
Sepsis und MODS
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Rezension
Sepsis, schwere Sepsis und septischer Schock nehmen unter prognostischen, aber auch zunehmend unter sozioökonomischen Gesichtspunkten, eine herausragende Rolle in der Intensivbehandlung kritischer Patienten ein.
Das Multiorgan-Dsyfunktionssyndrom und das konsekutive Multiorgan-Versagen sind bei diesen Krankheitsbildern immer wieder und immer häufiger anzutreffen. Die von uns behandelten Patienten sind zunehmend älter und weisen schon bei Eintritt in die Intensivmedizin eine hohe Komorbidität auf.
Es ist bekannt, dass das Multiorganversagen nicht nur sehr häufig ist, sondern für bis zu 80% aller Intensivtodesfälle verantwortlich ist und natürlich eine hohe ökonomische Bedeutung besitzt.
Insofern ist es erfreulich, dass das Deutsche Standardwerk "Sepsis und MODS" nunmehr in der 4. Auflage vorliegt.
Die Autoren haben dieses Werk über die Jahre konsequent weiter entwickelt und mit der aktuell vorliegenden Auflage gründlich überarbeitet und an die aktuelle Datenlage angepasst. Neben den Herausgebern finden sich alle namhaften und kompetenten Wissenschaftler als Co-Autoren, die sich auf dem Gebiet der Sepsis und dem Multiorganversagen verdient gemacht haben. Das Werk ist übersichtlich und didaktisch hervorragend aufgebaut, die sehr ausführlichen pathophysiologischen Grundlagen werden durch Themen zur antimikrobiellen Therapie, Prophylaxe und Therapie der Organdysfunktion, Sepsis und Gerinnung und Sepsis bei speziellen Patientengruppen, vervollständigt.
Der Leser kann sich einen sehr gründlichen Überblick über aktuelle Therapiestrategien verschaffen, auch neue und experimentelle Therapieverfahren werden umfassend dargestellt und kritisch bewertet. Dabei wird er durch übersichtliche Tabellen und Darstellungen unterstützt. Jedes Kapitel wird durch ein "Fazit" für die Praxis" abgerundet. Sehr erfreulich ist die klare Darstellung der aktuellenTherapieempfehlungen (basierend auf der "Surviving Sepsis Campaign"), zu Fragen der Antibiotikatherapie aber auch zur Prävention der nosokomialen Sepsis. Die enge Zusammenarbeit der Herausgeber und Autoren mit der Deutschen Sepsis Gesellschaft schafft hier einen zusätzlich hohen Evidenzgrad.
Die Herausgeber und das Autorenteam sind daher zu beglückwünschen: Dieses Buch gehört nicht nur in den Schrank eines jeden Intensivmediziners, sondern sollte seinen Platz auf jeder Intensivstation finden. Assistenten, Oberärzte und Chefärzte können ihre tägliche Arbeit evidenzenbasiert und praxisnah mit diesem "Goldstandard" absichern.
PD Dr. med. U. Janssens
Internist / Kardiologe / Internistische Intensivmedizin
Chefarzt Medizinische Klinik
St.-Antonius-Hospital
52249 Eschweiler
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Sepsis - eine der größten Herausforderungen für Intensivmediziner!
Die 4. Auflage trägt den innovativen und neuen Entwicklungen auf diesem Gebiet Rechnung. Fachlich und didaktisch komplett überarbeitet, hilft sie Ihnen, aktuelle Forschungs- und Studienergebnisse für Ihre tägliche Arbeit zu nutzen.
Für eine erfolgreiche und evidenzbasierte Sepsistherapie!
Umfassendes Basiswissen zu Sepsis und MODS.
- Grundlagen
- Pathogenese und Pathophysiologie
- Klinik und Diagnose
- Therapie, Prophylaxe, Prognose
.erweitert um viele neue Aspekte, u.a.
- Prowess Studie, aktiviertes Protein C
- Prävention der nosokomialen Sepsis
- Ökonomische Aspekte
- Organdysfunktionen des Hepatogastrointestinaltraktes, endokrine Störungen und Spurenelementdefizienzen
- Besonderheiten bei Frauen und älteren Intensivpatienten
Plus
Die wichtigsten Empfehlungen der "Survival Sepsis Campaign" (2004)
Einziges deutschsprachiges Grundlagenwerk zu Sepsis und MODS. Profitieren Sie von der langjährigen Erfahrung der Autoren und ihrer kritischen Bewertung der vorhandenen Studien.
In die Sepsisbehandlung ist Bewegung geraten.gehen Sie mit!
