
Troubadour
Description
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Bruno steckt mitten in den Vorbereitungen für das alljährliche Konzert in Saint-Denis – die Folkband Les Troubadours soll auftreten, die mit ihrem neuesten Hit "A Song for Catalonia" gerade in Spanien für Zündstoff sorgt. Hinweise auf einen geplanten Mordanschlag werden laut. Doch Bruno hat auch anderweitig alle Hände voll zu tun: Er ist zuständig für das Buffet eines Tennisturniers, ein Wildschwein wird über offenem Feuer gebraten, es wird gefeiert und geschlemmt – aber ist es Zufall, dass plötzlich vier junge Tennisasse aus Katalonien so viele Spiele für sich entscheiden?
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"Man hätte kaum eine Stunde in anregenderer Unterhaltung verbringen können als mit dem gebürtigen Schotten."
"Martin Walker schafft es, eine ruhige südwestfranzösische Landschaft zu kreieren, die man riechen und schmecken kann."
"Martin Walker versteht es blendend, Geschichte, Aktuelles, die politische Kultur Frankreichs und die ganz spezifische Denke der französischen Provinz immer wieder zu neuen spannenden Geschichten zu vermengen."
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Content
Bruno Courrèges, Chef de police der kleinen französischen Ortschaft Saint-Denis und eines Großteils des Vézère-Tals, schaute spätabends mit seinem Basset Balzac noch einmal in seinem Garten nach dem Rechten, als das Handy an seinem Gürtel vibrierte. Er wollte eigentlich direkt danach zu Bett gehen, doch das Display zeigte an, dass es sein Freund Jean-Jacques, der Chef der Kriminalpolizei des Départements Dordogne, war, und Bruno hielt es für besser, den Anruf anzunehmen.
»Du bist noch wach?«, meldete sich die vertraute Stimme. »Gut. Ich bin gleich bei dir. Ich möchte dir etwas zeigen, und du verrätst mir, ob ich mir Sorgen machen muss.«
Commissaire Jean-Jacques Jalipeau war ein stämmiger Bär von Mann, unermüdlich, und ließ sich nie von seinen Pflichten ablenken, noch nicht einmal damals, als auf ihn geschossen worden war, während er versuchte, einen Straf?täter festzunehmen. Manche nannten ihn einen »f?lic der alten Schule«, womit wohl unter anderem gemeint war, dass er schlecht sitzende Anzüge trug, ein Päckchen Gauloises am Tag rauchte, selten seine Schuhe putzte und Journalisten weniger Achtung zollte, als diese mittlerweile erwarteten. Andererseits waren noch nie irgendwelche Übeltäter in Handschellen »zufällig« die Treppe hinuntergestürzt oder mit den Fingern in eine zuschlagende Autotür geraten. Kein einziges Mal hatte sich eine Frau aus seinem Team um eine Versetzung bemüht, und er weigerte sich, an den üblichen Revierkämpfen mit Gendarmen teilzunehmen oder über die Police municipale zu spotten.
Bruno ging ins Haus und räumte das Wohnzimmer auf. Er holte zwei Gläser aus dem Schrank und scrollte auf seinem Handy durch die jüngsten Regionalnachrichten, um eventuell einen Hinweis auf Jean-Jacques' unerwarteten Besuch zu finden. Ein paar Minuten später flammten die Scheinwerfer des großen Peugeot in der Zufahrt auf, und Bruno trat vor die Tür, um seinen Freund zu begrüßen. Josette, Jean-Jacques' Chauffeurin und rechte Hand, wendete im Hof und sprang aus dem Wagen. Jean-Jacques brauchte länger, um sich vom Beifahrersitz zu mühen. Er hielt einen kleinen Spurensicherungsbeutel in der Hand.
»Willkommen. Für eine Tasse Kaffee ist es jetzt wohl zu spät«, sagte Bruno. »Wie wär's mit Tee, Wein oder etwas Stärkerem?«
»Mir könntest du ein Glas von deinem selbst gemachten vin de noix einschenken, gewissermaßen Wein und eau de vie in einem«, antwortete Jean-Jacques. Josette bat um Mineralwasser.
