
Ein Tausend Li: Der vierte Wall
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Der letzte Schritt einer ein Tausend Li langen Reise
Der halbunsterbliche Tyrann des Staates der Cai wurde besiegt, aber zu einem verheerenden Preis. Wu Ying hat nicht nur seine Chance auf Unsterblichkeit, sondern auch seinen größten Schatz geopfert. Nun schwer verletzt und mit einem zerbrochenen Kultivationspfad muss er sich mit der Hilfe seiner Freunde wiederherstellen.
Um seine wahre Bestimmung zu finden, muss Wu Ying alles in Frage stellen, was er einst gewusst hatte und seine Reise von Beginn an zurückverfolgen. Nur diesmal tut er das mit einem gebrochenen Körper und zerschmetterter Kultivation, in einem Wettlauf gegen die Zeit, ehe er seinen Verletzungen erliegt.
Der vierte Wall bildet den epischen Abschluss von Ein Tausend Li, einer Xianxia-Fantasy über Entwicklung in zwölf Bänden.
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Kapitel 1
Die Kultivation war in ihrem Kern die Missachtung der Himmel.
Dies war der erste Gedanke, mit dem Wu Ying erwachte.
Der zweite war der an den Schmerz.
Schmerz war inzwischen eine konstante und andauernde Facette seines Lebens, eine ständige Pein, die seinen gesamten Körper umfasste. Innerhalb der letzten paar Wochen hatte er eine neue Wertschätzung für die verschiedenen Formen, in denen sich Leid manifestieren konnte, gewonnen.
Das langsame Pochen eines gerissenen Bandes, der dumpfe Schmerz von müden und überstrapazierten Muskeln, die stechenden, scharfen Stiche in Nerven und wundgeriebener Haut. Die explosiven Stöße, die aus Bewegungen mit gebrochenen Knochen und geprellten Organen resultierten. Er kannte sie alle, hatte vor langer Zeit mit solchen qualvollen Leiden Freundschaft geschlossen und sie zu engen Verbündeten gemacht.
Nichts tat so sehr weh wie die Wunde, die bis in die Seele reichte und die widersprüchlichen Daos des Körpers und der Seele in ihm erweckt hatten.
Diese Qualen konnten nicht in Worte gefasst werden, obwohl sie alle anderen in den Schatten stellten.
Das war wenig überraschend, denn dies waren die Qualen eines gebrochenen Wesens, einer Unstimmigkeit zwischen Seele und Körper. Die Verschmelzung der unsterblichen Seele und des unsterblichen Körpers war gescheitert und Wu Ying war sowohl durch Willenskraft als auch alchemistische Pillen zusammengeflickt worden.
In seinem Dantian befanden sich die Splitter seines Kerns, der inmitten der Befreiung seiner unsterblichen Seele zerbrochen war. Zu gegebener Zeit hätten diese Splitter absorbiert und die Überreste als Treibstoff für die Verschmelzung verwendet werden sollen.
Stattdessen verblieben sie in seinem Inneren und waren wie seine Kultivation zerbrochen.
Wu Ying, der auf dem Rücken in dem Zimmer lag, das für ihn im obersten Stockwerk des Gasthauses der Platin-Weisen freigemacht worden war, betrachtete die Sonne des späten Morgens, die durch das geöffnete Fenster hereinschien. Einem Teil von ihm fiel auf, dass sie ihm wieder einmal die Rast ermöglichten - trotz seiner eigenen Proteste.
Vogelgesang drang durch das Fenster herein und vermischte sich mit den entfernten Stimmen, die sich in Unterhaltungen und Gesängen erhoben, denn das Gasthaus lag nicht weit von dem Tempel, den es versorgte, und der Handelsstraße entfernt. Es befand sich nicht direkt an der Straße, obwohl das für den Handel am meisten Sinn ergeben hätte. Andererseits waren die Kunden, die das Gasthaus besuchten, keine unbekümmerten Passanten.
