
Generation Z
Description
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"Arbeitsscheu", "Kuschel-Kohorte", "verwöhnt oder verwirrt", "radikale Egoisten" ... Das alles sind Beschreibungen für eine neue Generation, die langsam und unaufhaltsam auf uns zurollt - die Generation Z. Und nicht nur das, geradezu zombieartig steckt diese Generation auch andere Generationen an. Da machen sich zwangsläufig Unsicherheit und ungute Gefühle unsere Zukunft betreffend breit.
Die Generation Z, die bereits Schulen und Arbeitswelt erobert hat. Bei diesen ab Anfang 1990 Geborenen weicht das Wertemuster fundamental von den Einstellungen voriger Generationen ab. In seinem Buch beschreibt er gleichermaßen positive wie negative Effekte und will vor allem Wege zu einem gegenseitigen Verständnis aufzeigen.
Der Leser taucht ein in die Lebenswelt der Generation Z, die aufgewachsen ist mit Massenentlassungen und Zeitarbeit einerseits und ungerecht hohen Vorstandsgehältern andererseits. Es erscheint nachvollziehbar, warum die nächste Generation eine emotionale Bindung an Unternehmen und Verantwortung ablehnt. Für die Generation Z ist Arbeit nur ein Mittel zum Zweck, reduziert auf den Zeitraum zwischen 9 und 17 Uhr. Beruf und Privatleben sind strikt getrennt. So sind die Digital Natives nach Feierabend für den Chef auf ihrem Smartphone nicht mehr erreichbar.
Das Buch bietet aber mehr als die Beschreibung dieser "Next Generation". Christian Scholz regt auch zu einem generationenübergreifenden Dialog an: Andere Generationen können ihr Leben durch Übernahme einiger Gedanken der Generation Z bereichern und lebenswerter gestalten. Andererseits muss sich die Generation Z damit arrangieren, dass die volle Bandbreite ihrer Idealvorstellungen gesellschaftlich nicht tragbar ist. Damit erhöht sich die Chance auf ein künftig produktives Zusammenarbeiten und angenehmes Zusammenleben.
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Person
Bei Wiley sind von ihm bereits erschienen: "Spieler ohne Stammplatzgarantie" und "Hochleistung braucht Dissonanz".
Content
Vorwort 7
A Z wie Zombie: Eine neue Generation, die uns alle irgendwie doch betrifft 11
Was wir vom Umgang mit Zombies lernen können: Es bewegt sich was, wir merken es kaum, aber es ist da 11
Warum uns das Konzept »Generation« weiter hilft: trotz Kritikern, die Schubladen zumachen, bevor sie offen sind 14
Wieso die Generation Z uns alle fasziniert: zwischen unrealistischer Heroisierung und unfairem »Bashing« 19
Wo die empirische Basis liegt: Es gibt mehr Daten, als es den Anschein hat 28
Was wir von der Generation Z schon wissen: einige Antworten und viele Fragezeichen 30
Wo uns dieses Buch hinführen will: notwendiger Diskurs, versuchsweise Erklärungen und irritierende Vorschläge 39
B Das Leben der Generation Z: Der ganz alltägliche Wahnsinn 41
Helikopter-Eltern und abgehobene Politiker 41
Die verkorkste Bologna-Reform 48
Finanz-, Wirtschafts- und Europakrisen 55
Praktikum, Leiharbeit und Werkvertrag als Perspektive? 58
Winterkorns Millionen als »ethischer Kompass«? 63
Jenseits von Neil Postman: Medien als Realität 67
C Das Treffen der Generationen: Die Generation Z steckt andere an 73
Generation Z: Unterschätzte Relevanz 73
Generation Y: Zeitlich eng bei Generation Z, aber ganz anderer Hintergrund 75
Generation X: Inhaltlich eng bei Generation Z, aber ganz andere Konsequenzen 79
Babyboomer: Viel mehr als nur ein Altersunterschied 81
