
Zählen
Semantische und praxeologische Studien zum numerischen Wissen im Mittelalter
Moritz Wedell(Author)
Vandenhoeck & Ruprecht (Publisher)
1st Edition
Published on 7. December 2011
368 pages
978-3-647-36716-3 (ISBN)
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Die Verwendung des Worts zeln ist dominant durch seine pragmatische Funktion geprägt: zeln, das ist zuallererst das emphatische und öffentliche Zuschreiben von Rang und Amt, von Schönheit, Tapferkeit, Freiheit usw. Zeln ist zunächst immer ein Akt der Mitteilung in der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Die Kerbholzüberlieferung, das materiell-notationale Komplement des sprachlichen Zählens, wird zum Zweck der Überprüfung und Perspektivierung der Ergebnisse erstmals vollständig gesichtet und analysiert. Auch das Gelingen der kerbholzbasierten Kommunikation ist immer an soziale Situationen gebunden. Kein Kerbholz zählt ohne die Gegenwart derer, deren Besitz es markiert.
The use of the word zeln is dominant because of its pragmatic function: Zeln is first and foremost the emphatic and public attribution of distinction, beauty, bravery, freedom etc. Zeln is always an act of direct communication from one person to the other. The act of tallying with notches, the material notation that complements spoken means of counting used to check and relativise the results, is recounted and analysed here. The success of notch-based communication is always dependent on the social situation. A notch is nothing without the presence of those who possess it.
The use of the word zeln is dominant because of its pragmatic function: Zeln is first and foremost the emphatic and public attribution of distinction, beauty, bravery, freedom etc. Zeln is always an act of direct communication from one person to the other. The act of tallying with notches, the material notation that complements spoken means of counting used to check and relativise the results, is recounted and analysed here. The success of notch-based communication is always dependent on the social situation. A notch is nothing without the presence of those who possess it.
More details
Series
Thesis
Doctoral thesis
2007
Humboldt-Universität zu Berlin
Edition
Aufl.
Language
German
Place of publication
Göttingen
Germany
Illustrations
mit 53 Abb.
File size
6,39 MB
ISBN-13
978-3-647-36716-3 (9783647367163)
Schweitzer Classification
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Book
12/2011
1st Edition
Vandenhoeck & Ruprecht
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Author
Dr. Moritz Wedell ist Wissenschaftlicher Assistent am Deutschen Seminar der Universität Zürich.
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Content
- Cover
- Title Page
- Copyright
- Table of Contents
- Body
- Vorwort / Dank
- Einleitung
- I. Fragen und Forschungen zur Geschichte des numerischen Wissens im Mittelalter
- 1. Forschungslage I: Fallstudien
- 1.1 Blinde Flecken: Geschichtserzählungen und Zahlgeschichten
- 1.1.1 Geschichtserzählungen
- 1.1.2 Zahlgeschichten
- 1.2 Exemplarische Studien zur Historisierung des Zahlgebrauchs
- 1.2.1 Philosophische Reflexionen
- 1.2.2 Literarische Einbindungen
- 1.2.3 Ökonomische Formatierungen
- 1.2.4 Sprachliche Instanziierung
- 1.3 Resümee
- 1.3.1 Zusammenfassung
- 1.3.2 Offene Fragen
- 2. Forschungslage II: Methodische Voraussetzungen
- 2.1 Kulturtechnische Öffnung der Philologie
- 2.1.1 Oralität und Literalität
- 2.1.2 Von der philologischen Mediengeschichte zur Kulturtechnik
- 2.1.3 Oralität - Literalität - Numeralität
- 2.2 Mathematikgeschichtliche Öffnung der Informationsgeschichte
- 2.2.1 >Gemeine Sprache< - >gemeine Zahl< in der frühen Neuzeit?
- 2.2.2 Grenzen der Übertragung
- 2.2.3 Vor der Normierung
- 2.3 Sachgeschichtliche Öffnung der historischen Semantik
- 2.3.1 Linguistische Transparenz und Entsprachlichungsvorwurf
- 2.3.2 Zur Rephilologisierung der historischen Semantik
- 2.3.3 Ein historisch-philologischer Neueinsatz in drei Thesen
- 3. Begriffliche Integration des Arbeitsfeldes und Konzeption des Darstellungsteils
- 3.1 Kulturtechniken: operational - operativ - operal
- 3.2 Maximen für eine Geschichte des numerischen Wissens im Mittelalter
- 3.3 Vorhaben
- 3.3.1 Fokussierung
- 3.3.2 Gliederung des Darstellungsteils
- II. zeigen - zählen - erzählen. Wortgeschichte im kulturtechnischen Horizont
- 1. Was bedeutet Zahl ursprünglich?
