
Das Klima-Buch von Greta Thunberg
Description
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"Hört auf die Wissenschaft, bevor es zu spät ist!"
Greta Thunberg hat die Welt aufgerüttelt und tief bewegt. Mit dem Klima-Buch schafft sie nun ein unverzichtbares Werkzeug - für alle, die sich für die Rettung unseres Planeten einsetzen wollen.
Die Aufgabe scheint geradezu unmöglich: eine Zukunft für das Leben auf unserem Planeten zu sichern. So schnell und umfassend zu handeln wie noch nie zuvor. Und sich dabei gegen scheinbar übermächtige Gegner durchzusetzen - nicht nur gegen Ölmultis und Regierungen, sondern auch gegen das im Wandel befindliche Klimasystem selbst. Unsere Chancen stehen nicht besonders gut, und die Zeit läuft uns davon - aber es könnte alles auch ganz anders kommen.
Weltweit haben Expert:innen aus Geophysik, Mathematik, Ozeanographie, Meteorologie, Ökonomie, Psychologie und Philosophie ihr Fachwissen eingesetzt, um ein tieferes Verständnis der Krisen zu entwickeln, mit denen wir konfrontiert sind.
Greta Thunberg hat ihr Klima-Buch in Zusammenarbeit mit über hundert Wissenschaftler:innen zusammengestellt. Außerdem erzählt sie von ihren eigenen Erfahrungen, die sie sammeln konnte. Davon, wie sie das weltweit praktizierte Greenwashing aufgedeckt und somit gezeigt hat, wie sehr wir alle hinters Licht geführt wurden. Dies ist eines der größten Probleme unserer Zeit, aber - wie Greta sagt - zugleich auch unsere größte Hoffnung. Erst wenn wir alle das Gesamtbild kennen, werden wir auch handeln können. Wenn ein einzelnes streikendes Schulkind einen weltweiten Protest lostreten kann, was könnten wir dann gemeinsam alles erreichen?
In der heutigen Zeit zu leben - der entscheidendsten Zeit der Menschheitsgeschichte -, bedeutet, eine große Verantwortung zu tragen. Das Klima-Buch zeigt, dass wir gemeinsam das scheinbar Unmögliche schaffen können. Aber wir müssen es tun - und zwar jetzt!
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"Das Klima-Buch" behandelt alles, was man schon immer über Klimawandel wissen wollte, aber zu bequem oder zu feige war, zu fragen.
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Content
1.1
»Um dieses Problem zu lösen, müssen wir es zunächst verstehen«
Greta Thunberg
Die Klima- und Ökologiekrise ist die größte Bedrohung, mit der die Menschheit je konfrontiert war. Ohne Zweifel ist sie das Problem, das unser zukünftiges Alltagsleben prägen wird wie kein anderes. Das ist schmerzlich klar. In den letzten Jahren hat sich die Art und Weise, wie wir diese Krise wahrnehmen und darüber reden, zu verändern begonnen. Aber da wir so viele Jahrzehnte damit verschwendet haben, diese eskalierende Notlage zu ignorieren und herunterzuspielen, befinden sich unsere Gesellschaften noch immer in einem Zustand der Verleugnung. Schließlich leben wir im Zeitalter der Kommunikation, in dem das, was man sagt, ohne weiteres mehr Gewicht haben kann als das, was man tut. So kommt es, dass so viele Länder, die zu den großen Produzenten fossiler Brennstoffe - und zu den Verursachern hoher Emissionen - gehören, sich als führend in Klimafragen bezeichnen, obwohl sie keinerlei glaubwürdige Politik zur Abschwächung des Klimawandels betreiben. Es ist das Zeitalter der großen Greenwashing-Maschinerie.