Kaum hatten sie sich mit ihren Drinks im Wohnzimmer niedergelassen, warf Jean-Jacques Bruno den Plastikbeutel zu.
»Du bist doch ein alter Soldat und trägst das Croix de Guerre«, begann er in seiner typisch abrupten Art. »Was kannst du mir zu dieser Patrone sagen, abgesehen davon, dass sie vom Kaliber 12,7 × 108 Millimeter ist und am Patronenboden anscheinend russische Buchstaben eingraviert sind?«
Bruno hatte es tatsächlich geschafft, die Tüte aufzufangen, ohne seinen Drink zu verschütten. So sehr wie Jean-Jacques' Frage überraschte ihn dessen Zuversicht, dass er, Bruno, über alles Auskunft geben konnte, was mit Krieg, Waffen und militärischen Dingen im Allgemeinen zu tun hatte. Dann fiel ihm wieder ein, dass die Pflicht zu einem Jahr Militärdienst schon lange abgeschafft worden war. Auch Jean-Jacques, der nach einem Universitätsstudium den Polizeidienst angetreten hatte, waren solche Themen erspart geblieben. Von der Tradition aus der Französischen Revolution, der zufolge jeder französische Bürger sich als Soldat ausbilden lassen und bereit sein musste, für Frankreich zu kämpfen, war nicht viel übrig geblieben. Bruno wusste, dass moderne Waffentechnik und Kriegsführung einem Soldaten sehr viel mehr abverlangten, als ein Gewehr abzufeuern, ihm ein Bajonett aufzupflanzen oder eine Handgranate zu werfen. Doch manchmal bedauerte er den Verlust des Prinzips, nach dem jeder Bürger seinem Land eine Pflicht schuldig sei, und er fand es auch schade, dass der Sinn für Gleichheit und nationale Integration, der junge Männer beim Drill, in Kantinen und Kasernen zusammenschweißte, mehr oder weniger abhandengekommen war. Vermutlich, dachte Bruno, war er einer der wenigen Soldaten oder Veteranen, die Jean-Jacques überhaupt kannte.
»Das ist Munition für ein schweres Maschinengewehr sowjetischer Bauart. Sie wurde und wird zum Teil immer noch in der Luftabwehr eingesetzt, kann aber auch Körperpanzerung, Fahrzeuge und Gebäude durchschlagen«, erklärte Bruno und wog die Tüte mit der Patrone in der Hand. »Die Russen waren die Ersten, die sie auch an speziellen Scharfschützengewehren ausprobiert haben, mit Erfolg offenbar, denn es haben sich viele andere ein Beispiel daran genommen. Ein guter Scharfschütze kann mit einer solchen Patrone über eine Distanz von zwei Kilometern und mehr töten. Die Amerikaner haben eine ähnliche Patrone entwickelt, deren Hülse ist nur etwas kürzer.«
»Von so einem Ding bist du in Bosnien verletzt worden?«, fragte Jean-Jacques.
