
Im Korridor
Absinth, Verführung und Poeten-Morde. Ein historischer Roman zwischen Berlin und Danzig um 1920
Ekkehart Opitz(Author)
Kadera-Verlag
1st Edition
Published on 18. August 2025
296 pages
978-3-948218-68-3 (ISBN)
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Der »Danzig-Korridor« teilt nach dem 1. Weltkrieg das Deutschen Reich, gibt Polen einen Hafen. Mit völkischem Effekt. Gelegenheitspoeten im Berlin der wilden 20er Jahre strebten in einem Café nach Ruhm und weiblicher Gunst, ertränken ihre Banalität in Absinth. Damian übersetzt kritische Verse eines polnischen Rebellen. Mit Zuhörerin Franziska kommt es zur Romanze.
Parallel gerät ein Mann in den Kreis der Münchener Thule-Bewegung, wird Mitglied. Später schreibt er für ein verschwörerisches Blatt in Berlin und in Erwartung seiner großen Aufgabe.
Mordfälle im Umfeld der Dichter deuten auf Gefahr für Damian. Als er in den »Korridor« reist, spürt er die Häscher. Auf einer Beerdigung treffen die Ansichten zu »Blut und Boden« hart aufeinander. Nach und nach entschlüsseln sich die gegensätzlichen Motive der handelnden Personen.
More details
Edition
Erstauflage
Language
German
Place of publication
Hamburg
Germany
File size
3,91 MB
ISBN-13
978-3-948218-68-3 (9783948218683)
Schweitzer Classification
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Ekkehart Opitz
Im Korridor
Absinth, Verführung und Poeten-Morde. Ein historischer Roman um 1920 zwischen Berlin und Danzig
Book
07/2025
1st Edition
Kadera-Verlag
€18.00
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Person
Author
Ekkehart Opitz, geboren 1967 in Hamburg, wuchs auf im kulturellen Umfeld Tübingens, jobbte bereits als Abiturient im Kulturverein »Club Voltaire« und absolvierte kulturelle Studien in Baden-Württemberg und Lüneburg. 1996 kehrte er nach Hamburg zurück und wirkt seither kreativ im Stadtteil St. Pauli. Unterstützt vom Goethe-Institut tourte er in den 90ern mit drei polnischen Musikern und der Performance »KettenSeele« über Polens junge Bühnen. Dabei entstanden viele Freundschaften - und die Idee zu diesem Buch.
ISNI: 0000 0005 2427 9832
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Content
Leseprobe
»Im Korridor« / Ekkehart Opitz
Gustav, der noch immer stand, richtete sich an Damian. »Hast du nicht eines von Bogumil zur Hand?« Und erklärte Franziska: »Sie müssen wissen, er ist die geheime Stimme Polens. Und unser Damian Reiber übersetzt ihn. Er kam gerade vor ein paar Tagen aus diesem >Korridor< zurück. Dort hat er mit ihm zusammengesessen.«
»Polnische Dichtung in deutscher Sprache - das ist originell. Wer ist dieser Bogumil? Ich habe noch nie von ihm gehört.«
Damian wollte Liebermann mit gezieltem Blick zum Schweigen bringen, doch der war schon voller Inbrunst dabei, sein Wissen in die Waagschale zu werfen. »Bogumil ist die Volksstimme da drüben. Er hat die Seele der Leute erreicht. Seine Gedichte richten sich gegen die große Zerrissenheit, die fehlende Identität. Er erinnert sie daran, was ihre Seele ausmacht, und das immer sehr treffend umschrieben. Die Polen sind eh ein lustiges Völkchen, wenn man sie lässt.« Er trank einen Schluck. »Es gab dann immer Heftchen mit seinen Gedichten in polnischer Sprache, die von einem zum anderen weitergereicht wurden. Wir wollten denen ja mit unseren Regeln ihre Sprache austreiben. Hat wohl nicht geklappt.«
Franziska nickte Damian aufmunternd zu: »Seien Sie doch so freundlich und tragen Sie etwas vor. Irgendetwas von diesem Dichter.«
Damian nahm widerstrebend ein abgewetztes Buch aus der Tasche und blätterte wahllos.
»Prophezeiung.
Was soll das - mein Danzig - werden.
