
Kompetenz-Bildung
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"Im dritten und vierten Teil des Bandes findet sich eine Fülle von Beispielen für Entwicklungsmöglichkeiten von Bildungsprozessen sowie von konkreten Projektbeispielen, die für eine weiterführende Diskussion höchst anregend sind." tv diskurs, 02-2009"Die [...] Publikation erweist sich als hilfreich für den Fachdiskurs zur Kompetenz-Bildung an Schulen, insbesondere dann, wenn in diesen Prozess eingestiegen werden soll. [...] die Denkanstöße [können] für die Entwicklung, Entfaltung und Gestaltung dieser Prozesse unterstützend sein [...]." www.socialnet.de, 15.01.2009
"Eine wesentliche Bereicherung bilden die Praxisprojekte zur Kompetenzentwicklung, so etwa die Kompetenzentfaltung durch Mentoring [...]. Wichtige Denkimpulse liefert auch die Systematisierung der sozialen, emotionalen und kommunikativen Kompetenzen unter besonderer Berücksichtigung der folgenden Faktoren: Wissensgesellschaft, Globalisierung, demographischer Wandel und multiethnische Gesellschaft." Erziehungswissenschaft und Beruf, 03/2008
"Mit Blick auf die veränderten Bedingungen des Aufwachens entwickeln die Autor(inn)en theoretische Konzepte für jene Dimensionen der Persönlichkeitsentwicklung, die in der Rede über Bildungs-Kompetenzen bisher (zu) wenig im Blick waren, und sie machen dies an vielen Beispielen anschaulich und anregend vorstellbar." Pädagogik, 10/2008
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Dipl.-Päd. Marius Harring ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften der Universität Bremen.
Dr. Dipl.-Päd. Christian Palentien ist Professor für das Arbeitsgebiet "Bildung und Sozialisation" am Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften der Universität Bremen.
Content
Das eingangs beschriebene Humboldtsche Bildungsideal findet sich in der skizzierten Diskussion kaum wieder. Bildung ist in aller Munde, ja, doch sind es vor allem die mess- und vergleichbaren fachlichen Kompetenzen, die sog. "hard skills", die im Mittelpunkt des Interesses stehen. Dies erstaunt umso mehr, als in der schulischen Praxis nicht zuletzt vor dem Hintergrund bemerkenswerter gesellschaftlicher Veränderungen den überfachlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in zunehmendem Maße Bedeutung beigemessen wird - wie etwa die Einführung (und bisweilen kurz darauf folgende Wiederabschaffung) der umstrittenen Kopfnoten zeigt.
Unter "Bildung" aber wird gegenwärtig anderes verstanden. Der Begriff scheint verengt, und pointiert formuliert stehen die überfachlichen Kompetenzen im Dienst der fachlichen, Persönlichkeitsentwicklung geschieht nicht auch um seiner Selbst willen, sondern als Mittel zum Zweck, zur Erhöhung der Effizienz schulischen Unterrichts. Und das Bedürfnis, selbst diese messen, benoten und vergleichen zu wollen, entspricht dem Zeitgeist.
Gleichermaßen werden im öffentlichen Diskurs um die Anforderungen des Arbeits- und Ausbildungsmarkts an die Schulabsolventinnen und -absolventen neben Fachkompetenzen zunehmend auch die sog. "soft skills" in den Blick genommen: Teamfähigkeit, Kompromissfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Flexibilität, emotionale Belastbarkeit, (interkulturelle) Kommunikationsfähigkeit - dies sind nur einige der oft als "weiche Kompetenzen" bezeichneten Fähigkeiten und Fertigkeiten, an die, so heißt es, in einer veränderten Arbeitswelt erhöhte Ansprüche gestellt werden.
Hier rücken gegenwärtig vor allem Defizite - etwa von Auszubildenden - in den Blickpunkt insbesondere der medialen Berichterstattung wie bspw. mangelnde Gewissenhaftigkeit und Verantwortungsbereitschaft, nicht vorhandene Ausdrucksfähigkeit, Unpünktlichkeit, fehlende Motivation, unzureichende Teamfähigkeit etc. Die Stärken junger Berufsanfänger im Kontext ihrer überfachlichen Kompetenzen bleiben meist im Hintergrund verborgen.
Ob nun auf ihre Bedeutung für die hard skills, auf Benotung und Vergleich oder allgemein beklagte Inkompetenzen verengt, die Diskussion der soft skills ist noch immer eine Diskussion von Sekundärkompetenzen. In einer sich kontinuierlich wandelnden Gesellschaft, in der auch Fachkompetenz und allgemeines Wissen einem steten Wandel unterliegt und demgegenüber "weiche Kompeten- zen" von weit beständigerem Charakter zu sein scheinen (vgl. auch Franke in diesem Band), sollte Bildung nicht reduziert werden auf fachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern wieder Raum geben für die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit.
Hier schließt der vorliegende Band an und möchte die Diskussion um Bildung und Kompetenzen nicht verengt führen, sondern einen umfassenden, interdisziplinären und - dem Paradigma der aktuellen Bildungsdiskussion entsprechend - formale, informelle und non-formale Bildungsorte und -prozesse einbeziehenden Blick auf die überfachlichen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen in ihren wichtigsten Facetten eröffnen.
Eine Einbindung auch des Diskurses um fachliche Kompetenzen ist sowohl strukturell notwendig als auch inhaltlich sinnvoll, ohne allerdings die soft skills allein in ihren Dienst zu stellen. Persönlichkeitsentwicklung darf und muss stets auch Selbstzweck sein. Grundlegend für die Diskussion ist insbesondere Franz E. Weinerts Definition des Kompetenzbegriffs als "die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können" (Weinert zit. nach Klieme 2004).
Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Kompetenzbegriff "außerhalb der Linguistik (Kompetenz vs. Performanz) in den Sozialwissenschaften gegenwärtig nicht im Konsens definiert" ist (Lexikon Pädagogik 2007, 413).
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