
Über Riesen und Zwerge
Tschechoslowakische Amerika- und Sowjetunionbilder 1948-1989
Darina Volf(Author)
Vandenhoeck & Ruprecht (Publisher)
1st Edition
Published on 11. September 2017
393 pages
978-3-647-31039-8 (ISBN)
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Waren Amerika- und Sowjetunionbilder in der sozialistischen Tschechoslowakei so einseitig und schwarz-weiß, wie ein erster Blick in die offizielle Zeitung der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSC) Rudé Právo vermuten lässt? Dieser Frage geht das Buch nach und analysiert visuelle und textuelle Repräsentationen der USA und der UdSSR in der tschechoslowakischen Öffentlichkeit von 1948 bis 1989 sowie ihren Wandel. Dabei zeigt es erstens, dass die KSC bei dem Versuch, eine polarisierte Sichtweise auf die beiden Länder zu etablieren, auf Schwierigkeiten stieß. Dazu zählten die Kontinuität von bestehenden Vorstellungen, die mangelnde Effektivität der Zensur, Zäsuren wie der Einmarsch des Warschauer Paktes 1968, aber auch das Misstrauen eines kleinen Landes gegenüber den Weltmächten - den »Riesen« wie es in einigen zeitgenössischen Debatten heißt. Zweitens liegt der Fokus auf den Funktionen der Amerika- und Sowjetunionbilder in tschechoslowakischen Debatten. Während die KSC die Bilder zur Legitimierung des Sozialismus und zur Delegitimierung der kapitalistischen Alternative einsetzte, verschafften sich verschiedene Akteure Handlungsspielräume, um von den offiziellen Bildern abzuweichen und ihnen andere Funktionen - darunter auch Kritik an Missständen in der Tschechoslowakei - zuzuschreiben. Damit hinterfragt die Arbeit die oft unterstellte passive Rolle der Gesellschaft im Staatssozialismus und leistet einen Beitrag zur Medien- und Kulturgeschichte der Tschechoslowakei.
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Series
Thesis
Doctoral thesis
2016
LMU München
Edition
Aufl.
Language
German
Place of publication
Göttingen
Germany
Illustrations
mit 33 Abb.
File size
9,29 MB
ISBN-13
978-3-647-31039-8 (9783647310398)
Schweitzer Classification
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Book
09/2017
1st Edition
Vandenhoeck & Ruprecht
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Author
Darina Volf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichte Ost- und Südosteuropas der LMU München.
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Series Editor
Dr. Martin Schulze Wessel ist Professor für die Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Münchner Sprecher der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien München-Regensburg und Erster Vorsitzender des Collegium Carolinum.
Ulf Brunnbauer ist Professor für Geschichte Südost- und Osteuropas an der Universität Regensburg, Regensburger Sprecher der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien und geschäftsführender Direktor des Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS), Regensburg.
Content
- Intro
- Title Page
- Copyright
- Table of Contents
- Body
- 1. Einleitung
- 1.1 Einführung und Überblick über die tschechoslowakischen Amerika- und Russlandbilder vor 1948
- 1.2 Fragestellung, Aufbau und Quellenbasis
- 1.3 Theoretische und methodologische Überlegungen zur Imagologie, Wissenssoziologie und Diskursanalyse
- 1.4 Forschungsstand
- 2. 1948-1956: der Wettstreit um die »richtigen« Bilder
- 2.1 Die kommunistische Machtübernahme von 1948: Kontinuitäten und Brüche mit der Dritten Tschechoslowakischen Republik
- 2.2 Die Widerlegungsversuche der »Amerikamythen«
- 2.2.1 Der sowjetische Antiamerikanismus im tschechoslowakischen Kontext
- 2.2.2 Aufräumen mit »falschen« Vorstellungen über die amerikanische Technik, Kultur und Wissenschaft
- 2.2.3 »Wir und sie«: polarisierte Darstellungen des Sozialismus und Kapitalismus als Mittel zur Legitimierung der kommunistischen Herrschaft
