
Konfrontative Pädagogik
Description
Alles über E-Books | Antworten auf Fragen rund um E-Books, Kopierschutz und Dateiformate finden Sie in unserem Info- & Hilfebereich.
Professor Dr. Rainer Kilb lehrt an der Hochschule Mannheim (Fakultät Sozialwesen).
More details
Other editions
New editions

Additional editions

Previous edition

Persons
Professor Dr. Rainer Kilb lehrt an der Hochschule Mannheim (Fakultät Sozialwesen).
Content
Der konfrontative Ansatz der subversiven Verunsicherungspädagogik in der Präventionsarbeit mit rechten und rechtsorientierten Jugendlichen
Vorbemerkung
Verunsichern und Konfrontieren sind keine Neuerfindungen in der Pädagogik. Sie waren schon immer Bestandteil pädagogischer Praxis, unabhängig davon, wieweit sie tatsächlich verbreitet waren oder sind. In der Theorie- und Methodendiskussion der Sozialpädagogik sind sie allerdings erst mit den Kontroversen um das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) und das Coolness- Training (CT) wieder stärker ins Bewusstsein der Fachöffentlichkeit gelangt. Wenn beide Elemente schon immer Bestandteil gerade erfolgreicher (sozial) pädagogischer Arbeit waren, so ist die Benennung einer pädagogischen Richtung mit diesen Attributen im "Firmenschild" nur gerechtfertigt, wenn sie den Kern oder das Wesenselement des Ansatzes ausmachen. Gibt es eine solche Rechtfertigung?
Verständnis versus Grenzen setzen
Ob die vorherrschenden Paradigmen von Hilfe, Unterstützung und Verständnis noch als geeignetes (oder gar sozialpädagogisches) "Allheilmittel" für Formen der schweren Jugenddelinquenz gelten können, die nicht (nur) durch ein passageres jugendtypisches Verhalten gekennzeichnet sind, wird z.Zt. in der fachlichen Auseinandersetzung heftig diskutiert2. Während die beiden erstgenannten Aspekte Hilfe und Unterstützung weiterhin in der Fachöffentlichkeit unumstritten sind (in der politischen Debatte mag das anders sein), kann dies nicht für das Verständnis gelten. So kann die eigene schwere Kind- heit, können traumatische Erlebnisse, etc. (also die "Sozialisation"), keine Tat entschuldigen.
Selbst erlittenes Leid und Unrecht berechtigt nicht dazu, es anderen anzutun. Der in der Rezeption therapeutischer Modelle durch die Sozialpädagogik entstandene Begriff des "Verständnisses" ist in diesem Zusammenhang problematisch. Im umgangssprachlichen Verkehr bedeutet "Ich habe Verständnis dafür.", dass ich selbst in der gleichen Situation so oder ähnlich handeln könnte. Und weil man mir dies doch bitte nicht übel nehmen soll, tue ich dies auch nicht. Dies ist eine klare (jedenfalls Teil-) Entschuld( ig)ung, die Schuld des anderen wiegt nicht so schwer, als dass daraus eine ernsthafte Verstimmung oder Beziehungsstörung resultieren würde.
Das "Verständnis" beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit und der Vorwegnahme der Umkehr der Rollen: Auch mir könnte es ja passieren. Damit wird deutlich, wozu im mitmenschlichen Verkehr das Verständnis gut ist: Für das Verzeihen von Fahrlässigkeit, von Beziehungs- und anderen Unfällen. Es ist aber fraglich, bei welchen Gruppen von Jugendlichen wir bei aggressiv-sozialdestruktivem Verhalten von einem "Unfall" sprechen können, unabhängig davon, dass alle Jugendlichen ihr Verhalten so darstellen möchten.
Verständnis hilft auch nur sehr begrenzt. Wegen der Abwehr ihrer Kindheitserlebnisse missverstehen diese Jugendlichen das ihnen entgegengebrachte Verständnis jedenfalls als Entschuldigung (= Entschuldung). Verantwortung übernehmen zu lernen, also auch für das eigene Tun, (reale) Schuld zu tragen, muss zu den pädagogischen Lernzielen gehören. Allenfalls in Situationen, in denen es vor allem bei "ertappten Jugendlichen" zu starken Selbstanklagen, -bezichtigungen und -entwertungen kommt, kann das von PädagogInnen entgegengebrachte Verständnis entlastend wirken.
System requirements
File format: PDF
Copy protection: Watermark-DRM (Digital Rights Management)
System requirements:
- Computer (Windows; MacOS X; Linux): Use the free software Adobe Reader, Adobe Digital Editions, or any other PDF viewer of your choice (see eBook Help).
- Tablet/Smartphone (Android; iOS): Install the free app Adobe Digital Editions or another reading app for eBooks, e.g., PocketBook (see eBook Help).
- E-reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino and many more (only limited: Kindle).
The file format PDF always displays a book page identically on any hardware. This makes PDF suitable for complex layouts such as those used in textbooks and reference books (images, tables, columns, footnotes). Unfortunately, on the small screens of e-readers or smartphones, PDFs are rather annoying, requiring too much scrolling.
This eBook uses Watermark-DRM, a „soft” copy protection. This means that there are no technical restrictions to prevent illegal distribution. However, there is a personalised watermark embedded in the eBook that can be used to identify the purchaser of the eBook in the event of misuse and to provide evidence for legal purposes.
For more information, see our eBook Help page.