
Unfug
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Ute Weber ist viele Thinktanks. Ein Vorwort von Peter Breuer
Unfug. Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern
1. Über das Leben mit Worten und Büchern
2. Liebe. Auch nur ein Wort
3. Unfug. Eine Anleitung zum Glücklichsein
4. Beobachtungen. Die Welt da draußen
5. Twitter und andere Netze. Die Welt da drinnen
6. Nostalgie. Jetzt schon an die Alterssicherung der Erinnerungen denken
7. Filme und andere Märchen
8. Wortspielereien
9. Tiefe Gedanken. Gerne auch in seichten Gewässern
10. Letzte Fragen der Menschheit
11. Gespräche. Eine Chronik der Missverständnisse
12. Aus dem Tagebuch
13. Storys. Shorter geht's nicht
14. Essen und Trinken. Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens
15. Weisheiten sind das neue Schwarz
16. Positives Denken. Wir üben noch
17. Nichts als die Wahrheit. Subjektiv objektiv
18. Dahingesagt. Oder auch dorthin
Die Original-Tweets
Ute Weber über Ute Weber
Ute Weber bei Frohmann
Impressum
1. Über das Leben mit Worten und Büchern
Jeder Tab ist ein neuer Anfang.
Bringe es nicht übers Herz, die Tastatur abzusaugen. Wer weiß, wie viele Wörter in die Ritzen gefallen sind.
Ein guter Autor bricht ständig das Urheberrecht der unausgesprochenen Gedanken seiner Leser.
Meine ideale ökologische Nische wäre ein Erkerfenster mit gepolsterter Lesebank in einem alten Haus am Meer.
Schade, dass sich der liebliche Begriff »Körperendstummelschoner« nicht gegen das schnöde Wort »Socken« durchsetzen konnte.
Lasse meiner Phantasie freien Lauf. Jetzt noch einmal ums Gedankengebäude und dann ab in den Text.
In Wartezimmern erschrecke ich gerne unschuldige Menschen, indem ich ein Notizbuch hervorhole, sie abwechselnd anstarre und eifrig schreibe.
Liebe Journalisten, das Wort »hochdramatisch« ist zu lasch und sollte unbedingt zu »höchstdramatischst« gesteigert werden.
In Wartezimmern erschrecke ich gerne unschuldige Menschen, indem ich ein gebundenes Buch hervorhole und lese. Wenn sich der erste Tumult gelegt hat und die Tränen der Aufregung getrocknet sind, kommen vereinzelt mutige Kinder und berühren es.
War gerade im Wald. Mag Bücher auch, wenn sie noch eine Rinde haben.
Schönes Wort: »gemächlich«. Beim Benutzen auf der Zunge zergehen lassen.
Wollte eigentlich Missstände aufzeigen, kann aber jetzt nicht aufhören, das Wort anzustarren.
Gestern Nacht von der Muse geküsst. Heute Herpes und ein Kratzen im Hals. Möchte nicht wissen, wo die sich immer so rumtreibt.
Liebe Nutzer von Beratersprech, das Einzige, was sich gegenseitig befruchtet, sind Schnecken.
Ich kann meine Bücher nicht sortieren, weil ich immer zu lesen anfange, sobald ich sie in die Hand nehme. Und das ist gut so.
Schwülstig schwangen die wulstigen Schwingen der Finsternis schwarzschimmernd die dräuende Dunkelheit über die grausigen Nachtgedichte.
Ach, Rechtschreibkorrektur, »low hanging fritz« ist nicht ganz dasselbe wie »low hanging fruits«. ... Aber auch ein hübsches Bild.
Die Nacht presst ihr schwarzes Gesicht gegen die Fenster, aber eigentlich ist es nur dunkel und das Metaphernmaschinchen hat Schluckauf.
Der Buchmarkt sucht Frisches, Unverbrauchtes? Werde ein Jahr lang einen Emu bei seiner Selbsthäutung auf einem Asteroiden begleiten.
Baue mir jetzt ein Floß aus biegsamen Sätzen und lasse mich auf dem Gedankenfluss über die Datumsgrenze treiben.
Manchmal stelle ich mir vor, wie Thomas Mann acht Stunden pro Tag als alleinerziehender Vater von drei brechdurchfallenden Kindern Roman geschrieben hätte.
Flüchtigkeitsfehler. – Schönes Wort, öfter benutzen.
Rezensionen über Romane fallen schwer, weil das Lesen ein intimer Akt zwischen der Phantasie des Autors und des Lesers ist.
Jedesmal, wenn jemand erzählt, dass er geschockt sei, zücke ich meinen Taschendefibrillator und biete ihm die nächste Runde aufs Haus an.
