
Zeichen und Zeit
Description
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"Zeichen und Zeit" benennt wesentliche Komponenten der Realitätskonzeption realistischer Literatur des 19. Jahrhunderts: Ihre Zeichenkonzeption wird an Texten ablesbar, die die Produktion und Rezeption von Bildwerken als gefährlich phantasieren und deren Ähnlichkeit mit dem Abgebildeten als eine Gewinn-Verlust-Beziehung konzipieren, in der das Bezeichnete an Leben verliert, was das Zeichen an täuschender Mimesis gewinnt. Realistische Mimesis droht im Extremfall, ihren Gegenstand zu tilgen und in der bloßen Realität der Zeichen zu münden. Damit verknüpft ist eine literarische Zeit- und Geschichtskonzeption, die sich mit dem semiotischen Problem konfrontiert sieht, motivierte Repräsentanten für absente Realitäten, für individuelle oder kollektive Vergangenheit zu (er-)finden. Dieser Zusammenhang wird als latente Problemkonstellation für ein größeres Korpus von Erzähltexten zwischen 1840 und 1910 - nicht nur für Künstlernovellen oder Geschichstromane - rekonstruiert. Exemplarische Analysen der semantischen Feinstruktur von Texten Storms, Fontanes, Sacher-Masochs u.a. werden dabei auf diskursgeschichtliche Erkenntnisinteressen verpflichtet. Daß der Realismus sprachliche gegen bildliche, metonymische gegen metaphorische Zeichen ausspielt und die Gefahren visueller Imagination permanent beschwört, erweist sich am Ende des Jahrhunderts als indirekte Selbstreferentialität der Literatur angesichts zunehmender Medienkonkurrenz: Am Beginn des Zeitalters des Film stößt realistische Literatur explizit an ihre psychologischen und phantastischen Grenzen.
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Content
- Intro
- Inhalt
- 1.Anmerkungen zur Selbstreferenz der Literatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: >Realistische< Epistemologie und historistisches >Dispositiv<
- 2. Zur impliziten Zeichenkonzeption des >Realismus<: Die Problematisierung von Visualität und Ikonizität
- 2.1. Visuelle Wahrnehmung und Zeichenbildung in Theodor Storm: Der Schimmelreiter (1888)
- 2.1.1. Rezeption und Produktion des Endverschrifters: Der Lektürebericht als >negierter Verlust<
- 2.1.2. Rezeption und Produktion des Erstverschrifters: Konkurrenz von Erzählen und visueller Wahrnehmung
- 2.1.3. Zur bedrohten Kohärenz von Zeit und Raum in Hauke Haiens Binnen-Lebensgeschichte: Probleme des >Sehens<
- 2.1.4. Strategien der Semiose I: Die Temporalisierung semiotischer Beziehungen
- 2.1.5. Strategien der Semiose II: Deichbau und Verschriftung
- 2.1.6. Similare Ko-Präsenz und kontige Zeichenbildung: Ein Resümee
- 2.2. Similare Zeichenbildung zwischen Substitution und Tilgung von >Realität<: Die ambivalente Funktion der Bilder
- 2.2.1. Diabolische Visualität und remotivierende Verschriftung: Das >Meretlein< in Gottfried Keller: Der grüne Heinrich (1879/80)
- 2.2.2. Probleme ikonischer Rezeption und Produktion: Die Funktion der Bilder in Theodor Storm: Aquis submersus (1876)
- 2.2.2.1. Re-motivierende Rezeption: Die Rahmenverschriftung
- 2.2.2.2. Zur Komplementarität von > Leben < und >Tod<: Die Binnengeschichte
- 2.2.3. Ikonische Phantasie und die Pathologie des Sehens: >Heilung< durch Zeichenbildung in Leopold von Sacher-Masoch: Venus im Pelz (1870)
- 2.2.4. Tod des Referenten statt Belebung von Bildern: Die historistische Problemlösung von Aquis submersus
- 2.2.5. Transformation und Substitution: Ein Resümee
- 3. Ko-Präsenz und Transformation - Absenz und Substitution. Problemerealistischen Zeichenbildung
- 3.1. Semiotische Motiviertheit und semiotische Funktionalität: Der Zielkonflikt >realistischer< Zeichenbildung
- 3.2. Verstöße gegen das Funktionalitätspostulat: Übermotiviertheit, Ko-Präsenzprobleme und Selbstwahrnehmung
- 3.3. Verstöße gegen das Motiviertheitspostulat: Funktionsdominanz und Absenzprobleme (Religiöser >Bildersturm< und Affektabwehr)
- 4. Das >historistische Dispositiv< und seine Strategien nicht-similarer Repräsentation
- 4.1. Innersemiotische Problemlösungen
- 4.1.1. Kontiguisierung I: Temporalisierung, Verräumlichung, Miniaturisierung
- 4.1.2. Die latente Similarität der Sprache: Ein exemplarischer Exkurs zur Funktion der Namen bei Fontane
- 4.1.3. Kontiguisierung II: Rezeptive und produktive Syntagmatisierung (>Wandern<, panoramatisches Sehen, Verschriftung)
- 4.2. Nekrosemiotische Repräsentation und ihre Probleme
- 4.2.1. Eigentliche und uneigentliche Mortifikationen I: Die Ambivalenz kontiger Zeichenbildung
- 4.2.2. Eigentliche und uneigentliche Mortifikationen II: Nekrosemiotische Kunst und die Probleme präsenter und absenter Realität
- 4.3. >Seele macht ähnlich<: Zur Internalisierung des >Sehens<
- 5. Schluß: >Träume über Resten<. Die implizite Aporie der >realistischen< Epistemologie
- Literaturverzeichnis
- 1. Primärliteratur
- 2. Sekundärliteratur
- Register
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