Content
12 Die akute respiratorische Insuffizienz im Rahmen des multiplen Organdysfunktionssyndroms (S. 360-361)
H. Burchardi, M. Sydow
Vor mehr als 30 Jahren wurde erstmalig auf eine akute respiratorische Insuf. zienz aufmerksam gemacht [11, 109], die seitdem unter verschiedenen Bezeichnungen (Schocklunge, adult respiratory distress syndrome (ARDS), und neuerdings acute lung injury (ALI) [14] bzw. im deutschen Schrifttum akutes Lungenversagen (ALV)) in der Intensivmedizin eine erhebliche Bedeutung spielt. Diese akute respiratorische Insuffizienz beruht auf einer schweren diffusen Schadigung des Lungenparenchyms.
Sie ist funktionell gekennzeichnet durch: 1. arterielle Hypoxamie unterschiedlichen Schweregrades, 2. diffuse rontgenologische Infiltration, 3. verminderte Dehnbarkeit (Compliance) der Lunge und 4. eine erniedrigte funktionelle Residualkapazitat (FRC).
Ätiologie
Das akute Lungenversagen ist eine typische Reaktion der Lunge auf die Mechanismen der Entzundung (bakteriell oder nichtbakteriell), bei der freigesetzte Entzundungsmediatoren eine ma©¬gebliche Rolle spielen. Dabei ist es unerheblich, ob die Entzundungsmechanismen primar pulmonal oder nichtpulmonal, also systemisch ausgelost werden. Das Lungengewebe reagiert offenbar stets in recht stereotyper Weise [61].
Insbesondere Sepsis oder SIRS (systemic inflammatory response syndrome) sind als systemische Reaktionen einer Entzundung zu verstehen [23], die ein akutes Lungenversagen zur Folge hat, aber auch zu Funktionsversagen anderer Organe fuhren konnen.
Klinisches Bild
Das klinische Bild des ALV ist gekennzeichnet durch eine akute, progrediente respiratorische Insuffizienz: Rasch und zunehmend entwickeln sich Gasaustauschstorungen mit Hypoxamie und erhohter Totraumventilation. Die Compliance der Lunge wird reduziert, und die Atemarbeit steigt erheblich an. Um den pulmonalen Gasaustausch aufrecht zu erhalten, ist die Erhohung des Lungenvolumens (FRC) durch PEEP oder CPAP und meistens die apparative Beatmung erforderlich.
Übersicht 12-1
Auslösende Ursachen für das akute Lungenversagen (ARDS) ,
- Sepsis (z. B. Bakteriämie, Endotoxinämie, Fungämie),
- Kreislaufschock, Massivtransfusion,
- Aspiration (Säureaspiration, Ertrinkungsunfall),
- Polytrauma, thorakal (Lungenkontusion) und/oder extrathorakal,
- Verbrennungen,
- akute Pankreatitis,
- Immunsuppression (z. B. nach Transplantation, Bestrahlung),
- Pneumonien (virale, mykoplasmale, bakterielle),
- Intoxikationen (z. B. Paraquat),
- Fruchtwasserembolie, disseminierte intravasale Gerinnung (DIC),
- Eingriffe unter extrakorporaler Zirkulation (Herz-Lungen-Maschine),
- Rauchvergiftung und Inhalation toxischer Gase
- und viele andere.
Das akute Lungenversagen ist ein zentrales Problem beim multiplen Organdysfunktionssyndrom (MODS) [23] bzw. Multiorganversagen (MOV). Dabei kann eine pulmonaI auslosende Ursache (etwa infolge Aspiration, als Pneumonie, als nosokomiale pulmonale Infektion u. a.) schlie©¬lich zum MODS fuhren, oft ist jedoch die akute respiratorische Insuf. zienz Folge einer extrapulmonal ausgelosten Sepsis oder eines SIRS [23] mit MOV bzw. MODS (z. B. infolge einer Peritonitis). Immerhin sind etwa 75 % aller auf der Intensivstation erworbenen Infektionen im Respirationstrakt lokalisiert, wie eine gro©¬e epidemiologische Studie mit 28 europaischen Intensivstationen ergab [2]. Eine entsprechende US-amerikanische Studie an 847 Krankenhausern zeigte, dass bei etwa 40 % aller Sepsispatienten der Respirationstrakt beteiligt [6] war. Nicht selten ist die fruhe Diagnose eines beginnenden akuten Lungenversagens praktisch nicht moglich, da die ersten Anzeichen, wie leichte Dyspnoe und Tachypnoe mit einer milden respiratorischen Alkalose, nicht spezi. sch sind. Außerdem ist der Beginn oft schleichend, protrahiert und von anderen Krankheitsgeschehen (z. B. Polytrauma, Pneumonie, Sepsis) überdeckt.
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