Ein Hauf von Bauernlümmeln
zu deinen Schiffen will.
Sie kommen gepackt mit Pferden
und bringen mit den Müll.
Doch zu Recht, sie kehren heim,
wollen endlich ihre Seeluft kosten,
dazu einen Wodka, in sich rein,
der Stolz gepackt hat nun den Osten,
die Menschen kehren heim.«
»Sie haben es wunderbar gelesen.« Franziska schaute froh in die Runde. »Ich mag dieses andere Denken. Ihr Freund ist ein ehrlicher Schalk. Danzig werden die Bauern holen. Wie originell.« Sie nahm einen letzten Schluck aus der Teetasse und schon forderten die Gewürze den Durst heraus.
»Bringen Sie mir ein Glas Champagner.«
Die Russin, die hinter dem Tresen mit kleinen Münzen spielte, blickte auf. »Champagner gibt es nicht mehr, mein Fräulein. Das darf nur der Franzose so nennen. So wie er es schon mit dem Elsässer Riesling getan hat. Das geliebte Sprudelwasser heißt von nun an Secco.«
»Und der Cognac heißt jetzt Weinbrand«, vollendete Ferdinand.
»Gut aufgepasst, du kennst auch alle Verordnungen, die uns die Froschfresser aufbürden«, grölte Karl, der sichtbar gezeichnet von den vielen Tropfen, mit denen er seine Organe beschenkte, leer in den Raum stierte.
Gustav erhob die Hand und sprach.
»Eine treffliche Wahl, zumal jeder Schluck unsere Truppen wieder zu alter Stärke bringt. Der Kaiser hat's einst überlegt. Jede Agraffe, die wir verbiegen, um den Korken in die Freiheit zu lassen, macht uns zu einer großen Seemacht.«
»Ja, typisch, für den Krieg bezahlt der Deutsche gern, mit Steuern und seinen Söhnen.« Die Russin hatte ihr Wodka-Glas erhoben, trank dann aber nicht, sondern stellte es wieder vor sich ab.
»Revolution!«, schrie Stelios, tanzte ein paar Schritte durch den Raum, bis das Ploppen des Korkens ihn wieder an den Tisch zog. Auch die verstummten Damen des Nachbartisches nahmen wieder Tuchfühlung auf, begierig, auch etwas von dem Sekt zu bekommen, den einer der Kavaliere sicher bezahlen würde.
Die Gruppen vermischten sich. Die Wahrheit hatte die Literatur erneut mit ihrer Räudigkeit besiegt. Die Männer poussierten mit den Weibern und das Gefühl eines echten Erlebnisses hakte sich in den Gemütern fest. Der dritte Flakon Absinth war mittlerweile auf dem Tisch und die Zeremonie mit dem Zuckerlicht war durch gieriges Mischen und Trinken ersetzt geworden.
Das ewige Aufstehen und Setzen führte Franziska irgendwann neben Wojtek. Vorsichtig stieß sie mit ihm an. Das machte ihn redselig.
»Ich weiß, ich glotze Sie einfach an, aber ich mag es so. Eine Frau sollte immer wissen, dass sie von dem begehrt wird, den sie nicht anfassen will. Denn der Schimmelpilz ...prinz kommt doch sowieso nie.« Tief röchelte es in seiner Lunge und Wojtek musste zweimal husten, ehe der Auswurf sich erwartungsvoll auf seine Zunge legte. Er wollte kurz weitersprechen, brach aber ab. Aus seiner abgeschabten Hose zog er ein verklebtes Taschentuch, dessen Knitter an vielen Stellen schon steif waren. Er spuckte hinein und ließ es wieder unter dem Tisch verschwinden.
»Wissen Sie was, Fräulein, ich spucke drauf. Egal, auf was Sie hier auch aus sind. Ja, was wollen Sie eigentlich hier bei uns? Bücher lesen können Sie auch zu Hause und das Körperliche bekommt doch hier keiner mehr hin. Der Krieg hat alle entmannt.«
»Auch den Griechen?« fragte Franziska spitz.
Wojtek lachte widerlich. »Der kann gar nichts anderes. Hahaha.« Dann röchelte er wieder neuen Körperdreck herbei.
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