Es gibt im Leben kein Schwarz und Weiß. Keine kategorischen Antworten. Alles ist eine Frage endloser Debatten und Kompromisse. Das ist ein Grundprinzip unserer heutigen Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die sich in Hinblick auf Nachhaltigkeit für vieles zu verantworten hat. Denn dieses Grundprinzip ist falsch. Manches ist durchaus schwarz oder weiß. Tatsächlich haben die Erde und die Gesellschaft Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Wir glauben beispielsweise, unsere Gesellschaften könnten ein bisschen mehr oder weniger nachhaltig sein. Aber langfristig können wir nicht ein bisschen nachhaltig leben - entweder wir leben nachhaltig oder nicht. Es ist, als ginge man über dünnes Eis - entweder es trägt das Gewicht oder nicht. Entweder man schafft es ans Ufer oder man bricht in tiefes, dunkles, kaltes Wasser ein. Und wenn uns das passieren sollte, gibt es keinen nahen Planeten, der uns rettet. Wir sind völlig auf uns allein gestellt.
Ich bin fest überzeugt, dass wir die schlimmsten Folgen dieser aufkommenden Existenzkrise nur abwenden können, wenn wir eine kritische Masse von Menschen zusammenbringen, die die notwendigen Veränderungen fordern. Damit das geschieht, müssen wir schnell Bewusstsein schaffen, denn noch immer fehlt es in der breiten Öffentlichkeit an grundlegendem Wissen, das notwendig ist, um die Notlage zu begreifen, in der wir uns befinden. Ich möchte Teil der Bemühungen sein, dies zu ändern.
Daher habe ich beschlossen, meine Plattform zu nutzen, um ein Buch zu den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammenzustellen - ein Buch, das die Klima-, Ökologie- und Nachhaltigkeitskrise ganzheitlich behandelt. Denn die Klimakrise ist selbstverständlich nur ein Symptom einer wesentlich umfassenderen Nachhaltigkeitskrise. Meine Hoffnung ist, dass dieses Buch zu einer Art Nachschlagewerk wird, um diese verschiedenen, eng miteinander verflochtenen Krisen zu verstehen.
2021 bat ich zahlreiche führende Wissenschaftler:innen, Expert:innen, Aktivist:innen, Autor:innen und Erzähler:innen, ihr jeweiliges Fachwissen beizutragen. Dieses Buch ist das Ergebnis ihrer Arbeit: eine umfassende Sammlung von Fakten, Geschichten, Graphiken und Fotos, die einige der unterschiedlichen Gesichter der Nachhaltigkeitskrise mit einem klaren Fokus auf Klima und Ökologie zeigen.
Es behandelt alles, von schmelzenden Eisschelfen und -kappen bis hin zur Wirtschaft, von Fast Fashion bis zum Artensterben, von Pandemien bis zu untergehenden Inseln, von der Waldrodung bis zum Verlust fruchtbarer Böden, von Wasserknappheit bis zur Souveränität indigener Völker, von der zukünftigen Nahrungsmittelproduktion bis zu Kohlenstoffbudgets - und es enthüllt das Handeln der Verantwortlichen und das Versagen derer, die den Bürgerinnen und Bürgern der Welt diese Informationen schon längst hätten vermitteln müssen.
Noch bleibt uns Zeit, die schlimmsten Folgen abzuwenden. Noch besteht Hoffnung, allerdings nicht, wenn wir so weitermachen wie bisher. Um dieses Problem zu lösen, müssen wir es zunächst verstehen - und begreifen, dass es definitionsgemäß aus einer Reihe miteinander verknüpfter Probleme besteht. Wir müssen die Fakten darlegen und sagen, wie es ist. Die Wissenschaft ist ein Instrument, und wir alle müssen lernen, es zu nutzen.
Zudem müssen wir einige grundlegende Fragen beantworten. Etwa: Was genau wollen wir als Erstes lösen? Was ist unser Ziel? Wollen wir die Emissionen senken oder weiter so leben können wie heute? Ist es unser Ziel, die Bedingungen für ein Leben auf der Erde jetzt und für die Zukunft zu bewahren oder an einer auf hohem Konsum basierenden Lebensweise festzuhalten? Gibt es so etwas wie grünes Wachstum? Und können wir auf einem endlichen Planeten ewiges Wachstum haben?
Gerade jetzt brauchen viele von uns Hoffnung. Aber was ist Hoffnung? Hoffnung für wen? Hoffnung für diejenigen von uns, die das Problem geschaffen haben, oder für diejenigen, die schon jetzt unter dessen Folgen leiden? Kann unser Wunsch, diese Hoffnung zu vermitteln, sich dem Handeln in den Weg stellen und daher Gefahr laufen, mehr zu schaden als zu nützen?
