Auswahl an Gerichten ist groß, der halbe Liter Bier kostet 50 Cent und die rustikale Einrichtung ist ganz nach unserem Geschmack. Alle metallenen Beschläge, Haken und Lampen sehen nicht nur handgeschmiedet aus, sie sind es. Die kleine Schmiede des Wirtes ist gleich neben der Küche. Das Fleisch gart in der Freiluftschmiede auf dem ebenfalls geschmiedeten Grill, ein Räucherofen rundet die seltsame Zusammenstellung um das Schmiedefeuer ab. Nils und Erik sind nicht vom Spielplatz zu kriegen. Kahnschaukeln aus Pferdeschlitten, aus dem ganzen geschnitzte Wippen, ausgehöhlte Baumstämme als Spielhaus, umgeben von großen geschnitzten Fabelwesen. Die Machart aller Dinge ist aufeinander abgestimmt. Glattes, poliertes Holz und wenn sichtbare Verbindungen vorhanden sind, dann gefügt mit geschmiedetem Eisen. So muss etwas aufgebaut sein, um sagen zu können," es ist aus einem Guss".
(Bild Litauen Raststätte)
Vielleicht sollten deutsche Politiker vor den nächsten Reformen mal hier vorbeischauen. Die Steigenberger´s, Hilton´s, Intercontinental´s und Kempinski´s scheinen derzeit die Phantasie dieser Leute nicht gut zu beeinflussen.
An der lettischen Grenze sind weniger LKW, die Abfertigung ist schnell und nach einer Stunde rollt unser Bär aus Ludwigsfelde der Hauptstadt Riga entgegen. Auch hier sind wieder diese breiten von der Europäischen Union finanzierten Straßen, nur noch breiter. Die LKW, die uns überholen, brauchen den Gegenverkehr nicht beachten, die einzelne Fahrspur ist breit genug um beim Überholvorgang nicht auf die Gegenspur fahren zu müssen. Es sieht gefährlich aus wenn zwei LKW nebeneinander fahrend entgegenkommen und uns auch noch gleichzeitig einer überholt. Nach einigen dieser Situationen haben wir uns daran gewöhnt. Schon nach 3 Stunden sind wir kurz vor Riga. Es regnet in Strömen. Nils und Erik müssen mit Handtüchern die Wassereinbrüche am Fahrerhausdurchgang aufhalten. Es ist zu wenig zu sehen, das gemächliche Fahren mit maximal 40 km/h hinter einem Multicar älterer Bauart erfordert meine ganze Aufmerksamkeit. Riga! Das Unwetter wie weggeblasen, Sonne und lauer Wind empfangen uns zum Stadtbummel. Im Supermarkt ist das Angebot größer als erwartet, deutsche und westeuropäische Waren machen mehr als 50 Prozent des Sortimentes aus. Unseren Bedarf versuchen wir aus lettischer Produktion zu decken, machbar, bis auf die aufgemotzten Lollis für unsere beiden Jungs, die hier genau wie bei uns zu Hause in Kassennähe den Kindern bessere Chancen geben, diesen Süßkram zu erlangen.