- 2.3 »Die Sowjetunion - unser Vorbild«
- 2.3.1 Das »demokratischste« System der Welt: Sowjetunionbilder als Argumente für das kommunistische Demokratieverständnis
- 2.3.2 Die UdSSR als Spiegelbild der sozialistischen Zukunft
- 2.4 »Hitlers Erben«: das Feindbild Amerika
- 2.4.1 Die Übertragung des Feindbildes der Deutschen auf die USA: Amerika als eine Gefahr für die Tschechoslowakei
- 2.4.2 »Marshallisierung«: Amerika als Gefahr für die Freiheit der Völker
- 2.4.3 Die Berichterstattung über den Koreakrieg: Amerika als Gefahr für den Weltfrieden
- 2.5 »An der Seite der Sowjetunion sind wir nicht mehr klein und schwach«
- 2.5.1 Bilder der tschechoslowakischen Kleinheit und der sowjetischen Größe zum Zwecke der Legitimierung der kommunistischen Außenpolitik
- 2.5.2 Die Herstellung der Kontinuität der östlichen Orientierung im Rückgriff auf panslawistische Traditionen
- 2.5.3 Der Monat der tschechoslowakisch-sowjetischen Freundschaft: Inszenierung der Freundschaft und Popularisierung der UdSSR
- 2.6 Zusammenfassung: die Umkehrung der Vorstellungen und Deutungen der Vorkriegszeit
- 3. 1956-1969: der Weg zur Pluralisierung der Bilder und zurück
- 3.1 Von der Destalinisierung zur Normalisierung: die Suche nach Auswegen aus innen- und außenpolitischen Krisen und das Ende der Hoffnung
- »Oft waren wir sowjetischer als die Sowjets«: die Kritik am sowjetischen Vorbild und der Weg zum tschechoslowakischen Sozialismus
- 3.2.1 Neue Freiräume zur Kritik am offiziellen Sowjetunionbild nach 1956
- 3.2.2 Von der Kritik an der Übernahme der sowjetischen Vorbilder zum eigenständigen tschechoslowakischen Sozialismus
- 3.2.3 Die Angst vor einem Eingriff der UdSSR in Folge der Reformbemühungen
- 3.3 »Die Freundschaft ist beendet«: tiefe Risse im tschechoslowakisch-sowjetischen Verhältnis nach dem Einmarsch des Warschauer Paktes
- 3.3.1 Der Zerfall der tschechoslowakisch-sowjetischen Freundschaft
- 3.3.2 Der Beginn des Umdeutungsprozesses: aus der Okkupation wird Bruderhilfe, aus Opfern Konterrevolutionäre
- 3.4 »Amerika - unser Vorbild?«
- 3.4.1 ». aber wir lynchen die Schwarzen nicht«: Erklärungsnöte des kommunistischen Regimes
- 3.4.2 »Geben wir der Jugend Winnetou zurück!«: Das Interesse der Jugend an Amerika
- 3.4.3 Die Übernahme »einiger Erfahrungen« aus den kapitalistischen Ländern
- 3.4.4 Das Ende der Zensur und die Kritik an »alten Wahrheiten« über die USA
- 3.5 Zusammenfassung: »Der amerikanische Zwerg ist etwas größer als der sowjetische«
- 4. 1969-1989: die lange Agonie der offiziellen Bilder
- 4.1 »Geschichte des Nichts« und der Zusammenbruch des Regimes
- 4.2 Der Rückgriff der »Normalisierer« auf die Amerika- und Sowjetunionbilder der Gottwald-Ära
- 4.2.1 »Keine friedliche Koexistenz, kein Zurückweichen, keine Kompromisse«
- 4.2.2 Beseitigung des »Antisowjetismus«
- 4.3 Die Kluft zwischen offiziellen Bildern und Bildern der Gesellschaft
- 4.3.1 Die Grenzen des politisch-erzieherischen Anspruchs in den Medien
- 4.3.2 »Subversive« Aktivitäten der Gesellschaft
- 4.3.3 Die unkontrollierte Öffentlichkeit im Samisdat: die Mitteleuropadiskussion
- 4.4 Perestroika: die Erosion der »Normalisierungs«- Stabilität
- 4.4.1 Ist die Sowjetunion nun kein Vorbild mehr? Die Abgrenzung der KSC von der Sowjetunion als Mittel zum Machterhalt
- 4.4.2 Die Erweiterung der Spielräume für die Öffentlichkeiten
- 4.4.3 Amerika- und Sowjetunionbilder jenseits der ideologischen Grenzen: aus dem Samisdat in die legalen Medien
- 4.5 Zusammenfassung: das Auseinanderfallen des Deutungsgebäudes der KSC
- 5. Schlussbetrachtungen
- Dank
- Abkürzungen
- Bildnachweis
- Quellen- und Literaturverzeichnis
- I. Quellen
- Archivquellen
- Publizierte Quellen
- II. Literatur
- Personenregister
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