Vielmehr war das Klientel des Gasthauses so erlesen, dass ein anderes Gasthaus gegenüber des ersten erbaut worden war, um die abgewiesene Kundschaft des wählerischen Paars von Kultivatoren der Aufkeimenden Seele, die dieses Gebäude unterhielten, aufzunehmen. Denn selbst Kunden, die es wagten, hier zu handeln, waren mitunter nicht mutig genug, um eine Übernachtung in solch einem Gebäude zu wagen. Der stumme Druck, den zwei derartige Kultivatoren durch ihre bloße Existenz ausübten, konnte selbst die unerschütterlichsten Herzen verzagen lassen.
Oder diese Auren wandten sich Wu Yings Leiden zu und wurden so ausgerichtet, dass sie ihn unversehrt ließen. Sie wickelten ihn in Stoff aus sowohl Macht als auch Dao.
Wie ein neugeborenes Kind.
Wu Ying zog behutsam die mit Seide gefüllte Decke zurück, die die Herbstkälte abhielt. Er hatte den Überblick über die Monate verloren, während derer er sich erholt hatte, und die anfänglichen Tage und Nächte waren miteinander verschmolzen. Medizinische Bäder und Akupunkturnadeln, Kräuterbrühen und Kultivationspillen, in Hülle und Fülle eingenommen. Sein Rücken und seine Brust waren eine Landkarte aus roten und schwarzen Kreisen aus verdorbenem und infiziertem Blut, das aus der Tiefe an die Oberfläche gezogen worden war, wenn Schröpfbecher1 ein ums andere Mal aufgesetzt wurden.
Es war nicht nur das Schröpfen. Unzählige banale Schnitte und Stiche von Nadeln, um schlechtes Blut freizusetzen, um Chi und Energie zu ermöglichen, richtig zu fließen. Kräftige Massagen und Dampfbäder, in denen er Unreinheiten ausschwitzte und Schleim aussonderte, der nur eine Haaresbreite davon entfernt war, so übelriechend und anstößig zu sein wie damals, als er zum ersten Mal mit der Kultivation begonnen hatte. Er wusste und war etwas amüsiert über die Tatsache, dass die meisten der ausgestoßenen Unreinheiten von Lady Yang eingesammelt, verarbeitet und weiterverkauft wurden.
Denn obwohl er ein gebrochener halber Unsterblicher war, so waren dies immer noch das Blut und der Schweiß eines Unsterblichen.
Es gab den Gedanken, eine großartige philosophische Erkenntnis darüber, dass die Hinterlassenschaften der Mächtigen Schätze für die unter ihnen waren. Ein Sinnieren über die Strukturen der Welt, über das existierende Ungleichgewicht, das von der Welt und der Gesellschaft aufrechterhalten wurde.
Sein Kiefer verkrampfte sich und bei dem Gedanken daran stieg Zorn in ihm auf.
Der Schmerz übermannte ihn kurz darauf, als er sich krümmte und seine Brust umklammerte, da sein Herz drohte, auseinanderzureißen. Seele und Körper lagen wieder im Zwist, der himmlische Wind lehnte seinen Zorn und sein rebellisches Gemüt ab. Er zuckte, während er mehrere Male hustete und sein Gesicht rot wurde, als er um Atem rang.
Die Stimme einer Person, die ihn behutsam aus der Ferne beobachtet hatte, aber jetzt an seiner Seite war. Eine Hand auf seinem Rücken, die darauf klopfte und über ihn rieb und so wertvolles Chi in seinen Körper ergoss. Er rang, während sich mächtige Auren um seinen Körper klammerten, als dieser drohte, zu zerreißen, und drückten Körper und Seele aneinander. Zwillingsauren aus Yin und Yang arbeiteten Hand in Hand, um zu heilen und ihn zusammenzuhalten.
Schon wieder.
Es war inzwischen so oft vorgekommen, dass Wu Ying wusste, was er zu tun hatte. Er bemühte sich, sein Herz zu beruhigen und die glühende Wut einzudämmen, die in ihm entstanden war.
Um seinen Frieden wiederzuerlangen, denn ansonsten würde es ihn in Stücke reißen.
