
Habitus barbarus
Description
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Der spätantike habitus barbarus ist kein Phänomen, das nur mit dem Eindringen völkerwanderungszeitlicher Stämme mitsamt ihrer jeweils charakteristischen Kleidung in das römische Reich zu erklären wäre. Die detaillierte Analyse von Schriftquellen, Bildern und Bodenfunden zeigt, daß "unrömisches" Äußeres in der Spätantike vielmehr zu einem Symbol wurde für tiefgreifende Veränderungen der römischen Gesellschaft: die Überlagerung alter, ziviler Eliten durch Aufsteiger aus dem militärischen und administrativen Bereich. Die Kleidung ist ein Spiegel dieser Umwälzungen und somit eine bedeutende Quelle für Historiker und Archäologen, die sich mit der Rolle des Barbarischen innerhalb der Transformation der römischen Welt beschäftigen.
"Habitus barbarus" ist die erste gattungsübergreifende Quellensammlung zu fremder Kleidung und Äußerem im spätrömischen Reich des 4. und 5. Jahrhunderts. Nach einer Einzelbesprechung der Quellen und Funde und der Entwirrung der komplizierten interdisziplinären Beziehungsstränge ihrer bisherigen Interpretation entwirft das vorliegende Buch ein völlig neues Bild der Bedeutung "barbarischer" Kleidung im spätrömischen Reich und in den barbarischen Königreichen.
Reviews / Votes
"Philipp von Rummel nous livre un discours novateur, convaincant et très clairement expos´s qui jette une nouvelle lumière sur l'élite tardoromaine et sur ce que l'on appelle communément la transformation du monde romain."Emmanuelle Raga in: L'Antiquité Classique 78/2009 "Mit dieser Neudeutung liefert von Rummel einen wertvollen und äußerst anregenden Beitrag zur aktuellen Diskussion um die Gültigkeit von ethnischen Interpretationen archäologischer Befunde."Stefan Priwitzer in: Sehepunkte 9/2009 "Die Freiburger Dissertation v. R.s überzeugt nicht nur inhaltlich, sondern gleichermassen auch durch ihre klare Sprache und anschauliche Darstellung."Hans-Markus von Kaenel in: Schweizerische Zeitschrift für Klassische Altertumswissenschaft 2008 "L'opera è molto importante perché grazie a un ampio e tradizionale uso di fonti eterogenee--molto ben padroneggiate - offre una prospettiva innovativa di analisi di un elemento, quale quello del vestito, raramente inteso come frutto di una volontà di autorappresentazione o più in generale di rappresentazione di una figura simbolica all'interno di un gruppo."Maurizio Buora in: Bryn Mawr Classical Review 2008.07.29 "In einer methodisch und inhaltlich weit ausgreifenden, dennoch ziel- und ergebnisorientierten innovativen Untersuchung hebt von Rummel diese spätrömische Auseinandersetzung und ihre Folgen in der neueren Forschung auf eine Deutungsebene, die Voraussetzungen zurechtrückt und auf diese Weise bisherige Unzulänglichkeiten ausräumt. Diese Ergebnisse erlauben unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Wandels in der Spätantike und der Intentionalität gesellschaftlicher Stigmatisierungen dieser Zeit einschließlich ihrer Konsequenzen auch für die Forschung bis in die jüngste Vergangenheit nunmehr eine widerspruchsfreiere Einordnung des habitus barbarus."Ulrich Lambrecht in: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-1-193More details
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Content
- Intro
- Inhalt
- Vorwort
- 1. Einleitung und Fragestellung
- 2. Erkennen und Deuten 'fremder' Kleidung auf dem Gebiet des westlichen römischen Reiches: Forschungs- und Interpretationsgeschichte
- 2.1. Die Entwicklung der interpretativen Grundlagen: Südrussische Forschungen und der 'gotische Stil'
- 2.2. Die Bekräftigung der migrationistischen Thesen durch umfangreiche Materialpublikationen
- 2.3. 'Stammestrachten'
- 2.4. Der indigene Hintergrund 'fremder' Funde und das 'Westgotenproblem'
- 2.5. Mediterrane Produkte in barbarischer 'Tracht'
- 2.6. Alternative Interpretationsmodelle 1888-2004
- 3. Barbaren und Römer in spätantiken Schriftquellen
- 4. Habitus romanus: Kleidung als Ausdrucksform des römischen Ideals
- 5. Habitus barbarus: Fremdes Äußeres in spätantiken Schriftquellen
- 5.1. Körperliche Merkmale als ethnische Marker
- 5.2. Barbaren bei Eusebios und in der Historia Augusta
- 5.3. Ammianus Marcellinus und die Beschreibung von fremdem Äußeren: Alamannen, Hunnen und Alanen
- 5.4. Hunnen bei Priskos von Pannium
- 5.5. Julians Torqueskrönung: Ein germanisches Ritual?
- 5.6. Ambrosius und die Hals- und Armringe des Bischofs Julianus Valens
- 5.7. Claudius Claudianus' Invektive gegen Rufinus in gotischer Kleidung
- 5.8. Barbarische Fellkleidung bei Synesios und Johannes Chrysostomos
- 5.9. Die Kleidungsgesetze Codex Theodosianus 14, 10, 2-4
- 5.10. Sidonius Apollinaris' Barbarenbeschreibungen
- 5.11. Lupicinus, Chilperich und die Ambivalenz der Felle
- 5.12. Victor von Vita und das Aussehen der Vandalen in Nordafrika
- 5.13. Ennodius Iovinianus und 'gotische Bärte'
- 6. Bilddarstellungen und der habitus barbarus
- 6.1. Pelliti auf spätantiken Bilddarstellungen
- 6.2. Ein 'barbarischer' Chlamydatus? Das Diptychon von Monza und die Darstellung des sog. Stilicho
- 6.3. Torques, längere Haare und die äußere Erscheinung der kaiserlichen Leibwache: Römisch oder barbarisch?
- 6.4. Die Jäger von Karthago Bordj-Djedid: Vandalische Reiter?
- 6.5. Tuniken mit V-förmigem Ausschnitt und fremde Waffen: Die Barbaren auf dem Diptychon von Halberstadt
- 6.6. Zweifibeltrachten auf spätantiken Bilddarstellungen
- 6.7. Bildliche Darstellungen von Barbarenherrschern
- 7. Bodenfunde und der habitus barbarus
- 7.1. Vandalische Frauentrachten? Der Grabfund von Karthago Koudiat-Zâteur (Tunesien)
- 7.2. 'Ostgermanische Trachtmerkmale': Das Frauengrab von Castelbolognese (Italien)
- 7.3. Gotische Adler? Das Frauengrab von der Via Flaminia (Rom, Italien)
- 7.4 Barbarische Schuhe? Das Grab des Vandalen Arifridos aus Thuburbo Maius (Tunesien)
- 7.5. Bestattungen fremder Soldaten? Die Gräber von Beja (Portugal) und Porto di Capraia (Italien)
- 7.6. Barbarische Insignien? Das Beispiel des Grabes von Wolfsheim (Deutschland) und die Bedeutung von Hals- und Armringen
- 7.7. Zur Ausstattung der barbarischen Aristokratie in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts: Die Bestattung des Frankenkönigs Childerich in Tournai (Belgien)
- 8. Der habitus barbarus zwischen Propaganda und Realität
- 9. Zusammenfassung: Der habitus barbarus als Distinktionsmerkmal einer neuen Elite?
- Literaturverzeichnis
- Personenregister
- Orts- und Sachregister
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