D Digital Natives: Die schöne neue Welt der ultimativen Wachstumsbeschleuniger 87
Der ideale Konsument: Gläsern und gutwillig 88
Der ideale Lebenspartner: Verlässlich und brav 93
Der ideale Mitarbeiter: »Always on« und immer informiert 96
Der ideale Arbeitsplatz: Kostengünstig und flexibel 100
Die ideale Arbeitswelt: Mit der Cloud und in der Cloud 103
E Generation Z als unbequeme Wirklichkeit: Worüber man lieber nicht sprechen möchte 107
Die Raupe Nimmersatt 107
Die militante Kuschelkohorte 117
Die digitalen Naiven 125
Das Weichei in der Hängematte 131
F Nachdenkpause und Standortbestimmung: Von der Raupe zum Schmetterling? 139
G Wo wir handeln könnten: Vorschläge für eine neue andere Lebenswelt 143
Wann arbeiten? Geregelte Arbeitszeit und geregelte Freizeit 143
Wo arbeiten? Unternehmen als klar abgegrenzte Zweitwohnung 153
Wie leben? Selbstdefinition auch durch Konsum 161
Wie arbeiten? Qualifizierung als ultimative Versicherung 167
Was arbeiten: Führung als notwendiges Übel 174
Womit arbeiten? Selektive soziale Medien trennen privat und dienstlich 182
Wofür arbeiten? Die Abkehr vom Leistungslohn und die Rückkehr der Sinnfrage 190
H Schluss 199
Anmerkungen 203
Personenverzeichnis 217
Stichwortverzeichnis 219
B. Das Leben der Generation Z: Der ganz alltägliche Wahnsinn
Um die Eigenschaften der Generation Z herauszuarbeiten, ist es hilfreich, sich die Einflüsse und die Umweltbedingungen näher anzuschauen, mit denen die junge Generation konfrontiert ist. Denn egal, von welcher Entwicklungstheorie man ausgeht: Immer werden Menschen von äußeren Bedingungen beeinflusst und von Schlüsselereignissen geprägt. So ist es - wie bereits skizziert - ein Unterschied, ob man die Ermordung von John F. Kennedy und die Mondlandung in seinem Gedächtnis mit sich trägt oder den Einsturz der Twin-Towers in New York und das erste YouTube Video von Justin Bieber. Gerade Jugendliche, die naturgemäß noch kein verfestigtes Bild von der Welt haben können und dementsprechend auch noch keine starren Antworten liefern, nehmen dementsprechend viele Impulse auf, verarbeiten sie alleine, im Freundeskreis und auch über die sozialen Medien, um dann ihre Konsequenzen daraus zu ziehen.
Helikopter-Eltern und abgehobene Politiker
Wenn Emily in den Medien Beschreibungen ihrer Generation wie "Kuschel-Kohorte", "Wollen die auch arbeiten?", "Verwöhnt oder verwirrt", "Zwischen Lust- und Leidensdruck" und "Vorbild Pippi Langstrumpf" liest, kann sie nur zustimmen: Emily ist ganz bewusst Vertreterin einer neuen Denkhaltung, die man mit "Generation Z" beschreiben kann. Und Emily ist stolz darauf.Fangen wir mit den Eltern an: Sie prägen. Vom ersten Blick des Babys an beginnt ein Ausrichten auf die Eltern. Diesen Vorgang der Prägung einschließlich der sukzessiven Abwendung gibt es bei den Tieren ebenso wie beim Menschen. Die Betreuung der Generation Z durch ihre Eltern entspricht dabei eher der Natur der Kaiserpinguine und Orang-Utans (intensive Betreuung) als der Natur von Schildkröten und Haien (wenig Betreuung).
Die behütete Generation
Anders als die Babyboomer, wird die Generation Z von ihren Eltern weitestgehend behütet. Egal ob Spielgruppe, Kindergarten, Schule, Ausbildung, Hochschule oder Berufseinstieg: Die Eltern der Generation Z kümmern sich intensiv um ihre Kinder. Dabei treten nicht nur ehrgeizige Mütter ("Eislauf-Muttis" oder im Englischen "Soccer-Moms") auf den Plan, sondern in einem Rund-Um-Sorglos-Paket immer mehr auch die Väter.