"Ruhig. Beruhige dich, bitte." Die Hand auf ihm, die Chi in ihn fließen ließ und versuchte, seine Heilung zu unterstützen, spannte sich vor Aufregung an. Tränen - durch reine Willenskraft zurückgehalten - waren beim Sprechen in ihrer Stimme deutlich.
Ein Teil von ihm tobte, schrie und protestierte gegen die Ungerechtigkeit all dessen. Er war so weit gekommen und hatte um ein Haar das Ende erreicht, nur, um festzustellen, dass der letzte Wall für ihn unüberwindbar war, wenn er nicht zuerst sein Haupt senkte. Kein Aufstieg, ohne das Knie zu beugen, keine Himmel für ihn, wenn er sich weigerte, sich vor jenen zu verbeugen, die sich nicht um diejenigen unter ihnen scherten, deren Regeln weit und breit Schaden angerichtet hatten und keinen Beistand boten.
Er hatte zu viel gesehen und getan, als dass er an die endlose Güte der Himmel glauben konnte.
Der Bauer in ihm, der sowohl unter Dürren als auch Fluten gelitten hatte, dessen Ernte unter einer erbarmungslosen Sonne verbrannt worden oder an aufgewühlte Felder verloren gegangen war und dennoch Steuern an gefühllose Lords hatte zahlen müssen, verspottete seine eigene Dummheit. Die Welt war schon immer so gestaltet gewesen. Es hatte immer diejenigen, die von den Himmeln gesegnet, und andere, die weniger vom Glück begünstigt gewesen waren, gegeben.
Das Karma und das Schicksal kümmerten sich nicht um die Gefühle derer, die sie in ihrer unaufhörlichen Sintflut hinfortrissen. Ein Protest reparierte niemals den Damm oder säte die Samen aus.
Wu Ying war kein Kind. Er hatte nicht das Recht, zu protestieren. Er konnte nur tun, was Bauern ihr ganzes Leben lang taten. Den Kopf senken und die Last schultern.
Der Bauer wusste, dass er, um zu überleben, das Knie beugen musste.
Doch ein anderer Teil von Wu Ying lehnte sich gegen diese Unumgänglichkeit auf. Die Familie der Long hatte ihr Dorf lange Zeit angeführt, war sein Wächter, sein Beschützer, gewesen. Sie waren zwar Bauern, aber auch Schwertkämpfer. Individuen, die ihr eigenes und das Leben anderer in ihren Händen hielten, an der Spitze ihrer Klinge, die das Schicksal durch Können, Hingabe und Training gelenkt hatten.
"Hun dan! So schlimm war es bisher noch nie. Er reißt sich selbst auseinander. Pass die Formationen an, meine Liebe. Sonst zieht er noch mehr himmlisches Chi heran und bringt eine Katastrophe über uns." Die tiefe Stimme des Chefs Yang, der Befehle von außerhalb des Zimmers her ausrief.
Für Wu Ying war es nur eine weitere, schreiende Stimme unter der Vielzahl in seinen Ohren und seinem Kopf.
Nein, er war kein Bauer mehr, nicht mehr. Er hatte den Pfad eines Kultivators gewählt. Er hatte sich entschieden, sich den Himmeln zu widersetzen.
Zum ersten Mal wurde Wu Ying klar, dass die Entscheidung Meister Chengs, Wu Ying zu seinem Schüler zu machen, vielleicht nicht aus einer Laune des Schicksals heraus oder aufgrund vergangener karmischer Verbindungen geschehen war. Möglicherweise hatte er in Wu Ying einen gleichgesinnten Rebellen gesehen, einen Mann, der sich gegen die Strukturen auflehnte, die von den Himmeln selbst vorgegeben wurden. Obwohl Wu Ying nie auf demselben Pfad gewandelt war, so hatten sie sich vielleicht doch in dieselbe Richtung bewegt.
Hatten die Strukturen gehasst, in die sie beide zu leben gezwungen waren. Hatten das Gleichgewicht der Welt verabscheut und sich gewünscht, es auf ihre eigene Weise zu ändern. Hatten sich geweigert, sich einem Schicksal zu beugen, von dem jeder gesagt hatte, es sei unausweichlich.
"Ying2,...
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