Trauma und Wissenschaft
André Karger(Editor)
Vandenhoeck & Ruprecht (Publisher)
1st Edition
Published on 20. May 2009
Online / Databases
978-3-647-40140-9 (ISBN)
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Description
Verschiebungen im Traumakonzept
Kritische Auseinandersetzung mit der Frage, inwieweit neurowissenschaftliche Erkenntnisse über Trauma die gesellschaftliche wie auch die therapeutische Haltung gegenüber den Opfern extremer Gewalt verändern.
Die wissenschaftliche und kulturelle Beschäftigung mit den psychosozialen Folgen extremer Gewalt, die weit in das 19. Jahrhundert zurückreicht, hat seit Anfang der 1980er Jahre stark zugenommen und zu einem erweiterten, differenzierten Konzept von Trauma geführt. So wurden beispielsweise traumaspezifische psychische Krankheiten als Posttraumatische Belastungsstörung anerkannt, hat sich inzwischen die Psychotraumatologie als eine eigene Disziplin etabliert und es sind störungsspezifische Behandlungsansätze und Leitlinien entwickelt worden. Die Zahl wissenschaftlicher Publikationen zum Thema Trauma nimmt weiter stetig zu. Konzeptuell einflussreich für diese aktuelle Entwicklung sind neuropsychologische Gedächtnistheorien, die ihre Entstehung wiederum zu einem nicht geringen Teil den neuen Visualisierungsmöglichkeiten der bildgebenden Untersuchungstechniken wie der funktionellen Magnetresonanztomografie verdanken.
Nachdem die Psychoanalyse zunächst über Freud, Ferenzci und Keilson wichtige Impulse für die Entwicklung des Traumakonzepts geben konnte, spielt sie in den neueren Diskussionen eine eher nachgeordnete Rolle, bis hin zu dem Vorwurf, ihre Technik sei nicht ausreichend spezifisch für die Behandlung von Traumata. Nicht zuletzt als Reaktion hierauf versuchen wiederum einige Psychoanalytiker gerade mit starkem Bezug auf die neuropsychologischen Forschungsbefunde eine Reformulierung und Adaptierung psychoanalytischer Einsichten.
Gegenstand dieses Buches ist es, sich aus interdisziplinärem Blickwinkel mit diesen Entwicklungstendenzen kritisch auseinanderzusetzen und den Trauma-Diskurs, wie er in den Wissenschaften gepflegt wird, zu befragen: Ob und in welcher Weise verändert der neurowissenschaftliche Zugang zum Thema Trauma unsere therapeutische und gesellschaftliche Haltung gegenüber den Opfern extremer Gewalt? In welcher Weise wird gar eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Gewalt in den wissenschaftlich-medizinischen Bereich verschoben? Dabei geht es nicht zuletzt darum, wie sich die Psychoanalyse in diesen Fragen positioniert oder überhaupt erst wieder eine Position gewinnen muss.
Inhalt
André Karger: Einleitung
Mathias Hirsch: Die Geschichte des Traumabegriffs in der Psychoanalyse
Barbara Zielke: Das Traumakonzept und die Hirnforschung - Der Einzug der Neurobiologie in die psychoanalytische Traumatologie als Symptom der gesellschaftlichen Naturalisierung des Subjektiven
Olaf Breidbach: Repräsentationen des Kognitiven
David Becker: Traumatheorie zwischen extremem Leid und imperialem Diskurs
Daniel Straßberg: Moral oder Objektivität? Wie 'richtig' über das Trauma sprechen?
Rudolf Heinz: 'Man sägt am Ast, auf dem man sitzt'? - Elemente einer psychoanalytischen Wissenschaftsgenealogie
Frank Walter Stahnisch: 'Abwehr', 'Widerstand' und 'kulturelle Neuorientierung' - Zu Re-Konfigurationen der Traumaforschung bei zwangsemigrierten deutschsprachigen Neurologen, Psychiatern und Psychoanalytikern
Beiträger
David Becker, Berlin / Olaf Breidbach, Jena / Rudolf Heinz, Düsseldorf / Mathias Hirsch, Düsseldorf / André Karger, Düsseldorf / Frank W. Stahnisch, Calgary (Kanada) / Daniel Strassberg, Zürich / Barbara Zielke, Nürnberg.
André Karger, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin, Psychoanalytiker, ist Oberarzt an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Düsseldorf.
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Series
Edition
1., Aufl.
Language
German
Place of publication
Göttingen
Germany
ISBN-13
978-3-647-40140-9 (9783647401409)
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André Karger
Trauma und Wissenschaft
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05/2009
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