Nachmittag. Unser W50 steht noch in der Nebenstraße gleich neben der Autowerkstatt wo ich ihn abgestellt habe. Bei dem, was man sonst so über den Osten hört, sitzt der Glaube an hohe Kriminalität noch fest. Das Auto ist da und alles ist gut. Auf der Karte ist unser Rastplatz für heute schon ausgemacht. "Die Küste, Rigaer Bucht! In ein bis zwei Stunden könnten wir das schaffen." Das letzte Etappenstück geht durch Urlauberdörfer. Die Hälfte der Urlauberhäuser steht leer, es scheint nicht viel los zu sein. In Küstennähe in Tuja ist nichts mehr von der Geschäftigkeit Rigas zu spüren. Nach Gefühl fahre ich durch den Ort. Die Straße ist noch zwei Meter breit und endet. Nur ein Feldweg führt weiter. Auf einer 400 Meter langen und 100 Meter breiten Wiese ist unser Stellplatz. Nach der Wiese kommt nur noch die Ostsee. Hier steht verloren ein kleines Häuschen mit einem Schild im Fenster, "Parken 0,5 Lats". Es ist aber niemand im Häuschen. Langsam fahre ich Richtung Ostsee, ich überblicke die Lage und fahre sofort 10 Meter zurück. Steilküste! 30 Meter senkrecht nach unten. Wann und bei wie viel Last so eine Steilküste abrutscht, will ich nicht austesten. Nils und Erik sind begeistert, sie rennen herum und finden einen steilen Steg, der zum Sandstrand führt. Zwanzig Meter breit und gespickt mit Hunderten bunt marmorierter mannshoher Granitfindlinge, eine grandiose Landschaft, die sich ohne Biegungen bis zum Horizont erstreckt. Das erste Bad und schon kommt vom Meer her die nächste Gewitterwand. "Irgendwie steht unser Auto schief!" "Vielleicht im Sand eingesunken," sagt Nils. Der Reifen hinten rechts ist platt und wird zusehends noch platter. Nun muss alles schnell gehen, der hydraulische Wagenheber ist auch schnell bei der Hand, doch auf dem sandigen Untergrund versinkt er. Keine geeignete Unterlage rings umher, es bleiben nur noch die Stufen des Stegs der runter an die Ostsee führt. Mit dem breiten Eichenbrett schabe ich Gras und Sand weg, anders passt der Wagenheber nicht mehr unters Auto. Aus dem Reifen ist schon viel mehr Luft raus. Der Wagenheber steht und das Gewitter bricht über uns herein. Erst mal Pause, im Fahrerhaus verfolgen wir das Naturschauspiel. Die Blitze über dem offenem Wasser zucken so häufig auf, es wirkt als würden sie sich fangen wollen. Das Gewitter hat eine angenehme Temperaturkorrektur bewirkt. Bei der Reifendemontage ist es nun nicht mehr so heiß, der Schweiß rinnt mir dennoch in Strömen. Ein Rad mit 1,10 Meter Durchmesser und breiter Stahlfelge hat sein Gewicht.
( Bild Tuja Reifenpanne)
Ein Auto hält neben mir. Ein Deutscher bietet an, eine Werkstatt zu informieren. Er kann nicht glauben, dass ich mit Holzkeilen, meinen zwei kleinen Montierhebeln und noch einem aus dem Fahrradwerkzeug diesen großen Reifen wechseln kann. Doch die Sprengringfelgen am W50 lassen ohne weiteres zu, mit einfachen Mitteln das Rad zu zerlegen. Wir sollen ihn besuchen kommen. Sein Wohnwagen steht am Ende des Feldwegs und dann rechter Hand neben einem Bauerngrundstück. Der neue Schlauch ist drin, der Reifen hat nur ein kleines Loch und ist weiter nutzbar. Das erste mal benutze ich die Adapter, die ich mir zu Hause angefertigt habe. Über die Druckluftbremsanlage des W50 kann ich damit die Reifen füllen. Eine Dreiviertelstunde. Keine Rekordzeit, aber den Umständen entsprechend gut. Die ersten Sprengringfelgen habe ich vor 18 Jahren als Lehrling auf der LPG montiert. Gelernt ist gelernt! Eine Schraube, M8, 14 Zentimeter lang und genau in die Reifenmitte eingefahren. Ohne bösartiges Zutun ein unmögliches Ereignis. Unser Parkplatz an der Werkstatt in Riga war scheinbar verseucht mit raffgierigen Geschäftemachern. Die Rechnung ging nur nicht auf, zu gern hätte uns die Werkstatt dort, für gutes Geld versteht sich, bei der "Reifenpanne" geholfen. Die alten Schlosser in der Werkstatt, in der ich gearbeitet habe, hatten den Spruch immer auf den Lippen" Sei vorsichtig, ich stell Dir was am Reifen an!", wenn sie einen Kraftfahrer ärgerten. "Werkstattdolos", schimpfe ich.