- 1.1 Kluge/Seebold: Die >Kerbholz-Theorie<
- 1.2 Paul/Henne: Die >Verzweigungs-Theorie<
- 1.3 Grimm/Heyne: Die >Parallelentwicklungs-Theorie<
- 2. Zwischenbilanz
- 3. Ein alternatives Modell für die Bedeutungsentwicklung
- 3.1 Vulgärlateinisch taliare: »die einfachste form, zählungen für das auge festzuhalten«
- 3.2 Althochdeutsch zala: Operationale Verfahren schieben sich zwischen zählen und erzählen
- 3.3 Frühneuzeitliche Zyffer tzale: Eine mathematische Metasprache besetzt den Zahlbegriff
- 4. Zusammenfassung
- III. erzählen - zählen - zusprechen. Die Bedeutungsvariation von mhd. zal und zeln
- 1. Was heißt zal im Mittelhochdeutschen? Polarität vs. Kontinuität der Bedeutungsvariation
- 1.1 Das »Mittelhochdeutsche Wörterbuch« von G. F. Benecke, W. Müller und F. Zarncke
- 1.1.1 Zur Architektur des »Mittelhochdeutschen Wörterbuchs«
- 1.1.2 Das Lemma zal im »Benecke/Müller/Zarncke«
- 1.1.3 Kritik
- 1.2 Das »Mittelhochdeutsche Handwörterbuch« von Matthias Lexer
- 1.2.1 Zur Architektur des »Mittelhochdeutschen Handwörterbuchs«
- 1.2.2 Das Lemma zal im »Lexer«
- 1.2.3 Kritik
- 1.3 Zwischenresümee und offene Fragen
- 2. Die Einbeziehung von Kontrollkorpora
- 2.1 Zum Stand der mittelhochdeutschen Lexikographie
- 2.2 Die Leistung der Kontrollkorpora
- 2.2.1 Das »Bochumer Mittelhochdeutsch Korpus«
- 2.2.2 Das Korpus des »Wörterbuchs der mittelhochdeutschen Urkundensprache«
- 2.2.3 Perspektivierung der Thesen von Wilhelm Müller und Matthias Lexer
- 2.3 Was bedeutet zal im Mittelhochdeutschen? Ergebnisse
- 2.3.1 Textsortenspezifische Verwendung
- 2.3.2 Pragmatische Situation und semantische Differenzierung
- 2.3.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerung
- 3. Was heißt zeln im Mittelhochdeutschen?
- 3.1 Die Artikelstrukturen im »Benecke/Müller/Zarncke« und im »Lexer«
- 3.2 Auswertung der Belege
- 3.2.1 Quantifizieren
- 3.2.2 Mitteilen
- 3.2.3 Zuschreiben
- 3.3 Zusammenfassung und Einordnung
- 3.3.1 Semantik
- 3.3.2 Syntax
- 3.3.3 Pragmatik
- 3.3.4 zeln im Sinnbezirk des kommunikativen Handelns
- 3.3.5 Zur Medialität der Zahl
- IV. Zuteilen - zählen - zahlen. Legitimation und Operationalisierung von Kerbholznotationen
- 1. Philologischer und archäologischer Befund
- 1.1 Wie spricht man über das Zählen auf Kerbhölzern?
- 1.1.1 Bezeichnungen und Funktionsspektrum von Kerbhölzern im Spätmittelalter
- 1.1.2 Bezeichnung und Zeichentypus von Kerbreihen
- 1.2 Die Gestalt der überlieferten Objekte
- 1.2.1 Früheste Kerbhölzer aus der Bronzezeit
- 1.2.2 Mittelalterliche Kerbhölzer 800 bis 1400
- 1.2.3 Englische exchequer tallies und spätere kontinentaleuropäische Kerbholztypen
- 1.3 Zeichen jenseits der Differenz von Bild, Schrift und Ziffer
- 1.3.1 Die formalen Verwandten im Manuskript
- 1.3.2 Die funktional und formal verwandten Zeichen auf Objekten
- 1.4 Zusammenfassung und Einordnung in die Forschung
- 1.4.1 exchequer tallies
- 1.4.2 Holzurkunden der Schweiz
- 1.4.3 »Une enquête sur la taille«
- 1.4.4 Neuere Beiträge
- 2. How to do things with notches
- 2.1 Modalitäten der Güterübertragung zwischen Kult und Kode
- 2.1.1 Eigentum übertragen: die festuca notata
- 2.1.2 Das Verblassen des Sakraments: Andreas Heuslers Theorie zur Genese des Kerbholzes
- 2.1.3 Zusammenfassung
- 2.2 Zählungen operativieren
- 2.2.1 Vom Zuteilen zum Zählen: das Tennenbacher Güterbuch
- 2.2.2 Vom Zählen zum Zahlen: Kerbhölzer im Nord- und Ostseehandel
- 2.2.3 Zusammenfassung
- 2.3 Zählungen autorisieren
- 2.3.1 Die Kodierung der exchequer tallies
- 2.3.2 Die Geltung kultisch erneuern
- 2.3.3 Zusammenfassung
- 3. Kerbhölzer als protoschriftliche Medien und die Anfänge der Operationalisierung im Bereich der Mündlichkeit
- 3.1 Schriftzeichen vs. Kerbzeichen
- 3.2 Kerben schreiben
- 3.3 Integration von Wort- und Sachgeschichte
- Schluss
- Ergebnisse
- Offene Fragen
- Bibliographie
- Handschriften
- Textausgaben
- Forschungsliteratur
- Abbildungsverzeichnis
- Register
- Back Cover
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