Definiere Deutsch: Eine Sprache, in der auch erklärte Pazifisten gerne Stellung beziehen, Wortgefechte aus– und dabei den Sieg davontragen.
Mag das Lesen mit dem E-Book-Reader. Und irgendwann lern ich, dass man ihn nicht aufs Gesicht legen muss, damit es nicht verblättert.
Todsünden der Literaturkritik: 1. Eine subjektive Meinung als objektive Wahrheit verkaufen.2. Autor & Erzähler verwechseln.Viel bleibt nicht übrig.
Ich möchte nicht in einer Welt leben, lieber in zweien. Bis der Warpantrieb serienreif ist, lässt sich das ganz gut mit Büchern bewerkstelligen.
Beckett-Inszenierung in der IKEA-Warenausgabe:
Estragon: »Komm, wir gehen!«
Ich: »Wir können nicht.«
Estragon: »Warum nicht?«
Ich: »Wir warten auf 481.«
Estragon: »Ah!«
Bauarbeiter ratlos: Presslufthammer kaputt. Habe ihm einen aufrüttelnden Roman in die Hand gedrückt.
Ein guter Autor denunziert seine Figuren nicht. Gilt auch für Nicht-Autoren und reale Menschen.
»But when relaxing in bed, I want something, you know, Haptisches«, sagte die Dame im Gespräch über E-Books, ihr britischer Verlagskollege nickte wissend.
Bei dem Wort »Haushaltsauflösung« an Säure denken und lächeln.
Schriftsteller, die besorgte Ernährungsbücher verfassen, anstatt sich ordentlich zu Tode zu saufen, vermitteln der Jugend ein falsches Berufsbild.
Es gibt kein besseres Zeichen für die Lebendigkeit einer Sprache als das wortgewaltige Beklagen ihres Untergangs. – Sprachen sterben leise.
Wenn alle Stricke reißen, werde ich mTAN-Texter. Habe mal was für meine Bewerbung geschrieben. Wie findet ihr MJ7BWQ?
Man weiß innerhalb einer Minute, ob der Hörbuchsprecher das Lieblingsbuch vorlesen darf oder sofort abgewürgt wird, damit nichts kaputtgeht.
Wenn man Tiefempfundenes herauszieht und niederschreibt, sieht es meistens vereitert aus.
Aus der Reihe: Wie Tippfehler, wenn auch nur kurz, Ihr Leben verschönern: »Auf welche Wiese möchten Sie gerne sterben?«
Vergessene Berufe: Schiffschaukelbremser, Unwesentreiber, Zeitraffer, Halsabschneider, Ränkeschmied, Unkenrufer, Mäusemelker.
Wenn man sich nur in die wirkliche Welt verlieben könnte wie in die erfundene Welt eines Buches.
Das Einzige, was ich bei einem Romanautor nackt sehen will, ist die Sprache.
Der Tod einer Geschichte ist, wenn man bei Seite 12 nach hinten blättert, um herauszufinden, wie viele Seiten das Buch hat.
Das papierlose Büro ist zum Scheitern verurteilt, weil es keinen befriedigenden Ersatz für das Zerknüllen von Zetteln bietet.
Pubertäts-Tagebücher oder: Die unerträgliche Niedlichkeit des Schreibens.
»Warum hast du so viele Bücher gelesen?«
»Ich war jung und brauchte die Welt.«
Immer wenn ein Kritiker schreibt, dass ein Text eine unglaubliche Wucht habe, bucht ein erfolgloser Autor einen Termin beim Reifenhändler.
Wenn ich nicht twittere, bin ich in meiner Drittvilla in Lugano und arbeite konzentriert an meinem Roman. Oder putze hier das Klo.
So mancher Autor bekommt vom Vortragen seiner Werke schwulstige Lippen. Wird von den Kassen als Berufskrankheit anerkannt.
Überschwang. Wahrscheinlich auch nur ein Dorf im Allgäu.
Wie erkennen sich Hardcore-Intellektuelle im Zug? Sie lesen Hardcover-Bücher, die niemals als Taschenbuch erscheinen werden.
Wenn ein Roman als großer Wurf angekündigt wird, kann es auch sein, dass der Mülleimer einfach ziemlich weit weg steht.
Wie viele Romane wohl nie geschrieben werden, aus der nackten Angst heraus, sie würden erfolgreich und mit Veronica Ferres verfilmt.
Das Leben schreibt die besten Geschichten. Sitzt aber jetzt hier kleinlaut neben mir und hat Schreibblockade. Hab ihm Kafka zu lesen gegeben, ist euch doch recht?
Buchmesse am Samstag oder: Wenn die Zahl der menschlichen Weichteilkontakte die der Buchberührungen übersteigt.
»Ich plagiiere nicht. Ich kann...
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