- - - - - - - - - - Als Helikopter-Eltern umschwirren Väter und Mütter ihre Generation Z, die das als gut empfindet. - - - - - - - - - -Bei den Babyboomern hatten die Eltern - sofern überhaupt beide in Erscheinung traten - weder Zeit noch Interesse daran, ihre Kinder umfassend zu beschirmen. Bei der Generation X hatten die Kinder absolut kein Interesse daran, auch nur im Entferntesten irgendwie mit ihren Eltern gesehen zu werden: Das wäre nur peinlich gewesen. Bei der Generation Y fehlte den Eltern der Bezug zur neuen digitalen Welt. Aber bei der Generation Z ist alles anders: Sie will behütet sein und sieht dieses Behütetwerden als Normalzustand an. Zudem spielen Eltern gerne diese Rolle: Sie wollen dabei entweder ihrem eigenen Leistungsstreben folgen (Generation Y) oder die Fürsorge nachholen, die sie selber nicht gespürt haben (Generation X). Eigentlich fehlen noch die Babyboomer als Helikopter-Großeltern, die mit ihren Enkelinnen zum Miley Cyrus Konzert gehen und ihnen das Popcorn kaufen.
Schön für die Generation Z ist eine Mutter, die beim Arbeitgeber ihrer eigentlich schon erwachsenen Tochter aus der Generation Z anruft und diese entschuldigt, weil sie wegen akuter Überforderung nicht zur Arbeit kommen kann. Inzwischen richten sich Unternehmen darauf ein, dass potenzielle Mitarbeiter ihre Eltern mitbringen: Sie sitzen nicht nur brav vor der Tür des Besprechungszimmers, sie wollen sogar mitsprechen. So berichtet das Wall Street Journal davon, dass Eltern nicht nur maßgeblich bei Bewerbungsschreiben helfen und zu Bewerbungsgesprächen (8 Prozent) mitkommen, allerdings nur im Ausnahmefall auch an den Gesprächen teilnehmen (3 Prozent)[1]. Später wollen im weltweiten Durchschnitt 8 Prozent der "Kinder" ihre Leistungsbeurteilung den Eltern zeigen und auch Jobangebote mit den Eltern durchsprechen (13 Prozent). Prominente Firmen haben inzwischen einen "Bring in your parents day" (LinkedIn), oder beispielsweise einen "Take your parents to work day" (Google).
- - - - - - - - - - Helikopter-Parents: Sie fliegen überall! - - - - - - - - - -Auch Hochschulen erleben immer mehr Eltern, die sich nicht nur damit zufrieden geben, ihre nicht-mehr-so-kleinen-Kinder zum Semesterbeginn abzuliefern: Sie wollen auch noch - am liebsten direkt mit den Professoren - mitbesprechen, was und wie ihre Schutzbefohlenen in Zukunft studieren sollten.
Wie stark die Helikopter-Eltern der Generation Z bereits an deutschen Hochschulen auftreten, zeigt ein ironisch gemeintes Hinweisschild der Universität Duisburg-Essen:[2] "Guten Tag liebe Eltern, hinter dieser Tür werden Ihre Fragen nur beantwortet, wenn Sie glaubhaft versichern können, dass Sie Ihrem studierenden Kind heute Morgen die Kleidungsstücke zurecht gelegt haben, die es gerade trägt. Sie ihm eine Frühstücksdose mit gesundem Inhalt in den Rucksack gepackt haben. Sie ihm beim Verlassen des Hauses den Reißverschluss an der Jacke zugezogen haben. Sie mindestens noch 30 Sekunden in der Haustür oder am Küchenfenster verfolgt haben, dass es auf dem Weg zur Universität nicht bummelt."