Das reichste eine Prozent der Weltbevölkerung ist für mehr als doppelt so viele Kohlenstoffemissionen verantwortlich wie die Menschen, die die ärmste Hälfte der Menschheit ausmachen.
Für die 19 Millionen US-Bürger:innen oder die 4 Millionen Chines:innen, die zu diesem oberen einen Prozent gehören - sowie für alle anderen, die ein Nettovermögen von über 10 055 337 $ besitzen -, ist Hoffnung vielleicht nicht das, was sie am dringendsten brauchen. Zumindest nicht objektiv betrachtet.
Globales Einkommen und zugehörige Emissionen aufgrund des Lebensstils
Selbstverständlich gibt es Fortschritte, hören wir. Manche Länder und Regionen melden eine recht erstaunliche Reduzierung der CO2-Emissionen - zumindest in den Jahren, seit die Welt erstmals die Rahmenwerke zur Handhabung unserer Statistiken ausgehandelt hat. Aber wie steht es um all diese Reduzierungen, wenn wir statt der sorgfältig manipulierten Landesstatistiken unsere Gesamtemissionen einbeziehen? Also all die Emissionen, die wir so erfolgreich aus diesen Zahlen herausgerechnet haben. Zum Beispiel durch die Verlagerung von Fabriken in ferne Erdteile und das Auslassen der Emissionen von internationalem Flug- und Schiffsverkehr in unseren Statistiken - was bedeutet, dass wir unsere Produkte nicht nur mit billigen Arbeitskräften und der Ausbeutung von Menschen herstellen, sondern auch die damit verbundenen Emissionen auslöschen - Emissionen, die in Wirklichkeit gestiegen sind. Ist das Fortschritt?
Um unsere internationalen Klimaziele einzuhalten, müssen wir unsere individuellen Pro-Kopf-Emissionen auf etwa eine Tonne Kohlendioxid pro Jahr senken. In Schweden liegt dieser Wert gegenwärtig bei etwa neun Tonnen, wenn man den Konsum von Importwaren einbezieht. In den USA liegt er bei 17,1 Tonnen, in Kanada bei 15,4 Tonnen, in Australien bei 14,9 Tonnen und in China bei 6,6 Tonnen. Nimmt man biogene Emissionen - wie die aus der Verbrennung von Holz und anderen Pflanzen - hinzu, sind diese Werte in vielen Fällen noch höher. Und in Forstwirtschaftsländern wie Schweden und Kanada liegen sie noch weit darüber.
Für eine große Mehrheit der Weltbevölkerung stellt es kein Problem dar, die Emissionen unter einer Tonne pro Kopf und Jahr zu halten, da sie - wenn überhaupt - nur bescheidene Reduzierungen vornehmen müssen, um innerhalb der Grenzen unseres Planeten zu leben. In vielen Fällen könnten sie ihre Emissionen sogar beträchtlich erhöhen.
Aber die Vorstellung, dass Länder wie Deutschland, Italien, die Schweiz, Neuseeland, Norwegen und so fort derart enorme Reduzierungen innerhalb von zwei Jahrzehnten ohne erhebliche Systemtransformationen erreichen könnten, ist schlicht naiv. Dennoch behaupten die Regierungschefs des sogenannten globalen Nordens, das werde passieren. Teil 4 dieses Buches untersucht, wie dieser Fortschritt vorankommt.
Manche glauben, wenn sie sich der Klimabewegung jetzt anschließen, seien sie die letzten. Aber das ist alles andere als wahr. Wer sich entschließt, jetzt aktiv zu werden, gehört tatsächlich immer noch zu den Pionieren. Der letzte Teil dieses Buches befasst sich mit Lösungen und Dingen, die wir tatsächlich tun können, damit wir einen Unterschied bewirken, von kleinen, individuellen Schritten bis hin zu einem weltweiten Systemwechsel.
Dieses Buch soll demokratisch sein, weil Demokratie unser bestes Mittel ist, diese Krise zu bewältigen. Zwischen den Autorinnen und Autoren, die von der vordersten Front schreiben, mag es subtile Unterschiede geben. Alle Mitwirkenden an diesem...
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