»Nein, dem Himmel sei Dank«, antwortete Bruno und wunderte sich wieder, wie wenig Jean-Jacques in Sachen militärischer Schusswaffen Bescheid wusste. »Ein solches Geschoss hätte mir das Bein und wahrscheinlich das halbe Becken weggerissen. Ich bin von einer Standardpatrone der NATO getroffen worden. Deren Kaliber ist nur etwa halb so groß. Aber auch die hat mich monatelang ans Krankenbett gefesselt. Verrate mir mal, woher du die Patrone hast.«
»Aus einem gestohlenen Auto, einem alten Peugeot, der nach einem Unfall verlassen aufgefunden wurde. Sie lag im Kasten für das Ersatzrad. Das Auto steckte im Graben neben einer kleinen Straße fest, die parallel zur N21 verläuft, nördlich von Castillonnès nahe Issigeac. Die Kennzeichen waren gefälscht. Wir versuchen jetzt, über die FIN mehr zu erfahren.«
»War ein anderes Fahrzeug in den Unfall verwickelt?«
»Nein, es ist mit einem Reh kollidiert und dann in den Graben gefahren, wobei es ein Vorderrad verloren hat. Das Reh ist tot. Vom Fahrer keine Spur. Wir glauben, dass es einen Beifahrer gab. Im Aschenbecher waren Stummel zwei verschiedener Zigarettensorten. Allerdings könnten die auch älter gewesen sein.«
»Ein professioneller Scharfschütze würde keine Kippen zurücklassen«, entgegnete Bruno. »War sonst noch was in dem Wagen zu finden?«
»Jedenfalls kein Gepäck und keine Papiere. Einer der Kollegen am Unfallort ist Jäger und behauptet, an einer alten Decke frisches Waffenöl gerochen zu haben. Es könnte also sein, dass der Besitzer der Patrone ein Gewehr bei sich im Wagen hatte. Und genau das macht mir Sorgen«, sagte Jean-Jacques. »Putain, du sagst, dass man mit einem solchen Ding über zwei Kilometer weit schießen kann?«
»So ist es, ja.« Bruno hatte gepanzerte Fahrzeuge gesehen, die von einigen wenigen dieser schweren Geschosse lahmgelegt worden waren. »Wer solche Munition mit sich führt, ist mit großer Sicherheit militärisch ausgebildet und verfügt auch über ein geeignetes Visier. Gewehre dieser Art werden normalerweise sorgfältig verwahrt, aber ich kann mir vorstellen, dass sie in Kriegsgebieten wie dem Irak, Afghanistan, der Ukraine oder Syrien - überall, wo sowjetische oder russische Waffen zum Einsatz kommen - im illegalen Waffenhandel auf?tauchen. Für solche Gewehre gibt's garantiert einen Markt.«
»Du meinst, Terroristen könnten sich dafür interessieren?«, fragte Jean-Jacques.
»Natürlich. Aber auch für die Unterwelt haben solche Waffen einen Wert. Oder sie wandern für viel Geld an passionierte Großwildjäger von Elefanten und Büffeln. Nicht auszuschließen wäre auch die Möglichkeit eines geplanten Attentats. Wahrscheinlich solltest du besser die Leute von der Sicherheit informieren, vielleicht auch die Militärpolizei.«
»Kannst du Genaueres über die Waffe sagen, mit der diese Munition abgefeuert wird?«
»Infrage kommen verschiedene Gewehrmodelle«, antwortete Bruno. »Sie sind allesamt sehr schwer, mit massiver Schulterstütze und einem über einen Meter langen Lauf mit speziellem Dämpfer für das Mündungsfeuer, ohne den einem der Rückstoß die Schulter brechen könnte. Die meisten Scharfschützengewehre sind einschüssig mit Kammerverschluss und einem festen Zweibein zur Auf?lage. In Amerika werden solche Waffen von Barrett hergestellt; es gibt auch eine kanadische Firma, deren Namen ich aber vergessen habe. Kalaschnikow und Dragunow in Russland, Snipex in der Ukraine, Zastava in Serbien .«
»Putain, Bruno, woher weißt du das alles?«
»Ich interessiere mich halt dafür, spätestens seit ich angeschossen worden bin«, antwortete er. »Als ich im Militärhospital lag, hatte einer der Psychologen die Idee, einen unserer Scharfschützen einzuladen, um sich mit mir darüber zu unterhalten, wie man mich unter Beschuss genommen hatte. Das war eine gute Therapie. Ich habe aufgehört, um mich und meine Verletzung zu kreisen, und über den Scharfschützen nachgedacht wie über ein intellektuelles Problem.«
»Wenn ich richtig verstanden habe, gibt es diese Munition auch für Maschinengewehre.«
»Ja. Die klassische Luftabwehr bei den Sowjets bestand darin, feindliche Flugzeuge durch Raketenbeschuss in eine niedrige Flugbahn zu zwingen und sie dann mit dem Sperrfeuer aus Dutzenden von Maschinengewehren zu durchsieben. Die irakische Division Medina setzte sich so gegen einen Angriff von amerikanischen Apache-Kampfhubschraubern zur Wehr. Einer der wenigen Erfolge der Iraki in diesem...
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