Diese Helikopter-Eltern sind zwar kein neues Phänomen, doch die Intensität, in der sie gegenwärtig gesichtet werden, nimmt radikal zu. Vieles davon hat mit der Angst vor einer Bedrohung zu tun, über die man immer mehr in den Medien liest, und die zumindest subjektiv in England sowie den U. S.A groß ist. Da geht es um Bombenanschläge sowie um Schießereien an Schulen und Universitäten. Gleichzeitig gibt es die Angst vor der ungewissen Zukunft. Gerade weil die Eltern vielleicht noch viel besser als ihre Kinder wissen, wie problematisch sich die Arbeitswelt der Zukunft entwickeln dürfte, versuchen sie mit allen Mitteln, Schutzschilde aufzufahren und bei Entscheidungen zu helfen. Das Ergebnis all dieser Bemühungen ist eine Umgebung, die immer perfekter und umfassender ausgestaltet wird, die aber gerade deshalb die Kinder nervös, ängstlich und unsicher macht. Genau das aber ruft die Helikopter-Eltern noch intensiver auf den Plan.[3]
Die Bloggerin Taga Kennedy-Kline beschreibt das Phänomen der Helikopter-Eltern als eine Welt, in der Kinder in "Bubble Wrap" (Noppenfolie) gepackt werden und nicht einmal mehr draußen spielen dürften beziehungsweise spielen könnten: [4] "Bubble-Wrap-Eltern wissen, dass ihr Kind auf eine rote Verkehrsampel achtet, weil das die klare Regel ist. Gleichzeitig schaffen sie den Wecker im Kinderzimmer ab, weil dieser den Kindern unnatürlichen Stress verursacht. Kinder dürfen auch nicht alleine auf der Straße spielen, weil hier das Verletzungsrisiko zu groß ist. Deshalb braucht es immer einen Trainer oder Schiedsrichter, der auf Regeln und Gleichbehandlung aufpasst. Auch das Spielen im Garten geht überhaupt nicht, wegen der Gefahr von Bakterien. Also: Spielen ohne Struktur und Schutz ist einfach zu bedrohlich für die perfekte Entwicklung des Kindes. Da sind Tablet-PCs und Smartphone besser."
Interessant ist im Übrigen die Fortführung dieses Textes, in der Taga Kennedy-Kline beschreibt, dass es in Europa Kinder gibt, die ganz ohne elektronisches Spielzeug auf der Straße spielen und dabei offenbar glücklich sind. Ob es sich dabei allerdings um einen empirisch gesicherten Zusammenhang handelt mit der Botschaft "Europäische Eltern erziehen anders" oder um eine versteckte Stereotypisierung, bleibt offen.
Insgesamt kann es nicht darum gehen, Eltern kollektiv und pauschal für alles das verantwortlich zu machen, was bei der Generation Z weniger rund und damit aus dem Ruder läuft. Denn die Generation Z genießt das Umsorgen und fordert es ein. Wie in der Tierwelt will die Generation Z nur ungern aus dem Nest gestoßen und zum Fliegen gezwungen werden.
Also: Die Generation Z wird wie keine andere Generation zuvor behütet, wobei der Generation Z dieser Zustand des Ver- und Umsorgtwerdens gefällt. Aus dem positiven Gefühl, so behütet zu werden, folgen das Bedürfnis nach permanenter Umsorgung und letztlich sogar ein vermeintlicher Anspruch darauf. Fehlt diese Umsorgung, an die sich die Generation Z derartig gewöhnt hat, reagiert die Generation Z mit Unverständnis und Unsicherheit.
Die politikfreie Generation
Prägend für die Generation Z ist aber nicht nur ihre Beziehung zu ihren Eltern, sondern auch zu Politikern. Aber keine Angst: An dieser Stelle kommt kein Politiker-Bashing, obwohl es dazu sicherlich genug Grund und ausreichend Anlass gäbe.
- - - - - - - - - - Prägen ist etwas anderes als "Vorbild sein": Politiker prägen oft, sind aber selten Vorbild. - - - - - - - - - -Nur sind leider...
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